„Wir können alles. Außer klimatisieren“ – Ziel: 20 Grad für Alle

Deutschland schreibt Hitzeschutzpläne, statt Klimaanlagen zu installieren. Die Professoren André Thess und Sabine Enders haben eine Petition eingereicht. Bis 2028 soll das „20-Grad-Ziel“ gelten: Kein Raum dürfe gegen den Willen seiner Nutzer wärmer als 20 Grad werden.

picture alliance/dpa/MAXPPP | Franck Kobi

„Wir können alles. Außer klimatisieren“. Unter diesem Motto haben die Professoren André Thess von der Universität Stuttgart und Sabine Enders vom Karlsruher Institut für Technologie eine Petition beim baden-württembergischen Landtag eingereicht. Sie fordern, innerhalb von zwei Jahren sämtliche Schulen, Kindergärten, Kliniken, Pflegeheime, Universitäten und sonstigen öffentlichen Gebäude mit Klimaanlagen auszustatten. Bis 2028 solle das „20-Grad-Ziel“ gelten: Kein Raum dürfe gegen den Willen seiner Nutzer wärmer als 20 Grad werden.

André Thess weiß, wovon er spricht. Er ist Professor für Thermodynamik und Leiter des Lehrstuhls für Energiespeicherung an der Universität Stuttgart und gehört zu denjenigen, die den „Hitzeschutzplan für Gesundheit des BMG“ gelesen haben. Gefunden hat er darin zehnmal das Wort „Klima“, aber kein einziges Mal das probate Mittel gegen zu viel Hitze: „Klimaanlage“.

Er empfiehlt die flächendeckende Installation von „Kaltdampf-Kompressionskältemaschinen“, besser bekannt als Klimaanlagen. Dann könnten Schüler die Klassenräume auch in den Ferien zum Lernen nutzen, anstatt Sommerurlaub in „hochgefährlichen Ländern Spanien, Italien und Frankreich“ zu machen. Dort sind Temperaturen wie sie derzeit bei uns herrschen, Alltag – ohne dass es dort zu „Hitzetoten“ kommt.

Thess verweist auf Singapurs ehemaligen Premierminister Lee Kuan Yew, der das Geheimnis des wirtschaftlichen Erfolges des heißen und schwülen Stadtstaates Singapur erklärte: Die Erfindung der Klimaanlage. Die erst ermöglichte die Entwicklung in den Tropen. Ohne Kühlaggregate konnte man nur in den frühen Morgenstunden oder am Abend arbeiten. Seine erste Amtshandlung bestand darin, Klimaanlagen in öffentlichen Gebäuden zu installieren. Dies war der Schlüssel zu einer effizienten Verwaltung, die in tropischer Hitze kaum etwas ausrichten konnte.

Hierzulande in den gemäßigten Breiten klingen die offiziellen Zahlen dramatisch und das sollen sie auch. Das Robert Koch-Institut schätzt die Zahl der hitzebedingten Todesfälle in Deutschland bis zur 28. Kalenderwoche 2026 bereits auf rund 7.900. Besonders gefährdet sind alte, kranke und pflegebedürftige Menschen. Gut, was wir vom Robert-Koch-Institut und dessen Wahrhaftigkeit zu halten haben, wissen wir seit Corona.

Doch auch das Arbeitsschutzrecht erkennt die Belastung an: Ab 26 Grad Raumtemperatur sollen, ab 30 Grad müssen Arbeitgeber Schutzmaßnahmen ergreifen, also zum Beispiel Klimaanlagen anschaffen. Die allerdings sind hierzulande eher verpönt, während sie in Singapur und den meisten heißen Ländern in der ganzen Welt als Segen begriffen werden.

Dabei sind sie eine deutsche Erfindung aus früheren, besseren Zeiten, als Naturwissenschaften noch etwas galten. Prof. Carl von Linde begann ab 1873 mit der Entwicklung einer mechanischen Kältemaschine, die Ammoniak als Kältemittel nutzte. 1876 präsentierte er tatsächlich die erste funktionierende Kompressionskältemaschine. Auftrag- und Geldgeber waren: bayerische Brauereien, vor allem Spatenbräu in München, deren Inhaber Gabriel Sedlmayr großes Interesse an industrieller Kühlung hatte.

Carl von Lindes Erfindung revolutionierte nicht nur die Bierherstellung, sondern später auch die Lebensmittelkonservierung, Kältetechnik in der Medizin, Klimatisierung und sogar die Luftverflüssigung. Sie legte den Grundstein für den weltweiten Siegeszug der Kältetechnik, die sicherlich als die Erfindung bezeichnet werden kann, die weltweit am meisten Menschenleben gerettet hat. Es mussten keine verdorbenen Lebensmittel mehr gegessen werden. Klimaanlagen sind also der Schlüssel zu Gesundheitsschutz, Arbeitsfähigkeit – und Bildung.

Und was macht Deutschland? Hitzeschutzpläne schreiben, aber nicht einmal Ventilatoren in Klassenzimmern aufstellen oder Klimaanlagen in Altenheimen, bessere Belüftung in Schulräumen, Bauvorschriften für Hitzeschutz.

Die Petition von Thess und Enders setzt einen Kontrapunkt zur jahrelangen politischen Abneigung gegen aktive Kühlung. Klimaanlagen sind weder Luxus noch grundsätzlich Stromverschwendung. In besonders gefährdeten Einrichtungen können sie Leben schützen.

Die Petition in Baden-Württemberg wird zunächst auf ihre Veröffentlichung geprüft. Wird sie zugelassen, kann sie sechs Wochen lang mitgezeichnet werden. Bei mindestens 10.000 Unterstützern muss der Petitionsausschuss im Landtag in der Regel innerhalb von sechs Monaten eine öffentliche Anhörung durchführen.

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Kommentare ( 14 )

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Dr. Rehmstack
20 Tage her

Direkt an Fotovoltaik koppeln, wenn die aktiv ist, sollte auch die Klimaanlage aktiv sein, wenn nicht braucht es keine Kühlung.

Sabine Schoenfelder
20 Tage her
Antworten an  Dr. Rehmstack

Nur, wenn Sie eine Inselanlage betreiben…eventuell….ansonsten wird der Strom eingespeist und sie zahlen den aktuellen Strompreis für den Betrieb ihrer Klimaanlage….wenn sie den kleinen Gewinn durch „Eigenstrom“ mit den Investitionskosten der Anlage und einem eventuellen Speicher verrechnen, werden Sie erkennen, daß es sich n i c h t lohnt. Außerdem besitzt nicht jeder ein eigenes Dach…..und,….in der Rheinebene, korreliert Hitze nicht unbedingt mit Sonneneinstrahlung.
Photovoltaik lohnt sich in Deutschland nicht.

fluffy_bird
14 Tage her

Ich kenne jemanden, der gerade auf einer Palliativstation liegt. Das Zimmer hat über 30°.

Ein Land in dem die allermeisten Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen über keine Klimaanlage verfügen und man die schwächsten und kränkesten Menschen wegen einer Klimareligion leiden lässt, hat den Titel menschenverachtend wohl verdient. Und damit meine ich Deutschland. Bei uns opfert man auf dem Altar des Klimagottes Menschenleben. Tausende. Viele Tausende.

anita b.
20 Tage her

Ich bin froh,cwenn es 25 hat u d ich muss nicht heißen. Das k3tze , was ich brauche , ist eine Klimaanlage.

Sabine Schoenfelder
20 Tage her

Früher war es mindestens genau so heiß und in Autos, Geschäften, Banken, etc…gab es k e i n e Klimaanlagen. Wir gewöhnten uns an unsere deutsche Hitze, die meist nur kurze Zeit anhält, und richteten mit Klappläden, Hitzefrei in Schulen, heruntergelassenen Autofenstern unser Leben nach dieser Wärme aus…….… die, im Gegensatz zu mindestens 80 anderen Ländern der Erde wie Griechenland, Spanien, Türkei, arabische Halbinsel, Israel, ganz Afrika, Teile Amerikas von den USA bis Argentinien, 👉 gemäßigt ist…. Seit Jahren wird uns Wärme als lebensbedrohlicher Zustand verkauft, mit Milliardeninvestitionen, die wiederum Billionen für eine Besteuerung auf jedes Produkt der Erde generieren… Mehr

Stefan Frings
20 Tage her

In gewissen Institutionen sollten diese Pflicht sein, in allen Häusern muss es m.E. aber nicht sein, so viele heiße Tage haben wir gar nicht. Es kommt natürlich auch dann darauf an: In einer Großstadt am Rhein im Dachgeschoss ist es sinnvoller als in einem Einfamilienhaus mit Keller in den Höhen des Bayerischen Walds oder Erzgebirges.

Madame Blume
20 Tage her

„Und was macht Deutschland? Hitzeschutzpläne schreiben, aber nicht einmal Ventilatoren in Klassenzimmern aufstellen oder Klimaanlagen in Altenheimen, bessere Belüftung in Schulräumen, Bauvorschriften für Hitzeschutz.“ Wie soll ein Hitzeschutz gewährleistet sein, wenn so ziemlich alle Neubauten von außen in Styropor eingepackt – sorry, „gedämmt“ – werden und damit im Sommer genau das Gegenteil von „Hitzeschutz“ forcieren? Und wie will man Städte vor Hitze schützen, wenn jegliche Freifläche versiegelt oder bebaut wird…? In Deutschland war es in meiner Kindheit in den 70er Jahren normal, dass das warme Wetter ab ca. April/Mai kam, bis ca. Mitte Juni anhielt, und dann kam von Mitte… Mehr

Sabine Schoenfelder
20 Tage her

Grüner Irrsinn wird konsequent mit gut positionierten Grünenablegern besetzt…..und das ist das Resultat. Klimaanlagen benötigen eine intensive Pflege, denn sonst werden schnell Keime in unbarmherziger Unablässigkeit im Raum verteilt.
Eröffnen wir jetzt einen neuen grünen Industriezweig ? Grüne Klimaanlagen mit Bioluft, CO2 rausgefiltert, dafür Impfstoffe im Aerosolbereich nebenbei verabreicht ?
Auch das Heizen wird elektrifiziert. Ohne, daß es ins Bewußtsein der Bevölkerung dringt, denn 20 Grad wollen auch im wesentlich längeren und kalten Winter erreicht werden ….u n d….wenn man schon Klimageräte installierte ?!?
Uschi freut sich wie ein Schnitzel. Möchte sie doch so gerne ganz Europa elektrifizieren….

Deutscher
20 Tage her

Sorry, find ich genau so dämlich wie die Klimaspinner und ihre Wärempumpen. Wieviele Leute es doch gibt, die nichts besseres zu tun haben, als irgendwelche flächendeckenden Dinge zu fordern, die am besten alle außer sie selbst bezahlen sollen. Professoren sind meist Beamte und kassieren 6000 bis 8000 € brutto. Da ist leicht, Forderungen zu stellen, die Volkswirtschaft und Steuerzahler noch mehr belasten.

anita b.
20 Tage her
Antworten an  Deutscher

Ich weiss auch nicht, was bedeutenen soll. Spinnt der Typ. Ich will doch nocht 20° in der Wohnung haben. Ich bin froh, wenn ich nicht heizen muss.

Endlich Frei
20 Tage her

In den Augen vieler westlicher und asiatischer Besucher gelten wir regelrecht als Entwicklungsland – unsere anerzogene masochistische Ader für überhitzte Räume ist in der entwickelten Welt praktisch beispielslos. Trotz höchster Baupreise und tausender DIN-Vorschriften für’s Bauen bleibt die wichtigste Frage des Wohnens außen vor: DIe Temperatur.

Typisch deutsch, versteht kein Mensch – muss man nicht verstehen. Ganz sicher aber ein Indikator, was Überbürokratisierung für einen (Nicht-)Nutzen hat.

jwe
20 Tage her

Na das wird ja mal toll! Nach dem das Heizen fast unbezahlbar wird, jetzt auch verbindlich die Klimatisierung für alle. Das Problem ist nur, wer das alles bezahlen soll. Nun gibt es ein paar heiße Tage und schon flippt man mit neuen Zwangsbeglückungsvorschlägen für das Volk wieder aus.

naklar
20 Tage her
Antworten an  jwe

Keine Bange, das wird nicht kommen – es würde ja dem Volk nutzen…

Eugen Karl
20 Tage her
Antworten an  jwe

In Deutschland ist die meistgehaßte Person der Vermieter; der muß natürlich alles bezahlen. 20° werden in den Grundrechtekatalog aufgenommen, der Staat erläßt ein Gesetz, der Vermieter wird verpflichtet und zahlt, notfalls bis hin zum Bankrott.