Philipp Amthor gibt den Döner-Mann

Des Kanzlers bester Mann hat die Geheimwaffe gegen Wirtschaftsflaute, Wohnungsnot, Lehrermangel und Kriegsangst gefunden: Er will die AfD mit Drehspieß im Fladenbrot besiegen. Einmal scharf mit alles, bitte.

Screenprint: Instagram, X - Collage: TE

Philipp Amthor ist erst 33 Jahre jung, hat aber schon mehr Zeit in der Politik verbracht als viele in ihrem ganzen Leben. Mit 16 trat er in die CDU ein. Mit 24 wurde er Berufspolitiker.

Der Mann, der stets so aussieht, als habe er sich beim Abi-Ball verirrt, weiß also schon sehr lange, wie man die Bürger einwickelt. In der Endphase des laufenden Landtagswahlkampfs in seiner Heimat Mecklenburg-Vorpommern tut der Philipp genau das: Er wickelt ein. In Alufolie. Das sieht dann so aus:

Screenprint via Instagram

Eine Stunde lang bekam in Greifswald jeder einen Döner für vier Euro, sofern er einen CDU-Flyer dabeihatte. Als zusätzliche Gratisbeilage gab es: Philipp Amthor. Der „Nordkurier“ weiß zu berichten, dass wohl mehr als 130 überwiegend junge Menschen das Angebot wahrgenommen haben. Wie viele von ihnen überhaupt schon wahlberechtigt sind, ist nicht bekannt.

Es ist aber vermutlich keine allzu steile These, dass die meisten nicht für Politik gekommen sind, sondern für einen günstigen Mittagsimbiss. Wegen dieses Fotos dürfte sich jedenfalls niemand auf den Weg gemacht haben:

Beim Wahlvolk kommt die Aktion – sagen wir mal: nur so mittelgut an. Die öffentliche Kommentarspalte unter dem Insta-Post der CDU Greifswald ist eine wahre Goldgrube. „Ui, den Termin muss ich unbedingt verpassen.“ Das ist noch einer der netteren Bemerkungen.

„Billig-Döner für mehr Prozente bei der Wahl“

Seien wir fair: Juristisch ist die Aktion kein Stimmenkauf. Schließlich musste niemand versprechen, CDU zu wählen (jedenfalls soweit wir wissen). Politisch ist das Ganze dennoch, nun ja, Kundenakquise mit Knoblauchsoße.

Früher, als die CDU noch eine Volkspartei war, da erweckte sie zumindest den Anschein, als wolle sie Wähler mit politischen Inhalten gewinnen. Heute lockt sie mit Hackfleisch, es geht um kulinarische Zutaten. Wer ums nackte politische Überleben kämpft, verteilt keine Argumente mehr, sondern Sonderangebote.

Statt Döner zum Kampfpreis kommen dann vermutlich als nächstes zwei Grundsatzprogramme zum Preis von einem.

„Wie wäre es mit Diesel für 1,10 €?“

Die mehr oder weniger – meistens weniger – freundliche Aufforderung, sich lieber ernsthaft um die Probleme der Menschen zu kümmern, zieht sich durch alle Reaktionen auf die Wahlkampfaktion: „Die Dönerpreise sind aktuell mein kleinstes Problem.“

Die vielen, vielen, vielen Kommentare, die in dieselbe Kerbe schlagen und deutlich (!) ungehaltener sind, verschweigen wir hier aus Gründen der Pietät.

„Ja, macht Sinn. Für so ’nen Döner fahr ich meilenweit. Ihr seid so an der Realität vorbei.“

Tatsächlich wurde die Aktion auch noch an entlegenen Örtchen beworben, die von der Amthor‘schen Dönerbude doch recht weit entfernt sind. Glaubt die CDU ernsthaft, jemand würde eine halbe Stunde irgendwohin fahren, nur um einen leicht verbilligten, aber dafür vom Philipp garantiert sachunkundig zusammengemetzelten Kebab entgegenzunehmen?

Oder für ein Selfie?

„Selfie? Mit dem?“

Sagen wir es frei heraus: Das Produkt Philipp Amthor hat Nachfrageschwäche.

Aus der Perspektive des Marketings lebt die sorgfältig gepflegte Kunstfigur vom Gegensatz. Der Mann ist jung und sieht jung aus, doch er redet wie ein pensionierter Notar und zieht sich auch so an.

Sein Saubermann-Image hat inzwischen durch einen branchenüblichen Skandal schwere Lackschäden erlitten. Für das Unternehmen „Augustus Intelligence“ nutzte Amthor seinen Bundestagsbriefkopf und seine Kontakte, um dem Unternehmen einen Termin im Wirtschaftsministerium zu verschaffen. Später erhielt er Aktienoptionen und einen Direktorenposten. Die Staatsanwaltschaft sah zwar keinen juristischen Anfangsverdacht für Bestechlichkeit; doch der politische Eindruck eines Interessenkonflikts blieb hängen.

Öffentlich wurde der Lobbybrief durch eine Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz. Und dann leitete Amthor auf Unionsseite im vergangenen Jahr eine Arbeitsgruppe bei den Koalitionsgesprächen, in der ausgerechnet er forderte: „Das Informationsfreiheitsgesetz in der bisherigen Form wollen wir hingegen abschaffen.“

Amthor wiegelte ab. Doch die Affäre macht ihn für viele Wähler… tja… unverdaulich. Parallelen zu so manchem Döner sind nicht ganz von der Hand zu weisen.

„Für Philipp: das Kids-Menü“

Viele Menschen in Mecklenburg-Vorpommern suchen verzweifelt nach einer bezahlbaren Wohnung. Ausbildungsbetriebe schließen. Schulen kämpfen mit Unterrichtsausfall. Busse fahren selten oder gar nicht, Behörden antworten langsam oder gar nicht, die digitale Verwaltung ist vielerorts nur eine Fantasie.

Die CDU könnte Lösungen anbieten. Tut sie aber nicht. Stattdessen antwortet sie auf die Probleme der Leute mit einem Vier-Euro-Döner und einem Mann, dessen natürliches Habitat absolut unverkennbar nicht die Imbissbude ist, sondern der Geschäftsordnungsausschuss.

Hier wird nicht für Politik geworben, sondern Volksnähe simuliert.

„Peinlich, peinlicher, CDU“

Da kann man schwer dagegenhalten. Außer mit: Peinlich, peinlicher, Philipp Amthor. Die überaus geschätzte Kollegin Brunhilde Plog hat hier bei TE absolut treffend beschrieben, wie der Mann der CDU auch noch die letzten Wähler vertreibt:

„Ich glaube, deswegen seid Ihr da, wo Ihr seid.“

Das ist selbsterklärend. In diese Richtung gehen Dutzende Kommentare bei Instagram. Natürlich kann man es auch so formulieren: „Was für ein Schwachsinn! Aber irgendwie muss man die CDU ja noch unter die 5% bekommen…“

Genau. Der Philipp schafft das schon. Scharf und mit alles.

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Kommentare ( 119 )

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119 Comments
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Werner Brunner
22 Tage her

Der gute Philipp , der wahre Ausbund an Rechtschaffenheit und Ehrlichkeit !
Er meint es doch nur gut !
Fragt sich nur für wen oder was !
Ich glaube , er meint es so gut hauptsächlich für sich …..
Da stellt sich doch die Frage :
Wer braucht so etwas ?

Raul Gutmann
22 Tage her
Antworten an  Werner Brunner

Doch ist es nicht erstaunlich, daß derartige Karrieristen immer noch reüssieren?

BellaCiao
22 Tage her

Es wird mir immer klarer, warum die CDU seit kurzem mit diesem Türkisgrün auf Wählerfang geht. Die alberne Dönerkampagne hat sie wie so vieles 1:1 von den Grünen übernommen.

»CDU. Just a different shade of green.«

Last edited 22 Tage her by BellaCiao
Kristina
23 Tage her

Vielleicht wäre Bratwurst statt Döner besser gewesen oder Fischbrötchen.

Kassandra
23 Tage her
Antworten an  Kristina

Und der Amthor hätte den Senf auf den Pappteller dazu gegeben?
Unglaublich, wie man bei fehlendem Reflexionsvermögen vor Selbstbewusstsein zu trotzen scheinen kann.

Reinhard Peda
23 Tage her

Das hier ist ein Dönerspieß:
Startseite – Anadolu GmbH Fleisch Groß- und Einzelhandel Döner Produktion
Und nicht das Billigprodukt auf dem Foto mit Amthor! Der Spieß dahinter sieht schon eher wie Döner aus.

Kassandra
23 Tage her
Antworten an  Reinhard Peda

Schon klar, dass so einer Qualität gar nicht erkennen kann.
Der schwärmt ja geradezu von dem Produkt, von dem er sich selbst ja durch Zeiten ernährt haben will.

Kassandra
23 Tage her

Stand nicht mal Steinmeier schon so linkisch vor einem Döner – und zwar neben dem, den er zu einem Staatsbesuch in der Türkei hatte mit einfliegen lassen? https://www.das-parlament.de/panorama/aufgekehrt/doener-als-gastgeschenk
Woran ich bei dem Bild auch denke ist der Sandsackhalter Helge Lindh: https://www.tichyseinblick.de/feuilleton/glosse/helge-lindh-sandsack/
All solche scheinen praktisch nicht allzu sehr begabt – oder veranlagt?

moorwald
23 Tage her

Amthor ist der Typ, der als Schüler dem Lehrer die Aktentasche getragen hat.

Peter Klaus
23 Tage her

Immerhin das erste mal im Leben richtig „gearbeitet“, diese latente Spaß-Bremse und AfD-Dauerwerbesendung mit zwei Beinen. Bitte weiter so!

kb
23 Tage her

Na ja und 32% wählen in MeckPom, weil sie ja endlich eine Veränderung der Politik wollen, einfach die andere Partei der Koalition, die jede Veränderung blockiert. Das verstehe wer will.

November Man
23 Tage her

Philipp Amthor – Der Alptraum aller Schwiegermütter.

Siggi
23 Tage her
Antworten an  November Man

Sie haben recht. Keine möchte einen solch klebrigen Enkel.

man without opinion
23 Tage her

Moin, Das Amthor traut den Umfragen nicht. Wer den Kanzlersessel anpeilt, muss ihn erst mal freischaufeln. Insofern ist der Dönerwahkkampf schon qualitativ auf Augenhöhe mit Joseph Fouche´. Wie bei der nackten Kanone. Der Amthor geht einfach auf Merz los. Wahrscheinlich hat Merkel den im Keller großgezogen. Zumindest hat Kurt Krömer schon mal Buntstifte als Stopwort ausgeschlossen. Auf dem Weg zu Steinmeier wird Merkel neben ihm laufen und ihn per Ellenbogencheck über einen Blumenkübel katapultieren. Das ganze wird natürlich aussehen, wie ein aufgeregtes Verstolpern. Merkel übernimmt dann kommissarisch für Amthor, solange bis die Genesung abgeschlossen ist. Das kann natürlich dauern. So… Mehr