Friedrich Merz spricht zu den letzten Getreuen

Friedrich Merz flieht in die Wagenburg als letzten Rückzugsort. Drinnen Applaus derer, die behaupten hinter ihm zu stehen und sich in servilen Durchhalteparolen übertreffen. Die Wirklichkeit lässt sich allerdings nicht einfach zum Wegtreten auffordern. Auch wenn der Befehlston immer schmissiger wird.

picture alliance/dpa | Michael Kappeler

Die letzte Phase zur Rettung der Kanzlerschaft von Friedrich Merz ist angelaufen. Sie besteht in der aus der Geschichte hinlänglich bekannten Doppeltechnik, einerseits Kritikern zu unterstellen, für den Feind tätig zu sein, und andererseits Lobgesang und Panegyrik byzantinischen Ausmaßes über den Herrscher auszuschütten wie himmlischen Goldglanz, vermischt mit einer starken Prise Wunderglauben.

Kondolenzbrief
Das Totenglöckchen der Christdemokratie
Dank der Hofberichterstattung von Nikolaus Doll von der WELT wissen wir nun, dass Friedrich Merz gestern in Berlin Stefan Evers, der gern Regierender Bürgermeister von Berlin werden und islamischen Religionsunterricht in Berlin haben möchte, im Wahlkampf unterstützte. Im Yellow-Press-Stil von Bunte und Gala, im Stil des neudeutschen Hauptstadtjournalismus, was aufs Selbe hinausläuft, plaudert Nikolaus Doll liebevoll über Friedrich Merz: „Es kommt vor, dass Friedrich Merz morgens mit der S-Bahn von zu Hause ins Kanzleramt fährt. Fliegen darf der leidenschaftliche Pilot nicht mehr…“ Wo sollte er auch vor dem Kanzleramt landen? Man könnte höchstens Bellevue abreißen, um dort für Friedrich Merz eine Landebahn zu errichten. Frank-Walter Steinmeier hat ja gezeigt, wie überflüssig das Amt des Bundespräsidenten inzwischen ist.

Weshalb allerdings die Veranstaltung im Konrad-Adenauer-Haus, das neben dem Kanzleramt mutmaßlich zu den letzten beiden Orten gehört, an denen Friedrich Merz noch gern gesehen ist, den Titel trug: „Extremisten von der Macht fernhalten. Lösungen aus der Mitte.“, erschließt sich nicht ganz, wobei das Konrad-Adenauer-Haus und das Kanzleramt sich in Berlins Mitte befinden. In Hoppermanns CDU-Zentrale und in Warkens Kanzleramt hat man sich schon längst von der Mitte gelöst und ist nach links umgezogen. Hoppermanns designierter Stellvertreter, Michael Hose, hatte deshalb bereits in Erfurt dazu aufgerufen, die Co-Chefin der Thüringer Linkspartei, Katja Maurer, zur Beigeordneten und stellvertretenden Bürgermeisterin zu wählen. Für Hose gehört die SED-Linke zur demokratischen Mitte. Genauer kann die CDU nicht erklären, was sie unter „demokratischer Mitte“ im demokratischen Sektor versteht.

Hinab in den Maelström
Die CDU schließt die Wagenburg um Merz
Endlich konnte Merz so ganz entspannt plaudern, niemand pfiff, und am Ende klatschten sie wie Duracell-Hasen, was sie vorher vielleicht mit Philipp Amthor geübt haben könnten. Denn laut Nikolaus Doll waren „rund 350 Leute… gekommen, nach Anmeldung“. Also eigentlich nur rund 349, denn Herr Doll besuchte ja auch die launige Ansprache an die Getreuesten der Treuen, sozusagen an das Fähnlein der sieben Aufrechten.

In der entgleisten Rede vom Mittwoch im Bundestag sehen die Merz-Fans zwar einen „absoluten Tiefpunkt“, was heißen soll, dass es jetzt wieder absolut nach oben geht. Die Aktion Merz-Rettung läuft an: Franziska Hoppermann im Brandmauer-TV, gezwungenermaßen von uns allen mitfinanziert; Friederike Haupt, Redakteurin einer Zeitung, die eigentlich nur noch die im Kanzleramt kennen – ansonsten müsste man die Geschichtsbücher bemühen, hätte aber bis in die neunziger Jahre zurückzublättern –, attackiert die Kritiker des Kanzlers. Haupt jedenfalls stümpert sich durch das Niedermachen der parteiinternen Kritiker, die sie gut merzinisch zu den „Niederungen der Partei“ erklärt.

Der Dame von der FAZ war vermutlich entgangen, dass die „Niederungen der Partei“ die Basis der Partei ist, ohne die es die Partei gar nicht gäbe, die sich nicht im Adenauer-Haus verstecken und durch Security abschirmen lassen kann, sondern den Bürgern vor Ort Rede und Antwort stehen muss, viele ehrenamtlich, nach Feierabend, die dazu keine Lust mehr haben, weil sie nicht wissen, wie sie den rot-grünen Katastrophenkurs von Merz, dem Kanzler von Klingbeils Gnaden, noch erläutern sollen. Haupt wirft der AfD Spaltung vor. Welche Einheit will sie denn haben, die Einheit einer Einheitspartei? Das Phrasenpapier der Noch-Ministerpräsidenten ist für sie mehr wert als „die Massenware, die Polarisierungsunternehmer auf den Markt werfen“. Polarisierung ist ein anderes Wort für politischen Wettbewerb, den Treibstoff einer Demokratie. Das Gegenteil davon, die „Einheit und Reinheit der Partei“, die Haupt zu wünschen scheint, kennt man aus der Geschichte linker Diktaturen, die nicht streiten und diskutieren, nicht polarisieren, sondern geheimpolizeilich gegen jedwede „Fraktionsbildung“ vorgehen und Gulags errichten. Eine Partei, die nicht mehr streitet, in der nicht mehr gestritten wird, ist nicht demokratisch, sondern stalinistisch.

Nächster Boxenstopp: Sonntag in Schwerin
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Während die dysfunktionalen Eliten und ihr Kanzler Deutschland in den Abgrund regieren, träumt der Kanzler wie auf Dope: „Das ist ein fantastisches Land, eines der schönsten Länder der Welt, in dem junge Leute ihre Zukunft suchen, ganz besonders in Berlin.“ Möglicherweise die jungen Leute aus Afrika, aus Afghanistan; die jungen Leute aus Deutschland suchen ihre Zukunft zunehmend nicht mehr in Deutschland. Merz beschwört ein Land und eine Stadt, die es seit Angela Merkel nicht mehr gibt und die es, wenn Merz noch lange regiert, auch nicht mehr geben wird. Jubelarien und Durchhalteparolen, die alte Kneipenwerbung an der Gaststubentür „Morgen Freibier“, waren schon immer die Begleitmelodie des Zusammenbruchs. Doll schreibt tatsächlich: „Das Kalkül dahinter ist, dass es viele Menschen leid sein dürften, jeden Tag zu hören, wie schlecht alles in Deutschland läuft.“ Heißt: Es läuft zwar schlecht, doch bloß nicht drüber reden, kein Wort über die Wirklichkeit, schweigt fein still und plaudert nicht.

Und wer den Mund nicht halten kann, für den gilt, wie sagte doch Merz kurz und bündig: „Wegtreten!“ Damit der Nörgler, der Störenfried, auch wirklich wegtritt, arbeitet Merzens Minister Dobrindt an einem Gesetz, das den Bürger zum Ausforschungsobjekt der Geheimdienste macht. Vom Bürger zum Untertan? Schließlich hatte gerade der CDU-Funktionär, der Chef des Parlamentarischen Kontrollgremiums ist, in dem nur SPD- und Unions-Leute und der Grüne von Notz sitzen, behauptet: „Mithilfe gefälschter Videos und vermeintlicher Nachrichtenmeldungen wird systematisch ein negatives Charakterbild des Kanzlers konstruiert.“ Dabei benötigt Merz niemanden dafür, ein „negatives Charakterbild des Kanzlers“ zu veröffentlichen, das vermag er ganz und gar allein. Oder wurde die „Wegtreten“-Rede oder die Rede am Mittwoch im Bundestag gefälscht? Hat da nicht Friedrich Merz gesprochen?

Friedrich Merz unterkellert sich
„Keiner komme mir mit Free Speech“
Die Konstruktion des inneren Feindes als willfährigen Gehilfen äußerer Feinde kennt man aus der Geschichte. Man kennt nur zu gut die Propagandafigur, die Henrichmann modern verschwurbelt, wenn er tönt: „Hinter den Aktivitäten stehe eine russische Strategie, ‚unsere Gesellschaft zu spalten und das Vertrauen in den Staat zu erodieren.‘“ In Diktaturen sind natürlich immer die Medien, die Nörgler, die Miesmacher, die Spielverderber, die Demagogen und Volksführer, neudeutsch: die Populisten, schuld, die das treudoofe und geistesschwache Volk verunsichern und verführen, die den Glauben an die Herrscherkaste untergraben, die mit Fakten daherkommen, wo Glauben gefragt ist. Der Verfassungsschutz verlautbart doch tatsächlich: „Die Falschbehauptungen werden überwiegend unter dem Namen etablierter deutscher und internationaler Medienhäuser verbreitet.“ Erstaunlich, dass er so hart mit ARD und ZDF ins Gericht geht. Oder etwa nicht?

Merz träumte gerade so schön vor seinem Publikum in der CDU-Zentrale vom Wirtschaftswachstum, vergisst aber zu erwähnen, dass es zum großen Teil durch die Rüstung, die der Staat bezahlt, zustande kommt – und zwar durch Megaschulden, die Merzens Geschenk für die Banken und Hedgefonds sind, aber für die zu Untertanen gemachten Bürger zum Staatsbankrott führen werden. Denn Rüstung ist Konsumtion, nicht Investition. Kein Panzer erwirtschaftet auch nur einen Euro.

Wie schreibt doch Doll über Merz: „So spricht keiner, der angesichts der Probleme und Kritik aus den eigenen Reihen aufgegeben hat. Merz sprach wie einer, der weitermachen, der kämpfen will. Der zerknirschte Friedrich Merz der vergangenen Woche war verschwunden. Und der Applaus für ihn war am Ende lang.“

Es geht also weiter bergab.

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Kommentare ( 49 )

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49 Comments
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November Man
19 Tage her

Die Wahlen in MV und Berlin werden nicht so spannend. Die Gewinner stehen eh schon fest. Die Linksextremisten werden weiter an der Macht bleiben und das Land ruinieren. In Berlin ist es eh egal. Das ist so oder so eine total verrottete Stadt ohne Perspektive. Aber was nach den Wahlen und der Bekanntgabe der Wahlergebnisse um 18:00 Uhr passiert, das wird spannend. Geht Merz freiwillig oder wird er gegangen. Oder sitzt er, wie die meisten anderen (Weimer) auch alles bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag aus.  

verblichene Rose
19 Tage her
Antworten an  November Man

Merz ist tatsächlich in der Position, auszusitzen. Alle anderen WERDEN ausgesessen…

Last edited 19 Tage her by verblichene Rose
Chrigel Brugger
19 Tage her
Antworten an  November Man

Macht es einen Unterschied, ob Merz geht oder bleibt? Und wenn er gehen sollte, was käme danach? Söder, Wüst, Rhein, Dobrindt oder jemand anderes, es sind alles Merkel-Anhänger. Dann kann Merz ruhig bleiben, denn er beschleunigt den Untergang der CDU am besten.

Manfred_Hbg
19 Tage her
Antworten an  Chrigel Brugger

Richtig, das ist ganz auch meine Meinung. – Ein Merz-Wechsel könnte hier meiner Meinung nämlich dazu führen, dass Wähler, die nun daran am denken sind bei ihrer nächsten Wahl ihr Kreuzchen nicht mehr an gewohnter Stelle, sondern an „opposioneller Stelle“ zu setzen, dass diese durch einen Merz-Wechsel dazu verleitet werden könnten doch noch mal abwarten zu wollen und ihr Kreuzchen dann doch wieder an alter Stelle setzen.
– – –
Nein, nein, bloß keine falschen Hoffnungen streuen und aufkeimen lassen. Das Land hat keine Zeit mehr für irgendwelche (Altparteien-)Experimente -….es ist schon llängst 3 Minuten nach 12!

Last edited 19 Tage her by Manfred_Hbg
Teiresias
19 Tage her

Brutus stand hinter Caesar – bis zuletzt.

Buck Fiden
19 Tage her
Antworten an  Teiresias

Ist wie in der katholischen Kirche: Es muss nicht immer von Vorteil sein, wenn Dein Priester hinter Dir steht!

Willi4
19 Tage her
Antworten an  Teiresias

So treten die Iden des Mä(e)rz erneut ins Bewusstsein.

Der Person
19 Tage her

Die amerikanische Presse und die Democrats haben den senilen Biden an der Macht halten können, obwohl seine Demenz seit Monaten nicht mehr zu leugnen war. Die europäische Presse und die Brüsseler Parasiten haben Jean-Claude Juncker an der Macht halten können, obwohl der Mann flüssiger Alkoholiker war und im Vollsuff Treppen hinunterstolperte und Ministerpräsidenten ohrfeigte.

Keiner wird leugnen können, dass die deutsche Presse noch verkommener und die deutschen Karrierepolitiker noch abgefeimter sind! Es kann also noch Jahre dauern, bis der Mann endlich in Behandlung kommt.

Karl Renschu
19 Tage her
Antworten an  Der Person

Jahrzehnte, so wie Therapieplätze ausgebucht sind…

Teiresias
19 Tage her
Antworten an  Der Person

Ursula von der Leyen ist auch so ein Beispiel.
Ihrre Skandalee werden erwähnt, und dann macht die einfach weiter.

Haba Orwell
19 Tage her

> spricht zu den letzten Getreuen

In einem Bunker? Das wäre irgendwie stilvoll und angemessen.

BellaCiao
18 Tage her

Ach, wäre doch der Rest der Republik bloß so «stabil» wie Berlin, sagen die Linksgrünen. Also stabil links.

Last edited 18 Tage her by BellaCiao
Sonny
19 Tage her

Nehmen Sie mal einen tiefen Atemzug aus den Talk Shows in den dritten Programmen des Staatsfernsehens (gestern mit Schmerzen angetan).
Die gegenseitige Lobhudelei und Gefälligkeitsfragen an mehr oder weniger prominente Menschen in Deutschland suggerieren:
Hey! Ist alles super!
(…wenn man genügend Geld hat.)
Wirklichkeit findet nicht mehr statt. Und genauso agieren die in Berlin seit Jahren.

DDRforever
19 Tage her

Ja ja, die Partei und ihre Medien. Vorwärts immer, rückwärts nimmer!

Werner Brunner
19 Tage her

Dieses Land ist bereits so verrottet , da kann mann / frau
nichts mehr “ retten “ …….
Ende Gelände !

Laurenz
19 Tage her

Werter Herr Dr. Mai, „Es geht also weiter bergab.“ Wie so das gehen? LüFri ist bereits auf dem Grund des Marianen-Grabens angekommen.

Schmidtrotluff
19 Tage her

Das ist so lustig. Wo waren diese Gestalten 1989 ? Genauso lief es damals. Es wurde immer lächerlicher. Kein Mensch nimmt ein Stück Brot von diesen Fascho- Bankrotteuren. Die sind so am Ende und merken es nicht. Und der ÖRR- Göbbels- Funk dudelt in Endlosschleife.

Biskaborn
19 Tage her

Die CDU und ihre Hofnarren haben nunmehr komplett die Orientierung verloren, irrlichtern, hetzen, kreischen , sehen überall Feinde, natürlich nicht Links der Partei und wissen nicht mehr ein und aus. Aber sie hat Helfer denen man allenfalls geistige Insolvenz noch zuordnen kann, das ist das Schlimmste!

DDRforever
19 Tage her
Antworten an  Biskaborn

Dabei ist doch ganz klar das Putin und Trump schuld sind. Was hetzt man gegen die so sympathische Gestalt Merz?

OJ
19 Tage her

Friedrich Merz ist natürlich aus reinstem, unzerstörbarem Krupp-Stahl geschmiedet und wird uns selbstverständlich bis März 2029 mit seiner herzlich erfrischenden, zukunftsorientierten Art beglücken.
Whatever it takes❗

Last edited 19 Tage her by OJ
Ohanse
19 Tage her

Mein armes Deutschland…

rolandino
19 Tage her

„und am Ende klatschten sie wie Duracell-Hasen, was sie vorher vielleicht mit Philipp Amthor geübt haben könnten“

Ein Haufen widerlicher Kriecher und Bücklinge. Man erhofft sich anscheinend noch etwas vom lügenden Kanzler. Passt zu dieser CDU.
Deswegen liebe Landsleute in Mecklenburg-Vorpommern zeigt dieser verkommenen CDU am nächsten Sonntag, wo sie hin gehört, nämlich unter 5 Prozent.