Die ersten 100 Tage von Bundeskanzler Friedrich Merz waren am 14. August vorbei. 200 Tage endeten am 22. November. Der Countdown läuft. Wie lange geben Sie Merz noch?
IMAGO / dts Nachrichtenagentur
Die CDU fiel tief von der Autoritätskrise des Kanzlers Friedrich Merz zum Absturz in Sachsen-Anhalt auf 17 Prozent (AfD 43,8). Die Partei wirkt demoralisiert, gespalten und zermürbt: offene Kritik, eine einzelne Rücktrittsforderung, Geraune, anonyme Spekulationen und institutionelle Machtspiele. Der 20. September mit den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern ist der nächste Gradmesser.
Beispiele der Rebellion von unten sind der Brandbrief von 33 CDU-Mitgliedern aus Großbeeren (Brandenburg), der Führung, Selbstkritik und Kurswechsel fordert, und das Schreiben sächsischer Kreisvorsitzender, die eine vorgezogene Konferenz aller Kreisvorsitzenden und „schonungslose Analyse“ verlangen – mit dem möglichem Kalkül eines Sonderparteitages. JU-Bundesschatzmeisterin Clara von Nathusius ist nun bekannt mit ihrem öffentlichen Satz, mit Merz seien „keine Wahlen mehr zu gewinnen“. CDU-Vize Tino Schomann in MeckPomm forderte bisher als einziger explizit die Ablösung von Merz: „runter vom Sessel“. Berichte von 30 Abgeordneten kursieren, die Szenarien eines Kanzlerwechsels oder einer Minderheitsregierung diskutierten. Interne Chats und Aussagen wie „Es gibt keine Autorität mehr“ oder „Er ist der Falsche“ zirkulieren.
Die CDU war nie eine homogene Einheit. Die Ministerpräsidenten Wüst – NRW, Rhein – Hessen, Günther – Schleswig-Holstein, Kretschmer – Sachsen gelten als Schattenmacht. Spekuliert wird, sie könnten bei anhaltendem Druck geschlossen den Merz-Rücktritt auf die Tagesordnung setzen – sie sind aber keine Einheit und zögern öffentlich. Präsidium und Bundesvorstand sind auf Nachvollziehen gepolt, nicht auf Rebellion.
Häufig genannte Optionen sind:
• Weiter-so mit „verstärktem Reformkurs“: Merz will laut Berichten nach dem 20. September das Präsidium versammeln und indirekt die Vertrauensfrage stellen („entweder unterstützt ihr den Kurs oder sagt mir, wer übernimmt“).
• Kanzlertausch (interner Wechsel bei bleibender Koalition): Favoriten Wüst und Söder (die sich gegenseitig blockieren), neuerdings auch Alexander Dobrindt. Boris Rhein wird seltener genannt.
• Ministerpräsidenten-Intervention oder Fraktionsdynamik, die Merz zum Rücktritt drängt.
An einen freiwilligen Rücktritt glaubt niemand. Ein konstruktives Misstrauensvotum ist niemandem zuzutrauen. Die SPD hat Todesangst vor Neuwahlen und übt sich im Schweigen, einer Eigenschaft, die ihr überhaupt nicht liegt.

Ein Mix aus Basis-Unzufriedenheit, Fraktions-Unruhe und (noch) zurückhaltender Länder-Macht wolkt am Unionsfirmament. Merz hat noch Rückhalt bei der CSU und Teilen der Führung, verliert aber zusehends noch mehr. Die Zermürbung der CDU stärkt die AfD weiter. Die versammelte Medienmacht hat die vielen in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen nicht abgehalten, AfD zu wählen, sondern im Gegenteil mit ihrem Dauerfeuer auf die AfD für deren Mediendauerpräsenz gesorgt, weil von sonst nichts geredet wurde. An die Reformfähigkeit der Regierung glaubt niemand mehr.
Entscheidend wird, ob nach dem 20. September Ministerpräsidenten oder Fraktion den Druck kanalisieren, Merz bei der Flucht nach vorne helfen, die nicht einmal verbal gelingen könnte, oder seinen Abtritt inszenieren – vielleicht zuerst als Parteivorsitzender – in der Hoffnung, Merz wirft selbst hin, wenn ein anderer als Vorsitzender gewählt wird.
Die Lage bleibt hoch volatil und voller Spekulationen, öffentlich demonstrierte Geschlossenheit kommt gegen interne Gerüchte auf Dauer nicht an. Die ersten 100 Tage von Bundeskanzler Friedrich Merz waren am 14. August vorbei. Die ersten 200 Tage endeten am 22. November.
Der Countdown läuft. Wie lange geben Sie Merz noch?
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