Die Gesellschaft driftet auseinander. In der Realwirtschaft beschleunigt sich der Niedergang, während sich die gutbetuchten Chef-Funktionäre in ideologischen Weltretter-Debatten verlieren. Diese „Eliten" sind weder reformfähig noch willens, in die Realität zurückzukehren.
IMAGO / Chris Emil Janßen
Der Deutsche Gewerkschaftsbund galt seit Kriegsende als Speerspitze der Arbeitnehmervertretung in Deutschland: Im Kampf für bessere Arbeitsbedingungen, gerechte Löhne und Aufstiegschancen durch Bildung verdiente sich die Organisation ihre Meriten. Für das deutsche Wirtschaftsmodell der sozialen Marktwirtschaft war sie vielfach ein Segen.
Heute klingt der DGB so: „Der menschengemachte Klimawandel schreitet mit enormer Geschwindigkeit voran und bedroht zunehmend unsere Lebensgrundlage.“ Oder, als weitere Kostprobe von der Homepage der Klimafunktionäre: „Der Klimawandel findet statt.“ Massive ökologische, soziale und ökonomische Folgen drohten – Hunger, Migration und Verteilungskonflikte im globalen Süden zeichneten sich ab. „Eine sozial-ökologische Transformation ist die zwingende Antwort auf die weltweiten Krisen und deshalb unverzichtbar“, meint Stefan Körzell, stellvertretender DGB-Vorsitzender.
Der DGB klammert sich mit Klima-Apokalyptik und Work-Life-Balance-Debatten an eine längst versunkene Zeit, an eine Zeit des Wohlstands, die mit harter Arbeit und einer rationalen Perspektive von Politikern, Funktionären und der Wirtschaftselite auf die tatsächliche Welt errungen wurde.
Die Gunst der späten Geburt trägt auch die Gewerkschaftselite durch diese Krise. Für den DGB erscheint die Welt simpel, geradezu manichäisch: wirtschaftliche Realität, Deindustrialisierung, dies alles ist böse, aber unsere Forderung nach einem watteweichen Berufsalltag, nach Work-Life-Balance, das klingt gut.
Zeitgleich meldet das Statistische Bundesamt Horrorzahlen aus dem Maschinenraum der deutschen Ökonomie: Im ersten Halbjahr 2026 haben die deutschen Amtsgerichte 12.812 beantragte Unternehmensinsolvenzen registriert. Das waren 6,7 Prozent mehr Insolvenzen als im Vorjahreszeitraum. Schlimmer sah es zuletzt im Jahr 2013 aus. Seinerzeit tobte noch die weltweite Schulden- und Finanzmarktkrise.
Den Gläubigern drohen Forderungsausfälle von rund 18,5 Milliarden Euro. Besonders betroffen von der anhaltenden Wirtschaftskrise waren weiterhin der Verkehrssektor, die Lagerwirtschaft, das Gastgewerbe sowie die völlig darniederliegende Bauwirtschaft.
Dies ist kein gewöhnlicher Konjunkturverlauf. Die grauenerregenden Wirtschaftszahlen sind Alarmsignale; die schrillende Sirene eines Wirtschaftsstandorts, an dem freiwillige Firmenschließungen und Insolvenzen neue Rekordstände erreichen. Niemand investiert freiwillig am toxischsten Wirtschaftsstandort der Europäischen Union.
Ausgerechnet in der so schwer erschütterten Metall- und Elektroindustrie steht nun die nächste Tarifrunde an. Die IG Metall, Mitgliedsgewerkschaft des DGB, wehrt sich gegen Forderungen aus Teilen der Industrie, zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich zurückzukehren. IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner will dabei keinen Millimeter gewonnenen Terrains preisgeben: Man habe die 35-Stunden-Woche und den Achtstundentag hart erkämpft; beides gehöre zum „Identitätskern“ der Gewerkschaft. „Wir haben das erkämpft und nicht geschenkt bekommen. Und wir werden weiter dafür kämpfen.“
Im Grunde ginge es der Wirtschaft gar nicht so schlecht, meinte Benner, und pochte auf Arbeitsplatzsicherung, ohne so recht erklären zu können, wie das geschehen soll, wenn nicht der Staat ungeheure Subventionsmilliarden in den zombifizierten Wirtschaftskörper pumpen sollte.
Ob sich die Wirtschaftskrise im Land, die derzeit etwa 12.000 bis 15.000 Industriearbeitsplätze im Monat vernichtet, von diesem Identitätsgeraune aus der Funktionärsblase beeindrucken lässt, ist allerdings fraglich.
Mehrere Unternehmen, darunter Mercedes-Benz und Stihl, gingen voran und schlugen längere Arbeitszeiten ohne entsprechenden Lohnausgleich vor. Haben die Gewerkschaften denn noch eine Wahl? Volkswagen wird in den kommenden Jahren vier Werke auslaufen lassen; die Wolfsburger planen den Abbau von rund 50.000 Stellen in Deutschland. Die Standorte Emden, Hannover, Zwickau, Neckarsulm stehen nicht nur auf der Kippe – im Grunde sind sie bereits Geschichte.
Die Kernsektoren der deutschen Industrie wurden nicht zuletzt durch die Komplizenschaft der Gewerkschaftsebene zerrieben, die sich wider die eigenen Interessen der ökologischen Degrowth-Ideologie verschrieben hat. Nun steht eine Tarifrunde für rund 3,7 Millionen Beschäftigte an – und damit die Frage, ob dieses Land tatsächlich auf allen Ebenen versagt: ob politische Führung und Funktionärsebene die Realität vollständig negieren, indem sie ökonomisch nicht abbildbare Forderungen stellen.
Am 23. September will die IG Metall ihre konkrete Tarifforderung beschließen, die Verhandlungen mit den Arbeitgebern beginnen am 7. Oktober. Zu befürchten ist, dass auch die Arbeitgeberseite die Realität im Lande nur in Teilen korrekt einschätzt: Zu groß ist der Anteil der mit Subventionen vollgestopften Fördermittelbetriebe, zu kleinlaut bleibt die Kritik am politischen Crashkurs.
Während draußen im Freien die industrielle Substanz verschwindet, diskutiert man gut gepolstert im Innenraum über Identitätssymbole wie die 35-Stunden-Woche oder das wie auch immer ausgemachte „zarte Pflänzchen der Erholung“. Es ist ein bemerkenswertes Stück von Realitätsbeugung und Funktionärsprosa, das wir hier erleben.
Deutschland befindet sich seit spätestens 2018 in der industriellen Dauerkrise und hat etwa eine halbe Million Jobs in diesem Sektor verloren. Doch in den Funktionärsetagen kommt die Botschaft nicht mehr an. Man ist zu sehr mit Moralisieren, Klima-Unfug und Pseudo-Klassenkampf beschäftigt, um noch den Kopf über die immer höher getürmte ideologische Barriere zu heben.
Doch auch für die Bewohner dieses Kristallpalasts schlägt bald die Stunde der Wahrheit. Denn die Wirtschaftskrise wird auch vor ihnen, vor ihrer Basis in den Unternehmen, nicht Halt machen. Und mit jedem Monat behaglicher Realitätsverweigerung schmilzt auch der Einfluss der Gewerkschaften auf die Wirtschaft wie Eis in der Sonne zusammen.







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Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) war und ist der Dachverband verschiedener Einzelgewerkschaften und vertritt allgemeinpolitische Arbeitnehmerinteressen. Betriebsräte werden nach dem Betriebsverfassungsgesetz gewählt und sind unabhängig von Gewerkschaften. Aufgabe von Einzelgewerkschaften sind neben Löhnen&Gehältern die Arbeitsbedingungen [Arbeitszeit, Verteilung der Arbeitszeit über den Tag …] sowie Sicherung der Qualifikationen von Arbeitnehmern. Die Arbeitsdichte nahm im Verlauf der industriellen Revolution stetig zu. Aufgrund zunehmender Arbeitsproduktivität muss heutzutage kein Arbeitnehmer mehr 12 Stunden am Tag an 6 Tagen die Woche arbeiten. Unternehmer, die etwas von Arbeitsdichte und Arbeitsproduktitivität verstehen, gucken darauf, dass die Arbeitsproduktivität durch technisch-wissenschaftliche Neuerungen gesteigert wird. Mit der Billiglohnkonkurrenz osteuropäischer wie auch… Mehr
Ich erinnere mich: vor 15 Jahren musste man das Zweigwerk in Deutschland am Freitag nach 11 Uhr gar nicht mehr anrufen – da war keiner mehr da.
Auch erinnere ich mich, dass für jede Funktion in Deutschland 1.5x soviele Leute beschäftigt waren wie bei uns in der Schweiz.
Heute gibts dieses Zweigwerk nicht mehr.
Ist halt einseitig von TE: JA DIE GEWERKSCHAFTEN SIND EIN PROBLEM! Soweit ich weiß zahlen Daimler, BMW etc. alle gut Dividende an Banken etc. Warum also muss am deutschen Arbeiter gespart werden? Das ist die andere Seite der Medaille. TE will hier natürlich nicht auf das Ursachenproblem das da heißt KAPITALISMUS eingehen. Selbst wenn wir günstige Energie hätten, keine CO2 Abgabe etc., die Konzerne müssen aufgrund des Kapitalismus JEDES Jahr mehr liefern und das ist nicht schaffbar durch jedes Jahr eine neue Produktivitätssteigerung durch gute Erfindungen sondern nur dadurch in dem der Arbeiter Abstriche machen muss! Es werden Zulieferer geknechtet,… Mehr
Keine Gewerkschaften sind auch ein Problem. Die Macht der Software Entwickler und System Administratoren wäre unermesslich, ihre Gehälter gigantisch, wenn sie ähnlich wie Piloten oder Fluglotsen ihre eigenen spezialisierten Gewerkschaften hätten, und damit nicht nur den Luftverkehr, sondern die gesamte Wirtschaft durch Streik lahmlegen könnten.
Selbst wenn. Es nützt überhaupt nichts, jedes Jahr mehr zu produzieren. Die Mehrproduktion muss auch abgesetzt werden! Dass die Märkte im Westen übersättigt sind, zeichnete sich schon lange ab. Und wenn der Kunde nicht mehr zu den Produkten kommen will, holt man sich die Kunden zu den Produkten oder drängt die Produkte dem Kunden auf. Ende der 80er erledigte das der Nachholebedarf in der ehemaligen DDR, heute sind es Migranten und die Zwangsverpflichtung der Bevölkerung auf unsinnige Produkte wie Wind- und Solarstrom, E-Auto und Wärmepumpe.
Nach 38 Jahren IG Metall bin ich ausgetreten .Die Zeiten wo sie etwas bewegt haben und echte Verbesserung am Arbeitsplatz gebracht haben sind vorbei,z.B. Gefahrstoffe aus den Arbeitsprozessen verbannt haben.
Gewerkschaften sind dazu da ;das der Fick vom Großkapital nicht so schmerzhaft ist.
Die Lohnentwicklung bleiben immer hinter der Entwicklung der Produktivität , Unternehmensgewinnen und der Preisentwicklung.
Bin heilfroh nicht mehr arbeiten zu müssen in dieser irrsinnigen Zeit.
Man muss sich das mal vorstellen wie Realitätsfremd solche Firmen wie Mercesdes geworden sind. Seit Jahren stagnieren die Reallöhne, der Lebensunterhalt hat sich extrem verteuert, Spritpreise und Mieten auf Rekordhöhe und die Mercedesmanager wollen den Mitarbeitern das Gehalt kürzen, real natürlich. Eigentlich wären mal ordentliche Lohnsteigerungen nötig. Aber eine Kürzung? Für das gleiche Geld viel mehr arbeiten? Wo leben diese Leute nur, im Traumland????
Reallohnsteigerungen aber auf breiter Front. Es bringt ja nichts, wenn nur die Mercedesmitarbeiter ihre eigenen Autos kaufen.
Die Gewerkschaften mit ihrer penetranten Unterstützung grüner Politik sind in großem Maße mitschuldig am Verlust hunderttausender Arbeitsplätze, an Inflation, an Überschwemmung der Sozialsysteme und des Arbeitsmarktes mit Migranten und damit an massiver Entwertung von Arbeitsleistung.
Die schlimmsten Ausbeuter waren schon immer links.
Kapitalisten mit ihrem penetranten Drang nach mehr Wachstum für Aktionär sind doch schuld am verlust dieser Arbeitsplätze, nur weil in billiglohn länder es halt günstiger zu prodziern ist sind doch fast alle westlichen aufwändigen Arbeitsplätze abgewandert. Die haben nicht die grünen oder linken vertrieben, sodnern wurden geziel von den Managern ins auland gelegt, am besten in länder wie china wo keine gewerkschaften existiern mit dennen man sich um Löhne, Arbeitszeit und Arbeitschut einigen muss. immer sind die linken
ist wie mit den Kirchen: die Mitgliedschaft ist freiwillig.
Solange Gewerkschaften weiterhin Zulauf haben, ändert sich auch nichts.
Gewerkschaften? Totengräber des Wohlstands, Steigbügelhalter des grünwoken Zeitgeistes und Papageien des Altparteienkartells.
Die Wende kommt erst mit einer Regierung der AFD, aber dazu haben wir noch viel zu viel Wohlstand. Erst wenn eine rechte Regierung folgende Dinge sagt oder beschließt, geht es aufwärts: – Betriebsräte werden nicht mehr ab 200, sondern ab 500 Mitarbeiter frei gestellt – „Überlegen Sie, ob die Ziele Ihrer Gewerkschaft dem Erhalt Ihres Arbeitsplatzes dienen“ – die Zwangsrundfunkgebühren werden durch Streaming ersetzt – C02-Abgaben werden abgeschafft – Verbrennerverbot ist abgeschafft – Heizungsgesetz ist abgeschafft – Lieferkettengesetz ist abgeschafft – die 17 Ämter für Verfassungsschutz sind abgeschafft, die Terrorabteilungen wechseln zur Polizei – Subventionen für Photovoltaik und Windkraftanlagen werden… Mehr
Aha. Woanders lese ich: >>>Die Sonne heizt die Erde – das Erdinnere und CO2 sind statistisches Rauschen<<< Wie kann das bloß menschengemacht sein?