Tiefe Krise: Möbelindustrie klagt über Verdrängung durch chinesische Konkurrenz

Die deutsche Dauerrezession beschränkt sich nicht auf die sichtbaren Kernsektoren wie die Automobilindustrie. Auch abseits der öffentlichen Wahrnehmung brennt es lichterloh: beispielsweise in der Möbelindustrie. Diese verliert kontinuierlich Marktanteile an die chinesische Konkurrenz.

picture alliance / dpa | Malte Christians

Die Jubelmeldungen über die vermeintliche Rückkehr des Wirtschaftswachstums wirken verstörend, gleicht man sie mit der Realität im Maschinenraum der deutschen Industrie ab. Hält die Politik Kurs, ändert sie nichts an ihrer Klima- und Energiepolitik, an ihrer Haltung zu Russland und kehrt nicht zu den Regeln der Marktwirtschaft zurück, dann droht weitere Industrieerosion! In diesem Falle wird sich der Abverkauf des zerstückelten Motors der deutschen Prosperität, seiner Industrie, nur weiter beschleunigen.

Abseits von den Horrormeldungen von Volkswagen, Porsche und Co. spielen sich auch in den eher weniger beachteten Industriesektoren ökonomische und menschliche Dramen ab. In gerade einmal vier Jahren verlor beispielsweise die deutsche Möbelindustrie 20 Prozent ihres Umsatzes. Firmen wandern an osteuropäische Standorte ab. Oft nach Polen oder Ungarn, wie beispielsweise Homan Holzwerkstoffe und EuroComfort. EuroComfort beispielsweise investierte im vergangenen Jahr 37 Millionen Euro in ein Produktionswerk in Leszno in Polen. Andernorts ist man glücklich über deutsche Investitionen und Patente, über die Wertschöpfung und den Wohlstand, den die Industrie mit sich führt.

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Die Zeichen stehen auf Sturm: Freiwillig wagt wohl niemand mehr den Ausbau von Produktionskapazitäten im energiepolitischen Chaosland Deutschland. Es sei denn, der Staat sichert hohe Subventionszahlungen zu. Von Aufschwung kann in Deutschland beileibe keine Rede sein. Bestenfalls weist die Statistik einen politisch herbeigeführten Nominaleffekt aufgrund des immensen schuldenfinanzierten Staatskonsums im Militärbereich aus.

In der realen Ökonomie steht die Ampel auf Rot. Dies gilt auch für die Möbelindustrie, die damit pars pro toto für die vertrackte Lage der gesamten deutschen Industrie steht. Ihr Umsatz schrumpfte drei Jahre in Folge und beträgt nur noch 15,8 Milliarden Euro. Auch im ersten Halbjahr dieses Jahres ging es weiter bergab: Bislang fiel der Umsatz um 2,7 Prozent auf nur noch 7,7 Milliarden Euro. Das lag vor allem am Einbruch der Binnennachfrage, die um 4,1 Prozent nachgab – eine Folge der allgemeinen Kaufkrafterosion in dem doch angeblich so prosperierenden Land.

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Dieser rasche Verfall wirkt sich auch auf die Beschäftigung aus. 5,2 Prozent der Beschäftigten im Sektor gingen in diesem Jahr bislang verloren. Diese Entwicklung spiegelt die hausgemachten Probleme, die immensen Regulierungen im Rahmen der Klimagesetzgebung und die Kosten für die CO2-Zertifikate wider. Hinzu kommen die hohen Energiekosten, immer neue Berichtspflichten und Anforderungen an Lieferketten sowie zusätzliche Produkt- und Nachhaltigkeitsvorgaben, die Unternehmen mit immer neuem bürokratischem Aufwand und Kosten überziehen.

Politik ist das Senkblei der Wirtschaft. Ihr Euro-Bürokratismus zerlegt jede Wertschöpfung in ihre Einzelteile und versenkt sie in der Jauchegrube von Regulierung und Klimakampf.

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Betriebe der deutschen Möbelindustrie befinden sich im Kreuzfeuer. Europäische Klimaregulierung und deutscher Energieirrsinn werden verstärkt durch das kontinuierliche Vordringen der chinesischen Konkurrenz auf den deutschen Markt. Im vergangenen Jahr stiegen die chinesischen Möbelimporte nach Deutschland um 9,3 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro. Es ist verständlich: Deutsche Verbraucher, hart getroffen durch steigende Steuern, Inflation und einen zerbröselnden Arbeitsmarkt, versuchen zu sparen, wo man nur sparen kann.

Hinzu kommt ein spezifisch chinesisches Problem: Peking bekämpft seine eigene Industriekrise, die nach wie vor deflationär wirkende Bereinigung am überdehnten Immobilienmarkt, durch massive Exporthilfen. Auf allen Märkten, in zunehmendem Maße auch auf dem europäischen Markt, gewinnen chinesische Firmen Marktanteile. Sie treten auf mit dem Preisvorteil der Exportsubvention und einer unterbewerteten chinesischen Währung in der Tasche.

Chinas politische Führung um Staatschef Xi Jinping setzt auf den Export, um den eigenen Arbeitsmarkt zu stabilisieren, bevor der neue Fünfjahresplan in Kraft tritt. Dieser sieht eine massive Stärkung des Binnenkonsums Chinas vor und könnte zum Ende der aggressiv-merkantilistischen Exportpolitik führen. Bis es so weit ist, wächst der Druck auch auf die deutschen Hersteller, ganz gleich in welchem Sektor der Industrie.

Doch es ist nicht nur die chinesische Politik, die die deutschen Hersteller in Probleme bringt. Geht es um die europäische und deutsche Innenpolitik, herrscht auch in der Möbelindustrie eisernes Schweigen. Weshalb drängt niemand darauf, das zerstörerische klimapolitische Regime endlich zu beseitigen und der heimischen Wirtschaft auf diese Weise Luft zum Atmen zu verschaffen? Niemand wechselt doch freiwillig den tradierten Heimatstandort und entlässt Hunderte, wenn nicht Tausende seiner Mitarbeiter, wenn doch die Gelegenheit besteht, öffentlichen Druck auf die Politik auszuüben und auf Reformen zu drängen.

Das Schweigekartell der deutschen Wirtschaft ist der eigentliche Skandal des Niedergangs der Bundesrepublik. Dass rote und grüne Degrowth-Ideologen den Zustand des Verfalls naturgemäß herbeisehnen, verwundert kaum. Dass sich die bürgerliche Klasse im Land allerdings diesen Käuzen, Lebensversagern und Hazardeuren kampflos geschlagen geben würde, überrascht dann aber doch.



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Kommentare ( 3 )

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Tom Engel
24 Tage her

Ähmmm.Tja…..Wer kauft denn die (billigeren) Chinesischen Möbel ?

Trotzdem ist ein Ständiges MEHR, MEHR,MEHR, …mehr Wachstum irgendwann zu Ende.
„DIE“ Wirtschaft befindet sich auf einem sinkenden Boot…

Haba Orwell
25 Tage her

> Diese Entwicklung spiegelt die hausgemachten Probleme, die immensen Regulierungen im Rahmen der Klimagesetzgebung und die Kosten für die CO2-Zertifikate wider.

Quer durch alle Branchen die gleichen Probleme. Mattz könnte es ähnlich wie bei der Autoindustrie versuchen – Rüstung bestellen statt Waren für den Markt. Konkret schon mal vorsorglich ein paar Millionen Holz-Keulen für den Vierten Weltkrieg – der waffentechnischen Prognose Einsteins entsprechend.

Jerry
25 Tage her

Tja, ich kann nichts dafür, dass ich von meinem Gehalt gerade mal die Hälfte behalten darf, während der andere Teil hauptsächlich an unproduktives Klientel oder gleich ins Ausland geht. Da kann ich dann halt nur preiswertere Produkte aus dem Ausland kaufen, was ich bei vielen Investitionsgütern wie Auto, Heizung etc. auch schon gemacht habe.

Und was chinesische Produkte betrifft: Viele Hersteller (von dem was auf Temu & Co. verkloppt wird mal abgesehen), sind qualitativ durchaus auf der Höhe der Zeit, teils sogar noch besser als unsere Hersteller. Besonders (welch Wunder) im Technologiesektor. Deutschland hat’s verkackt!