Während die Autoindustrie Stellen abbaut, wächst die Rüstungsindustrie. Da scheint das BMW-Abfindungsangebot ein guter Zeitpunkt für den Branchenwechsel.
picture alliance/dpa | Matthias Balk
Der Automobilkonzern BMW will angeblich 8.000 Stellen abbauen. Auf einer dafür eingerichteten Seite konnten Mitarbeiter die für sie möglich Abfindungssumme berechnen. So sollen Mitarbeiter zum freiwilligen Aufheben ihres Arbeitsvertrages bewegt werden. Angeblich war der Andrang so groß, dass die Website zwischendurch überlastet gewesen sein soll. Laut Handelsblatt sollen bei langjährigen Mitarbeitern Abfindungen von bis zu 650.000 Euro möglich sein.
Das Angebot kommt zu einem Zeitpunkt, in der die deutsche Autoindustrie in einer schweren Krise steckt. Hohe Energiepreise, mangelnde Produktivität und die immer größere Konkurrenz aus China senken Gewinn- und Absatzerwartungen deutscher Autohersteller dramatisch. Der neue Vorstandschef von BMW
Milan Nedeljkovic musste diesen Sommer die Gewinnaussichten für dieses Jahr deutlich absenken.
Die Krise hält den Autohersteller allerdings nicht davon ab, politisch zu werden: jüngst verkündete der Konzern kein Dienstauto für den AfD-Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt Tobias Rausch bereitzustellen.
Autoindustrie abwärts – Rüstungsindustrie rauf
Für viele Mitarbeiter scheinen in dem Angebot von BMW eine Chance zu erkennen. Eine Abfindung erhalten und dann in die in München boomende Rüstungsindustrie wechseln, scheint das Gebot der Stunde zu sein Laut einem Bericht der Bayerischen Staatszeitung „rollt Bayern der Rüstungsindustrie gerade den roten Teppich aus“: Man will dafür sogar Bauvorschriften lockern und Genehmigungsverfahren beschleunigen.
KNDS – eine Panzerbaufirma ist ein Beispiel für die süddeutsche Rüstungsindustrie. Der Münchner Konzern will 1.000 krisensicher neue Stellen schaffen. Die deutsche Regierung überlegt derzeit 50 Prozent der Aktien von KNDS zu kaufen. Die andere Hälfte gehört bereits der französischen Regierung. Es wäre dann ein weiteres deutsch-französisches Staatsrüstungsunternehmen.
MTU Aero Engines produziert ebenfalls in München Triebwerksteile für militärische Flugzeuge wie den Eurofighter. MBDA Deutschland GmbH fertigt ganz in der Nähe, in Schrobenhausen, Drohnen und Luftabwehrsysteme. Auch Rohde & Schwarz baut laut dem Handelsblatt sein Rüstungssegment aus und hofft auf Aufträge der Bundeswehr. Es geht um acht bis zehn Milliarden als Teil des „SatcomBW-4“, einem Projekt von Bundesverteidigungsminister (SPD) mit einem Budget von insgesamt 35 Milliarden Euro.
Zumindest der steuerfinanzierte Rüstungssektor wächst.




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Der Rüstungsmumpitz kann mit einem Regierungswechsel kurzfristig wieder verschwinden.
Als ob ein Staat ohne Rohstoffe und Wertschöpfung sich dauerhaft Rüstung leisten könnte.
Gerade rebelliert Westeuropa – wie lange kann noch die Militarisierung auf Pump dauern?