Die Brandmauer ist Ausdruck eines Mangels an Humor. Wer das eigene Versagen nur abstreiten, berechtigte Kritik nur als Angriff auf „unsere Demokratie“ begreifen kann, dem bleibt nichts anderes übrig, als sich einzumauern. Humor wird dann als Delegitimierung empfunden. Die Amtsinhaber nehmen übel. Majestätsbeleidigung ist in der Demokratie zurück.
Was haben Rechtsaußen und Linksaußen gemeinsam? Bekanntlich eine ganze Menge, darunter auch dies: Beide sind frei von jeglichem Talent, über sich selbst zu lachen. Wer nicht über sich selbst lachen kann, kann es auch nicht zulassen, dass über ihn gelacht wird. Der Mangel an Humor ist politisch relevant. Je verbiesterter, fanatischer, radikaler eine politische Gruppe ist, desto weniger Distanz zum eigenen Tun und Sein bringt sie auf. Mit den Selbstzweifeln sinkt ihre Fähigkeit zur Selbstkritik. Er versteinert. Mauert sich gedanklich selbst ein.
I.
An dieser Stelle muss ich mich natürlich sofort korrigieren. Dieses Defizit betrifft nicht nur die radikalen Ränder des Meinungsspektrums, sondern auch den stocksteifen, leicht gekränkten, überaus empfindlichen Kanzler und seine Koalitionspartner. Die Brandmauer ist tiefster Ausdruck eines Mangels. Wer das eigene Versagen nur abstreiten kann, berechtigte Kritik nur als Angriff auf „unsere Demokratie“ begreifen, dem bleibt nichts anderes übrig, als sich einzumauern. Humor wird dann als Delegitimierung empfunden. Die Amtsinhaber nehmen übel. Merz: „Diese ewige Nörgelei, diese ewige Nölerei, dieses Schlechtreden, dieses Kaputtreden unseres Landes – ich bin es einfach leid.“ Kohl lachte zwar auch am liebsten auf Kosten anderer, aber er lachte und konnte seine Art von Humor als rhetorische Waffe einsetzen. Merkel ist viel vorzuwerfen, aber kein Mangel an Witz. Die alten Griechen wussten, dass Tragödie und Komödie zusammen gehören. Im Theater verhandelten sie die Probleme ihrer Demokratie. Spott, Satire, Sarkasmus gehörten unabdingbar zur Meinungsbildung dazu.
Unsäglich, dass „unsere Demokraten“ sich einen eigenen Beleidigungsparagraphen für Politiker zulegten. Majestätsbeleidigung ist in der Demokratie zurück. Die Patent-Demokraten missbrauchen die Justiz, den Verfassungsschutz und steuerfinanzierte Denunzianten der sogenannten Zivilgesellschaft. Wenn es auch selten zu Bestrafungen kommt – die Methode dient der Einschüchterung und verfehlt ihren Zweck nicht. Die „Pathologisierung des politischen Streits“ beschreibt eindrücklich Medienanwalt Steinhöfel. Ja, das alles ist der Verbannung des Humors aus der politischen Auseinandersetzung zu verdanken. Wer keinen Humor hat, kann nicht streiten. Zuspitzungen, Übertreibungen, Provokationen, die hohe Kunst der Polemik sind Salz in der Suppe auch der parlamentarischen Debattenkultur.
II.
Zum Humormangel der Politiker kommt verblüffenderweise der Humormangel der politischen Humoristen. Wenn der AfD-Kabarettist Uwe Steimle Scherze macht, in denen Merkel „an die Wand gestellt“ und er mit Blick auf Merz beklagt, wo nur „Stauffenberg bleibt, wenn man ihn mal braucht“, hat Polemik nicht verstanden. Satire darf fast alles, aber eben nur fast. Wer Hass und Hetze des politischen Gegners beklagt, sollte nicht selbst Hass und Hetze verbreiten. Abgesehen davon haben Satiriker auf Parteiveranstaltungen nichts zu suchen. Der Komiker, der sich zum Sprecher irgend einer Partei macht, ist kein Komiker mehr. Es gibt viele Steimles auf der linken Seite. Ein ernüchterndes Schauspiel bot in dieser Woche die 100. Ausgabe der ZDF-Sendung „Die Anstalt“. Als „Antifa-Anstalt“ deklariert, bot sie borniert reaktionäres Agit-Prop-Theater. Die „Kabarettisten“ entlarvten sich als politische Aktivisten mit Sympathien für gewaltsamen Widerstand gegen die AfD. AfD-Mitglieder und Anhänger sind für sie Faschisten und Nazis. Damit verharmlosen sie echte Faschisten und Nazis. Sie behaupten, man könne Faschisten „nicht argumentativ stellen“, denn Faschismus sei „keine Ideologie, sondern eine Methode“ zur Emotionalisierung der Wähler. Doch genau diese Methode wenden sie selbst an. Sie argumentieren nicht gegen die AfD, sondern entfachen einen Sturm der Gefühle.
Gemäß ihrer eigenen Logik verhalten sie sich also selbst faschistisch. Außerdem inszenieren sie sich als Opfer ihrer eigenen Anstalt. Das ZDF hatte die Aufführung eines Songs von Danger Dan aus dem Programm genommen, weil er als „Aufruf zu Gewalt“ verstanden werden könne und damit im Widerspruch zu den Programmrichtlinien des Senders stehe. Das Feigenblättchen des Intendanten verfehlte allerdings die Wirkung. Der beanstandete Song wurde ausführlich zitiert und der Rest der Sendung war noch viel schlimmer als das Lied. Der Intendant hätte gute Gründe gehabt, die ganze Sendung zu verbieten. Der milde Eingriff kann auch nicht den Freibrief kompensieren, den er dem sich als Investigativ-Journalisten gebenden Komiker Böhmermann ausgestellt hat.
III.
Das ZDF als Spiegel der Gesellschaft. Humor war noch nie die Stärke des deutschen Gemüts. Der deutsche Michel interessiert sich entweder für Politik nicht, oder er nimmt sie als pflegeleichter Untertan bierernst. Wer glaubt, an seinem Wesen könne die Welt genesen, ist zu Zweifeln nicht fähig und kann auch über den Unsinn, den er seiner Moral verdankt, nicht lachen. Demokratie ist, wenn man trotzdem lacht.


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Bei allem Respekt, … an die Wand stellen … und … einen Stauffenberg benötigen … , man sollte schon ein bisschen Hirnhygiene betreiben und auch nicht alles denken oder gar aussprechen. Und wenn man nur vermeidet, dem politischen Feind Angriffsflächen zu bieten.
Humor ist in einem nicht- anarchistischen Land auch viel schwerer als in anarchistischen (und nicht metaphysisch denkenden Ländern wie Irland, Süditalien…, wie es sehr viele – vom Volk her einst gedacht – einst gab! als Ire, als Engländer unter den Normannen bleib nur der Humor und die Musik dazu! Der Rest war einfach Despotie und Versklavung. Das vergessen Sie dazu zu sagen. Erst dann wird ein Schuh daraus, Herr Herles. Und was antworten SIe?
Humor kann ich nur entfalte, wenn ich Abstand zu den Dingen habe: Im Kollektivgeist einern inzwischen völlig weiblichen Republik ist der grosse feminine Gefühlskörper, das offizielle Kollektiv (DIE Nation!) aber an erster Stelle, also dominant und als männliche Felddenken, wo es diese Humorabstände gibt, ganz klar in den Hintergrund geraten – zumindest offiziell in allen Bereichen, von den Medien über Reichstag bis zur Uni! SO kann sich Humor nur noch in alten Nischen entfalten, die die 68er und die 78er noch halten, wie bei Dieter Nuhr. Wenn die mal abtreten, sieht es ganz düster aus!
Das Elend fing mit W. Brandt an. Sein „Mehr Demokratie wagen“ war ein Mehr-Bürokratie-wagen, mit den Folgen, die sich heute zeigen.
Der Krug geht solange zum Brunnen bis er bricht.
Rätsel: Vor 3 Tagen war der Teich zu einem Achtel mit Wasserpest bedeckt, vor 2 Tagen zu einem Viertel, gestern zur Hälfte. Wieviel wird es heute sein, wieviel Morgen?
Ach Gottchen, so ein Pippifax. Es gibt Wichtigeres! Wir wissen doch alle ganz genau, dass wir nicht mehr in einer Demokratie leben. Wenn wir in einer Demokratie lebten, würde sich auch niemand über etwas entgleiste Sätze aufzuregen. Man schüttelte den Kopf und das war’s. In einer richtigen Demokratie wäre auch Merz kein Kanzler. Ich weiß jetzt nicht, wer rechtsaußen und linksaußen ist. Das sind so typisch moralbürgerliche Vorstellungen, die Deutschland nicht weiterbringen. Viel wichtiger wäre es doch, dass man sich stundenlang darüber aufregt, dass man AfD-Politikern keine GG-treue vorwirft und sie von der Wahl ausschließt. Hatten wir das nicht schon… Mehr
Vielleicht sollte man damit aufhören, von einer Demokratie zu faseln, die keine ist und die #Volkssouveränität herstellen in der die Bürger in Freiheit und Selbstbestimmung leben können?
Die #Politik in einem #modernen #Staat muss auf ihre #Kernaufgaben begrenzt werden!
Derzeit findet das Gegenteil statt, denn die #Politiker wollen sich in alle Lebensbereiche der #Bürger einmischen.
Diese #Bevormundung müssen die „mündigen“ #Bürger die in #Freiheit und #Selbstbestimmung leben wollen aufhalten!
Ich bringe “ Demokratie“ mit einigen Merkmalen in eine sogar kausale Verbindung. “ Humor“ gehörte bislang nicht dazu. Ob mit oder ohne Humor, meine systempolitische Diagnose legt bei der Prüfung einer “ Demokratie“ andere Masstäbe zugrunde. Im Ergebnis ist es gleich. Inzwischen ist auch die mehr oder weniger kunstvolle Fassade der Demokratie abgeräumt. Was erwartungsgemäss jedenfalls im “ Westen“ mit seiner antrainierten “ Sklaven – oder letzte Menschen – Mentalität “ nur wenige “ juckt“. Wenn man sich mit der Humorfrage befasst, bietet sich vor der „Demokratie“ eine andere Erklärung an, eine womöglich noch unangenehmere. Zum einen die der “… Mehr
Weil der Meensch is des Viech, des wo lacht (Gerhard Polt).
Solchen Leuten geht es vermutlich besser. Sie ziehen sich nicht jeden Tag den ganzen Frust rein.
„An dieser Stelle muss ich mich natürlich sofort korrigieren. Dieses Defizit betrifft nicht nur die radikalen Ränder des Meinungsspektrums, sondern auch den stocksteifen, leicht gekränkten, überaus empfindlichen Kanzler und seine Koalitionspartner.“ Wieso Korrektur? Als ob dieser stocksteife, leicht gekränkte, überaus empfindliche Kanzler und seine Koalitionspartner nicht längst zum radikalen linken Rand gehörten. Gilt auch für die gesamte Union, nicht nur für ihr „Spitzen“-Personal à la Spahn, Laschet, Wüst, Frei, Linnemann, Merkel, Kiesewetter, you name them. Aber sagen Sie das mal einem eingefleischten „Christ“-Demokraten.