Schuld ist ausgerechnet ein Italiener: Das WM-Märchen der Türkei endet vorschnell. 144 Schüsse aufs Tor, meint Trainer Montella: Was mehr hätte man tun können? Nun ja: Man hätte zum Beispiel auch treffen können.
picture alliance / Anadolu | Tayfun Coskun
Manchmal ist Fußball (k)eine reine Wissenschaft. Manchmal ist Fußball eine echte (Ersatz-)Religion. Und manchmal ist Fußball einfach nur ein schlechter Witz. Fragen Sie einfach mal nach bei der Türkei. Jeder von uns hat einen türkischen Freund und Bekannten, oder nicht?
Da führt Vincenzo Montella die Nationalmannschaft erstmals seit 24 Jahren wieder zu einer Weltmeisterschaft, gilt als Nationalheld zwischen Bosporus und Schwarzem Meer – und wenige Tage später diskutiert das Land darüber, ob er überhaupt noch Trainer sein sollte. Verständlich.
Der Fluch Italiens hat offenbar einen neuen Reisepass bekommen. Die Azzurri sind gar nicht erst bei dieser WM dabei. Und nun hat es ausgerechnet die Türken erwischt – trainiert von einem Italiener.
Für Montella, so blickte er drein, muss sich das anfühlen wie eine Vespa-Fahrt direkt in einen Betonmischer. Dabei war die Ausgangslage eigentlich vielversprechend: Mit Hakan Calhanoglu von Inter Mailand, Kenan Yildiz von Juventus Turin und Arda Güler von Real Madrid. Drei Spieler, die normalerweise schon beim Aufwärmen für Nervosität beim Gegner sorgen.
Doch bei dieser WM passierte etwas, das selbst erfahrene Fußballfans nur kopfschüttelnd zurücklässt. Die Türkei traf einfach das Tor nicht. Erst führte Australien die Mannschaft vor, dann Paraguay. Besonders bitter: Paraguay spielte über 50 Minuten nur zu zehnt.
Montella verteidigte sich nach dem Aus mit bemerkenswerter Gelassenheit. „Haben Sie einen besseren Rat? Wir haben in zwei Spielen 144 Mal auf das Tor geschossen.“ Man muss diesen Satz kurz wirken lassen. 144 Mal. Das sind Zahlen, die sonst nur bei Flipperautomaten vorkommen.
Der Ball wollte trotzdem nicht hinein. Wie verhext.
Zum sportlichen Unglück kam auch noch eine Szene, über die Fans noch lange diskutieren dürften. Ein türkischer Spieler meldete dem Schiedsrichter einen Vorfall.
Sein Gegenspieler habe hinter vorgehaltener Hand etwas gesagt. Daraufhin rückte die moderne Fußballjustiz an: VAR, Videobilder, Kommunikationstechnik, Schiedsrichterteam. Gefühlt fehlte nur noch ein MRT-Gerät am Spielfeldrand. Am Ende gab es Rot nach neuem FIFA-Reglement. Doch das Internet war gnadenlos: Viele Fans sprachen sofort von Karma.
Immerhin zeigten sich die Spieler anschließend zerknirscht. Über türkische Fernsehsender und die Zeitung Hürriyet ließen mehrere Nationalspieler ausrichten: „Wir schämen uns.“ Ein bemerkenswerter Satz. Vor allem in einer Zeit, in der Niederlagen oft schneller erklärt als eingestanden werden.
Die Enttäuschung war nicht nur in der Türkei gewaltig. Auch in Deutschland. Normalerweise kennt man das Bild: Autokorsos, Hupkonzerte und Fahnen. Diesmal können sich Anwohner an Hauptverkehrsstraßen über ungestörte Nachtruhe freuen.
Ali Tercan, Tankstellen-Inhaber aus dem Raum Schwäbisch Hall und Mitglied im Galatasaray-Vorstandsumfeld, fand klare Worte: „So hat man es einfach nicht verdient.“ Und weiter: „Trainer Montella muss sich wirklich hinterfragen.“
Das klingt freundlich, ist im Fußball aber ungefähr so angenehm wie ein Elfmeter gegen die eigene Mannschaft in der Nachspielzeit.
Während die Türkei abreist, blickt Deutschland nach vorn. Auf die DFB-Elf wartet nun die Elfenbeinküste als machbare Aufgabe. Doch auch die Nationalmannschaft machte zuletzt kuriose Schlagzeilen: Eine chinesische Journalistin berichtete von einer Schlange im Umfeld des deutschen Trainingsquartiers. Julian Nagelsmann reagierte trocken. Es handle sich bestimmt um eine Anakonda. Die Pointe war perfekt.
Die Auflösung fiel deutlich kleiner aus: Eher Blindschleiche als Monster. Der Bundestrainer muss also vorerst keinen Schlangenbeschwörer verpflichten und die wirklichen Gefahren lauern weiterhin im Stadion



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144 mal daneben.
Ist ja auch irgendwie eine Leistung.
Zumindest für die Anderen, die sich das breite Grinsen nur schwer aus dem Gesicht wischen können.
Was gibt es da zu lamentieren, der italienische Trainer hat den Osmanen beigebracht wie man effizient Fußball spielt – sonst hätten die nicht 144 Mal auf das Tor Paraguays ballern können – und wenn die nicht fähig sind, wenigstens zwei Prozent davon im Kasten zu versenken, dann müssen die Großmäuler aus Anatolien sich selbst fragen, wer denn hier versagt hat. Die Antwort ist einfach und glasklar – der Trainer mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht. Doch dazu sind die auch unfähig.
endlich Ruhe auf deutschen! Strassen
Ich bin bloß froh das mir das gehupe und die knallerei erspart geblieben ist das von der Stadt raufgedröhnt hätte.
Wochenende gerettet, danke türkische Mannschaft.
Nein, ich habe keinen türkischen Freund oder Bekannten. Und das ist gut so! Die Nacht war wunderbar, die bodenfreiheitbeschränkten Proll-BMW´s und -Mercedes blieben am Straßenrand geparkt.
Ich habe mich scheckig gelacht. Erdogan hat nicht weniger Titel gefordert. Und nun das. Die ach so wichtige Ehre der Türkei beschmutzt wie eine alte Straßendame. Riesige Public Viewing Anlagen im ganzen Land aufgebaut und medial gepusht, nun verboten. Wer nun die WM schaut, ist kein Türke.
Ich hoffe nur, dass diese Gäste unser Land nun nicht aus Frust beschädigen, zumindest nicht stärker, als sonst.
Gut beraten wären die Türken, wenn die sich mit türkisch Kursen und einheimischen Sitten und Gebräuchen vertraut machen würden. Dann fällt die Integration bald nicht so schwer.
Ich wusste noch gar nicht, dass kritische Beiträge hier gelöscht werden! Werde ich mir merken!
Oh Sie Glücklicher, daß Ihnen dies erst jetzt passiert.
Das darf man nicht so eng sehen.
Eindeutig rassistische Aussagen dürfen immerhin stehen bleiben…nur Kritik daran wird gelöscht.
Geh zum Focus. Da loben Sie Dich und den linken Rest.
Ist es eine Pflicht, einen türkischen Freund zu haben? Ich habe sehr viele chinesische Freunde. 然后呢?
Bestimmt wollten Sie uns etwas über Fußball erzählen.
Bestimmt, ich bin da ganz sicher.
Ach so, die Türkei ist ausgeschieden.
Das war’s?
Echt jetzt.
Na gut…von jemandem, der Marokko für einen Underdog hält, darf natürlich auch der ausdrückliche Hinweis auf den machbaren Gegner Elfenbeinküste nicht fehlen.
Schließlich muss schon mal der nächste Artikel vorbereitet werden, falls die deutsche Mannschaft nicht mindestens ein 4:0 zustandebringt, nicht wahr?
Die türkische Nationalmannschaft hat verloren und muss deshalb zu Recht nach Hause fahren. Uns bleibt das stundenlange türkische Fahnenmeer mit lauten Gehupe erspart. Die Roten und die Grünen können ja ihre Fahnen auf Halbmast setzen.
Allein das ist schon ein Segen. Man stelle sich einmal hypothetisch vor, die Türken würden im Finale stehen. Lieber nicht.