In den Niederlanden rollt eine neue Welle von Bauernprotesten an. Zahllose Traktoren ziehen durchs Land, umgedrehte Nationalflaggen stehen wieder an den Straßen. Auslöser sind neue Stickstoffvorgaben und die drohende Einziehung bestehender Betriebsgenehmigungen. In überregionalen Medien herrscht großes Schweigen.
IMAGO
Die Bilder mit hunderten (manche sprechenden von tausenden, die Zahlen sind aktuell schwer zu verifizieren) Traktoren und Bauern erinnern an jene, in denen niederländische Landwirte mit ihren großen Maschinen Autobahnen, Innenstädte und Regierungsviertel füllten und lahmlegten. Seit Ende Juli kehren die umgedrehten niederländischen Flaggen zurück, Trecker stehen entlang der Autobahnen, Bauern ziehen vor Rathäuser und Provinzverwaltungen und machen ihrem Unmut Luft. Am Freitag versammelten sich abermals aufgebrachte Landwirte in Den Bosch. Einen Tag zuvor kamen im nordholländischen Schermerhorn mehr als 500 Traktoren zu einer Protestaktion zusammen. Das Regionalmedium NH Nieuws spricht von „Panik im Sektor“.
Der neue Bauernaufstand entzündet sich am Dauerbrenner Stickstoff. Ende Juni stellte die Regierung ein neues Paket vor. Bis 2035 soll der Stickstoffausstoß der Landwirtschaft gegenüber 2019 um 42 bis 46 Prozent sinken, Verkehr und Industrie sollen 50 Prozent schaffen. Vorgesehen dafür sind 20 Milliarden Euro; Geld soll unter anderem in Naturflächen, Betriebsaufgaben und emissionsärmere Technik fließen.
Für zahlreiche Bauern liegt der Sprengstoff inzwischen an einer anderen Stelle: bei ihren Betriebsgenehmigungen. Die Provinz Noord-Brabant will fünf Geflügelbetrieben in der Nähe besonders geschützter Naturgebiete die Stickstoffgenehmigung entziehen. Ein Gericht hatte die Provinz verpflichtet, die Belastung erheblich zu reduzieren. Gespräche über Alternativen seien gescheitert, deshalb sieht die Provinz nach eigener Darstellung keine andere Möglichkeit.
Für die Landwirtschaft reicht die Bedeutung weit über fünf Hühnerbetriebe hinaus. Wer jahrelang mit behördlicher Genehmigung investiert und produziert hat und darunter drangsaliert und gepiesackt wurde, muss nun erleben, dass genau diese Genehmigung später wieder einkassiert werden kann. Sieben Oppositionsparteien im Brabanter Provinzparlament bezeichneten das Vorgehen als „lebensgefährlichen Präzedenzfall“. Die Provinz unterbrach dafür sogar ihre Sommerpause und setzte für den 14. August eine Sondersitzung an.
LTO-Vorsitzender Ger Koopmans wirft der öffentlichen Hand vor, Unternehmer im Stich zu lassen, die jahrelang mitgearbeitet, investiert und ihre Emissionen reduziert hätten. Landwirtschaftsminister Jaimi van Essen versicherte vor der Sitzung, alles tun zu wollen, um die Genehmigungen der fünf Betriebe zu retten. Noord-Brabant hält nach der stundenlangen Debatte vorerst trotzdem an deren Entzug fest.
Bereits Wochen zuvor hatten Agractie und Farmers Defence Force weitere Aktionen angekündigt. Am 15. September, dem niederländischen Prinzentag, soll der nächste größere Protest folgen.
Begonnen hatte die neue Protestserie Ende Juli. Entlang der A27, A16 und A2 erschienen Traktoren. Rund 150 Bauern versammelten sich mit ihren Maschinen vor dem Rathaus von Borculo. In Zutphen stellten Bauern ihre Trecker auf einer Wiese zu der weithin sichtbaren Botschaft „Onze maat = vol!!“ auf: Das Maß ist voll. Auf Bannern standen Sätze wie „Trots op de boer“ – stolz auf den Bauern – und Hilferufe gegen die neue Politik.
Wenige Tage später standen laut Berichten rund 80 Bauern mit ihren Traktoren auf der A35 zwischen Wierden und Almelo. Die Blockade dauerte weniger als eine Stunde und verursachte mehrere Kilometer Stau. Die Kennzeichen zahlreicher Maschinen waren abgeklebt; Bußgelder konnten deshalb später nicht verhängt werden.
Parallel breitet sich ein vertrautes Symbol der früheren Bauernproteste wieder aus: die umgedrehte niederländische Flagge. Rijkswaterstaat registriert eine deutliche Zunahme entlang der Straßen. Gemeinden und Provinzen reagieren unterschiedlich, manche entfernen die Flaggen unter Verweis auf die Verkehrssicherheit, andere dulden sie. Neue Oogst berichtet inzwischen von Aktionen im ganzen Land. In Meppel zogen Traktoren durch das Stadtzentrum und am Rathaus vorbei.
In Schermerhorn zeigte sich am Donnerstag, wie weit die Unruhe inzwischen reicht.
Mehr als 500 Traktoren kamen dort zusammen. Mitorganisatorin Astrid Francis sagte NH Nieuws, die neuen Pläne hätten im Agrarsektor „Panik“ ausgelöst. Ihre Schlussfolgerung aus dem Fall Brabant ist schlicht: Wenn der Staat dort Genehmigungen einziehen könne, könne am Ende jeder Bauer im Land alles verlieren.
Das Fachmedium Melkveebedrijf spricht bereits von der möglichen „Anfangsphase eines neuen Zyklus von Bauernprotesten“. Viele Landwirte hätten bislang wenig Lust auf neue Demonstrationen gehabt; die ständig neuen Unsicherheiten bei Genehmigungen und Stickstoffpolitik ließen die Geduld und Unlust am lauten Protest inzwischen aber schwinden.
Von einer kleinen lokalen Protestaktion kann jedenfalls keine Rede mehr sein. NOS berichtet seit Ende Juli mehrfach über die Aktionen und widmete dem Protest in Den Bosch auch Beiträge in seinem Nachrichtenprogramm. Regionalmedien und landwirtschaftliche Fachmedien verfolgen die Entwicklung ausführlich.
Umso bemerkenswerter ist die Zurückhaltung großer überregionaler niederländischer Zeitungen sowie die der Nachbarstaaten. Scheinbar ist es sehr viel wichtiger, mit neuen Afghanistan-Abschiebe-Rührnummern zu indoktrinieren, als dass Nachrichtensendungen wie die Tagesschau auch wirklich dem nachkommen, wofür sie mal gedacht waren: Nachrichten bringen.
— Christine 🕊🕊🕊🇩🇪 (@TineUndFiene) August 15, 2026
Bei der Suche nach aktueller Berichterstattung zu den Demonstrationen dominieren NOS, regionale Sender und Agrarportale; eine vergleichbare publizistische Wucht bei den großen Tageszeitungen ist bislang kaum auszumachen. Zum Glück gibt es ja noch X, ansonsten würde hier kein Mensch mehr irgendwas erfahren, wie zahlreiche Nutzer auf dem sozialen Medium zurecht feststellen. Immer wieder die Antwort darauf, warum man es in Brüssel und in der Welt so dringend einhegen will. Nicht jedes Mal lassen sich breite Bauern- und Bürgerproteste mit dem Plot einer linken Aktivistenbude (Stichwort Wannsee 2.0) ersticken.
Auch LKW-Fahrer haben sich dem Bauernprotest bereits wieder angeschlossen.


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Die Niederländische Regierung weiß, was sie tut, wenn sie die Stickstoffreduzierung aus der Landwirtschaft forciert. Stickstoff, auch aus den enormen Güllemengen aus der Massentierhaltung, wird zu Nitrat, der ins Grundwasser gelangt, Oberflächengewässer überdüngt und schädigt (Eutrophierung) und schließlich das Wattenmeer und die Nordsee erreicht und zu sauerstoffzehrenden Algenblüten führt. Bauern erhalten üppige EU-Agrarsubventionen, vom Steuerzahler bezahlt, das sollte eigentlich dazu verpflichten, schonender mit der Umwelt umzugehen. „Cross Compliance“ hieß das einmal, die verpflichtende Einhaltung von Umweltstandards in Verbindung mit Agrarsubventionen, wenn das nicht eingehalten wird, drohen Subventionskürzungen. Die Intensivlandwirtschaft hat sich inzwischen nachgewiesener Maßen verheerend auf Natur- und Artenschutz ausgewirkt.… Mehr
Ob sie Solidarität von den Bauern aus den Nachbarschaft erhalten. Niederlande ist nur der Vorreiter und wenn dies durchkommt, ist Deutschland als nächstes fällig. Scheinbar hat man das Projekt noch nicht aufgegeben, eine Stadt für Fluchtis zu errichten. Der ganze Unsinn mit Umwelt, Co2 Einsparung oder Klimaerwärmung ist nur der Vorwand. Stehen die Konzerne schon bei Fuß um die Ackerflächen zu übernehmen. Davon abgesehen, können sich die Bauern überhaupt noch Dünger leisten bzw bekommen sie überhaupt noch welchen. Zu gute kommt, daß die EU nicht groß auf Getreide und Sonnenblumen aus der Ukraine zurückgreifen können. Das angeblich alles nach Afrika… Mehr
In Deutschland sollen die Bauern ja auch weiter drangsaliert werden. Man hat das Gefühl, dass die Zerstörung der Bauernhöfe ein großes Anliegen der deutschen (europäischen) Politik ist. Brauchen die noch mehr Land, um es mit diesen häßlichen Windrädern zu verschandeln?
Unterstützen eigentlich die deutschen Bauern die Proteste der Holländer?
Oder sind sie durch den politisch gemachten Existenzkampf im eigenen Land bereits mürbe gemacht? Ich erinnere mich noch gut daran, mit welchen Lügen und Verleumdungen die deutsche Hofpresse über die Bauern berichtete, die habeck beim versuchten Anlanden in Schlüttsiel (Schleswig-Hostein) zum Gespräch empfangen wollten.
Warum soll es auch in den Niederlanden anders sein als bei uns. Diese Bauern beanspruchen für sich eine elitäre Sonderstellung die ihnen nicht zusteht und erpressen um dies zu erreichen Land und Leute. Sie wollen keine Steuern zahlen auf den Diesel und überall Vergünstigungen. Natürlich dürfen die Subventionen aber weiter fließen, ist ja alles Steuergeld und der Michel wird es schon bezahlen. Wirklich arrogante Leute.
Solange es „die Politik“ schafft, den Zusammenschluß einzelner Protestgruppen zu verhindern und vorallem der Wähler mitspielt, wird das nichts, nicht in den Niederlanden, wo zB im linksgrünen Utrecht gar wg. „Öko“ die Werbung für „Fleischverzehr“ untersagt ist, und nicht hier. Dabei sind vom „linksgrünen Öko-Trend“ ja alle betroffen, entweder direkt über Job-Verlust oder über die allgegenwärtige staatl. (=EUrokratie) organisierte Abzocke und Kosten-Inflation. Als vor Jahren hierzulande die ersten Trecker-Konvois gen Berlin rollten, habe ich mal den dies organisierenden Bauernverband angeschrieben und nachgefragt, warum man sich nicht mit den staatlich gewollt ausrangierten Kraftwerkern, Autoschraubern, Bergleuten etc. zusammentut, um einen richtigen gesellschaftlichen… Mehr
Unseren Bauern gehts zu gut, da mucken ein paar im Internet rum, mehr nicht.
Na, sind die Regale beim ALDI noch gut gefüllt, natürlich auch Ihr eigener Kühlschrank. Auch wenn Sie es nicht glauben, das kann sich über Nacht ändern – und dann? Ich höre schon den Ruf nach den Bauern?
Ich wünschte wir alle wären so organisiert wie die Bauern. Wenn man sich mal mit einem Bauer unterhält und der mal anfängt zu erzählen wie die organisiert sind und wenn es da heißt man habe genug ab 12 Uhr wird Protest aufgefahren, dann weiß man bescheid. Es soll ja Menschen geben, darunter auch Politiker, die immer noch meinen ein Bauer sei nicht so gebildet etc. . Na dann fröhliches weiter verharren in dieser Welt. Kürzlich habe ich mich mit einem Unterhalten, man kennt sich, der gerade seine neu erworbene Ernte/Verarbeitungsanlage ganz stolz zum ersten Mal in betrieb hätte. Preis keine… Mehr
… und wenn sie nicht Protest auffahren, dann ist es auch fein, gelle?
und? Dann schüttet Ursula von der Leyen das Füllhorn an Agrarsubventionen halt über die Niederlande aus und schon ist wieder Ruhe. Noch nicht einmal ein Sturm im Wasserglas, eher ein laues Lüftchen.
Die EUDSSR wünscht eben keinen öffentlichen Widerspruch zu ihrer segensreichen Ökostalinismus Nummer…..und so schweigen eben auch die durch den Staat subventionierten angeblich unabhängigen Medien zu den Notwehraktionen einer für die nationale Unabhängigkeit überlebenswichtigen Lebensmittelproduzenten…..
den grössten Fehler,den die Bauern je gemacht haben,war,sich in politisch durchseuchten Standesvertretungen mit CDU-Politikern als Vorstände zu sammeln….
Die Geschichte ist schnell zu Ende erzählt. Der Primärsektor der niederländischen Wirtschaft beschäftigt heute noch etwa 1,7 bis 1,9% der berufstätigen Bevölkerung – und dies, obwohl die Niederlande der zweitgrößte Agrarexporteur der Welt ist. Direkt erwirtschaftet dieser Teil auch nur etwa 1,7% am gesamten Bruttosozialprodukt der Niederlande. Erst mit der nachgelagerten Verarbeitung schraubt sich dieser Anteil auf ca. 9% hoch. Der weitaus größte Teil der Bevölkerung arbeitet im Tertiärsektor (84%) und erwirtschaftet ca. 70 bis 80% der Gesamtwirtschaftsleistung. Die größten Branchen innerhalb dieses Sektors sind die Logistik (Rotterdam & Schiphol) sowie der Sektor der Finanz- und Versicherungsbranche. Auch arbeitet der… Mehr
Das ist eben das Problem. Wenn es keinen Primärsektor mehr gibt, was wollen die Finanz- und Versicherungsbranche dann noch finanzieren und versichern? Da sieht man, wie blöd die sind. Über kurz oder lang geht’s auch an deren Jobs!
„was wollen die Finanz- und Versicherungsbranche dann noch finanzieren und versichern?“
Rohstoffimporte und deren Termin-/Preisabsicherung.
Da sieht man, wie blöd manche Fragen sind …
Gut, das mag sein. Die Frage ist, ob das dieselben Prämien abwirft wie eine funktionierender Orimärsektor. Da habe ich meine Zweifel. Wie immer etwas zu kurz gedacht.