Niedrige Speicherstände: Reiche weist Sefe an, mehr Gas einzulagern

Bislang lehnte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche einen Eingriff in den Gasmarkt ab. Nun ordnet sie das bundeseigene Energieunternehmen Sefe an, mehr Gas einzuspeichern – wegen niedriger Füllstände und geopolitischer Risiken. Engpässe sieht das Ministerium immer noch nicht.

picture alliance / Andreas Gora | Lenny Karpe

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) verschärft ihren Kurs zur Sicherung der Gasversorgung. Das Ministerium hat das bundeseigene Energieunternehmen Sefe offenbar angewiesen, zusätzliches Erdgas zu beschaffen und einzuspeichern. Das berichtet das Handelsblatt unter Berufung auf Ministeriumskreise.

Die Anweisung erfolgte demnach am späten Dienstagabend und war mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) abgestimmt. Die Bundesregierung greift damit stärker in den Gasmarkt ein, um die Versorgung Deutschlands abzusichern.

Mitte September beteuerten Wirtschaftsministerium und Bundesnetzagentur noch, es gebe keine Gasmangellage. Die Haushalte könnten sich auf die Verträge, Pipeline-Lieferungen aus Norwegen und den Niederlanden sowie auf LNG-Lieferungen verlassen. Gleichzeitig hatte Reiche den bundeseigenen Gasimporteur hinter den Kulissen jedoch dazu angehalten, Gas zur Befüllung der Speicher einzukaufen – möglichst „in kleinen Schritten“, damit der Markt nicht aufschreckt. Das Ziel: mehr als 70 Prozent Füllstand.

Damals soll es sich aber explizit nicht um eine Anweisung gehalten haben. Das ist jetzt anders: Nun macht Reiche aus der Aufforderung einen Auftrag.

Grund für die Verschärfung ihres Kurses sind die weiterhin niedrigen Füllstände der deutschen Gasspeicher, auch wenn weiter keine Engpässe abzusehen seien, hieß es in Ministeriumskreisen. Der zentrale Grund für den Schritt liege in den weiter andauernden geopolitischen Risiken.

Die deutschen Gasspeicher sind derzeit zu 57,74 Prozent gefüllt – deutlich weniger als in den Vorjahren. Vor einem Jahr waren es um diese Zeit bereits 74 Prozent. Hier sind die aktuellen Befüllstände der Speicher aller europäischen Nationen abrufbar.

Reiche hatte in den vergangenen Monaten einen früheren staatlichen Eingriff in den Gasmarkt abgelehnt. Zugleich erklärte sie, für unterschiedliche Szenarien Instrumente vorbereitet zu haben. Nach Einschätzung des Ministeriums ist nun der Zeitpunkt gekommen, eines davon einzusetzen.

„Die Beauftragung der Sefe mit zusätzlicher Beschaffung ist eines dieser vorbereiteten Instrumente“, heißt es aus dem Wirtschaftsministerium. Wie viel Gas tatsächlich gekauft und wann es eingespeichert wird, soll Sefe allerdings selbst entscheiden. Die Regierung erteilt damit den Auftrag zur zusätzlichen Beschaffung, überlässt die konkrete Umsetzung aber dem bundeseigenen Unternehmen.

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Kommentare ( 40 )

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Tom Engel
7 Tage her

..sie muss ein BUNDESEIGENES Unternehmen ANWEISEN und verkündet das LAUT in der Presse, das es alle hören können,damit sie als Gute dasteht ?

Was stimmt nicht (mehr) in Deutschland ?

LF
7 Tage her

Dieser Druck Gas einkaufen zu müssen, wird den Einkaufspreis ordentlich nach oben treiben, was der Regierung letztendlich egal sein kann, zahlen wird es der Verbraucher. Was die Regierung offensichtlich nicht verstanden hat ist, im Sinne der Verbraucher, sprich der Bürger zu handeln. Eben damit kein Schaden entsteht, sondern abgewendet wird, so wie geschworen, oder? 

WU-Mitglied
7 Tage her

Das ist kein „Eingriff in den Markt“, sondern lediglich eine Änderung der Einkaufstaktik – wenn auch unter selbstverschuldetem Druck.
Ansonsten: nur Lettland und Slowakei haben niedrigere Füllstände.

Cubus
7 Tage her

Dummheit und Inkompetenz als Ursache reichen nicht, das ist Vorsatz. Deutschland, wie alle anderen großen Industrieländer auch, werden privatisiert, dafür muss das Alte, das „Morsche“ weichen. Im Klartext heißt das, BlackRock und Co. werden alles übernehmen, denn da sind wir verschuldet! Das Personal haben wir ja schon.

AlexR
7 Tage her

Doch schon!? Frau Reiche ist eine „sehr weise und vorausschauende Politikerin“. Kaum jemand anderes wäre auf eine solche Idee gekommen.

Wie lange müssen wir diese Flachzangen-Regierung noch ertragen?

Verzeihtnix
8 Tage her

Es geht doch nichts über einen Holzofen und eine Kettensäge.

Raul Gutmann
8 Tage her
Antworten an  Verzeihtnix

… oder die Ölquelle im Garten.
Siehe hierzu Reinhard Meys einschlägiges Lied.

Aegnor
8 Tage her

Das Lustige ist, dass die 57% zu einem guten Teil durch die extrem niedrigen Füllstände gerade von Sefe als bundeseigenem Importeur zustande kommen. Dieser hat mit die größten Speicher in Deutschland aber gerade mal einen Füllstand von 36,5%. Alle anderen großen Speicherbetreiber liegen teils deutlich drüber. Nächste Woche beginnt die Heizperiode. Viel Spaß, da die Speicher weiter zu füllen, wenn der Bedarf nach oben schießt.

Guzzi_Cali_2
8 Tage her

Wenn das Ganze ähnlich professionell abläuft, wie ausnahmslos ALLES in dieser Regierung, dann „Gute Nacht um Sechse“.
Vielleicht sollte man die Gasbeschaffung den Finanzämtern überlassen – wenn auch sonst NICHTS in diesem Land funktioniert, die Steuereintreiber sind an Geschwindigkeit und Präzision nicht zu toppen.

Der Person
8 Tage her

„Stupid German money“: besonders dumme finanzielle Entscheidungen, z.B. Aktien auf ihrem höchsten Kurs zu kaufen. Oder Gas im Winter zu ordern.

Klaus Uhltzscht
8 Tage her

Von Palästina lernen heißt Siegen lernen:
Und zwar haben nämlich in Palästina die Häuser überhaupt keine Heizungen.