Russland schraubt die operativen Kosten des Krieges für die Nato in die Höhe – jenseits des eigentlichen Schlachtfeldes.
picture alliance / AP Photo/Vadim Ghirda | Vadim Ghirda
Über die Kosten des Ukraine-Krieges für „den Westen“ (hier verstanden als Nato- und EU-Länder) ist viel und kontrovers geschrieben worden. Es geht, über den Daumen gepeilt, um rund 500 Milliarden Euro an direkten humanitären, finanziellen und militärischen Hilfen für die Ukraine seit Februar 2022 (Stand Juni 2026). Dazu kommen indirekte Kosten (gestiegene Energiepreise, Inflation, Kosten für ukrainische Flüchtlinge, gestiegene Transportkosten durch die Schließung des russischen Luftraumes und so weiter). Eine frühe Studie (November 2023) errechnete einen Impakt von 1,7 Prozent des GDP nur für Europa, was mehr als 300 Milliarden Euro entspricht – pro Jahr. Die meisten KI-Modelle spucken eine Zahl um 1.500 Milliarden Euro an kumulierten indirekten Kosten für Nato- und EU-Länder aus. Zusammen mit den direkten Ukraine-Hilfen wären das 2.000 Milliarden. Gestritten wird darum, ob das nun viel oder wenig ist – Kriegsgegner sagen, es ist Wahnsinn, andere sagen, es wäre auf Dauer teurer, Russland nicht die Stirn zu bieten. Alles ist bekanntlich relativ.
Das soll aber nicht das Thema dieses Artikels sein, sondern eine bislang viel kleinere, aber neue Entwicklung: Russland schraubt neuerdings die operativen militärischen Kosten für Nato-Länder jenseits des eigentlichen Schlachtfeldes in die Höhe. Noch geht es nicht um Milliarden, sondern um Millionenbeträge, aber der Trend ist beunruhigend.
Massiert tauchen Drohnen vor allem entlang der rumänischen Grenze auf. Wahrscheinlich ist es „nur“ ein Nebeneffekt der russischen Raketen- und Drohnenoffensive gegen die Hafenstadt Odessa, nahe der rumänischen Grenze. Es kann aber auch der Beginn einer gezielten Eskalation an der Grenze zu Nato-Ländern sein.
Es führt jedenfalls zu einem starken Anstieg der sogenannten „Alpha Scrambles“ der rumänischen Luftwaffe und alliierter Flugzeuge, also einem Aufstieg von Abfangjägern binnen Minuten, um ein unidentifiziertes Flugobjekt abzufangen.
Binnen drei Tagen im Juli (24.–26.) mussten rumänische und alliierte Abfangjäger siebenmal aufsteigen, dabei schossen rumänische F-16 drei vermutlich russische Drohnen ab. Am 12. August kam eine vierte dazu, abgeschossen von spanischen F-18. Spanien hatte am 1. August die Nato-Mission zur Verteidigung des rumänischen Luftraums von Großbritannien übernommen.
Alle vier Monate übernimmt ein anderes Nato-Land einen Teil des Luftschutzes über Rumänien. Die Briten mussten in diesen vier Monaten siebenmal aufsteigen, weil sich unidentifizierte Flugobjekte dem rumänischen Luftraum näherten, und führten darüber hinaus 42 Trainingsstarts durch. Solche „Tango“ Scrambles dienen der Aufrechterhaltung der Alarmbereitschaft, sie bestehen darin, Flugzeuge binnen 15 Minuten in der Luft zu haben.
Am 16. August stiegen wieder alliierte Jäger zu einem „Alpha“-Einsatz auf, und am 20. August brachten zwei rumänische F-16 eine Wasserdrohne unbekannter Herkunft zur Explosion, mit Schüssen aus der Bordkanone. Die Drohne befand sich in unmittelbarer Nähe der Bohrinsel Neptun Alpha im Schwarzen Meer.
Rumänische Medien berichteten, allein die drei Abschüsse im Juli hätten die rumänische Luftwaffe 1,5 Millionen Euro gekostet. Davon entfielen 1,2 Millionen auf die drei verwendeten Sidewinder-Luftabwehrraketen, der Rest auf Flug- und Instandhaltungskosten. Das Medium fügte hinzu, das sei auf die Dauer finanziell nicht tragbar, zumal für den Abschuss von Drohnen, deren Stückkosten oft bei weniger als 20.000 Dollar liegen. Das entspricht etwa den Kosten für eine Flugstunde der F-16, aber die Flugzeuge sind durchschnittlich mehr als 1,5 Stunden in der Luft, und nie allein – mal zu zweit, mal zu viert.
Wenn man die Rechnung des Mediums extrapoliert, dann hat der spanische Drohnenabschuss wohl noch einmal 500.000 Euro gekostet. Insgesamt kam es seit Beginn des Krieges zu mehr als 100 „Alpha“-Einsätzen über Rumänien. Kostenpunkt (ohne Munition): rund 60.000 Euro pro Einsatz (zwei Flugzeuge) für die rumänischen F-16, bei 62 Alpha-Einsätzen seit Beginn des Krieges fast vier Millionen Euro. Die Tendenz ist stark steigend.
Übrigens hat Rumänien seit Kriegsbeginn nicht nur finanzielle Kosten durch den Ukraine-Krieg: Bereits 2022 verlor das Land einen MiG-21-Abfangjäger und einen Puma-Hubschrauber über dem Schwarzen Meer, acht Soldaten starben. Insgesamt kam es seit Beginn des Krieges zu mehr als 100 „Alpha“-Einsätzen über Rumänien, wenn man die der Nato-Verbündeten dazurechnet. Kostenpunkt (ohne Munition): rund 60.000 Euro pro Einsatz (zwei Flugzeuge) für die rumänischen F-16, bei 62 rumänischen Alpha-Einsätzen seit Beginn des Krieges fast vier Millionen Euro. Die mehr als 40 Einsätze der westlichen Partner dürften ebenso viel gekostet haben, denn deren Flugzeuge (etwa F-18 und Eurofighter) verbrauchen mehr Treibstoff. Der Einsatz teurer Luft-Luft-Raketen kommt neuerdings hinzu.
Das sind aber nur die akuten Alarm-Einsätze: Viel häufiger sind die Tango-Starts zu Trainingszwecken (mehr als 500 seit Kriegsbeginn über Rumänien).
Blickt man über Rumänien hinaus, so kommt man auf insgesamt mehr als 14.000 Tango- und Alpha-Einsätze (ein Einsatz = mindestens zwei Kampfflieger) seit Kriegsbeginn. Gekostet hat das bisher etwa 1,5 Milliarden Euro. Das ist immer noch nicht viel, gerechnet über fünf Jahre und die diversen Nato-Länder. Zudem wird auch in Friedenszeiten trainiert, und manchmal gibt es auch im Frieden Alpha-Einsätze. Gewisse Kosten dafür fallen also immer an.
Die Tendenz ist aber steigend. Es sind nicht nur Drohnen: Auch russische Flugzeuge nähern sich immer häufiger unidentifiziert den Grenzen von Nato-Ländern, und zwingen deren Luftwaffen zu Alarmstarts. 250 Prozent mehr als im Vorjahr hieß es Anfang August bei der Nato. Das kostet nicht nur Geld, sondern geht auch mit Abnutzung einher. Kampfflugzeuge müssen allgemein nach etwa 200 Flugstunden umfassend gewartet werden. Solche Abnutzung zu erzwingen, mag durchaus ein Ziel der Russen sein.
Es gibt einen Präzedenzfall für solche Taktiken: Ab 2015 bürdete die Türkei dem finanziell damals maroden Griechenland durch tägliche Luftraumverletzungen erhebliche Kosten auf.
Übrigens kosten nicht nur Luftwaffeneinsätze Geld, sondern auch immer mehr und immer größere Nato-Manöver, um die Abwehrbereitschaft des Bündnisses zu steigern. Allein die Übung „Steadfast Defender“ 2024 kostete 1,5 Milliarden Euro.
Immerhin mag man argumentieren, dass dies notwendige Ausgaben gegenüber dem russischen Aggressor sind. An die Substanz des Westens geht aber natürlich auch der gleichzeitige Iran-Krieg mit seinen erheblichen direkten und indirekten Kosten (verschossene Munition, materielle Verluste der USA, höherer Ölpreis, höhere Versicherungsprämen, längere Transportwege). Die Kosten beider Kriege für „den Westen“ seriös zusammenzurechnen, und die langfristigen strukturellen Konsequenzen für Wehr- und Wettbewerbsfähigkeit, Wohlstand und politische Stabilität abzuschätzen, das wäre einmal ein gutes Forschungsthema.


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