Baumann bei Maischberger: Das Opfer lacht am Marterpfahl

Sandra Maischberger bittet mal wieder zum AfD-Grillen. Inklusive der üblichen, im Publikum platzierten Kopfschüttler. Doch das Feuer verglimmt. CDU-Mann Nathanael Liminski bleibt blass und blutleer. Und AfD-Mann Bernd Baumann ist einfach viel zu fidel, um als Opfer zu taugen.

Screenprint: ARD / Maischberger

Das betreute Denken kehrt mit voller Wucht aus der Sommerpause zurück. Markus Lanz fährt im Zweiten leider nur Gäste aus der B-Liga auf, doch in der ARD stellt Maischberger einen weiteren AfD-Marterpfahl auf. Angebunden wird mit Bernd Baumann der parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Bundestagsfraktion. Doch für den gemeinsamen Feuertanz rund um das Opfer hat sich die Moderatorin leider den Falschen an die Seite geholt: einen CDU-Minister aus Nordrhein-Westfalen, der  Bundes- und Europaangelegenheiten macht. Auch „Internationales“ und was mit „Medien“ steht auf seiner Visitenkarte. Nathanael Liminski heißt er, Freunde nennen ihn Schliminski. Muss man sich aber alles nicht merken.

Lage der Nation
Polit-Beben im Osten: Sachsen-Anhalt entscheidet ALLES
Beim Tanz um den Marterpfahl vertrauen Maischberger und Liminski auf die bekannten Kampfgesänge, doch die klingen mehr und mehr wie eine öde Litanei. So soll sich Baumann nach üblicher Talkshow-Unsitte für Äußerungen von Kollegen rechtfertigen, ja sogar für Gesänge und einen missglückten Stauffenberg-„Witz“ (des Kabarettisten Uwe Steimle). Der Kriegspfad ist der alte: Konfrontiere den AfD-Mann mit den Zitaten anderer, vermeide aktuelle politische Themen nach Kräften und unterbrich ihn, wann immer es geht.

Das Problem: Baumann lässt sich das nicht bieten. Fröhlich steht er da an seinem Pfahl, hat die Fesseln hinter dem Rücken längst gelöst und gibt Gegenfeuer. Als Liminski ihm allzu nonchalant das Thema Migration aus den Händen nehmen und kleinreden will („Da sind wir uns ja einig“), zieht Baumann plötzlich die Fäuste nach vorn: „Wir sind überhaupt nicht einig in der Migrationspolitik. Sie haben gerade mal 9.000 abgeschoben.“ Die angebliche Abschiebungsoffensive habe Merz lediglich versprochen. „Nichts davon hat er umgesetzt. Hunderttausende sind dazugekommen. 1.600 sind zurückgewiesen worden. Also 99 Prozent kommen weiterhin rein.“

Liminski gerät in die Defensive, greift in die Mottenkiste des üblen Rechts-Rechts-Nazisprech, holt Björn Höcke hervor, ja sogar den längst vergessenen Gauland. Alle werden zitiert, auf dass Baumann nur endlich einmal Ruhe geben möge.

Macht er aber nicht.

Bremer Christen
TE-Exklusiv: Kirche feuert Mitarbeiterin wegen Kandidatur für den Kreistag
Dass die AfD angeblich zur Gewalt aufrufe, weil Kabarettist Steimle einen missglückten Witz ablieferte („Wo ist Stauffenberg, wenn man ihn braucht?“) lässt Baumann nicht auf seiner Partei sitzen. „Mit Gewalt kenn ich mich aus. Vor meinem Haus sind fünf Autos verbrannt worden in einem Jahr“, sagt er. Die Antifa sei das Problem, und die werde in Hamburg sogar von der CDU mitfinanziert. Zum Stauffenberg-Witz selbst sagt er: „Das ist ein Witz, den hätte ich nicht gemacht“, aber das reicht den beiden Totentänzern nicht.

Wenn sie ihn nicht gerade unterbricht, streut Maischberger ein, im Umfeld des Spitzenkandidaten von Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, gebe es Nazis. Und wenn ihr Baumann zu ausführlich antwortet, wird sie auch schonmal beleidigend: „Wir haben ein bisschen einen Sprung in der Platte.“

Dann Liminski wieder: Die AfD brauche „ständig einen Gegner, einen Feind. Ich brauch’ das nicht für meine CDU.“ Damit meint er lustigerweise die Partei, die seit Jahren die AfD zu ihrem Hauptfeind erklärt hat. Weitere Stichworte zieht er wie feucht gewordene Pfeile aus dem Köcher: „Spione aus China“ – gemeint ist der Krah-Mitarbeiter, vor dem der Verfassungsschutz nicht warnte, obwohl er ihn als Spion längst kannte. Dann: „In Fanboy-Manier“ würde sich die AfD „irgendwelchen Big Tech-Unternehmen anbiedern“. Und schließlich malt er – gähn, bald Mitternacht – mal wieder das Bild von der bösen AfD an die Wand, die sogar gut integrierte Fachleute mit Migrationshintergrund und deutschem Pass ausweisen wolle.

Baumann dementiert – mal wieder – und sagt – mal wieder –, dass das eine erfundene Geschichte sei. Maischberger fragt trotzdem nochmal nach. Baumann dementiert nochmal, Maischberger fragt nochmal. Supergähn.

Italien bläst zum Angriff
Deutsche „NGOs“ brachten 22.500 Migranten nach Italien – Rom fordert Entschädigung
Es ist das übliche Kuriositätenkabinett. Baumann muss sich ständig für Historisches, Erfundenes oder fremde Zitate rechtfertigen. Man könnte ebensogut zehn Minuten lang fragen, warum Liminski den Spitznamen „Schliminski“ trägt, warum er nach seinen Schwulen-Statements bis heute mit Homophobie-Vorwürfen kämpft. Warum er Keuschheit vor der Ehe als wichtige „Zeit der Prüfung“ propagierte, selbst jedoch vor der Ehe sogar Vater wurde.

Könnte man. Tut aber keiner. Außer bei der AfD. Da immer.

Auch heute gibt sich Liminski wieder extrem traditionsverbunden. In der CDU singe man dauernd die Nationalhymne, man lebe „einen gesunden Patriotismus“ und habe „ein völlig entspanntes Verhältnis zu unserer Nationalflagge“. Steilvorlage für den munteren Baumann. Er erinnert trocken daran, „dass Merkel das Deutschlandfähnchen angewidert von der Bühne geschmissen hat“.

Der Marterpfahl gerät ins Wanken.

Apropos wackeln. Immer wenn Baumann spricht, fängt die Kamera im Publikum die pure Fassungslosigkeit ein. Mit Profi-Kopfschüttlern, wie man sie seit Jahren kennt. Also jene Gäste, die immer dann demonstrativ ihr Haupthaar durchs Bild wedeln, wenn „der böse Rechtsextreme“ spricht. Zwei Zuschauer erweisen sich dabei heute als extrem engagiert und untalentiert. Bei einem grauhaarigen Gast kann man buchstäblich zusehen, wie er auf dem Studiomonitor erkennt, dass er im Bild ist und dann völlig überraschend und geradezu kafkaesk überzeichnet den Kopf nach links und rechts dreht. Sein Laienschauspiel würde eher in eine Friseusen-Soap passen – Rollenbeschreibung: Der Kunde, der im Spiegel seinen neuen Haarschnitt kontrolliert.

Ohne genug und billigen Strom keine Zukunft
Vor Magdeburg zittert Klingbeil um seinen Parteivorsitz – Merz urlaubt noch
Baumann, die Hände frei, teilt tüchtig aus. Er erinnert mit sichtlicher Freude daran, dass seine AfD in Sachsen-Anhalt doppelt so stark sei wie die CDU und in Mecklenburg-Vorpommern sogar viermal so stark. Dabei verteufelt er die ehemalige Volkspartei nicht. Selbstverständlich könne man etwas gemeinsam auf die Beine stellen – „zur Not mit der CDU, wenn es irgendwie vernünftig ist“. Und er ist darauf aus, „dass einzelne CDU-Leute, die es wirklich ehrlich meinen, dass die dann rausgehen und sagen, wir kommen jetzt zu euch“.

Ein Liminski, so viel ist sicher, kommt dafür nicht in Frage: Er sieht bei der AfD „eine Rhetorik, die niederste Instinkte bei Menschen bedienen soll: Neid, Missgunst, Angst, Ekel, Hass.“

Immer wieder versucht Baumann es mit konkreten Fragestellungen und aktuellen Problemen. Doch Liminski winkt ab. Und stellt sich mitunter selbst ein Bein. So sei etwa das Thema Zurückweisung an der Grenze ein ganz alter Hut, behauptet er. „Das wurde übrigens schon diskutiert 2015 unter meinem alten Chef Thomas de Maizière lange, bevor die AfD irgendwas dazu sagen musste. Keine Sorge.“ Eine weitere Steilvorlage für Baumann. Der entgegnet nur knapp: „Diskutiert, aber nichts gemacht.“

Die Brandmauer bezeichnet Liminski als „völlig überdehnt und überbewertet“, zelebriert sie aber die ganze Sendung über. Selbst Konrad Adenauer vereinnahmt er für seinen Hass. „Was der zur AfD sagen würde, da bin ich mir ziemlich sicher“, posaunt der CDU-Mann. Baumann hingegen glaubt: „Konrad Adenauer wäre heute auf unserer Seite.“

Tobias Gall im TE-Interview
Die Umerziehung des Bürgers: So entzieht Ihnen der Staat Ihre Rechte
Einige unterhaltsame Sprüche hat an diesem Abend auch das „Panel“ der drei wie immer allwissenden Journalisten zu bieten. Börsen-„Expertin“ Anja Kohl redet sich beim Thema Wind und Solar so sehr in Rage, dass die Arme auf der Tischplatte erzittern. „Erneuerbare Energie sind derzeit die billigste Form“, sagt sie entgegen aller Fakten, und „fossile Treibstoffe sind die teuersten überhaupt“. Dabei spürt man eine gewisse Zufriedenheit in ihrem Blick. Noch zufriedener ist sie nur mit dem Vizekanzler. Auf den hält sie große Stücke: „Herr Klingbeil ist ein charakterlich integrer Politiker.“ Beim Stichwort AfD hingegen grollt und giftet sie so extrem, dass man ihren Ekel geradezu durch den Fernseher riechen kann. Das seien alles EU-Feinde, Putin-Freunde, und vor allem gebe es „so wenig Wirtschaftskompetenz bei der AfD“.

Ihr Kollege Christoph von Marschall (Tagesspiegel) wandelt unterdessen auf den Spuren des Umweltministers Schneider und behauptet, die globale Erhitzung sei schon ganz entscheidend gebremst worden. Dabei zitiert er den Weltklimarat, ohne allerdings zu erwähnen, dass eben dieser die Klimaapokalypse längst offiziell abgesagt hat. Die jahrzehntelang zelebrierten Modelle seien leider unplausibel, hieß es bereits vor Monaten.

Bei Maischberger erfährt das selbstverständlich niemand.

Deutschland habe „sehr stark auf die Verhinderung des Klimawandels gesetzt“, sagt von Marschall. Das sei nicht falsch, aber die Mittel müssten nun „ein bisschen weniger in die Klimawandelverhinderung und etwas mehr in die Anpassung“ gehen. Kohl stimmt freudig mit ein, schlägt mobile Wasserstationen für die Städte vor und Sonnensegel, um die Fassaden zu kühlen.

Dann der Lacher des Abends: „Es gibt keine einfachen Antworten und vor allem keine ideologischen.“ Sagt Anja Kohl …

Übrigens: In der Sendung dauerte es exakt 180 Sekunden, bis erstmals die legendären „12.000 Hitzetoten“ dieses Sommers erwähnt wurden. Das betreute Denken muss schließlich weitergehen.

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 136 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

136 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Dr. Rehmstack
17 Tage her

Vielen Dank für die Erwähnung der gecasteten headbangers, die immer dann ins Bild kamen, wenn der Unmögliche etwas Richtiges sagte, dann waren sie so aktiv, als hätte ihr hochbegabtes Kind schon wieder eine sechs nach Hause gebracht. Dass den Machern dieses nicht inzwischen hochnotpeinlich ist, das ist so banal, so offensichtlich, geradezu grenzdebil? Sitzt da ein Redakteur und sagt: und dann brauchen wir noch auf den und den Plätzen einen unserer Kopfschüttler, wen haben wir denn da noch auf der Liste, Kann mal einer bei der FU anrufen? Aber unter uns, was mich wirklich interessiert: weiß jemand, wann Frau Maischberger… Mehr

GR
18 Tage her

Wenn man eine Lüge nur lange genug wiederholt setzt sie sich im Hirn als Wahrheit fest. Zumindest bei den Anhängern des betreuten Denkens.

Gerro Medicus
18 Tage her

Maischberger: eine Sendung von Doofen für Doofe mit überwiegend Doofen. Mehr gibt es nicht zu sagen.

Michael M.
17 Tage her
Antworten an  Gerro Medicus

Vollste Zustimmung, nichts anderes ist dieser unsägliche Bockmist.

Thorsten
18 Tage her

Ich würde diesen Talkshow-Talkern empfehlen „Höcke himself“ einzuladen, wenn sie seine Zitate mal so richtig zerflettern wollen.
Alternativ: „ich ruf ihn an und wir spielen ihn ein“.
Trauen die sich aber auch nicht.

Kassandra
18 Tage her
Antworten an  Thorsten

Vielleicht kommen ja mal Zeiten, wo 2 Blaue gegen einen letzten BrandMaurer eingesetzt werden.
Aber das wird dann nicht mehr der örr sein, wie wir ihn bisher kennen.

Apfelmann
18 Tage her
Antworten an  Thorsten

Höcke wäre super im TV. Das wäre wie ein schlimmer Verkehrsunfall, alle würden das sehen wollen. Aber das wird nicht passieren, Höcke kneift sogar vor Wagenknecht. Dann wird er auch nicht in eine Talkshow gehen. Der kann nur vom Schreibtisch reden ohne Widerworte. Das hat der so gelernt. Ist halt so.

Michael M.
17 Tage her
Antworten an  Apfelmann

Sie verzapfen mal wieder Unsinn und vermutlich wissen Sie das sogar selber 🥳.

babylon
18 Tage her

Nathanael, schlecht und laienhaft gemartert. Ab zu den Mohikanern, da kann er sachgerechtes Martern im workshop lernen.

maru
18 Tage her

Sowas anzuschauen – das würde ich mir NIE antun.
Seit 2020 habe ich auch kein TV mehr.

18 Tage her

Dem Dr. Baumann pinkelt niemand ans Bein. Der springt immer rechtzeitig zur Seite. Zur rechten natürlich. Gut so.

DELO
18 Tage her

Wie heisst die Sendung und auf welchem Erdteil wird sie ausgestrahlt? Ist das modernes Kabarett oder welchem Genre wird sie zugeordnet? Bekommt mein TV leider nicht rein. Scheint gesperrt zu sein.

rolandino
18 Tage her

Wie lange sollen wir diesen scheinheilig, verlogenen ÖRR noch finanzieren. Das DDR-Staatsfernsehen war dagegen noch harmlos.
Lasst uns das endlich beenden.
Sachsen-Anhalt muss den Anfang machen.

the toothfairy
18 Tage her

„Die multikulturelle Gesellschaft ist eine Illusion von Intellektuellen.“ (Helmut Schmidt 2004)

Kassandra
18 Tage her
Antworten an  the toothfairy

Ja. Und auf der Ebene klappt es dann halt auch.
Aber nur Untereinander.
.
Und hingegen wird millionenfach der analphabetische, zum Teil auch noch kriminelle Bodensatz aus aller Welt vor die Füße gekarrt.

Michaelis
18 Tage her
Antworten an  the toothfairy

Es gab Zeiten, wo ich Helmuts „Visions“-Bonmot wenig hilfreich fand. Inzwischen bin ich da (leider) ziemlich desillusioniert.

Gerro Medicus
18 Tage her
Antworten an  the toothfairy

Da muss ich Helmut Schmidt widersprechen. Die multikulturelle Gesellschaft ist eine Illusion von Idioten!
Die Linken glauben, den Sozialismus mithilfe der Moslems durchsetzen zu können. Die Moslems glauben, den Islam mithilfe der Linken durchsetzen zu können. Beide halten sich gegenseitig für nützliche Idioten.