Apokalypse Now – aber bitte richtig

Den vier apokalyptischen Reitern (Seuchen, Krieg, Hunger, Tod) hat sich ein fünfter hinzu gesellt: die Klimakatastrophe. Zu ihnen kommen nun noch vier apokalyptische Gespenster: Verzicht, Umkehr, Buße, Sozialismus.

Den vier apokalyptischen Reitern (Seuchen, Krieg, Hunger, Tod) hat sich ein fünfter hinzu gesellt: die Klimakatastrophe. Weltuntergangsfanatiker kriegen sich derzeit nicht ein vor Entsetzen und klammheimlicher Freude. Hitzetote, trockene Flüsse, Waldbrände. Alles von Menschen verursacht, von wem sonst! Es gibt nur eine Lösung: Verzicht, Umkehr, Buße, Sozialismus (das sind meine vier apokalyptischen Gespenster). Alle Macht den Aktivisten! Wenn es denn so einfach wäre.

I.

Die Sache mit den Hitzetoten etwa. Laut Robert-Koch-Institut sind es in Deutschland bereits 12.500 in diesem Sommer. Die Zahl ist nicht falsch – bloß bedeutet sie etwas anderes als es in überhitzten Talkshows behauptet wird. Sie bezeichnet nicht die Summe der kausal wegen Hitze (Hitzschlag etc.) Verstorbenen, sondern ist ein statistischer Wert für die allgemeine Übersterblichkeit in warmen Sommern. Auch in lange zurück liegenden Jahren wurde ein solcher Wert gemessen. Bei Hitze steigt die Sterblichkeit – immer schon – von Hochbetagten und chronisch Kranken, deren Kreislauf, deren Nieren in der Wärme früher als erwartet versagen. Eine Hitzewelle kann den Tod gebrechlicher Menschen beschleunigen. Tatsächlich sinkt deshalb nach der Abkühlung die Sterblichkeit unter den Durchschnitt. Warum? Schnitter Tod hat bereits geerntet. Deshalb wird dieses statistische Phänomen in der Wissenschaft Harvesting-Effekt genannt. Verlorene Lebenszeit ist es allemal. Umgekehrt bewirkt die Klimaerwärmung auch mildere Winter. Es ist unbestreitbar, dass die indirekten Folgen von Kälte (Erkältungskrankheiten etc.) die Sterblichkeit ansteigen lassen.

Statistisch gesehen ist ein gewöhnlicher Winter tödlicher als der heißeste Sommer. Die Zahlen sind eindeutig: Eine 2023 in The Lancet Planetary Health erschienene Untersuchung von 854 europäischen Städten schätzte für den Zeitraum 2000 bis 2019 jährlich rund 130.000 kältebedingte gegenüber rund 13.600 hitzebedingten Todesfällen. Der ungarische Ökonomen Tamás Hajdu untersuchte rund 40 Millionen Todesfälle in 28 europäischen Ländern zwischen 2015 und 2024 und errechnete die Differenz zwischen „Hitzetoten“ und „Kältetoten“. Netto blieben 900.000 Menschen dank milderer Winter länger am Leben. Das entsprach einem durchschnittlichen Gewinn von gut 2,3 Monaten an Lebenserwartung. (Quelle: Economics & Human Biology). Hitze wie Kälte erhöhen die Mortalität – so war das zu allen Zeiten.

Fazit: Die bisherige Erwärmung Europas hat vermutlich hunderttausende Leben verlängert, obwohl Zehntausende zusätzlich an den Folgen von Hitze sterben. Das aber taugt nicht als Prognose für die Zukunft. Es könnte sein, dass sich in Zukunft die zunehmende Hitze schädlicher auswirkt. Sicher ist nur, dass die aufgeheizte Debatte eher politisch/ideologische Absichten verfolgt.

II.

Ähnlich undifferenziert läuft auch die Debatte um die Austrocknung der Flüsse. Der Wassermangel hat mit der Hitze direkt nichts zu tun. In den Tropen ist es noch heißer – und regnet nahezu täglich, weil bei Hitze mehr Feuchtigkeit verdunstet. Klimafolgenforscher haben mehr und heftigere Niederschläge in unseren Breiten prophezeit. Auch ist zu unterscheiden zwischen Wassermenge und Pegelständen. Die Pegel sinken auch wegen des Ausbaus des Rheins in den letzten Jahren. Die Wassermenge (Abfluss) ist ebenfalls gesunken, aber lange nicht so dramatisch. Zu den Ursachen zählt, dass das Wasser in den Bergen schneller abfließt (wegen der Wärme bleibt es nicht länger als Schnee gebunden). Regen im Winter ist deshalb schlecht für die Flüsse. Früher gab es Trockenheit eher im Winter. Weil die Gletscher derzeit schneller schmelzen, hat die Hitze das Niedrigwasser sogar etwas gemildert. Keine guten Aussichten. Wenn Greenpeace im Rheinbett mit der „Klimakatastrophe“ Propaganda treibt, dramatisiert und verfälscht es Tatsachen – die beunruhigend genug sind.

III.

Nach den vielen, anstrengenden Fakten, die so schlecht in die Weltbilder (welche auch immer) passen, eine satirische Pointe: In Mozarts „Entführung aus dem Serail“ steigert Osmin („Beim Barte des Propheten“) seine Rachsucht ins Unermessliche. Was er den Ungläubigen verspricht, ist dies: „Erst geköpft, dann gehangen, dann gespiesst auf lange Stangen, dann verbrannt, dann gebunden und getaucht, zuletzt geschunden.“ So halten es auch die Klimaaktivisten. Sie verwünschen den Teil der Menschheit, der ihnen nicht folgen will – und versprechen den Ungläubigen alle Tode zugleich an den Hals. Fragt sich nur in welcher Reihenfolge.

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Kommentare ( 65 )

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65 Comments
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Mugge
15 Tage her

Verzicht ist der Weltuntergangsfanatiker und Klimaaktivisten Sache sicher nicht. Haute Cuisine hat auch nie viel auf dem Teller, aber man muss sie sich leisten können.

Last edited 15 Tage her by Mugge
Logiker
15 Tage her

Wer sich aufregt, bezahlt für die Sünden anderer.

Manchmal sogar für die eigenen – sh. hier.

Last edited 15 Tage her by Logiker
Jens Frisch
15 Tage her

„Oh Gott! Wir müssen alle sterben!“
– rufe ich den Untergangsgläubigen zu, nur, das war schon immer so, genauso wie das Wetter schon immer unbeständig war.
Die Propheten des menschengemachten Klimaarmageddons möchte ich nur eines fragen: Wie kam es zur mittelalterlichen Warmzeit? (ca. 950-1200)

depa
15 Tage her

Klimaprediger, entweder Flagelanten im neuen Gewand oder gierige Abzocker.

joly
14 Tage her
Antworten an  depa

Die Flagellanten haben sich für die Sünden der Menschen gegeißelt – aber nur gegen klingende Münzen. Heute bluten diese Flagellanten nicht – aber sie kassieren massiv und halten bei jeder Gelegenheit die Hand auf. Oder simulieren eine festgeklebte Hand.

Anglesachse
15 Tage her

Moin Herr Herles,
dann treten jetzt also die apokalyptischen Reiter eher „invasiv“ auf…
Sie haben in Ihrer Abhandlung leider ein Faktor vergessen: Die Population hier in Europa hat um etliche Prozente zugenommen und wird hierbei gar nicht berücksichtigt.
Überspitzt ausgedrückt: Wir können nicht einfach Mortalität einer heutigen Bevölkerungsstärke mit Der unserer Neanderthal-Vorfahren vergleichen.
Kurzum, die Chance hier und heute vom Höhlenbären gefressen zu werden ist ungleich geringer als vor 60.000Jahren.

Last edited 15 Tage her by Anglesachse
GermanMichel
15 Tage her

Man muss zwischen Real und Geschwätz unterscheiden.

Die 3 apokalyptischen Reiter
– Seuchen
– Hunger
– Krieg

sind real, denn in dieser Reihenfolge sind sie es seit jeher, die die Population der Tierart Homo Sapiens begrenzen.

Das ist genau wie bei anderen Tierarten, und im Tierreich gibt es kein Geschwätz, nur die realen Spielregeln der Evolution.

Der Rest ist dann Geschwätz, das erst unheimlich wichtig ist, und dann bedeutungslos wird, wenn die 3 apokalyptischen Reiter zuschlagen.

Deutscher
15 Tage her

Was ist mit denen, die sterben, weil ihnen Winterkälte oder Herbstfeuchte stärker zusetzen? Was ist mit denen, die an der ständigen Panikmache leiden und deren Leben sich wegen der damit implizierten Dauerstressbelastung verkürzt?

Retlapsneklow
15 Tage her
Antworten an  Deutscher

Grandios! Man stribt nicht an der „Klimaerhitzung“, sondern an der Panikmache. Das muss unbedingt noch korreliert und kausaliert werden!

alter weisser Mann
16 Tage her

Die Pegel sinken
Wieder einer der es nicht verstanden hat, der Pegel ist ein gewillkürter und fixierter Messpunkt (Pegelnullpunkt) und ändert sich nicht. Was sinkt oder steigt, ist der Pegelstand oder Wasserstand, der kann sowohl über, auf und auch unter dem Pegel liegen.

Franz Grossmann
16 Tage her

Wolfgang Herles ist zwar in den Alternativen Medien Stammgast und klagt wortgewaltig über die Altparteien, die Deutschland sichtlich an die Wand fahren. Aber er weigert sich, die einzige Partei in Deutschland, die klare Alternativen zur Politik der Altparteien aufzeigt, als wählbar zu bezeichnen. Es scheint vielen Kommentatoren Vergnügen zu bereiten, den Weg Deutschlands in den Untergang mit vielen Worten zu begleiten.

thinkSelf
16 Tage her

Alleine der Versuch, zu argumentieren, ist bereits ein Akt bedingungsloser Kapitulation. Menschen handeln nicht rational und die „Realität“ spielt bei ihren grundlegenden Entscheidung keinerlei Rolle. Und das ist so, weil das, im Gegensatz zur Intuition, einen evolutionären Vorteil darstellt.

Noch ein kleiner Hinweis: Die Sterblichkeit liegt immer bei 100% und die dauerhafte Überlebensfähigkeit dieses Planeten exakt bei 0. Und im Alter von uns beiden (ich erlaube mir in diesem Punkt Mal diesen vertrauten Ton), hat der tatsächliche Zeitpunkt dieses Ereignisses nur noch marginale Relevanz.