Bundeswehr bildet ukrainische Soldaten aus – viele desertieren

Seit Beginn des Krieges im Februar 2022 hat die Bundeswehr im Rahmen der EU-Mission EUMAM Ukraine 29.000 ukrainische Soldaten in Deutschland ausgebildet. Die meisten Ukrainer kehren nach den mehrwöchigen Kursen an die Front zurück, zahlreiche Soldaten haben sich jedoch abgesetzt.

picture alliance/dpa | Klaus-Dietmar Gabbert
Ukrainische Soldaten trainieren mit einem Leopard 1A5 Kampfpanzer auf einem Truppenübungsplatz in Sachsen-Anhalt.

Allein in Sachsen-Anhalt sind seit 2022 mehr als 80 ukrainische Soldaten von den Übungsplätzen, darunter dem Truppenübungsplatz Altengrabow, geflohen. Deutschlandweit dürften es mehrere Hundert Fälle sein. Das Bundesverteidigungsministerium bestätigt lediglich „vereinzelte“ Entfernungen, eine bundesweite Statistik gibt es nicht, berichtet dazu aktuell Die Zeit.

Ukrainische Medien wie TSN, Glavkom und Korrespondent.net bestätigen die Dimensionen: TSN berichtet detailliert von mindestens 80 Fällen allein in Sachsen-Anhalt – die Männer gelten nach ukrainischem Recht als Deserteure. Gemäß Artikel 408 des ukrainischen Strafgesetzbuchs drohen ihnen bei einer Rückkehr fünf bis zwölf Jahre Haft. Viele der Betroffenen waren nicht freiwillig zur Armee gegangen, sagten sie in den Interviews mit der Zeit. Sie wurden von den Territorialen Rekrutierungszentren (TCK) zwangsrekrutiert – wie etwa der 39-jährige Wolodymyr Schulgin aus Dnipro: Nur wenige Tage nach seiner gewaltsamen Aufnahme in die Armee landete er zur Ausbildung in Deutschland und nutzte dort die Gelegenheit zur Flucht. Seine Familie, die bereits in Deutschland lebt, konnte er später wiedersehen.

Anders als die über eine Million ukrainischen Zivilflüchtlinge fallen diese geflüchteten Soldaten nicht unter den Schutzstatus nach Paragraf 24 des deutschen Aufenthaltsgesetzes: Dieser gilt für Personen, die „aus der Ukraine vertrieben“ wurden, aber nicht für Militärangehörige, die von ihrer Regierung nach Deutschland entsandt wurden. Viele der Deserteure stellten trotzdem Asylanträge und berufen sich auf die drohende Verfolgung. Die Erfolgsaussichten für diese Anträge gelten als gering, eine Auslieferung während laufender Verfahren ist jedoch unwahrscheinlich.

Anfangs kamen hochmotivierte fronterfahrene Soldaten nach Deutschland, um den Umgang mit westlichen Systemen wie der Panzerhaubitze 2000, Leopard-Panzern oder Patriot-Raketenabwehr-Systemen zu erlernen. Heute seien es mehrheitlich unerfahrene, oft widerwillig übende Rekruten. Die Ausbildung an den 60 Standorten in Deutschland umfasst ein Schießtraining, Tarnen, Erste Hilfe und das Erlernen taktischer Grundlagen.

Die ukrainische Armee hat bekanntlich massive Personalprobleme. Offizielle ukrainische Zahlen und Berichte von Behörden wie dem Generalstaatsanwalt zeigen: Seit 2022 wurden mehr als 250.000 Strafverfahren wegen eigenmächtigen Verlassens der Truppe und Desertion eingeleitet. Allein in den ersten Monaten 2025 und 2026 stiegen die Zahlen dramatisch. Das Verteidigungsministerium sprach Anfang 2026 von 200.000 Deserteuren und von mehreren Millionen Männern, nach denen gesucht werde.



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Kommentare ( 9 )

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Lucius de Geer
4 Minuten her

„Die Ausbildung an den 60 Standorten in Deutschland umfasst ein Schießtraining, Tarnen, Erste Hilfe und das Erlernen taktischer Grundlagen.“ – Wer beim Bund war, weiß wie sinnlos diese „Ausbildung“ dort ist. Schon im Kalten Krieg hat man uns nicht zu wirklich einsatzfähigen Soldaten ausgebildet (und ich rede von den Panzergrenadieren). Die ukrainischen Männer mit dem 40 Jahre alten Leo 1 A5 in den modernen Krieg ziehen zu lassen, ist einfach verantwortungslos, um nicht zu sagen: eine Verhöhnung. Verstehe jeden, der da die Gelegenheit nutzt abzuhauen.

Bernd Simonis
11 Minuten her

Kann man verstehen, Kriege sollten diejenige auch führen, die das grosse Wort reden (Putin, Trump, Selenski, Merz, Kiesewetter) . Friedrich der Grosse ritt immer ganz vorne, wurde auch getroffen. Es gäbe kaum noch Kriege, würde man sich daran halten.

Ralph Martin
12 Minuten her

Um ein paar abtrünnige Provinzen unbedingt zu halten und Rüstungsfirmen reich zu machen würde ich auch nicht sterben wollen.
Vollstes Verständnis.
Und als Nichtkonfliktpartei bilden wir Soldaten der einen Seite aus?

Ich bin RECHTS
18 Minuten her

Woran erkennt man, dass ein Staat jeden moralischen Kompass verloren hat ?

Ganz einfach:
Wenn dieser Staat einen aussichtslosen Krieg ohne jedes Keiegsziel gegen eine Atommacht über viele Jahre mit 2-stelligen Milliardensummen anheizt und glrichzeitig Fahnenflüchtlinge mit Bürgergeld verwöhnt.

Seit 2011 nicht mehr mein Staat.

Spyderco
3 Minuten her
Antworten an  Ich bin RECHTS

,,Woran erkennt man, dass ein Staat jeden moralischen Kompass verloren hat ?“

Wenn er einen anderen Staat mit Steuermilliarden unterstützt,welcher ,nach Feststellung des BGH vom 15.12.2025 ,die Energie-Infrastruktur Deutschlands angegriffen hat?🤔

https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Strafsenate/3_StS/2025/StB__60-25.pdf?__blob=publicationFile&v=1

Last edited 32 Sekunden her by Spyderco
humerd
23 Minuten her

nicht schlimm, mit dem besten Kanzler Merz und dem allerbesten Verteidigungsminister Pistorius, den die Ukraine haben kann …

Janosik
35 Minuten her

Was sagt eigentlich das Völkerrecht über den Staat, der die Arme des anderen Staates in dieser Weise unterstützt, wenn dieser andere Staat in dem bewaffneten Konflikt teilnimmt. Ich denke nicht dass die Verbrecher die hier regieren, das Recht nicht biegen werden aber das ist ja relevant für die Leute die danach ihre Taten auswerten (falls es welche Leute danach noch gibt).

Kraichgau
45 Minuten her

Eine Armee,die wissentlich Soldaten ausbildet,die mit den bekannten ukrainischen Zwangsmassnahmen eingezogen wurden,sollte sich schämen,sich demokratisch zu nennen

Memphrite
8 Minuten her
Antworten an  Kraichgau

Aber es geht doch um „unsere Demokratie“ 🙂