Fauci-Berater bekennt sich schuldig: Virenforschung in Wuhan verschleiert

David Morens, einst enger Berater Anthony Faucis, hat ein Geständnis abgelegt. Er hat die Finanzierung der Virenforschung in Wuhan durch US-Gelder verschleiert und wollte für Peter Daszaks Ruf kämpfen. Der dankte ihm mit Rotwein für gemeinsame „Mauscheleien“.

picture alliance / Sipa USA | Sipa USA

Die Kreise um Anthony Fauci werden enger. Nun ist ein enger Fauci-Mitarbeiter ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Der 78-jährige ausgebildete Kinderarzt, aber hauptsächlich Gesundheitsbeamte David Morens, ein ehemaliger leitender Berater am Nationalen Institut für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID), bekannte sich am Dienstag schuldig. Er gab zu, an einer Verschwörung zur Umgehung der Gesetze über öffentliche Akteneinsicht beteiligt gewesen zu sein und konkret Regierungsdokumente verheimlicht zu haben, in denen es um öffentliche Fördermittel und die Covid-19-Pandemie ging. Damit bestätigt sich, was Republikaner im Kongress vor zwei Jahren formulierten: Es gab „eine Verschwörung auf höchster Ebene“ am NIAID/NIH (National Institutes of Health), um den Ursprung der Corona-Epidemie zu verschleiern.

Desaströses Lebenswerk
Anthony Fauci oder 50 Jahre Dr. Tod
Vorausgegangen waren Ermittlungen des US-Justizministeriums zur unrechtmäßigen Verschleierung letztlich offizieller E-Mails zur Vergabe von Bundesfördermitteln. Und bei diesen Fördermitteln ging es um die umstrittene Gain-of-function-Forschung an Coronaviren, die dank der von Fauci vergebenen US-Mittel in Wuhan stattfinden konnte. Zu den Experimenten von Wuhan sagte der deutsche Fauci, Christian Drosten, Anfang 2022 in der Welt: „Das hätte echt nicht sein müssen.“ Dort seien „durchaus Sachen gemacht worden, die man als gefährlich bezeichnen könnte“. Nur Sars-CoV-2 hätte dabei natürlich nicht herauskommen können. Anfang 2020 hatte Drosten zu den heftigsten Gegnern der Laborthese gehört, war Scharfmacher im Kreis um Fauci gewesen – was für eine Verstrickung auch des deutschen Virologen in diese Forschung sprechen könnte.

Morens drohen nun fünf Jahre Gefängnis. Denn er wurde im Gegensatz zu Fauci vom Biden-Team nicht auf den letzten Metern der Macht per automatischer Unterschrift (Autopen) begnadigt. Pech gehabt, könnte man nun sagen, die Kleineren beißen die Hunde. Aber auch die Frage, ob die Autopen-Begnadigungen durch einen dementiell erkrankten Präsidenten gültig sind, bleibt vollkommen offen. Wenn sie im Fall von Anthony Fauci gültig war, dann hätte der Ex-NIAID-Chef kein Aussageverweigerungsrecht mehr. Wenn sie nicht gültig war, dann droht auch Fauci eventuell ein Prozess.

Für Beobachter der Entwicklungen ist Morens’ Geständnis „ein wichtiger erster Schritt, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, die die rücksichtslose Forschung in Wuhan finanziert haben“.

Mitverschwörer Peter Daszak

Brisant ist das Geständnis in der Tat. Denn er nennt darin einen weiteren Namen, den von Peter Daszak, jenem britisch-amerikanischen Zoologen und Zoonosen-Experten, zudem Präsident und Geschäftsführer der EcoHealth Alliance mit Sitz in New York, die eng mit der Virenforschung in Wuhan verknüpft war. Nach außen hin gab sich die EcoHealth Alliance das Ansehen einer gemeinnützigen Organisation mit der Aufgabe, „Menschen, Tiere und die Umwelt vor neu auftretenden Infektionskrankheiten zu schützen“. In Wahrheit surfte man auf der vordersten Welle der virologischen Avantgarde mit – mit allen zweifelhaften Implikationen, die dazugehören.

Die Instrumentalisierung der Wissenschaft
Kartell der Unfehlbaren: Faucis Notizen verraten das Versagen der Pandemie-Elite
Die tieferen Zusammenhänge erläutert die Staatsanwaltschaft am Bundesgericht des District of Maryland: Die EcoHealth Alliance (Company #1) von Peter Daszak (Co-Conspirator 1) erforschte „den Ursprung, die Übertragbarkeit und Auswirkungen neu auftretender Infektionskrankheiten, einschließlich solcher, die mit Coronaviren in Verbindung stehen, die ihren Ursprung in Tieren wie Fledermäusen haben“. 2014 vergaben die nationalen Gesundheitsinstitute der USA und ausdrücklich auch Faucis zugehöriges NIAID-Institut Forschungsmittel unter dem Arbeitstitel „Das Risiko des Auftretens von Fledermaus-Coronaviren verstehen“ an die EcoHealth Alliance. Daszak übernahm persönlich die Leitung des Forschungsvorhabens. Weitere Fördermittel gingen im selben Zuge an das Virologie-Institut Wuhan.

Seit letztem Jahr hat US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy jede weitere Mittelvergabe an Daszaks Non-Profit-Organisation ausgeschlossen. Die Ermittlungen des Ministeriums hatten ergeben, dass US-Steuergeld zur Finanzierung von Gain-of-function-Forschung in China genutzt worden war, namentlich um Viren ansteckender und damit tödlicher zu machen.

FOIA-Dame lehrte das Löschen von E-Mails

Daszak wird in Morens’ Geständnis als „Mitverschwörer 1“ geführt. Morens schickte E-Mails von seiner privaten Adresse aus, damit sie nicht durch Informationsfreiheitsanfragen öffentlich würden. Solche Anfragen fand der Geheimniskrämer Morens naturgemäß „schrecklich und paranoia-induzierend“. Er bekannte sich zur Geheimhaltung als Existenzmodus: „Wir sind alle klug genug, um zu wissen, dass man niemals eindeutige Beweise hinterlassen darf. Und wenn wir solche hätten, würden wir sie nicht in E-Mails schreiben. Und wenn wir sie fänden, würden wir sie löschen.“ Generell riet Morens zum Löschen von E-Mails, „wenn ein Thema zu sensibel wird“. Es gab offenbar Instruktionen von FOIA-Spezialisten (Freedom of Information Act). Im Februar 2021 schrieb Morens in einer E-Mail: „Ich habe von unserer FOIA-Dame hier gelernt, wie man E-Mails verschwinden lässt, nachdem eine FOIA-Anfrage eingegangen ist, aber noch bevor die Suche beginnt – ich denke also, wir sind alle auf der sicheren Seite.“ Morens glaubte sich auf der sicheren Seite, auch bei Nachrichten über zwielichtige Geldflüsse. Was damit in den Blick kommt, ist ein viel breiteres Vertrauen von Bundesbediensteten, die Rechtslage umgehen zu können. Ein System, das Donald Trump und Elon Musk auf breiterer Front mit der DOGE-Behörde angingen.

Täuschung der Öffentlichkeit
Corona-Impfung: Fauci diskutierte intern das Fehlgeburtsrisiko
Der Sonderausschuss des Kongresses zur Corona-Pandemie konnte dennoch Tausende Seiten seiner Korrespondenz sichern, wiederherstellen und teils veröffentlichen. Öffentlich ist damit auch ein Schreiben von Daszak, in dem dieser Morens für seine „Ratschläge, Unterstützung und Mauscheleien hinter den Kulissen“ dankte, auch für den „Kampf gegen den Boss deines Bosses, seinen Boss und den obersten Boss auf dem Hügel“, womit letztlich die erste Trump-Regierung gemeint sein dürfte. Die Rede ist auch von der „rachsüchtigen Natur der Regierung“. Das Dankesschreiben begleiteten zwei Flaschen eines Rotweins aus dem Napa Valley mit dem Namen „The Prisoner“. Wie beziehungsreich: Ist das schon Bio-Mafia-Code für „Du weißt, dass du mit drinhängst“?

Einen Monat später veröffentlichte Morens einen Artikel mit dem Titel „Der Ursprung von Covid-19 und warum er von Bedeutung ist“ (The Origin of COVID-19 and Why It Matters). Darin verbreitete er das Gerücht, Covid-19 hänge mit einem Virenstamm zusammen, der „Fledermäuse und Schuppentiere (Pangoline) in Asien und Südostasien auf natürliche Weise infiziert“. Die Ironie ist in der Tat, dass die Gain-of-function-Forschung genau unter dem Vorwand stattfand, dass man für solche „natürlichen“ Erreger gewappnet sein müsse. Dabei erzeugen die Forscher darin selbst gefährlichere, ansteckendere und tödlichere Erreger, als in der Natur vorkommen.

Morens warf sich in die Bresche – warum?

Die Krönung war freilich, dass Peter Daszak auch zu der WHO-Mission gehörte, die 2021 nach Wuhan reiste, um die Ursprünge des neuen Coronavirus zu erforschen. Dazu musste der selbst verstrickte Forscher also zunächst eigenes Wissen verleugnen, um dann dem Ursprung auf dem Wildtiermarkt von Wuhan oder sonst einer erfundenen Geschichte zu frönen. In dem damals entstandenen WHO-Bericht galt die Laborthese als „Möglichkeit“, wenn auch unwahrscheinlich. Erst später erklärte sich Daszak für befangen durch seine Zusammenarbeit mit dem Wuhaner Virologie-Institut.

In den E-Mails von Morens an Daszak ist stets von einer „Ungerechtigkeit“ und vom Adressaten als „Opfer“ die Rede, den man gegen „Arschlöcher“, die zu mächtig sind, verteidigen müsse. Diese Aufgabe wollte der Fauci-Berater Morens gerne neben anderen übernehmen. Diese Nibelungentreue – woher rührte sie, was trieb Morens dabei an? – könnte ihm nun auf die harte juristische Tour zum Fallstrick werden.

Daszak hat derweil längst eine neue gemeinnützige Organisation „Nature Health Global“ aufgebaut, die sich angeblich auch der Bekämpfung von „Disinfo“ widmet. Dazu zählt man etwa die These, das Coronavirus sei in einem „Biolabor der NATO“ entwickelt worden und einige Thesen zu den rund um Corona entwickelten „Impfstoffen“. Man könnte glatt auf die Idee kommen, auch hier das Spiel weiterzuspielen und anzunehmen, dass das Gegenteil von Daszaks Behauptungen der Wahrheit nahekommt.

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 0 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

0 Comments
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen