Ex-Armeechef Saluschnyj: „Leider werden wir niemals der NATO beitreten“

Für aussichtslos hält der ehemalige Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte und heutige Botschafter in Großbritannien, Walerij Saluschnyj, die Chancen seines Landes auf eine NATO-Mitgliedschaft. Meinungsumfragen sahen den populären General lange auf Augenhöhe mit Selenskyj.

Screenshot X / Finest

„Leider werden wir niemals wirklich beitreten“, erklärte der General am Montag bei einem Treffen ukrainischer Botschafter in Kiew – er habe dies laut der Zeitung „Jewropejska Prawda“ (Europäische Wahrheit) und der „Ukrajinska Prawda“ so formuliert.

Walerij Saluschnyj, der die ukrainischen Streitkräfte in den ersten kritischen Jahren des russischen Angriffskriegs führte, begründete seine Einschätzung mit jahrzehntelanger Erfahrung: „Ich kenne die NATO sehr gut. Etwa zwölf Jahre lang habe ich persönlich daran gearbeitet, sicherzustellen, dass wir die NATO-Standards erfüllen, und jedes Jahr habe ich Märchen darüber gehört, wie wir dann jeden Tag der NATO beitreten würden.“ Die Ukraine erfülle die militärischen Standards in keiner Weise. Es sei „unmöglich, mit dem Entwicklungsstand der ukrainischen Streitkräfte einer Organisation beizutreten, die sich von Doktrinen des Zweiten Weltkriegs leiten lässt“. Dem Land fehle die Technologie, die in NATO-Staaten bereits im Einsatz sei – darunter Raketenabwehr und auch die  Weltraumfähigkeiten.

Harte Kritik auch an den NATO-Strukturen

Der Botschafter kritisierte auch die Allianz scharf, berichtet pravda.com.ua  – die NATO werde voraussichtlich in ihrer jetzigen Form versteinert sein und weitere zwölf Jahre brauchen, um Standards von wenigstens die Hälfte des Niveaus der Russischen Föderation zu erreichen.

Dennoch betonte Saluschnyj, dass die Ukraine genau jene Technologien benötige, über die NATO-Mitglieder verfügen, aber statt auf die NATO zu setzen, solle Kiew sich an neuen Sicherheitsbündnissen orientieren. „Die Ukraine wird sich an Blöcke und Allianzen binden, die sich wahrscheinlich jetzt erst bilden werden. Am wahrscheinlichsten werden wir über einen europäischen militärischen Sicherheitsblock sprechen.“ Auch die Joint Expeditionary Force (JEF) unter britischer Führung bewertete er positiv.

Das strategische Ziel einer NATO- und EU-Mitgliedschaft ist seit dem Jahr 2019 in der ukrainischen Verfassung verankert. Doch die Realität der Kriegsjahre hat die Hoffnungen auf einen Beitritt gedämpft.

Saluschnyj war im Februar 2024 von Präsident Wolodymyr Selenskyj als Oberbefehlshaber entlassen worden – offiziell wegen „Meinungsverschiedenheiten über die Kriegsführung“. In Kiew wird aber offen über die politische Rivalität mit dem Präsidenten gesprochen: Meinungsuforscher sehen den populären General als Konkurrenten Selenskyjs, seine Versetzung nach London wurde vielfach als eine wenig elegante Entfernung aus der Innenpolitik interpretiert.

Russland lehnt bekanntlich eine ukrainische NATO-Mitgliedschaft kategorisch ab und hat sie stets als eine der zentralen Kriegsursachen dargestellt. Westliche Partner haben Kiew zwar immer wieder Beitrittsperspektiven in Aussicht gestellt, gleichzeitig aber betont, dass ein Beitritt während eines aktiven Konflikts und ohne volle Reformen unrealistisch sei. Saluschnyjs Aussagen treffen nun einen empfindlichen Nerv: Sie untergraben das offizielle Narrativ der ukrainischen Führung – und sie sollten eine Debatte über realistische Sicherheitsgarantien jenseits der NATO auslösen.

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Kommentare ( 22 )

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22 Comments
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Anglesachse
10 Tage her

Vielleicht eine Hypothese? Die EU/Nato wollte die Ukraine nie in der Nato haben, sondern nur das Land als EU-Vasall u. Konsument von Brüssel,s Gnaden. Diese „falschen Versprechen“ haben aber die Ukraine in den Krieg getrieben, statt einen neutralen Staat zwischen GUS und Nato zu fördern. „Onkel“ Putin hat jedoch NIE etwas gegen eine Ukraine-Mitgliedschaft in der EU gesagt. NUN rudert die Nato zur Ukraine Stückchen für Stückchen zurück… Die Argumentation des Waffenmangels der Ukraine ist nur eine weitere faule Ausrede, denn weder Holland u. Dänemark verfügen über ein „bombastisches Arsenal“… Warum allerdings die EU Russland wirtschaftlich ausgrenzt u. stattdessen mit… Mehr

verblichene Rose
10 Tage her

Spannend, wie hier ein absolut utopisches Szenario jahrelang als gesetzt verkauft wurde, während die echten Entscheider hinter den Kulissen vermutlich von Anfang an abgewinkt haben. Was bilden sich manche Ukrainer neuerdings eigentlich ein? Etwa, dass sie überall auf der Welt herzlich willkommen sind? Nur so viel: Hilfe und Respekt funktionieren nur auf Augenhöhe. Bei mir ist allerdings schon seit geraumer Zeit „Schluss mit lustig!“ Nicht nur, was die Ukrainer anbelangt…

HPs
10 Tage her
Antworten an  verblichene Rose

Die echten Entscheider (Frankreich & Deutschland) haben auch VOR DEN KULISSEN „abgewinkt“ – z.b. auf dem NATO-Gipfel von Bukarest 2008.

November Man
10 Tage her

So gewinnt die Ukraine jedenfalls keinen Krieg. Statt die Korruption zu bekämpfen blüht sie weiter. Korruptions-Skandal erschüttert Ukraine: Kommandeur lässt ganze Kompanie seine Luxussvilla mit Pool bauen. 83 Angehörige der ukrainischen Streitkräfte bauten monatelang das Eigenheim ihres Kommandeurs, mit militärischem Gerät. In der Oblast Odessa hat ein gravierender Fall von Machtmissbrauch innerhalb der ukrainischen Streitkräfte die Öffentlichkeit aufgewühlt und eine längst schwelende Debatte neu entfacht. Ein Major und Kommandeur einer Militäreinheit entzog über mehrere Monate hinweg 83 ihm unterstellten Soldaten ihre eigentlichen Verteidigungsaufgaben und setzte sie stattdessen als Arbeitskräfte für den Bau seiner privaten Villa im Rajon Podilsk ein. Mit… Mehr

Haeretiker
10 Tage her

„… seine Versetzung nach London wurde vielfach als eine wenig elegante Entfernung aus der Innenpolitik interpretiert.“
 
Auf den ersten Blick mag dasso erscheinen. Hört man aber genauer hin („Auch die Joint Expeditionary Force (JEF) unter britischer Führung bewertete er positiv.“), so ahnt man, dass UK ihn nur als Platzhalter in London parkt, weil mit Trump die USA das Interesse an Europa verloren und als Rammbock für das Albion wegfallen. Man denkt an den Krieg nach dem Krieg. Ähnlich wie im Herbst  1918 als der Erste Weltkrieg in den Folgekrieg, der zwei Namen trägt, mündete – alliierter Interventionskrieg bzw. russischer Bürgerkrieg.

leonaphta
10 Tage her

Haben die Sowjetrussen damals in den 60er Jahren gejammert, daß sie die Raketen nicht auf Kuba lassen konnten?
Das ist Geopolitik, nur scheint das heute dem Westen unbekannt zu sein. Er will lieber einen Atomkrieg.

Der Person
10 Tage her
Antworten an  leonaphta

Die Installation der Raketen war eine Reaktion auf die vorhergehende Stationierung von US-Raketen in der Türkei und sollte die USA zu deren Abbau zwingen. Was auch gelang, in der westlichen Presse aber natürlich anders verkauft wurde.

Auch damals waren es die USA, die den Streit anzettelten. Wie ein typischer Schulhofschläger, der auf offene Gewalt setzt (siehe auch Afghanistan, Syrien, Libyen, Iran, etc.). Während die Sowjets ihre Kriege abseits des Schlachfeldes durch Zersetzung führten.

HeRo
10 Tage her

Melnyk, der alte Banderist, stand im März 2021 (Genau 1 Jahr vor Kriegsbeginn) im Bundestag und sagte: „Entweder ihr lasst uns in die NATO oder wir besorgen uns selbst Atomwaffen!“ (-> Der Spiege(!) …“fast klingt es wie eine Drohung…“). Also eine grün/rote Regierung lässt einen Fan eines zehntausendfachen Judenm*rders im Bundestag reden! Melnyks Sohn war übrigens einer der ersten, der beim „plötzlichen angriffskrieg“ in Berlin war- in der Ukraine kann man sich nämlich vom Militärdienst freikaufen. Meine Info. Hinweis: In einer Therme gab’s einen Zwischenfall, als ein Mann mit einem Symbol auf dem Rücken rumrannte, das er abkleben musste. Aber… Mehr

Koepenicker
10 Tage her
Antworten an  HeRo

„Ich bin ein Nazi. Ich werde nicht ins Detail gehen – ob Nationalist, Patriot oder Imperialist. Ich sage es direkt: Ich bin ein Nazi. […] Wenn du einen Menschen tötest, fühlst du die Erregung der Jagd. Wer noch nicht jagen war, sollte es versuchen, es ist interessant.“
Alexei Miltschakow (Anführer „Russitsch“) ,Quelle : The Moscow Times ,24.2.26

Laurenz
10 Tage her

Nur Trottel wollen noch in die NATO, denn die NATO ist tot. Artikel 5 ist keinen sprichwörtlichen Schuß Pulver wert. Der Westen hat zugunsten beknackter linker Projekte das Militär vor die Hunde gehen lassen. Die NATO ist völlig fehlinvestiert. Die Großmachtsträume von Briten & Franzosen mit dem Bau von Flugzeugträgern sind nur noch ein lächerlicher Popanz. Die Royal Navy hat mehr Admirale als Schiffe. Und die Schiffe, die noch da sind, verbringen ihre Zeit meist in der Werft, weil sie überkonstruiert sind. Aufgrund der Blödheit von Briten & Franzosen gibt es auch keine gemeinsamen militärischen Intereressen. Selbst unser LüFri hat… Mehr

HPs
10 Tage her
Antworten an  Laurenz

Ich glaube nicht,
dass Schweden und Finnen Trottel sind.
Ich glaube, dass afd-Trollen Volltrottel sind.

Anglesachse
10 Tage her
Antworten an  HPs

Geglaubt wird in der Kirche!
Und ein selbstkonsturierter Hinweis (Trottel) ist kein Argument, denn ein Länderbezug stand nicht im Text.
Und was hat die afd damit zu tun um deren Wähler generell als „Volltrottel“ zu beschimpfen (Straftatbestand der Hetze !)?

Laurenz
10 Tage her
Antworten an  HPs

Habe ich irgendwas von der AfD geschrieben? Und ja, Schweden oder besser die Finnen sind Volltrottel. Die neue Mitgliedschaft in der NATO hat jetzt dafür gesorgt, daß anstelle nur wenig Russischen Grenzschutzes durch Armee-Einheiten verstärkt wurde. Die NATO ist völlig unfähig Finnland im Kriegsfall zu helfen. Der Verzicht auf Diplomatie ist selten dämlich.

humerd
10 Tage her

die Ukraine hat weder in der EU noch in der Nato etwas verloren.

Anglesachse
10 Tage her
Antworten an  humerd

…aber die EU kann die Argrarwirtschaft und Rohstoffe des Donez gut gebrauchen.

Urbanus
10 Tage her

Ukraine. Die Dividenden steigen, die Proletarier fallen.

Haba Orwell
10 Tage her

> der die ukrainischen Streitkräfte in den ersten kritischen Jahren des russischen Angriffskriegs führte Schon wieder werden die komplexen Hintergründe ausgeblendet, darunter das Neonazis-Toben seit dem Maidsn-Putsch. Dort wie im Baltikum werden Kriegsverbrecher als „Nationalhelden“ gefeiert – ob ein Zitat aus einem Röper-Artikel durchgelassen wird, was eigentlich gefeiert wird? > „… Das grausamste Ereignis war das Massaker in der Garage der Lietukis-Kooperative, die öffentliche Hinrichtung mehrerer Dutzend Juden, darunter Frauen und Kinder, die vor einer applaudierenden Menge mit Metallstangen erschlagen wurden. Ein deutscher Soldat fotografierte die Szene, und diese Bilder zählen zu den schrecklichsten Dokumenten des Holocaust. …“ Beim Einfall… Mehr

Last edited 10 Tage her by Haba Orwell
Haeretiker
10 Tage her
Antworten an  Haba Orwell

Polen braucht eine Begründung für seine territorialen Begehrlichkeiten in der Westukraine.

Anglesachse
10 Tage her
Antworten an  Haba Orwell

Ich habe den Artikel vom Röper auch gelesen, er betraf allerdings die Geschichtslasten der Balten und war ziemlich heftig, heute unsere „besten Freinde“.