Wie Peking und Taiwan, Moskau und Ukraine zusammenhängen

Sich selbst eine Meinung bilden, wird erst durch die Kenntnisnahme widersprechender Analysen möglich. Aber natürlich ziehen es viele (die meisten?) vor, sich dem einen oder entgegengesetzten Klischee anzuschließen. TE jedenfalls setzt fort, anderen Perspektiven Platz zu geben. 

IMAGO / ZUMA Press Wire

Zwei Nächte Anfang Juni schickte Russland mehr als 650 Drohnen und über 70 Raketen in die Ukraine. An Drohnen war es einer der größten russischen Angriffe des Krieges. Die Untersuchung von Wracks zeigte das gleiche. Flugregler, Optik, Motor und Kohlefaserhaut sind allesamt chinesische Produkte: in Russland zusammengeschraubt, aber in Shenzhen und Xiamen hergestellt.

Als Putin nach Trump in Peking war, ging er mit leeren Händen nach Hause – bei den Drohnen und ohne sibirische Pipeline. Xi Jinping soll Donald Trump gesagt haben, dass Putin „das ganze Abenteuer bereuen könnte“. Noch im Juli 2025 sagten Beamte nach einem vertraulichen Treffen des chinesischen Außenministers Wang Yi  mit EU-Kommissions-Vize Kaja Kallas das Gegenteil: Peking könne eine russische Niederlage nicht akzeptieren, um Washington nicht zu helfen, sich ganz auf China konzentrieren zu können.

Mike Kuiken and Randy Schriver, die Verfasser der hier referierten Analyse vom 10. Juni 2026, sagen: Will China eine Lieferkette nicht mehr, stoppt sie die. Tage nach Trumps Zöllen im April 2025 habe China Lizenzkontrollen auf sieben Seltene-Erden-Elemente und die benötigten Magnete gelegt. Innerhalb weniger Wochen sei bei der Ford Motor Company ein Werk in Chicago im Leerlauf gewesen. Im Oktober habe Peking die Regel auf jedes Produkt erweitert, das mehr als eine Spur chinesischer Seltenerden-Elemente enthält, und diese Erweiterung dann als Reaktion auf eine amerikanische Zollsenkung ausgesetzt, während die Kernkontrollen in Kraft bleiben. Chinas Strategie spielte 2023 ähnlich mit der Biden-Regierung für Gallium und Germanium und 2024 bei Exporten von Dual-Use nach Amerika. Ein Staat, der eine Ford-Linie über den Planeten schließen könne, dem fehle es nicht an Hebelwirkung gegenüber dem Lieferanten, den er in Russland finanziert.

Moskau, Teheran und Proxies erproben Chinas Waffen

Neun von zehn sanktionierten Technologien, die Russland importiert, kämen aus China. Wie die ballistische Rakete Oreschnik, die in der Nähe von Kiew getroffen hat, Wang Yi habe im Brüsseler Treffen bestritten, die Kämpfe anzuheizen. Wollte Peking Moskau wirklich helfen, wäre der Ukraine-Krieg bereits vorbei. Warum will Peking nicht? Der Krieg zahlt Peking in einer Währung, die die Export-Kontroll-Debatte nie zählt.

Admiral Samuel Paparo, Kommandeur der US-Streitkräfte im Pazifik, habe im Februar 2025, Chinas Manöver um Taiwan rehearsal-„Proben“ genannt. Das Wort passt zur Lieferkette. Jeder chinesische Chip, aus einer abgeschossenen Shahed-Drohne in Kiew gezogen, jede Führungseinheit, die von einer vom Iran unterstützten Huthi-Drohne im Roten Meer geborgen wurde, ist ein Live-Test, den die chinesische Armee nicht bezahlen musste. Moskau und Houthis erprobten chinesische Produkte unter echtem Feuer gegen echte Verteidigung: Leistungsberichte nach Peking. Drei Jahre lang sei darüber gestritten worden, was China bauen kann. Das war die falsche Frage. Was den nächsten Krieg entscheidet, ist, was China aus dem lernt, was es in zwei echten Konflikten erproben lässt.

Jede auf Kiew abgefeuerte Einheit festige die Doktrin der Volksbefreiungsarmee für die Taiwanstraße. Die Lehre beschränke sich nicht auf die Ausrüstung. Nordkorea habe mehr als 20.000 Soldaten in die Ukraine entsandt, mit Tausenden von Opfern. Aber die Überlebenden kehrten mit den Erfahrungen des Drohnenkriegs zurück.

Xi Jinping war in Pjöngjang – sein erster Besuch seit sieben Jahren. Nordkorea als zweite Front wäre eine Option als sicherster Weg, amerikanische Streitkräfte in Korea zu binden, während die Volksbefreiungsarmee auf Taiwan vorrückt. Xi hat die Einsatzbereitschaft der Truppe bis 2027 angeordnet – ein Datum, das CIA-Direktor William Burns bestätigt und Admiral Philip Davidson bereits 2021 genannt hat. Es gibt aber auch eine weniger spektakuläre Option: die Wahlen in Taiwan 2028 und die Kuomintang, deren neue Vorsitzende im Frühjahr nach Peking reiste und sich diesen Monat in den USA aufhält, um die Amerikaner vor einem „vermeidbaren Krieg“ um Taiwan zu warnen.

Eine beruhigende Erklärung lautete, Xi sei des Moskauer Juniorpartners überdrüssig. Die Beweislage spricht dagegen. Der Juniorpartner erledigt Chinas Drecksarbeit: Er schwächt Europa, lenkt Washingtons Aufmerksamkeit auf sich und testet die Mittel für einen Krieg im Pazifik.

Ist diese Realität akzeptiert, folgt daraus, Washington sollte aufhören, China um Hilfe in der Ukraine- oder Iran-Frage zu bitten. Peking profitiert von beiden Konflikten und sieht keine Nachteile in seiner Unterstützung für Moskau und Teheran. Der Westen sollte Chinas materielle Unterstützung für Aggression und Terrorismus schonungslos offenlegen, die Firmen, die Russlands und Irans Kriegsmaschinen antreiben, mit Sanktionen belegen und die Unterstützung für Taiwan verstärken. Eine russische Niederlage wäre das, was Peking nach eigenen Angaben nicht akzeptieren kann. Deshalb sollte Washington die Ukraine bewaffnen, um eine solche Niederlage herbeizuführen. Peking hat Putin nicht kampflos nach Hause geschickt. Es hat ihm seine Machtposition verlängert. Wir sollten diese Verlängerung nicht länger mit Zurückhaltung verwechseln und die Drohnenangriffe über Kiew endlich als das deuten, was sie sind: eine Generalprobe, ein inszeniertes Schauspiel.

Sich selbst eine Meinung bilden, wird durch die Kenntnisnahme widersprechender Analysen möglich. Aber natürlich ziehen es viele (die meisten?) vor, sich dem einen oder entgegengesetzten Klischee anzuschließen. TE jedenfalls setzt fort, anderen Perspektiven Platz zu geben.

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