Arabische Golfstaaten fürchten ein frühes Kriegsende

Die arabisch-muslimischen Golfstaaten haben sich im Iran-Krieg jetzt offen auf die Seite der USA und Israel geschlagen. Der Krieg dürfe nicht zu früh abgebrochen werden. Die einst geschlossene Front gegen Israel bröckelt mit der Dauer des Iran-Kriegs zusehends.

picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Jon Gambrell

Der VAE-Botschafter in Washington, Yousef Al Otaiba, schreibt in einem Meinungsbeitrag im Wall Street Journal, dass der Krieg mit dem Iran nicht zu früh beendet werden sollte. Auf keinen Fall, bevor Teherans langfristige Bedrohung für die Region beseitigt ist. Einen Tag nach Veröffentlichung des Artikels fielen – wie das „Abu Dhabi Media Office“ über den Social-Media-Dienst X meldet – Trümmer einer ballistischen Rakete, die vom Luftabwehrsystem erfolgreich abgefangen wurde, auf die Sweihan-Straße in der Hauptstadt der VAE. Zwei Personen seien getötet worden, drei verletzt, es entstand Sachschaden an mehreren Autos.

In dem Meinungsbeitrag mit dem Titel „Die VAE gegen den Iran“ schreibt Al Otaiba, dass der aktuelle Krieg ein abschließendes Ergebnis erfordere, das das volle Ausmaß der Bedrohung durch die Islamische Republik beende. Die Golfstaaten, die sich beim Zwölf-Tage-Krieg zwischen Israel und Iran im Sommer 2025 noch zurückgehalten haben, schlagen sich damit klar und deutlich auf die Seite Washingtons und Jerusalems.

Die VAE, die seit langem die internationalen Bankgeschäfte des Iran verwalten, haben damit begonnen, iranisch kontrollierte Vermögenswerte einzufrieren. Die Regierung der VAE erklärte, dass „bestimmte Institutionen, die direkt mit dem iranischen Regime und der Terror-Miliz IRGC verbunden sind, im Rahmen gezielter Maßnahmen geschlossen werden. Denn sie tragen zur Förderung von Agenden bei, die dem iranischen Volk nicht dienen und gegen die Gesetze des Landes verstoßen.“

Diese Maßnahmen könnten Teherans Zugang zu Fremdwährungen und globalen Handelsnetzwerken erheblich einschränken, gerade in einer Zeit, in der die Wirtschaft unter Inflation und Sanktionen leidet.

Auch Saudi-Arabien sei zahlreichen Drohnen-Angriffen aus dem Iran ausgesetzt gewesen, melden die staatlichen Nachrichten Al Hadath in Riad. Seit Beginn des Krieges am 28. Februar gab es Hunderte Angriffswellen aus dem Iran. Dabei kamen ballistische Raketen und Drohnen zum Einsatz, die erhebliche Schäden an Ölförderanlagen und Öltanks angerichtet haben. Trotz Angst vor einer Eskalation drängt Saudi-Arabien die USA, den Druck auf Iran aufrechtzuerhalten, keinen schnellen, „weichen“ Frieden zu schließen und harte Einschränkungen bei Irans Raketen-, Drohnen- und Atomprogramm zu verlangen. Riad gewährt auch in diesem Krieg der israelischen Luftwaffe Rechte, den Luftraum zu nutzen.

Auch Kuwait wurde vom Iran mit Raketen und Drohnen angegriffen, teilt das Hauptquartier des Generalstabs der Kuwait-Armee mit. Das kuwaitische Außenministerium begrüßte die Entscheidung des Menschenrechtsrats, der die iranischen Angriffe auf Golfstaaten als „Verletzung der Menschenrechte“ verurteilte. Das Außenministerium in Kuwait betonte, dass die Entscheidung des Menschenrechtsrats eine breite internationale Ablehnung der iranischen „eklatanten Aggressionen“ widerspiegele.

„Israel hat ein Existenzrecht, und Angriffe gegen es müssen aufhören“, sagt auch Ugandas Chef der Verteidigungsstreitkräfte, General Muhoozi Kainerugaba, auf X. „Wir wollen, dass der Krieg im Nahen Osten jetzt endet. Die Welt hat genug davon“, schreibt er und fügt hinzu: „Jede Diskussion über die Zerstörung oder eine Niederlage Israels werde Uganda in den Krieg auf die Seite Israels ziehen“.

Uganda habe sowohl den USA als auch Israel die Unterstützung der ugandischen Verteidigungskräfte angeboten. „Wir hätten Teheran in 72 Stunden ohne Bombenangriffe einnehmen können“, behauptet der General, „aber natürlich hören sie nie auf einen Schwarzen.“

Zwei Wochen nach Beginn des Krieges gegen den Iran wusste die „Berliner Zeitung“, die für eine bestimmte Sorte Journalismus steht: „In den Hauptstädten der Region wächst deshalb der Unmut über Washington und Jerusalem. Diplomaten aus mehreren Golfstaaten berichten, dass die USA und Israel offenbar die Intensität der iranischen Gegenreaktion massiv unterschätzt hätten.“ Eine Meldung, in der der Wunsch stärker ist als die aktuelle Nachrichtenlage.

Der Hintergrund, warum arabisch-muslimische Golfstaaten sich offen gegen den Iran stellen, könnte auch in der jahrhundertealten Auseinandersetzung zwischen Sunniten und Schiiten liegen. Mekka und Medina, die Zentren des Islam, liegen in Saudi-Arabien. Sunniten bilden mit 85 Prozent im Islam die Mehrheit.

Der Westen kennt das Judentum, das auf Moses und den zehn Geboten fußt. Es akzeptiert Jesus und seine Bergpredigt, hat aber wenig Basiskenntnisse über den Islam und inner-islamische Streitigkeiten. Der historisch gesehen oberste Imam (Qua´im) der Schiiten, Muhammad al-Mahdi, „lebt im Verborgenen und wird am Ende der Zeiten erscheinen, wenn die Welt von Ungerechtigkeit und Chaos erfüllt ist, um sie mit Gerechtigkeit zu füllen“. In den Erklärungen zum Koran (Hadith) heißt es mit der Quellenangabe Kamal al-Din by al-Saduq: „Der Qāʾim wird nicht erscheinen außer in einer Zeit großer Angst Erschütterungen und schwerer Versuchungen (Fitna).“

Die Schiiten – („Shiat Ali“ = Partei Alis) – glauben bis heute, dass der Oberste Imam des 12-Rates in einer Höhle im Norden Irans lebt. Im Südlibanon haben israelische Soldaten schiitische Broschüren gefunden, aus denen hervorgeht, dass der Oberste Imam der Schiiten das göttliche Licht direkt von Allah empfangen hat. Damit seien seine Entscheidungen fehlerlos.

Hierin könnte auch der religiöse Grund für die andauernden Angriffe des Iran auf die muslimischen Bruderstaaten liegen. Die Ayatollahs wollen in der Golfregion das totale Chaos erreichen. In einer Art Doppelstrategie buhlen sie gleichzeitig um die Gefolgschaft gegen die Ungläubigen – USA und Israel. Für westlich geschulte Köpfe ist diese widersprüchliche Strategie schwer nachzuvollziehen. Darin liegt eine der Ursachen für falsche Deutungen der aktuellen Gesamtlage.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Gefahr, die der Iran-Krieg für sein Land bedeutet, erkannt und ist umgehend in die Golfregion gereist. Die USA könnten ihre ohnehin zurückhaltende Unterstützung für die Ukraine vollends beenden, weil der Iran-Krieg für Washington eine vorrangige Bedeutung hat. Über das Wochenende hat Selenskyj Vereinbarungen mit Saudi-Arabien, den VAE und Qatar unterzeichnet. Die Ukraine will damit ihre Erfahrungen mit der Abwehr iranischer Raketen und Drohnen zur Verfügung stellen. Teheran liefert bekanntlich seit langem Angriffswaffen an Russland.

Politisch entsteht dadurch die absurde Situation, dass die Bundesregierung, die der größte Ukraine-Unterstützer ist, mit dem Iran-Krieg nichts zu tun haben will. Selenskyj engagiert sich dagegen im Iran-Krieg langfristig auf der Seite der Golfstaaten. Auf eine Erklärung aus Berlin darf man gespannt sein.

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Kommentare ( 115 )

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horrex
10 Tage her

Gut, dass sie das in aller Deutlichkeit schreiben!
Mir scheint sehr, dass all die Implikationen hier aus einer gewissen Blindheit/Feindseligkeit heraus – selbst HIER – immer noch nicht von Vielen verstanden werden.
Über unsere Regierung schweige ich.
Den Typen aus Uganda kann man wohl nur belächeln. Wenngleich er sich – wohl unbewusst, oder aus Instinkt – auf die „richtige“ Seite zu stellen versucht. –

Neumann
10 Tage her

Dass der Iran Gebühren für die Hormus-Passage erheben könnte, fände ich grotesk. Vielmehr sollte dem Iran klargemacht werden, dass auch nach einem Waffenstillstand jede Attacke auf ein Ölschiff mit einer schweren Attacke auf eine iranische Energieanlage beantwortet werden würde.

M. B.
10 Tage her
Antworten an  Neumann

Der Iran erhebt bereits Gebühren. Etwa 2 Mio. $. Zahlbar in Yuan oder Kryptowährung. Passieren dürfen alle Schiffe, die keine Kriegsgegner, deren Verbündete oder Lieferanten sind.

Helfen.heilen.80
10 Tage her
Antworten an  Neumann

Es ist zwar in jeder Hinsicht übel, aber m.E. müssen die USA und IDF das mit den Ayatollas und Mullahs zuende bringen. Sonst ist das ein Dauerthema wie Herpes.
Die Mullahs wollen dauerhaft 20% der weltweiten Kohlenwasserstoffe nach Belieben lenken und bei Hormus wohl noch n Kassenschalter aufstellen?! Die? Ne.

Wise Otherwise
9 Tage her
Antworten an  Neumann

Die Strasse von Hormuz ist internationales Gewässer (geregelt durch Seerecht nach UNCLOS), und kein iranisches Staatsgebiet.

Gemäss internationalem Seerecht (=Völkerrecht) ist das Erheben von „Gebühren“ durch den Iran ein Akt der Piraterie.

Sonny
10 Tage her

Die wenigen Male, in denen ich zufällig die öffentlich-rechtlichen Radio- bzw. Fernsehsender zur Kenntnis zu nehmen gezwungen war, zeichnen ein völlig anderes Bild. Es ist geradezu absurd, wie weit die tatsächlichen Gegebenheiten mit der konstruierten „Wahrheit“ der öffentlich-rechtlichen Berichterstattung auseinander klaffen. Die wissen einfach nicht mehr weiter, wie sie das Trump-Bashing mit dem Schlächterstaat Iran glaubwürdig fortführen können. Aber zielsicher stellen sie sich immer auf die falsche Seite – oder wird etwa dort darüber berichtet, dass die Golfstaaten sich auf Amerikas Seite schlagen? Ich weiß es nicht, aber meine Zweifel sind groß. Kein Wunder, dass so einige Menschen in meinem… Mehr

Last edited 10 Tage her by Sonny
Nibelung
10 Tage her

Will Selensky jetzt mit dem Geld der Europäer alle stützen die sich dort königlich oder Demokraten nennen und sich mit ihrem Verhalten an Glaubensbrüdern gegenüber Allah versündigen nur weil bei ihnen der Mamon mehr zählt als alles andere auf der Welt, was mit dem Koran nicht übereinstimmt, wenn man deren opulentes Leben so betrachtet und die Iraner noch in dieser Frage die Echten repräsentieren während alle anderen etwas vorgeben, was sie schon lange nicht mehr sind. Natürlich kann man vieles kritisieren auf der Welt, aber dennoch gibt es Prinzipien die man nicht verlassen sollte, insbesonders dann, wenn die Wahrnehmung gestört… Mehr

Haba Orwell
10 Tage her

Böses Medium berichtete gestern, Ägypten wünsche keinen längeren Krieg: „„Im Namen der Menschheit“ – Ägyptens Präsident bittet Trump um Ende des Krieges“

> „… Bei einer Energiemesse in Kairo richtete Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi am Montag einen eindringlichen Appell an US-Präsident Donald Trump. Er forderte Trump darin auf, seinen Einfluss geltend zu machen, um den anhaltenden Krieg im Nahen Osten zu beenden. …“

Wie wär’s mit – den Suezkanal für US-Kriegsschiffe sperren?

Barbarossa
10 Tage her

„Diplomaten aus mehreren Golfstaaten berichten, dass die USA und Israel offenbar die Intensität der iranischen Gegenreaktion massiv unterschätzt hätten.“ Ihr Schluss daraus, dass dies eine Meldung sei, in der der Wunsch stärker ist als die aktuelle Nachrichtenlage, zeigt das Problem in seiner vollen Ausdehnung: Sie und die ueblichen Verdaechtigen der manipulierten Medien, die die sogenannte „aktuelle Nachrichtenlage“ verkoerpern, werden erst aufwachen, wenn die Realtaet ueber sie hereinbricht. Tatsaechlich erinnern sie sehr an die ehemalige „Deutsche Wochenschau“ und den „Volksempfaenger“, die auch noch im April 1945 an den Endsieg glaubten. Ich wuensche Ihnen ein nicht allzu boeses Aufwachen, wenn „ploetzlich“ alles… Mehr

Memphrite
10 Tage her

Ha Ha Ha, wenn interessieren die degenerierten Öl-Araber, die mit ihrem unverdienten Geld all den Terror finanziert haben? Der Iran könnte der Welt eine gefallen tun und den modernen Sklaven-Staat VAE die Wasserversorgung wegschießen. Dann wars dann mit 300 TSD Einwohner und Dubai und alle der Steueroase für die ganze Epstein-Klasse. Der Iran sollte endlich die „westlichen Werte“ ernst nehmen. Wenn dann SA und MBS die Nachricht nicht kapiert haben, einfach Riad die Wasserversorgung wegschießen. Ist nur eine Entsalzungsanlage. Bei 40-50 Grad Celsius in der Wüste sind das dann ca. 8 Mio Tote innerhalb von 5 Tagen. Aber egal Onkel… Mehr

Konradin
10 Tage her

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber sie stirbt. Auch das ist eine Wahrheit der gegenwärtigen epochalen Zeitenwende. Gute Nachrichten kommen indes aus den friedliebenden europäischen Staaten Spanien, Frankreich, Italien und Polen – sie allesamt verwehren dem Kriegstreiber USA Überflugrechte über ihr Staatsgebiet oder die Lieferung eigener Flugabwehr an den Golf. Der Wüterich aus Washington tobt auf „Truth Social“. Auch Deutschland sollte sich den anderen großen Staaten Europas in europäischer Einigkeit anschließen, den völkerrechtswidrigen (so der juristische Dienst des Deutschen Bundestages) Krieg der USA und Israels mit aller Deutlichkeit verurteilen und die USA überdies in ihre Schranken weisen. Zum Beispiel indem man… Mehr

M. B.
10 Tage her
Antworten an  Konradin

Ich frage mich ohnehin, warum Trump immer die NATO ins Spiel bringt. Die NATO ist kein frei verfügbares Instrument für verbrecherische Überfälle sondern ein Verteidigungsbündnis.

Mike76
10 Tage her

Die Araber wollen nur deshalb weiter Krieg führen lassen, damit die Preise für Rohöl weiterhin deftig hoch bleiben!

Chrisamar
10 Tage her

Herr Selensky ist clever. Er hat vermutlich was von Trump gelernt.
Deutsche Politiker, auch das Klüngel um UvdL in der EU, haben keinerlei Erkenntnisgewinn. Unfähig zu lernen.
Ein Trauerspiel…