Özil, Gündogan und Erdogan: DFB muss Doppelpassspiel jetzt beenden

Selbstverständlich ist der erfolgreiche deutsche Fußball mit schwarzrotgoldenem Fahnenmeer auch nationale Folklore, aber dieses Fröhlichkeit zu missdeuten als Beliebigkeit, geht schief, wie die beiden kickenden Erdogan-Fans nun unter Beweis gestellt haben.

© Patrik Stollarz/AFP/Getty Images

Für die fotografische Solidaritätsadresse der beiden deutsch-türkischen Spieler der Deutschen Fußballnationalmannschaft an Erdoğan kann es nur zwei Erklärungen geben: Entweder Mesut Özil und İlkay Gündoğan sind entsetzlich dämlich oder sie haben beim Fototermin in London mit Vorsatz Wahlkampfhilfe für den türkischen Präsidenten geleistet. Um niemanden zu beleidigen, gehen wir von letzterem aus. Von einem misslungenen Versuch, einmal zu schauen, wie weit man gehen darf mit diesen Deutschen. Was alles möglich ist für die beiden Champions League Vereinsspieler bei Arsenal (Özil) und Manchester (Gündoğan). Aus der emotionalen Warte betrachtet, zeigt Mesut Özils Grinsen schon mal auf ziemlich eindeutige Weise, wie man diesen Vorstoß bewerten darf.

DFB-Präsident Reinhard Grindel allerdings vertritt lieber die These von der entsetzlichen Dämlichkeit der beiden Spieler, wenn er etwa beschwichtigend davon ausgeht, sie hätten sich „missbrauchen lassen“.

Millionäre beim Fotoshooting mit Erdogan
Bundesregierung am 9. Oktober 2010: „Vorbild Özil“
Nun steht dieses Foto mit grinsendem Mittelfeldspieler, seinem Kollegen und dem Autokraten nicht alleine da. Es wurde nach seiner Veröffentlichung flankiert von einer Reihe bemerkenswerter Kommentare der abgebildeten Spieler der Nationalelf. Gündoğan beispielsweise will „aus Rücksicht vor den derzeit schwierigen Beziehungen unserer beiden Länder“ auf eine Veröffentlichung der Bilder in den sozialen Netzwerken verzichtet haben. Ist der Doppelpassspieler Gündoğan naiv? Hatte er gar die abwegige Idee, dass dieses Fotos ausschließlich im Privatalbum des Präsidenten landen könnte?

Nein, natürlich nicht. Denn der bei Liverpool unter Vertrag stehende Emre Can lehnte die Einladung Erdogans zum Fotostelldichein aus gutem Grund ab. Aber Erdogan konnte offensichtlich gut auf ihn verzichten, denn Can wurde für die kommende Weltmeisterschaft von Yogi Löw nicht ins deutsche Kader geholt. Ist Can deshalb respektlos, weil er dem Präsidenten des Landes seiner Eltern nicht die Hand schüttelt, wie es Özil und Gündogan unter anderem als Begründung für ihre Teilnahme erklärten? Oder sind gar die Familien der Fußballer in Gefahr, wenn sie auf den Handschlag mit Foto verzichtet hätten? Hat Can keine Familie in der Türkei?

Mesut Özil und İlkay Gündoğan haben in der Deutschen Nationalmannschaft nichts mehr verloren. Sie haben sich mit ihrem Erdogan-Auftritt deutlich ins Abseits gestellt. Dass Özil öffentlich bekundete, während der Hymne lieber zu seinem Gott zu beten, ist da nur noch eine Randnotiz. Diese noch unter Beckenbauer als Pflichtveranstaltung verstandene Sangeseinlage mit Freiheitsbezug war für Joachim „Jogi“ Löw nur noch die Freiheit, nicht singen zu müssen – seine Spieler würden sich „total mit der Nationalmannschaft und Deutschland“ identifizieren.

Integration durch Fussball
Özil und Gündogan: Wahlkampf für Erdogan
Aber damit ist es nun offensichtlich vorbei. Eine notwendige Identifikation mit Deutschland findet bei Özil und Gündoğan nicht mehr statt. Bezeichnend auch, dass sich der England-Söldner Gündoğan zu seiner Verteidigung explizt auf die Werte des DfB beruft und nicht auf die Werte der Bundesrepublik. Aber was sollen das für Werte sein? Solche, wie sie Siemens und Volkswagen für ihre Mitarbeiter ebenfalls aufgeschrieben haben?

Nein, der DfB hat hier lediglich Werte zu proklamieren wie Leistungsbereitschaft, Verantwortungsbewusstsein, Teamgeist, Disziplin und Fairness. Die Werte der Nation, für welche die Nationalmannschaft nun einmal explizit antritt, können nicht irgendein beliebiger Zusatz sein, sie sind im Gegenteil das Fundament für solche Werte, die sich der DfB, Siemens oder Volkswagen geben können, wenn sie mögen. Oder es einfach bleiben lassen und einfach so einen Fußball zeigen, der sich sehen lassen kann.

Dafür gehören sie ohne wenn und aber aus dem Kader ausgeschlossen.

Natürlich kann man es auch so rein nostalgisch sehen, wie es der Berliner Veranstalter Herman Vieljans im Interview mit TE formulierte:
„Zu meiner ganz persönlichen Wahrheit gehört ja noch etwas anderes, viel älteres: Meine Helden der Jugend mit dem Adler auf der Brust hießen Meier, Schwarzenberg, Beckenbauer, Voigt und Horst Höttges. So what? Denn was soll ich tun? Diese Gänsehaut an der Hand meines Vaters – ich trug das Nationaltrikot in Baumwolle – sie kommt nicht mehr wieder. Und ist doch immer dabei.“

Dann allerdings ist es völlig wurscht, wer nun mit wem posiert, wenn am Ende, wie es Vieljans formulierte, sowieso nicht Deutschland – Brasilien auf dem Platz spielt, sondern „Man City gegen Man City antreten“.

Ist es vielleicht tatsächlich so, dass dieses Baumwollgefühl nur noch regional wirkt, dann beispielsweise, wenn Torsten Lieberknecht in seinen letzten Stunden als Trainer der in die dritte Liga abgestiegenen Eintracht Braunschweig weinend auf dem Platz Trost sucht in den Armen eines Fans? Reiner Lokalpatriotismus versus einer nationalen Identifikation mit der Mannschaft?

Symbolkraft
Erdogan und sein „Rabia“-Gruß
Vielleicht ist es tatsächlich schon so schlimm: Der Zustand der Nationalmannschaft und ihrer Protagonisten Özil und Gündoğan spiegelt den desolaten Zustand der Nation wieder. Dann aber war auch die große Empörung über die Inhaftierung des Journalisten Deniz Yücel nur eine Betroffenheitsfolklore. Folklore an einem Mann, dessen kritische Einstellung Deutschlands gegenüber niemanden daran gehindert hat, ihn trotzdem – oder gerade deshalb – als Inhaber eines deutschen Passes vehement zu verteidigen gegen den Unterdrücker Erdogan, der ihn grundlos inhaftieren ließ.

Wenn nun Özil und Gündoğan Erdogan unterstützen, wenn Gündoğan ihn herzlich als „meinen Präsidenten“ bezeichnet, dann ist das auch ein klares Statement gegen Yücel. Wie schrieb noch der Chefredakteur der Welt, Ulf Poschardt zum Fall Yücel? „Auch in Deutschland muss die Freiheit verteidigt werden.“ Poschardt posierte nicht mit Erdogan, er bescheinigte ihm stattdessen, Herrscher eines unterdrückerischen, widerwärtigen Regimes in der Türkei zu sein.

Poschardt bedankte sich auch bei Cem Özdemir für dessen Engagement in Sachen Yücel. Der selbe Özdemir, der jetzt den Auftritt der beiden Noch-Nationalspieler so kommentierte: „Der Bundespräsident eines deutschen Nationalspielers heißt Frank-Walter Steinmeier, die Bundeskanzlerin Angela Merkel und das Parlament heißt Deutscher Bundestag. Es sitzt in Berlin, nicht in Ankara.“

Falsches Signal
Kind mit Kopftuch: Vorbereitung auf die WM 2022 in Katar?
Özdemir hat sich als deutscher Politiker für die deutsche Staatsbürgerschaft entschieden und hat seine türkische Staatsangehörigkeit aufgegeben. Der DFB muss jetzt eine klare Entscheidung fällen: Nationalspieler darf nur noch derjenige Spieler sein, der den deutschen Pass hat, aber nur den. Doppelte Staatsbürgerschaften kann man an anderer Stelle weiter diskutieren: Für den einfachen Mann oder die Frau mag das eine Rückkehroption sein, auch nach Jahrzehnten. Für den Träger des Nationaltrikots kann es spätestens jetzt und nach den Auftritten von Mesut Özil und İlkay Gündoğan keine Option mehr sein.

So hat dieses unsägliche Foto auch sein gutes: Es zwingt den Dachverband der Fußballverbände in der Bundesrepublik Deutschland zu einem Akt der Klarheit. Und die muss schnellstmöglich erfolgen. Leider hat der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes mit der Pressekonferenz zum Erdogan-Fotoshooting die erste Gelegenheit zu so einer Klarheit bereits verpasst, als er meinte, erklären zu müssen, Integration sei wichtige Richtschnur des DFB und als er Integration zu einer Schlüsselaufgabe seines Verbandes erklärte. Diese Aufgabe übernehmen allerdings die vielen ehrenamtlichen Trainer vor Ort. Die ihren nicht unerheblichen Teil dazu leisten, dass Integration nicht in einer halbherzigen Doppelstaatsbürgerschaft mündet, sondern in einem klaren Bekenntnis zu den Werten dieses Staates. In einem Bekenntnis zu einer Gemeinschaft der Deutschen, die beispielsweise im Fußball Leistungsbereitschaft, Verantwortungsbewusstsein, Teamgeist, Disziplin und Fairness hochschätzen. Aber das tun andere Fußballbegeisterte auch. In einer Nationalmannschaft für die Nation antreten zu dürfen bedeutet noch wesentlich mehr als das.

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Kommentare ( 115 )

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Man sollte doch noch mal festhalten, dass Herr Poschardt einen Türken (Yüzel) öffentlich verteidigt hat, der den Deutschen das Ende wünscht. Wer so etwas duldet und unterstützt, hat das Recht verloren, sich in einen „innertürkischen“ Streit über die Form der Vorherrschaft (mit Erdogan, weil nicht locker genug oder ohne ihn) über die Dhimmis einzumischen, der scheint im Übrigen auch leider nicht helle genug, die Zusammenhänge zu erkennen. Leute wie Poschardt leisten gerade der Respektlosigkeit gegen unseren freiheitlichen Staat Vorschub und schiessen – in der Fußballsprache – genau die Eigentore, über die Despoten wie Erdogan nur jubeln können. Cem Ö.“irrt“ übrigens:… Mehr
Worüber wundert man sich hier wieder? Schon seit Jahren ist bekannt, dass für Özil der Islam und damit seine Religion keine Privatsache ist, sondern von ihm öffentlich zur Schau getragen wird, obwohl er weiß, dass wir ein säkularer (noch) Staat sind. Schon seit Anbeginn der AKP-Herrschaft in der Türkei haben alle intelligenten Beobachter gewusst, dass Erdogan und seine Kumpane nur ein Ziel verfolgen, nämlich die Türkei vollständig zu islamisieren und die alte Osmanenherrschaft wieder zu errichten. Nur die dummen Europäer – allen voran die Deutschen – haben seinen Lippenbekenntnissen vertraut und sind heute noch nicht in der Lage, diesem Machthaber… Mehr

Was Fragen der Loyalität anbelangt, so sollte dieses Video letzte Zweifel beseitigen:

https://www.youtube.com/watch?v=TpwChyyyy4s

Ungefähr ab 0:26

Das ist der Hammer. Alles geklärt. Danke.

1986: Uli Stein machte einen Witz mit Suppenkasper. Eigentlich nichts Schlimmes – ein Funktionär bekam es aber in den falschen Hals. Stein musste abreisen. 1994: Effenbergs Stinkefinger konnte ich noch nachvollziehen, weil er frustriert und voller Adrenalin vom Platz ging. Er musste abreisen. Das jetzige überbietet das alles bei Weitem, indem man Werbung für einen verurteilten Islamisten macht, der seine letzte Schritte zum Diktator macht. Beide Spieler sind leider ein absolut abschreckendes Beispiel. Damit sind beide Spieler in vielerlei Hinsicht nicht mehr tragbar. Es zeigt zudem: Integration ist nicht das Ziel sondern Assimilation. Wer die nicht schafft, darf keinen wichtigen… Mehr

Danke für ihre klaren und klarstellenden Worte zu dieser unappetitlichkeit Herr Wallasch.
Ich glaube ein Herr Grindel hat einen schweren Fehler begangen,als er das Verhalten dieser beiden zu relativieren versuchte,das wird ihm noch lange nachhängen.
Von Herr Loew Charakterstärke zu erwarten wäre verfehlt,ist er doch Kunde der Marketigfirma der Eltern dieser beiden „Falschspieler“.
Für mich ist das Thema Nationalmannschaft abgehakt,die ist mir mittlerweile zu bunt geworden,genau wie in der Bundesliga,aber das ist eine andere Sache.

Herr Wallasch, glauben Sie im Ernst, dieser Auftritt der beiden Balltreter hätte irgendwelche negative Konsequenzen für die beiden? Warum sollte der Fußball mehr Rückgrat beweisen als die Regierung, die im vergangenen Jahr wieder und wieder gegenüber Erdogans Beleidigungen mit appeasement reagierte. Außerdem, als Personen mit (türkisch/islamischen) Migrationshintergrund genießen die beiden doch automatisch „Welpenschutz“. Angenommen, ein deutscher Spieler (ohne Mihigru und Doppelpass) hätte sich in dieser Weise einem bekannten AfD-Politiker angedient – wie lange hätte wohl dessen Verbleib im deutschen Kader angedauert. Shit-Kampagne aus allen Röhren des etablierten Macht- und Medienapparates, ein zwei Wochen vielleicht und der Mann hätte jede weitere… Mehr

Ich kann mir nicht vorstellen, daß diese beiden Spieler in einem deutschen Stadion nochmals auflaufen können ohne gnadenlos wie Helene Fischer ausgepfiffen zu werden.

Aber nur weil sie sich eher zum BVB als zu Eintracht Frankfurt hingezogen fühlte. Im Gegensatz zu Özil und Gündogan würden sich meisten Stadieneigner in Deutschland um einen Auftritt von Helene Fischer reißen.

Wenn ein Zwerg sich hohe Schuhe kauft, dann bleibt er immer noch ein Zwerg. Und wenn ein Türke einen deutschen Pass bekommt, dann ist er noch lange kein Deutscher.

„DFB-Präsident Reinhard Grindel allerdings vertritt lieber die These von der entsetzlichen Dämlichkeit der beiden Spieler, wenn er etwa beschwichtigend davon ausgeht, sie hätten sich „missbrauchen lassen“. Mißbrauchsopfer machen aber kein gemeinsames Fotoshooting mit dem, der sie mißbraucht hat. Also kann man nicht von Opfer sprechen. Arme verwirrte Spieler, z.Teil mit doppelter Staatsbürgerschaft. Man kann Erdogan nichts vorwerfen. Bundesjogi und ADM sind auch außen vor. Deutschland hat schließlich keine Alternativen als Spieler. Eine notwendige Identifikation mit Deutschland findet bei Özil, Gündoğan und auch beim DFB nicht mehr statt.

Sie glauben doch nicht, dass die beiden Starfussballer ihre Terminkalender eigenhändig führen? Da ist eine ganze Entourage im Hintergrund…

Das Entscheidende ist für mich dieses „Meinem Präsidenten“-Shirt. Alles andere wäre mir egal. Profifußballer spielen nun einmal nicht in erster Linie für eine Nation oder einen Verein, sondern für Geld. Vorbildcharakter haben sie eh nicht. Der wird momentan nur herausgestellt, weil die Multikulti-Truppe ins politische Konzept passt. Und wenn sie Wahlkampfwerbung für in- oder ausländische Parteien machen, ist das aus meiner Sicht auch ihr gutes Recht, sofern sie das zumindest nicht in ihrer Funktion als Nationalspieler machen. Die verschenkten Trikots stammten auch von ihren Vereinen. (Was sagen die eigentlich dazu?) Unentschuldbar ist aber das „Für meinen Präsidenten“. Egal wie viele… Mehr