Gar nicht da und doch der Star. Friedrich Merz wird bei Lanz Gespött des Abends. Die Gäste erzählen sich des Kanzlers jüngste Ausfälle. Man staunt und stöhnt, man ulkt und unkt, man spottet und lacht. Derweil schaut der Kanzler vom Teleschirm herab wie ein begossener Pudel mit frisch frisierter Fronthaarinsel. Von Brunhilde Plog
Screenprint: ZDF / Markus Lanz
Friedrich Merz und seine missratenen Reden, seine seltsamen Interviews, die vielen Bürgerbeschimpfungen und internationalen Aufreger – das Entsetzen über seine verbalen Entgleisungen haben ein neues Level erreicht. Bei Lanz dient der Kanzler der Zweiten Wahl mittlerweile der allgemeinen Belustigung. Es ist eine krude Mischung aus Fassungslosigkeit, Schenkelklopferei und blankem Entsetzen, die sich bei den Gästen auf ebenso kuriose wie absurde Weise Bahn bricht. Ergebnis: Alle lachen über Friedrich Merz.
Um den Kanzler der zweiten Wahl zumindest optisch ins Studio zu holen, lässt Lanz ihn an die Wand werfen. Bei diesen Hintergrundbildern hat seine Redaktion in die Vollen gegriffen. Als Hauptmotiv suchte sie das vielleicht undankbarste Porträt heraus, das sich unter den vielen undankbaren Bildern des Kanzlers finden lässt: Frontalportrait mit absoluter Leere im Blick. So glotzt Merz also die meiste Zeit vom Teleschirm herab wie – man kann es nicht anders sagen – der Dödel vom Dienst.
Dabei habe Merz doch nach seinem Antrittsbesuch in Washington „vor Stolz kaum laufen“ können, feixt Bild-Reporter Paul „Lord Helmchen“ Ronzheimer. Merz habe sich gerühmt, in kürzester Zeit ein außergewöhnlich gutes Verhältnis zu Trump aufgebaut zu haben. „Umso verrückter“ sei jetzt diese plötzliche Beleidigung, zu allem Überfluss auch noch persönlich gegen Trump und dessen Strategie. „Das wird ihn sehr getroffen haben“, vermutet Ronzheimer. Außerdem sei es ja schon interessant, „dass ausgerechnet Friedrich Merz jemandem Strategielosigkeit vorwirft“. Sogar innerhalb der CDU sei das „so der Running Gag“.
Auch USA-Experte Julius van de Laar findet den Merz-Auftritt schlichtweg „unglaublich“. Die Leute wollten schließlich „keinen Politik-Analysten als Kanzler, der kommentiert, was die Amerikaner machen“. Merz fehle die nötige Empathie. Und überhaupt: Mit welcher Rechtfertigung wolle er eigentlich einem US-Präsidenten irgendwelche Strategie-Ratschläge geben. Das würde ja bedeuten, er hätte irgendeine Erfahrung mit solchen Kriegen.
Aber van de Laar hat auch einen Tipp. Der Kanzler solle bei Fox News anrufen und sich dort zum Interview rüberschalten lassen: „Sag: Donald Trump und ich sind relativ ähnlich. Wir sorgen uns zutiefst um den Geldbeutel unsrer Bürger. – Und da ist mit mir der Gaul durchgegangen. Ich hätte das nicht machen sollen. – Aber deshalb bin ich so wütend. Deshalb müssen wir gemeinsam überlegen. Deshalb schicke ich jetzt eben auch Minensuchboote rüber in die Straße von Hormus. – Wir liefern, Donald.“
Und nach dem Einspieler? Wiederholt Laumann zur allgemeinen Ermüdung exakt das eben Gehörte. Lanz lässt ihn gewähren. Senioren-Bonus, offenbar. Dann folgen jede Menge Durchhalteparolen. „Wir sind seit dem Zweiten Weltkrieg ohne Frage eine der erfolgreichsten Parteien in Europa. Und daran müssen wir auch wieder anknüpfen“, sagt Laumann. Die SPD müsse „jetzt auch wissen, dass das, was im Koalitionsvertrag steht, von uns jetzt auch eingefordert wird.“ Die Flüchtlingspolitik sei bereits „weitgehend entschärft“ oder „zumindest nicht mehr so hoch in der Wahrnehmung“. Wichtig sei, dass „in der Gesellschaft gesehen wird: Das haben die erfolgreich gemacht“. Ronzheimer wirft ein: „Das erzählen Sie jetzt aber schon ziemlich lange.“ Laumann: „Wir müssen jetzt einfach in den Arbeitsrhythmus kommen.“ Lanz mahnt ihn: „Sie sind schon ein Jahr im Amt!“
Merz habe bereits im vergangenen Jahr mit dem Gedanken gespielt, die Vertrauensfrage zu stellen, erzählt Ronzheimer. Doch für Laumann kommt das ebenso wenig in Frage wie das Weitermachen als Minderheitsregierung. Das sei „für Deutschland nicht gut“ und werde sogar „Europa in Turbulenzen stürzen“. Und für die CDU bedeute es: „Wir werden das nicht überleben.“ Apropos: Dieselbe Gefahr sieht er für den Fall, dass die Brandmauer einstürzt. Laumann: „Eine Zusammenarbeit von CDU und AfD würde diese Partei umbringen. Ist ganz klar zu sagen.“
FAZ-Redakteurin Julia Löhr konfrontiert den CDU-Granden derweil mit der Realität. „In den vergangenen Monaten ist viel passiert, was unsere Probleme eher noch verstärkt hat“, sagt sie und zählt auf: Ausweitung der Mütterrente, Stromsteuer, Rentenpaket, Tariftreuegesetz, mehr Bürokratie, Tankrabatt nach dem Gießkannenprinzip. Die Regierung schaffe keine Einsparungen, sondern nur Mehrbelastungen.
Laumann, der über lange Strecken der Sendung schmollend auf verlorenem Posten sitzt, muss Farbe bekennen: „Wir werden bei der Rente gravierende Veränderungen machen müssen“, gesteht er, und „auch an die Lebensarbeitszeit rangehen“. Bei 67 Jahren werde es nicht bleiben können.
Immerhin, am Ende der Sendung ist irgendwie allen das Lachen vergangen.






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…Merz habe bereits im vergangenen Jahr mit dem Gedanken gespielt, die Vertrauensfrage zu stellen, erzählt Ronzheimer…
Ha, ha, ha! Der war gut! Friedrich Merz ist seit dem 6. Mai 2025 Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Da frage ich mich doch, ob er die Vertrauensfrage noch vor, oder gleich nach seinem Amtsantritt stellen wollte 🤣