CDU „keine Volkspartei mehr“ – Parteiaustritt als Abrechnung mit Merz-CDU

Alexander Komianos verlässt die CDU und rechnet in einem offenen Brief mit Merz’ Union ab: Familienpolitik preisgegeben, Wahlversprechen gebrochen, SPD-Kurs übernommen, konservative Wähler verraten. Dieser Brief ist mehr als ein Parteiaustritt. Er ist ein Dokument des konservativen Bruchs mit der Merz-CDU.

IMAGO

Der Brief von Alexander Komianos kommt nicht aus dem luftleeren Raum. Er trifft eine Union, die in diesen Tagen einen Propeller an ihren beschleunigten Sinkflug gesetzt hat. Friedrich Merz ist noch nicht lange im Kanzleramt, aber der Verschleiß sieht aus, als regiere er seit Jahren gegen Land, Leute und eigene Wähler. Die Union hatte vor der Wahl einen völligen Politikwechsel versprochen. Geliefert hat sie ein Bündnis mit der SPD, neue Zumutungen, neue Belastungen und die nächste Runde jener Politik, gegen die sie im Wahlkampf angeblich angetreten war.

In den Umfragen ist der Befund inzwischen brutal. Die AfD liegt laut RTL/ntv-Trendbarometer so deutlich wie nie vor der Union, während noch nie so viele Deutsche mit der Arbeit von Kanzler Merz unzufrieden waren. Auch Forsa meldete zuletzt, nur noch 18 Prozent der Wähler seien mit Merz zufrieden; die Union fiel hinter die AfD zurück, erstmals war sogar eine Mehrheit der Unionsanhänger mit Merz unzufrieden. INSA meldete für Bild einen AfD-Rekordwert von 28 Prozent und einen wachsenden Abstand zur Union.

In Berlin wird längst nicht mehr nur über schlechte Umfragen gesprochen. Es geht um die Frage, wie nahe diese Koalition dem Ende bereits ist und ob Merz selbst noch trägt (die meisten sagen: nein). Table.Media schrieb bereits von wachsenden Koalitionszweifeln und offenen Diskussionen über Alternativen; wahrscheinlicher als Neuwahlen erscheine ein personeller Neustart an der Spitze von Union oder SPD. Das ist der Sound einer Macht, die noch im Amt sitzt, aber politisch schon nach Ersatzteilen sucht.

In diese Lage platzt der offene Brief von Alexander Komianos an die CDU Hessen. Komianos erklärt seinen Austritt aus der CDU. Das Schreiben ist auf den 23. April 2026 datiert, adressiert an die CDU Hessen in Wiesbaden, und beginnt mit der persönlichen Anrede an Boris Rhein sowie an den Parteivorsitzenden. Schon der erste Satz macht klar: Der Schritt sei ihm nicht leichtgefallen. Doch gerade als Vorsitzender des Internationalen Freundeskreises einer Christlich Sozialen Politik e.V. könne und wolle er dieser Entwicklung der Union nicht mehr folgen.

Der Kern seiner Kritik lautet: Die Union habe ihre ehemals zentralen Werte preisgegeben und sei in eine links-grüne Ausrichtung abgedriftet. Komianos nennt als Beispiel die geplante Abschaffung des Ehegattensplittings und den Wegfall der Mitversicherung von Familienmitgliedern in den gesetzlichen Krankenkassen. Beides seien keine bloßen Einsparposten im Haushalt. Für ihn zeigen diese Vorhaben exemplarisch die Abkehr der Union von jener Familienpolitik, die seit Bestehen der Partei zumindest einmal als unantastbar gegolten habe.

Gerade dieser Punkt trifft die Union empfindlich. Eine CDU, die sich immer noch als Familienpartei verkaufen will, greift auch aus Sicht des Briefschreibers ausgerechnet jene Strukturen an, die Ehe, Familie und Einstandsgemeinschaft schützen sollten.

Komianos schreibt, die CDU sei aus seiner Wahrnehmung keine Volkspartei mehr, zumindest nicht für die deutsche Bevölkerung. Die Union habe nicht einfach ein paar Positionen verschoben. Sie habe ihre eigene Wählerbasis verlassen. Sie regiere nicht mehr für jene, die sie groß gemacht haben, sondern gegen genau diese Milieus.

Dann zieht der Brief die große Linie. Während hunderte Milliarden in ausländische Kriege mit korrupten Regimen, in irrsinnige Entwicklungshilfeprojekte und an antidemokratische NGOs flössen, sammelten viele Rentner hierzulande Flaschen. Sie sollten länger arbeiten und bekämen dank der Migrationspolitik der Union und der SPD weder bezahlbaren Wohnraum noch Termine bei Fachärzten. Das ist keine fein austarierte Parteikritik. Das ist eine Abrechnung mit einem Staat, der für alles Geld findet, nur nicht mehr für die eigenen Bürger.

Auch die Energiepolitik spart Komianos nicht aus. Die Union setze diese absurde grüne Energiewende fort, die er mit über 500 Milliarden Euro beziffert. Sie habe zentrale Industriebranchen zerstört, wirtschaftliches Wachstum aufgefressen und Inflation angetrieben. Die hohen Energiekosten und eine überbordende Bürokratie trieben die Industrie ins Ausland und zögen eine beispiellose Insolvenzwelle im deutschen Mittelstand nach sich.

Komianos nennt über 300.000 Arbeitsplätze, die verlorengegangen sind, und Leistungsträger, die fluchtartig das Land verlassen. Auch hier ist der Ton unmissverständlich: Wer arbeitet, zahlt, investiert, ausbildet, produziert oder ein Unternehmen führt, empfindet diesen Staat nicht mehr als Schutzmacht, sondern als Belastungsapparat. Komianos formuliert den Vorwurf, den Merz mit jeder gebrochenen Ansage weiter verstärkt: Die Union hat den wirtschaftlichen Niedergang nicht gestoppt, sie verwaltet und verlängert ihn.

Besonders scharf fällt die soziale Abrechnung aus. Höchste Besteuerung bei niedrigstem Rentenniveau, trotz Rekordsteuereinnahmen Schulden über Schulden, aber keine Investitionen in Infrastruktur oder Bildung. Der Satz sitzt, weil er den ganzen politischen Betrug in wenigen Linien bündelt: Der Staat nimmt immer mehr, liefert aber immer weniger. Er kassiert wie ein Hochleistungsstaat und funktioniert wie ein überforderter Mangelverwalter.

Komianos greift auch die gebrochenen Versprechen der Union nach der Wahl auf. Nach dem Pakt mit Linken, Grünen und SPD sei dieser Wortbruch kaum noch zu ertragen. Merz wurde nicht Kanzler, weil die CDU-Wähler noch mehr SPD wollten. Er wurde Kanzler, weil er so tat, als werde er den Kurs ändern. Jetzt steht er an der Spitze einer Regierung, die ausgerechnet jene Politik fortsetzt, die seine Wähler abwählen wollten.

Bei der Migration fällt Komianos’ Urteil ebenso hart aus. Durch die massive „Merkel-Migration“ und durch den aus seiner Sicht entstehenden Eindruck einer wachsenden Islamisierung der Gesellschaft setze die Union kaum etwas entgegen. Auch das ist weniger ein einzelner Vorwurf als ein politisches Gesamturteil: Die CDU habe nach Merkel nie wirklich gebrochen, sondern nur die Sprache gewechselt. Sie rede gelegentlich härter, handle aber nicht entsprechend.

Am Ende steht bei Komianos der demokratische Kernvorwurf: Die deutsche Bevölkerung habe sich bei den letzten Wahlen immer wieder für konservative Mitte-Rechts-Mehrheiten entschieden. Sie habe dieser links-grünen Politik eine klare Absage erteilt. Und was bekomme sie? Weiterhin nur linke Politik. Die Union sei in sich selbst gefangen, habe sich mit Gedeih und Verderb an die SPD gekettet, die offenbar die Bundespolitik bestimme.

Dieser Brief ist deshalb mehr als ein Parteiaustritt. Er ist ein Dokument des konservativen Bruchs mit der Merz-CDU.

Umfragen können sich drehen. Parteiaustritte aus dem eigenen Milieu erzählen etwas Tieferes. Sie zeigen, dass die CDU nicht nur Stimmen bei Wählern verliert, sondern bei denen, die die Partei bis dato mit begleitet haben – bei Leuten, die lange genug geblieben sind, um den Verfall aus nächster Nähe zu sehen. Wenn der CDU die eigenen Leute davonlaufen, sollten in Berlin alle Alarmglocken schrillen.

Die Union hat sich jahrelang eingeredet, sie könne ihre konservativen Wähler beschimpfen, belehren, vertrösten, austauschen und am Ende doch wieder einsammeln. Sie steht nun vor den Trümmern dieses Ergebnisses. Die Wähler laufen davon, die Umfragen stürzen ab, in Berlin wird offen über personelle Auswege gesprochen, und aus den eigenen Reihen kommen Briefe, die Kündigungen an die eigene Partei sind, die ihren Daseinszweck verloren hat.

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Kommentare ( 85 )

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Jan des Bisschop
10 Tage her

Die CDU hat als Juniorpartner der Grünen einen Koalitionsvertrag in B-W unterschrieben, der die wirtschaftliche Zerstörung des Bundeslandes als dringendest Ziel festschreibt. Was interessiert die CDU Granden da der Austritt von Mitgliedern. Sie sind auf einem guten Weg

Thomas Mairowski
19 Tage her

Eher wird Borussia Mönchengladbach nächstes Jahr Meister (in der 1. Bundesliga…), als dass sich die CDU durch ein paar Austritte ändert.
An den Mitgliederschwund hat man sich gewöhnt, ebenso daran, dass man mit einem ähnlich großen Koalitionspartner oder sogar 2 Koalitionspartnern zusammen arbeiten muss.

Thomas Mairowski
19 Tage her

Wer ist Alexander Komianos?
Ich lese den Namen das erste Mal und im Netz finde ich fast nichts, jedenfalls scheint er innerhalb der CDU kein Amt oder eine bestimmte Tätigkeit zu haben.
Nicht falsch verstehen, ich bin seit 2013 AFD-Wähler, aber solange die oberen 60 Vertreter der CDU auf Bundes- und Landesebene fast alles abnicken, wird sich nichts ändern.
Wie hat einst Helmut gesagt: Die Hunde bellen, aber die Karawane zieht weiter.

Juri St.
19 Tage her

Jedes CDU Mitglied, das noch einen Funken Selbstachtung besitzt, sollte sich die von Komianos angeführten, insgesamt zutreffenden Gründe noch einmal vor Augen führen und daraus die richtigen Konsequenzen ziehen und da bleibt tatsächlich nur der Austritt. Die CHRISTLICH Demokratische Union betreibt federführend und mit großem Engagement die Islamisierung Deutschlands und dessen wirtschaftlichen und kulturellen Niedergang.

RauerMan
19 Tage her

Die jetzt bei Vielen gemerkte und kritisierte Unions-Politik hatte ich schon 2008 kommen sehen, gehofft, daß es wieder besser würde.
Das war nicht der Fall, weshalb ich eine „alte Unions-Politik“ herbeisehnte,und die Partei gewählt, welche die ehemaligen Unions-Kernpolitik weiter vertrat.

Lucius de Geer
19 Tage her

Vermutlich würde der gleich wieder eintreten, wenn Merkel Merz beerben würde. – Dokumentiert TE eigentlich auch Briefe zum Parteieintritt in die AfD? Fände ich interessanter…

jensberndt
19 Tage her

Diese Einsicht kommt über zehn Jahre zu spät. Aber steter Tropfen höhlt den Stein.

Fralarovi
18 Tage her
Antworten an  jensberndt

Die Politiker hängen an Fäden, die anderswo gezogen werden.

Juergen P. Schneider
19 Tage her

Wer erst jetzt merkt, wohin der Merkel-Merz-Klatschhasenverein unser Land geführt hat, der muss als Mitglied dieser links-grünen Kartellpartei wohl bis zur Selbstverleugnung bei der Stange geblieben sein. Die Union lebt eigentlich nur noch von ihrer senilen Stammwählerschaft, die vermutlich immer noch glaubt, sie würde die Partei eines Helmut Kohl wählen. Die Untertanen, die dem links-grünen Altparteienkartell immer noch ihre Stimmen geben, sind am Ende nicht Opfer dieser bürgerfeindlichen Politik, sondern ihre Komplizen. Es ist äußerst fraglich, ob die Union noch einmal die Kurve kriegt. Ihr fehlt das Personal und die Programmatik, um eine solche Kehrtwende vollziehen zu können.

Fralarovi
18 Tage her
Antworten an  Juergen P. Schneider
Donostia
19 Tage her

Man könnte jetzt sagen lieber jetzt als nie austreten. Allerdings bestehen diese Zustände bei den Altparteien schon mindestens seit 15 Jahren, bzw. mit dem Start der Merkel-Politik in 2010. Dementsprechend wähle ich diese Partei auch nicht mehr. Kann es sein, dass mit dem Rückgang der Wählergunst das Mandat des Alexander Komianos auf dem Prüfstand steht? Warum jetzt erst diese Einsicht?

Will Hunting
19 Tage her
Antworten an  Donostia

Kluger Gedanke!

Sonny
19 Tage her

Die AfD freut sich mit Sicherheit über jeglichen konservativen und wahrheitsanerkennenden Zuwachs!
Ich hoffe, dass die „echten“ und engagierten Ex-CDUler nicht aufhören zu kämpfen, sondern einfach zur Alternative und gegen diese Staats-zersetzenden Elemente wechseln und wirklich anfangen können, Deutschland zu befreien.
Es ist überlebenswichtig, diese linksgrüne Kartelllandschaft zu entmachten.