Der Weltbürgerkrieg kann auf Gewehre, sogar auf Messer und Macheten verzichten. Die Menschen sind jetzt selbst die Waffe. Diese neue Form des Menschenhandels ist lukrativer für Schlepper und Schleuser als Boote im Mittelmeer. Und wirksamer für die Auftraggeber.
picture alliance / Anadolu | Marcos Moreno
50.000, 60.000 oder 70.000 – die Zahl der derer, die vorübergehend die spanische Exklave Ceuta erobert hatten, klingt gewaltig, ist es aber nicht. Die Weltbevölkerung wächst täglich drei- oder viermal so schnell, um gut 200.000 neue Menschen, die Einwohnerzahl einer mittleren Großstadt, Tag für Tag. Kein anderes Lebewesen war im Kampf ums Dasein so erfolgreich wie der Mensch, die meisten seiner natürlichen Feinde hat er besiegt, viele von ihnen ausgerottet. Jetzt müsste er sich selbst bekämpfen; aber das will er nicht. Denn das wäre inhuman.
Vor Jahren haben Biologen die auf acht, neun oder zehn Milliarden anwachsende Menschheit als Problem ausgemacht, das bekämpft werden müsse. Daraus ist nichts geworden, weil weitsichtige Herrscher wie der König von Marokko und in Gaza die Hamas erkannt hatten, dass sich die Ware Mensch als Waffe nutzen lässt.
Und weil sie viele Waffen brauchen, wollen sie viele Menschen. Die sind nicht nur billiger als Kanonen, sondern auch schwerer zu bekämpfen, weil man auf junge Leute, nur mit Shirt und Badehose bekleidet, nicht gern schießt. Sollte es trotzdem Verluste gegeben, sind sie buchstäblich über Nacht zu ersetzen. Beim Sturm auf Ceuta sollen an die siebzig Menschen ums Leben gekommen sein, aber wen kümmert das? Den König sicher nicht.
Der Zeitpunkt für den Überfall war gut gewählt. Schon einmal hatten die Marokkaner die Stadt belagert, damals zu Lande. Das war schwierig. Um den hohen, stacheldrahtbewehrten Zaun zu überwinden, hatten die Ärmsten der Armen die Grenzsoldaten mit Steinen, gelegentlich auch mit ihrem Kot beworfen. Solche Waffen sind jetzt überflüssig, die Waffe Mensch hat sie ersetzt. Nachdem ein hohes Gericht entschieden hatte, dass Angriffe zwar zu Lande, aber nicht zur See verboten sind, kamen die Belagerer nicht mehr zu Fuß, sie schwammen. Nach dem nächsten humanitär begründeten Gerichtsurteil werden sie wohl aus der Luft angreifen.
Wie in allen vom Koran regierten Ländern ist der Islam auch in Marokko Staatsreligion. Zum Ruhme Allahs, des Allmächtigen, hat der König in der Hafenstadt Agadir eine riesige Moschee errichten lassen, die größte in Afrika. Dort wird eine Heilige Schrift verkündet, die von den Gläubigen verlangt, Juden und Christen die Hälse abzuschneiden. Wie ernst das gemeint ist, erfahren nicht nur Juden. Christen erfahren das auch, dürfen sich aber nicht beschweren. Denn fromme Leute wie Margot Käßmann verlangen, auch Terroristen mit Liebe und Gebet zu begegnen. Versucht hat das bisher noch keiner, zum Glück nicht, denn er hätte den Versuch kaum überlebt.
Der humanitär geführte Weltbürgerkrieg kann auf Gewehre, sogar auf Messer und Macheten verzichten. Die Menschen sind jetzt selbst die Waffen. Der afrikanische Potentat, der sich brüstete, Europa mit den kräftigen Lenden seiner Männer und den fruchtbaren Bäuchen seiner Frauen zu erobern, hatte Recht. Und weil die Europäer mitspielen, geht seine Rechnung auf – ein echter Fortschritt. Bisher mussten Schlepper und Schleuser ihre Kunden in morschen Booten aufs hohe Meer hinausfahren, um sie dort anderen Schleppern und Schleusern zu übergeben. Diese Zwischenstufe entfällt jetzt, der Menschenhandel ist günstiger geworden.
Deswegen blüht er, das Geschäft lohnt. Wer es schafft, Europas Grenzen zu überwinden, am Ende sogar das Gelobte, das deutsche Land zu erreichen, hat ausgesorgt. In Deutschland wird ein UMA, ein unbegleiteter minderjähriger Ausländer, mit 300 bis 400 Euro subventioniert – täglich; deutsche Kinder haben, unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern, Anspruch auf 259 Euro – monatlich. Denn in Deutschland herrscht die SPD, und der ist jedes Kind gleich viel wert.
Sollte das Kind wegen Hassrede oder Hasstaten auffallen, hat es nichts zu befürchten, denn vor der Ausweisung, in Deutschland Rückführung genannt, wird es rechtzeitig gewarnt, kann also untertauchen und darf bleiben. Wer das bedenklich findet und sich wehrt, gilt als Menschenfeind, dem die Menschenrechte aberkannt werden müssen.
Als die Griechen die Stadt Troja nach zehn Jahren immer noch nicht erobert hatten, verfielen sie auf eine List. Sie versteckten ein paar Soldaten in einem hölzernen Pferd, das die Trojaner als Gottesgeschenk willkommen hießen und in die Stadt rollten. In der Nacht verließen die Soldaten ihr hölzernes Quartier, öffneten die Tore und ließen den Gegner herein. Es folgte ein blutiges Gemetzel, und Troja war verloren. Heute müssen sich die Eroberer nicht mehr verstecken, sie kommen am helllichten Tage und werden von den Trojanern begrüßt.
Das sind unerfreuliche Aussichten. Aber wie weiter? Als nach der Kriegserklärung der Hamas ein israelischer General erklärte, sein Land kämpfe gegen Tiere in Menschengestalt und handle entsprechend, war die Empörung groß. Erst recht, als ein Kollege beisprang und seine Landsleute vor humanitären Schwächeanfällen warnte. Dabei hatten die beiden die Regeln, nach denen Bevölkerungskriege ausgetragen werden, doch nur laut ausgesprochen. Der Engländer John Gray hatte das auch schon getan, als er den Humanismus kurzerhand eine Lüge, eine moderne Lüge nannte. Und alle, die nun dagegen protestieren, sollten sich fragen, was sie durch den gezielten Missbrauch von Wörtern wie Menschenrecht und Menschenwürde zu dieser traurigen Entwicklung beigetragen haben.



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