Vor dem Abgrund, die CDU ist einen Schritt weiter – es gibt tosenden Applaus

Die AfD liegt bei der zugeschriebenen politischen Kompetenz inzwischen vor der Union, Merz' Werte bewegen sich Richtung Erdkern. Während Westeuropas Wirtschaft Pleiterekorde meldet, feiert die CDU Linnemanns Oppositionssprüche mit tosendem Applaus.

IMAGO/IPON

Ein Jahr Regierung Merz reicht offenbar, um aus dem versprochenen Neustart eine politische Talfahrt überzugehen. Die AfD steht in der Forsa-Umfrage bei 27 Prozent, die Union nur noch bei 22 Prozent, die SPD bei 12 Prozent. Noch härter trifft die Kanzlerpartei der Kompetenzwert: Bei der Frage, wer mit den Problemen in Deutschland am besten fertig werde, liegt die AfD mit 14 Prozent vor CDU/CSU mit 12 Prozent. Die SPD rangiert mit 5 Prozent auf dem Niveau der Linken – weit abgeschlagen.

Nur eine Minderheit ist zufrieden

Für Friedrich Merz ist das kein Warnsignal mehr, sondern das Armutszeugnis mit Ausrufezeichen. Nur noch 13 Prozent sind mit seiner Arbeit zufrieden. Man fragt sich, wer diese 13 Prozent seien sollen. Im Juni 2025 waren es noch 42 Prozent, Ende März 23 Prozent. Wenn dieser Trend anhält, erreicht der Kanzler demnächst Werte nicht im dritten Untergeschoss, sondern nahe Erdkern. Sogar unter Unionsanhängern sind inzwischen 53 Prozent unzufrieden.

Das Land schaut auf diese Versager-Regierung und erkennt keine Führung. 54 Prozent trauen keiner Partei zu, die Probleme Deutschlands zu lösen. 66 Prozent erwarten eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Verhältnisse. Das ist der eigentliche Haushaltstitel dieser Koalition: Vertrauens-, Kompetenz- und Standortverlust.

Während die Politik weiter hohle Phrasen verteilt, läuft in der Wirtschaft längst der Bodycount, der Zähler sterbender Unternehmen. Creditreform meldet für Westeuropa 197.610 Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2025, den höchsten Stand seit Beginn der Erhebung 2002. Es ist der vierte Anstieg in Folge. Deutschland gehört mit plus 8,8 Prozent zu den Treibern dieser Entwicklung.

Die Erklärung ist kein Rätsel. Hohe Energiepreise, schwacher Welthandel, geopolitische Risiken und eine Bürokratielast, die Unternehmen nicht mehr verwalten, sondern ersticken soll. Der Dienstleistungssektor stellt laut Bericht 43 Prozent der Insolvenzen. Deutschland, einst Industriemacht mit Verwaltungsanhang, ist immer mehr eine Verwaltungsgroßmacht mit industriellem Restbestand. Und den bekommt man sicherlich auch noch stranguliert.

Tosender Applaus für Oppositionssätze

In diese Lage tritt Carsten Linnemann beim CDU-Wirtschaftstag auf und bekommt tosenden Applaus für Sätze, die klingen, als wäre seine Partei nicht in der Regierung, sondern auf der Oppositionsbank. „Es gibt keine bessere Zeit, als jetzt zu sparen“, sagt der CDU-Generalsekretär. Die Sparvorgabe von einem Prozent für Ministerien sei zu wenig, „da sind locker zwei, drei Prozent drin“.

Man könnte fragen, wer ihn bisher daran gehindert hat. Die CDU stellt den Kanzler. Die CDU sitzt in der Regierung. Die CDU trägt diesen Haushalt, diese Koalition, diese Politik. Linnemann redet, als müsse man der CDU erst noch Macht geben, damit sie die Dinge tun kann, die seine Partei längst verantwortet. Die Partei regiert und inszeniert sich gleichzeitig als empörter Zuschauer.

Auch seine Abrechnung mit SPD-Steuerplänen klingt tatkräftig, dass  man fast  vergisst, dass diese SPD der geliebte Koalitionspartner der Union ist. Wer mittlere Einkommen ab 60.000, 70.000 oder 80.000 Euro stärker belasten wolle, habe „mit Zitronen gehandelt“, sagte Linnemann. Applaus. Bravo-Rufe. Stehende Ovationen. Das Publikum jubelt, weil endlich jemand ausspricht, was diese Regierung selbst verhindern müsste. Alle haben ihre Schlagzeilen. Das muss reichen. Danach gehen alle wieder auseinander und küssen Lars Klingbeil die Füße.

Beim Lieferkettengesetz folgt derselbe Mechanismus. Linnemann sagt, man könne es „locker von heute auf morgen“ abschaffen. Das ist richtig als Diagnose und entlarvend als Auftritt. Denn wer in einer Kanzlerpartei Generalsekretär ist, sollte weniger Bühnenpathos brauchen und mehr Regierungskraft liefern. Unternehmen gehen nicht an mangelndem Applaus zugrunde, sondern an explodierenden Kosten, Vorschriften, Energiepreisen, Steuern und einer Politik, die Entlastung ankündigt und Belastung organisiert.

Hoffnungsträger für enttäuschte Dauer-Hoffer

Linnemann galt vielen in der Union einmal als Hoffnungsfigur nach Merz, als härterer, klarerer, wirtschaftsnäherer Kopf. Inzwischen wirkt er immer öfter wie jemand, der mit dem Charme von Abakus-Schlumpf irgendwo zwischen Friedrich Merz und Monika Schnitzer changiert. Viele Danebengriffe, wenig Machtwirkung, Applaus nur noch in den eigenen Reihen, weil die Menschen draußen dieses leere Gelaber schon von Merz kennen und es satt haben bis obenhin.

So entsteht das Bild einer Partei, die sich auf Wirtschaftstagen selbst beklatscht, während sich draußen die Pleitewelle zu einem Tsunami auftürmt. Die AfD bekommt mehr Problemlösungskompetenz zugeschrieben als die Union, Merz verliert selbst die eigenen Leute, und die CDU feiert einen Generalsekretär, der mit Oppositionssprüchen gegen Zustände wettert, die seine eigene Regierung duldet.

Das ist der eigentliche Zustand dieser Union: Sie hat die Macht, aber nur noch die Kraft, um sich immer tiefer vor der SPD zu bücken. Sie stellt den Kanzler, aber nicht die Richtung. Sie sitzt am Kabinettstisch und redet trotzdem wie eine Partei, die erst noch die Gelegenheit bekommen müsste, Deutschland zu regieren. Draußen gehen Betriebe ebenso wie Menschen unter, Politiker wie Beamte bedienen sich in diesem desaströsen Zustand selbst, die AfD zieht in der Kompetenzfrage vorbei. Drinnen klatscht man Linnemann zu, weil er ausspricht, was seine eigene Regierung nicht erledigt. Das muss man erst mal bringen, diese Chuzpe.

Gute Nacht, Union.

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Kommentare ( 95 )

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puke_on_IM-ERIKA
14 Tage her

Der letzte „Herbst der Reformen“ war ne Luftnummer und der nächste Herbst wird dem Wundenlecken und der Intensivierung von Wählerbeschimpfung gehören.
Dass dieses tumbe Volk einfach nicht den Segnungen der Deindustrialisierung und dem linksgrünen nachuntendurchgereichtwerden huldigen will, ist doch eine klare Beleidigung des aktuell dilettierenden Betrüger-, Vertuscher- und Abzocker-Altparteien-Kartells . Wo ist da der Staatsschutz um das Finanzierungskartell der Ukraine zu schützen ?
Was erlauben Volk ?

Last edited 14 Tage her by puke_on_IM-ERIKA
Wilhelm Roepke
14 Tage her

Bitte cool bleiben, liebe Mitforisten. Die Deutschen ändern schon noch mehrheitlich ihr Wahlverhalten; sie sind nur noch nicht arm genug. Das kommt schon noch, die Regierung arbeitet kräftig daran, das bestätigen selbst ihre Kritiker…

Rasparis
14 Tage her

Ein Foto aus der Rocky-Horror-Picture Show. Prominent im Bild der „C.D.U.“-Quex Alfred E.Neumann-Amthor, ausgeleuchtet wie weiland im Furioso von Fritz Langs „Metrpopolis“. Auch sonst ähnelt „unseredemokratie“ mit jeden Tag mehr der Langschen Dystopie.

WGreuer
14 Tage her

Die CDU ist nicht die Lösung, die CDU ist das Problem. Auch wenn Merz geopfert wird, wer solte auf Merz nachkommen? Die CDU Ministerpräsidenten wie Wüst, Günther, Wegener, Rhein, Kretschmer, oder die anderen „Granden“ der CDU wie Linneman oder Spahn – das sind alles schwarz angehauchte Grünlinge mit CDU Parteibuch. Oder man schaue sich die (fast) paritätische Postenverteilung in der CDU an – wie die Grünen oder die SPD. Oder gleich im Zentrum der EU, von der Leyen, die alles, wirklich alles macht, um Europa in einen Krieg zu treiben und zu zerstören. Was also unterscheidet die von den Grünen?… Mehr

Kassandra
14 Tage her
Antworten an  WGreuer

Mit dem wef ist bei dem auch was. https://www.weforum.org/stories/authors/jens-spahn/
.
Unglaublich, wie das gelang, uns solche unterzujubeln: Klaus Schwab: „We penetrate the cabinets“
https://www.youtube.com/watch?v=iACNZY8HNA4
.
Kanada ist inzwischen „hinüber“. Und nicht nur „wirtschaftlich“:
Canadian Prime Minister Mark Carney, who has been talking tough on trade „elbows up“ towards the USA … just got another piece of bad news.
Honda just cancelled a $15 billion EV investment in Canada.
The radical left wing govt in Canada continues to lose manufacturing jobs.   https://x.com/WallStreetMav/status/2051753142618927357

Kassandra
14 Tage her

Ja. Ich frage mich nach Lesen seines Lebenslaufs immer, wie man auf ihn kam und wessen Protegé er wohl sein wird?

Privat
14 Tage her

Jeden Tag muss ich diese fürchterlichen Gestalten sehen und denke sofort –
„Die haben doch völlig den Verstand verloren und richten in ihrer Unfähigkeit nur noch Unheil an – Weshalb sind die denn immer noch im Amt“ ?
Die AFD muss her um das alles zu reparieren, was andere angerichtet haben.

Kassandra
14 Tage her

Schönes Bild.
Marionettenspieler.
Auch der Hintergrund ganz und gar passend.
.
Fehlen halt noch die, die auf der Bühne uns zu Lasten auch noch mittun.

Boris G
14 Tage her

Die CDU hatte schon immer einen linken Flügel, der unter Angela Merkel kräftig gewachsen ist. Mittlerweile ist aus dem einst fast schwarzen Vogel ein bunter, grüner Papagei geworden.

Deutscher
14 Tage her

In einer normal denkenden Bevölkerung hätte die Union höchstens noch 5 bis 8%.

Juergen P. Schneider
14 Tage her

Es ist kaum zu vermuten, dass der Merkel-Merz-Klatschhasenverein eine Wende hin zur Vernunft hinlegen wird. Die haben weder Personal, noch den Willen, noch die Programmatik, um die Probleme im Land zu lösen. Wer sich von den Sozis sagen lässt, was er zu tun hat und es dann auch tatsächlich macht, ist keine eigenständige politische Kraft mehr, sondern nur ein unselbstständiger Bestandteil des links-grünen Bankrottkartells, das unser Land ruiniert.

puke_on_IM-ERIKA
14 Tage her
Antworten an  Juergen P. Schneider

Die AfD wird keine Chance haben, gegen die mittlerweile linksgrün durchseuchten Behörden irgendetwas zum Besseren zu wenden, dafür ist der point-of-no-return zu weit überschritten.
Und hinterher wird es noch heißen „seht ihr, die können es auch nicht“.
Daher bleibt der AfD nur der Part einer harten Opposition auf Bundesebene, um den Kaputtmachern und Bürgerfeinden täglich den Spiegel vorhalten zu können.
Nur auf kommunaler und bestenfalls Landesebene wird die AfD mit bürgerorientierter Politik Punkte machen können.

Last edited 14 Tage her by puke_on_IM-ERIKA