Das KI-Rennen der großen Tech-Konzerne nimmt Fahrt auf. Dabei ergibt sich bei der Strategie von Apple eine erstaunliche Wende: Ausgerechnet Konkurrent Google soll die Technologielücke des iPhone-Konzerns im Bereich der KI schließen.
picture alliance / Sipa USA | Anthony Behar
Apple und Google verkünden eine überraschende strategische Partnerschaft: Die künstliche Intelligenz betreffend wird es nach übereinstimmenden Berichten beider Tech‑Konzerne zu einer engen Zusammenarbeit im Bereich der „Apple Intelligence“ kommen, die auf Googles KI‑Modellfamilie Gemini zurückgreifen wird. Diese Entwicklung verstärkt den Eindruck, dass Apple im Bereich der KI gegenüber seinen wichtigsten Konkurrenten den Anschluss verloren hat.
Die Kooperation soll unter anderem die Cloud‑Infrastruktur von Google genauso umfassen wie die Einbindung der Siri‑Funktion und weiterer KI‑Funktionen, die über die gesamte Bandbreite der Apple‑Geräte und iOS integriert werden sollen. Dazu zählen etwa intelligente Assistenten (KI‑Assistenten) sowie textbasierte oder kontextbezogene Bedienungshilfen. Noch in diesem Jahr soll die neue Siri‑Version auf Basis dieser Kooperation in den Markt gebracht werden.
Vor allem Googles Cloud‑Infrastruktur kommt dabei eine fundamentale Rolle bei der Kooperation der beiden Konzerne zu. Google‑Cloud‑Chef Thomas Kurian erklärte, dass geplant sei, die für „Apple Intelligence“ erforderlichen KI‑Modelle von Google in eigenen Rechenzentren zu beherbergen. Anfragen von iPhone‑Nutzern laufen dann über Googles hausinternen Server.
Brisant dabei: auch Apples sicherheitskritischer Dienst „Private Cloud Compute“, der für die Verwaltung sensibler personenspezifischer Daten konzipiert ist, soll in eine gemeinsam geplante Google‑Infrastruktur eingebunden werden. Apple gibt mit diesen Maßnahmen zentrale Bereiche seiner eigenen KI‑Architektur in die Hand seines Konkurrenten – ein strategischer Bruch mit der bisherigen Firmenpolitik Apples, die im Wesentlichen darauf beruhte, ein eigenes, beinahe hermetisch abgeschlossenes Binnenökosystem zu pflegen.
Google geht mit dieser strategischen Kooperation auch in seiner Chiptechnik in die Offensive. Im intensiven globalen Wettlauf um die Infrastruktur der künstlichen Intelligenz plant der Konzern, hauseigene KI‑Chips, die sogenannten Tensor Processing Units (TPUs), in der Zukunft nicht mehr nur in die eigenen Cloud‑Lösungen zu integrieren.
Im Fokus der Geschäftsentwicklung stehen Großkunden quer über sämtliche Branchen: Finanzinstitute, Hedgefonds, staatliche Behörden und die Großindustrie stehen im Fokus der Vertriebsabteilung. Google positioniert sich damit als einer der Hauptkonkurrenten des bisherigen Branchenprimus Nvidia und richtet sein Augenmerk auf die Rechenzentren dieser Welt, die eigene große Serverparks betreiben. Die Entwicklung von Googles Internetsuchmaschine zu einem Hersteller von High‑End‑Chips im Bereich der künstlichen Intelligenz ist eine beeindruckende Story, die zeigt, wie sehr die Welt der digitalen Technologien in Bewegung geraten ist.
Dass beide Partner von der Kooperation profitieren, wird auch durch Apples Bereitschaft sichergestellt, eigene Kompetenzen an Googles Infrastruktur auszulagern, um die Skalierbarkeit dieses Modells zu gewährleisten. Die Kooperation zeigt zudem erste Konsolidierungsschritte in einem Markt, der nach wie vor dynamisch wächst.
Die Zahlen des KI‑Marktes sind beeindruckend: Das Marktforschungsunternehmen Gartner aus den USA schätzt, dass die Unternehmen dieses Sektors weltweit im vergangenen Jahr über 1,5 Billionen US‑Dollar in den Aufbau der entsprechenden Infrastruktur, in Softwarelösungen und die Herstellung von Hochleistungs‑Chips investiert haben. Für das laufende Jahr rechnet Gartner mit Investitionen in Höhe von über 2 Billionen US‑Dollar – das entspricht beinahe der Hälfte des deutschen Bruttoinlandsprodukts.
Aus Sicht der europäischen Konkurrenz ergibt sich ein ähnliches Spielfeld wie schon zuvor im Bereich der großen sozialen Plattformen wie Facebook, Instagram oder X: Die Konkurrenz aus Übersee ist nicht nur technisch davongeeilt, sie hat die Skalierungsphase bereits erreicht und konsolidiert den Markt durch strategische Zusammenschlüsse.
Es ist in einem solchen Marktumfeld beinahe nicht mehr möglich, in eine entsprechende Größenordnung vorzudringen, zumal der europäische Gesetzgeber einen Regulierungsrahmen geschaffen hat, der von der Unternehmensgründung, der Start‑up‑Finanzierung bis hin zur Wachstumsfinanzierung bestehender Unternehmen der eigenen Wirtschaft massive Steine in den Weg gelegt hat.
Auf ein europäisches Tech‑Wunder sollten wir daher im Bereich der künstlichen Intelligenz sowohl aus technologischer als auch aus fiskalischer sowie aus energiepolitischer Sicht nicht hoffen. Gerade der letzte Aspekt wird durch das energiepolitische Desaster der Europäischen Union, insbesondere Deutschlands, zu einem strukturellen Problem.

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Und so entsteht ein noch größeres Monopol. Von einem „freien Markt“ kann schon lange keine Rede mehr sein.