Der Staat macht das Leben für Arbeitnehmer immer teurer und erklärt den Einverdienerhaushalt per Zwang zum Auslaufmodell. Für seine Beamten soll das Gegenteil gelten: Dort soll ein Gehalt wieder reichen, notfalls mit Milliarden aus der Kasse jener Bürger, die längst beide arbeiten müssen, um denselben Staat zu finanzieren. Das kann nicht gutgehen.
picture alliance / Flashpic | Jens Krick
Das fiskalpolitische Schreckensurteil stammt eigentlich aus dem September des vergangenen Jahres. Seinerzeit entschied das Bundesverfassungsgericht, dass weite Teile der Beamtenbesoldungspraxis über einen längeren Zeitraum nicht gesetzeskonform erfolgt waren. Hintergrund war die zu geringe Besoldung Berliner Landesbeamter. Die vom Gericht neu gefassten Regeln zur Mindestbesoldung von Staatsdienern besitzen bundesweite Geltung, weshalb die Politik nun unter Zugzwang steht.
Die Vergütung der verbeamteten Staatsdiener müsse bei wenigstens 80 Prozent des mittleren Einkommens vergleichbarer Arbeitnehmer in der freien Wirtschaft liegen, urteilten die Karlsruher Richter seinerzeit.
Der Dienstherr hat gegen diese Vorgabe über lange Jahre verstoßen und ist nun gezwungen, eine entsprechende Kompensation für den Zeitraum seit 2020 zur Verfügung zu stellen. Auf den deutschen Staat (präziser: auf den deutschen Steuerzahler) kommen hier möglicherweise Zusatzkosten von bis zu 7,6 Milliarden Euro im Personalbereich zu.
Ein Desaster, bedenkt man, dass von den etwa 1,1 Billionen Euro Staatsausgaben außerhalb der Sozialversicherung bereits über 37 Prozent als Personalkosten anfallen. Der Staat ist zu groß geworden, er ist ineffizient und ist angesichts der ökonomischen Krise des Landes in dieser Form nicht mehr lange zu finanzieren. Dass allein 1,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aufgebracht werden müssen, um die Pensionen von Staatsbeamten zu finanzieren, zeigt, dass etwas strukturell verrutscht ist, dass man in der Vergangenheit nie davon ausgegangen ist, dass Bürokratien ein Eigenleben entwickeln können. Für Politiker wie Ludwig Erhard oder Helmut Schmidt war es wohl undenkbar, dass die öffentliche Verwaltung eines Tages zu einer Art Ersatzarbeitsmarkt für die kollabierende deutsche Ökonomie verformt würde.
Beamtenbezüge stiegen in den zurückliegenden Jahren, ähnlich wie die Gehälter in der Privatwirtschaft, in einer Größenordnung, die kaum die tatsächliche Inflationsrate kompensieren konnte. Diese liegt wesentlich höher als bei 2 Prozent, wie staatliche Stellen sie gerne ausweisen. In der Praxis haben sich Beamtengehälter seit 2010 im Schnitt um etwa 2,3 Prozent pro Jahr erhöht, mit einem Sprung von rund 5,4 Prozent im Jahr 2023. Die von Karlsruhe erzwungene rückwirkende Kompensation lässt bei einigen die Kassen klingeln. Je nach Besoldungsstufe kann es zu einem Gehaltssprung zwischen 10 und 15 Prozent, in einigen Fällen sogar von über 20 Prozent kommen. Es fällt nicht leicht, diese höchstrichterliche Entscheidung emotionslos einzuordnen, ohne dabei auf die übliche Beamten-Schelte und die mit ihr verbundenen Neid-Debatte zu verzichten.
Gehaltsdebatten sind stets zu einem großen Teil irrational, erst recht, wenn es um die Bezüge von Staatsdienern geht, die in Deutschland zudem einen nicht unerheblichen Sonderstatus neben dem Kündigungsschutz genießen. Doch wer will ernsthaft eine leistungsgerechte, angemessene Besoldung für eine Lehrerin an einer Problemschule in Berlin‑Kreuzberg errechnen? Oder wie steht es um die Bezahlung von Medizinern oder Sozialarbeitern in problematischen Kiezen?
Es ist hilfreich, diese Debatte zu generalisieren und auf das Missverhältnis des wuchernden Staatsapparates zu der privatwirtschaftlichen Sphäre hinzuweisen, die letztlich das gesamte Staatswesen finanziell zu schultern hat. Und genau hier befindet sich die Krise, abstrahiert vom Einzelfall: Mit einer Staatsquote von weit über 50 Prozent, einer Nettoneuverschuldung von 4,5 Prozent im laufenden Jahr und einem um über 200.000 Stellen angewachsenen öffentlichen Dienst im vergangenen Jahr ist der Staatsapparat unverhältnismäßig groß geworden. Freunde des Minimalstaatsmodells – eines Staatswesens, das sich auf seine Grundaufgaben der inneren und äußeren Sicherheit sowie der Rechtsprechung zu konzentrieren hätte – schlagen mit Blick auf den deutschen Staat der Gegenwart regelmäßig die Hände über dem Kopf zusammen.
Dass sich der Staat inzwischen einen Subventionsapparat von 321 Milliarden Euro aufgebaut hat, erzwingt geradezu eine größere Verwaltung und einen ewig wachsenden öffentlichen Dienst. Etwa 700 Euro im Monat bringt ein Arbeitnehmer in Deutschland im Durchschnitt auf, um die Personalkosten seines Staatswesens zu finanzieren. Im Gegenzug erhält der deutsche Steuerzahler die Leistungen eines verfetteten Versorgungsapparats: keinen Schutz der Außengrenzen, eine unkontrollierte Migration in sein Sozialsystem, das eigentlich dem Steuerzahler als Sicherungsmechanismus vorbehalten sein sollte, ein kollabierendes Gesundheits- und Vorsorgesystem sowie on top immer höhere Abgabenlasten.
Während sich Stadtbild, Bildung, Qualität des Erziehungssystems und Rentenvorsorge zu einer sozialen Katastrophe zusammenbrauen, muss es auf die Hunderttausenden, die in den zurückliegenden Jahren im Zuge der Degrowth‑Politik ihre Jobs in Deutschland verloren haben, maximal demoralisierend wirken, nun mitzuerleben, dass Staatsdienern, die dieser Problematik enthoben sind, per Verfassungsgerichtsurteil ein richtig großer Schluck aus der Pulle zugebilligt wird, die sie alle bezahlen und stemmen sollen. Das alles passt ganz und gar nicht mehr zusammen.
— Kieler Aktionär (@KielerFinanzen) May 2, 2026
Und wie gesagt: Es geht nicht um den Einzelfall, in dem Staatsdiener durch eben beschriebene ideologische Politik regelrecht ausgebeutet werden, sondern um das große Ganze. Es geht um einen Staatsapparat, der den Privatsektor dieser Gesellschaft, der letztlich für alles aufkommen muss, regelrecht unter Wasser drückt.
Das, was wir in Deutschland erleben, hat nichts mehr mit dem Prinzip des starken Staats zu tun. Wir erleben den Aufbau eines neuen, eines ökologistischen Sozialismus. Ein Staat, der weit mehr als die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts durch seine unterschiedlichen Kanäle lenkt, ist längst in eine Interventionsspirale eingetreten, aus der er nicht mehr aus eigener Kraft herausfinden kann. Bürokratische Strukturen entwickeln ein Eigenleben, die Regulierungsflut der zurückliegenden Jahre ist das Ergebnis einer aggressiven Invasionspraxis der Bürokratie, die eigene Existenzberechtigung durch Omnipräsenz im Lebensalltag der Menschen unter Beweis zu stellen.
Der postmoderne Bürokratenstaat erzwingt geradezu den Aufbau eines kafkaesken Regulierungsregimes. Immer höhere Abgabenlasten, Regulierungswahnsinn und die Bevorzugung der Staatsdiener und all derer, die von den Leistungen des Staatsapparates abhängig sind, gehören zur Grundausstattung des Machtdesigns im gegenwärtigen Deutschland. Dass sich in Brüssel eine weitere Verwaltungsstruktur im selben Geist über die nationale Ebene gelegt hat, wirkt dabei nahezu zynisch, aber sehr europäisch, sehr deutsch‑europäisch.



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Etwas frei nach Norbert Blüm: „Die Pensionen sind sicher“ Vermutlich erwirtschaftet von Grundsicherungs-Empfängern. Die junge Generation wird ihren Spaß haben. Ob sie schon realisiert hat, dass Faeser vorsorglich das Wehren gegen eine Beamtenkündigung erschwert hat?
Wer glauben sie lanciert solche Meldungen, naaaa? Die wollen das das Volk aufeinander losgeht, Alte gegen Junge, Beamte gegen Arbeiter, Ausländner gegen Deutsche. Teile und herrsche und halte das Volk dumm. Funktioniert bei den klugen BRD Bürger ganz prima.
Nichts dagegen einzuwenden, dass Polizei, Rettungssanitäter, Pflegeberufe und dgl. eine höhere bzw bessere Bezahlung erhalten. Denn diese Gruppe ist besonderen Risiken und Belastungen ausgesetzt UND sie tun etwas für ihr Geld.
Aber dem Bund und den Politikern. Entscheidern (inkl. BVerfG) geht es garnicht um diese Gruppe, sondern alleine um die eigene Tasche und um die grosse Wählerschar an den Schreibtischen, um ihre eigene Macht zu behalten, OHNE zu arbeiten..
„Eine höher bzw bessere Bezahlung erhalten“ Als wär? Im Vergleich zu wem? Es wird immer so getan, als würde nur das operative Personal beamtet werden. Tatsächlich hockt in jedem Amt und in jeder Behörde ein Wasserkopf, der tatsächlich unterbeschäftigt aber überbezahlt ist. Das dieses Land in einem desolatem Zustand ist, kann von niemandem geleugnet werden. Die Verantwortung dafür trägt der ÖD. Jedes einzelne Glied in der Kette. Die Transfer – Elite / der Beamtenstand gehört nicht reformiert, sondern abgeschafft. Die vollkommen unangemessen hohen Versorgungen, die Privilegien und die Pensionen, müssen gekürzt werden und am Beispiel Österreichs, in monatlichen Raten zurück… Mehr
Man darf nicht nur das Monats-/Jahresgehalt berücksichtigen, sondern auch die Pensionen, die Beamte bekommen, und die sind doch erheblich besser. Zwar müssen Beamte ihre Krankenkosten immer erst selbst vorstrecken, und das bei den Ärzterechnungen für Privatpatienten, aber sie bekommen es weitestgehend zurück. Ist nicht einfach, mal so 30 kEUR vorzuschießen. Trotzdem geht es meinem Vater goldig im Vergleich zu meiner zu erwartenden Rentnersituation. Diese Erhöhungen wirken sich natürlich auch besonders stark auf die Pensionen aus. Ich denke eher, dass der Staat die Beamten auch immer stärker braucht. Er muss sich ihre Loyalität erkaufen, bei der volksfeindlichen Politik, der er seit… Mehr
Weder Rettungssanitäter noch Pflegekräfte sind Beamte.
Man darf ruhig erwähnen, dass Beamte fürs Heiraten monatlich belohnt werden, ebenso für die Zeugung von Kindern. Beim 3. Kind zahlt das Land BaWü alleine dafür 980 Euro im Monat. Gibt es das bei irgendeinem privaten Arbeitgeber? Ebenso ist die Teilzeitquote bei Beamten besonders hoch. Weil es finanziell auch mit halber Arbeit gut leben lässt. Bei beamteten Lehrern arbeiten oft mehr als die Hälfte in Teilzeit. In Thüringen werden Lehrer nicht verbeamtet, da sinkt diese Quote dann auf 23 Prozent… Bei der Pension kassieren dann diese treuen Staatsdiener 100 Prozent… https://www.tagesschau.de/inland/lehrermangel-teilzeit-lehrkraefte-100.html Begründet wird diese stattliche Höhe der Gehälter und Pensionen… Mehr
Wenn man weiß, dass Staatssekretäre, Staatsminister, Amts- und Behördenleiter in ganz Deutschland meistens Beamte mit Parteibuch sind, ergibt eine Erhöhung der Bezüge durchaus Sinn.
Irgendwann werden wir einen deutschen Milei haben, der die Hälfte der Ministerien, die Hälfte der Bundesländer, die Hälfte der Beamten und die Hälfte der Gesetze abschafft. Leider dauert das noch.
Schade das dieses niemand, von den jetzt Lebenden, noch erleben wird.
Das Problem ist in der Tat nicht die Höhe der Beamtenbesoldung, sondern der heutige Umfang sowie die Zusammensetzung des öffentlichen Dienstes. Würde man ihn um 30% personell reduzieren und dabei die zahllosen Absolventen unnützer Studiengänge entfernen, könnte man den Rest problemlos verfassungsgemäß alimentieren, wieder Freiheit spüren und würde ein deutliches Wirtschaftswachstum erleben. Aber dazu wird es nicht kommen, da der öD ein unverzichtbares Wählerreservoir für die Parteien „unserer Demokratie“ darstellt. Und welcher Ertrinkende zerstört schon gerne seinen Rettungsring?
Doch, die Beamtenbesoldung ist ein Problem für jene, welche deren Sold und weitere Privilegien erwirtschaften müssen.
„Warum das Beamten-System nicht mehr zu halten ist“ https://youtu.be/SV2GGG9ZIdI?si=lXydpBST9QldMYqc
Der Staat, bzw. diese Regierung , braucht dringend ein ihm wohlgesonnenes Wählerklientel.
,,Das kann nicht gutgehen.“
Das bleibt abzuwarten.
Im Moment würden 72%der Wähler für WEITER SO stimmen!
3/4 aller Beamten arbeiten gar nicht, sondern beschäftigen sich arbeitslos mit brotloser Selbstverwaltung & Sabotage der Wirtschaft.
…oder sie sind krank. In Berlin durchschnittlich fast 40 Tage, in manchen Sektoren sogar 77 Tage im Schnitt. Und da sind die Lehrer, die ja eh schon 75 bis 80 Tage Urlaub haben, mit dabei. Trotz hoher Teilzeitquote, häufigen Frühpensionierungen und teuren privater Krankenversicherungen.
Aber erstens lockt die unbefristete100 prozentige Lohnfortzahlung und zweitens wird wohl kaum kontrolliert, ob man wirklich krank ist. Die Bürgermeisterkandidatin dos Santos war doch seit 2 Jahren krank geschrieben bei 7000 Euro Gehalt und gleichzeitig im Wahlkampf. Den Arbeitgeber hat es nicht gestört…
https://www.focus.de/panorama/berlin-im-oeffentlichen-dienst-ist-jeder-mitarbeiter-im-schnitt-ueber-einen-monat-krank_a0789c0b-ae63-44df-818d-02a767c9d4e8.html
Die Beamten leben deswegen extrem gefährlich. Das Beamtenrecht läßt eine Kürzung der Bezüge um bis zu 50% zu.
Das ist ja richtig. Aber ich kenne keinen Fall, bei dem von diesem Recht von Seite des Staates Gerbauch gemacht worden ist.
Warum auch? Waren doch nur Steuergelder die da sinnlos verpulvert wurden. Wer dieses System des Wahnsinns noch entwirren will müsste wie einst Alexander der Große handeln.