Folge der Corona-Maßnahmen: „Depressionen bis hin zu Suizidversuchen“

Das aktuelle Lagebild der Stiftung Deutsche Depressionshilfe zeigt den Einfluss der Lockdown-Maßnahmen auf den Zustand vielfach suizidgefährdeter depressiv Erkrankter und solcher, die neu erkrankt sind.

Symbolbild

Die Statistik über Suizidzahlen für ein zurückliegendes Jahr werden in Deutschland erst im Frühherbst veröffentlicht. Die Suizidzahlen des Statistischen Bundesamt für 2020 – darüber besteht unter Fachleuten kaum Zweifel – werden die bereits veröffentlichten Zahlen von 2019 überschreiten, wo sich laut Statistik etwas mehr als 9000 Personen das Leben genommen hatten. Dreiviertel dieser so Verstorbenen übrigens Männer, was  eine erweiterte Ursachenforschung verlangen würde, als sich lediglich zu fragen, welchen Einfluss die Corona-Maßnahmen bzw. die Lockdowns auf die Suizidrate insgesamt haben.

Depressionsforscher Ulrich Hegerl
„Schaden und Nutzen wurden kaum öffentlich diskutiert“
Es gibt übrigens auch zwischen alten und neuen Bundesländern ein deutliches Gefälle, so waren es in Sachsen-Anhalt laut Bundesamt mehr als doppelt so viele Selbsttötungen als beispielsweise in Nordrhein-Westfalen. Erfreulicherweise haben sich die Suizidzahlen zwischen 1980 und 2019 mehr als halbiert, sie stagnieren allerdings seit ca. 2006, der Rückgang ist den Jahren davor zu verdanken.

Nun geht vielen Suiziden eine Depression voraus, was diese Art der Erkrankungen schon deshalb zu einer lebensbedrohlichen macht. Die Deutsche Depressionshilfe spricht davon, dass Menschen mit Depressionen „jegliche Hoffnung“ verloren hätten. „Sie glauben nicht daran, dass ihnen geholfen werden kann und sich ihr Zustand je wieder bessert.“ Selbst mit den Versprechungen etwa eines christlichen Weltbildes (kommendes Himmelreich, wo schon alles besser wird) ist Hoffnungslosigkeit nicht nur ein lebensfeindlicher, sondern auch unterträglicher Zustand.

Auf besondere Weise alarmierend ist: Auch immer mehr nicht von Depression betroffene Menschen sind „so belastet wie nie zuvor in der Pandemie.“ Das mag zunächst banal klingen, denn natürlich führt in der Regel ein weiter anhaltender nicht zufriedenstellender Lebensumstand bei beinahe allen Menschen zu negativen Entwicklungen, aber jetzt steht es Schwarz auf Weiß belegt im Barometer der Deutschen Depressionshilfe.

Zwar werden die endgültigen Suizidzahlen für 2020 erst im Herbst veröffentlicht werden, aber was die Stiftung Deutsche Depressionshilfe schon Ende März 2021 im „Deutschland Barometer Depression“ an schockierenden Ergebnissen veröffentlicht, lässt überhaupt nichts Positives erwarten. Schon im vorhergehenden Barometer 2020 lautete das Fazit in der Überschrift: „Massive Folgen für die psychische Gesundheit infolge der Corona-Maßnahmen.“

Leserdebatte
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Erschwerend hinzu kam hier noch, dass die schon vor den Lockdowns angegriffenen Depressionspatienten laut Barometer 2020 „massive Einschränkungen in der Behandlung (ihrer) Erkrankungen“ erleben. Tatsächlich – und das ist ein Skandal – fiel bei jedem zweiten Patienten die Behandlung aus. Darüber hinaus muss sich niemand ausmalen, was es hier außerdem für Folgen haben kann, wo zwischenmenschlicher Kontakt bzw. Körperkontakt oder nur ein Lächeln unter den Corona-Maßnahmen abgeschnitten und weggesperrt wurden.

Im Deutschland-Barometer Depression 2021 die alarmiernde Gewissheit: „Bei fast der Hälfte der Patienten verschlechtert sich Depression bis hin zu Suizidversuchen.“  44 Prozent der Menschen mit diagnostizierter Depression sprechen „von einer Verschlechterung ihres Krankheitsverlaufs in den letzten 6 Monaten bis hin zu Suizidversuchen.“

Befragt wurden erneut über 5000 Personen, das aktuelle Barometer ist auch deshalb so relevant für die aktuelle Lage, weil Veröffentlichung und Befragung (Februar 2021) so nah beieinander liegen.

Von September 2020 bis Februar 2021 sind 22 Prozent der Befragten in einer depressiven Phase auf Grund von ausgefallenen Facharzt-Terminen ohne Behandlung geblieben, im ersten Lockdown waren das 17 Prozent. Und weitere 21 Prozent haben aus Sorge vor einer Corona-Ansteckung ihre Termine abgesagt. In Juni/Juli 2020 lag diese Zahl noch bei 13 Prozent. Die Lage hat sich danach deutlich verschlechtert was die Termine angeht ebenso, wie Terminabsagen aus Angst vor Ansteckung.

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Insbesondere Menschen mit depressiven Krankheitsbild leiden ganz besonders unter dem nun zweiten Lockdown: 89 Prozent der Befragten klagen über fehlende soziale Kontakte (plus 15 Prozentpunkte), über Bewegungsmangel klagen 87 Prozent (plus 7 Prozentpunkte) und über längere Bettzeiten 64 Prozent der Erkrankten (plus 9 Prozentpunkte)

Depressive Menschen bleiben in der häuslichen Isolation unter den Corona-Maßnahmen einfach tagsüber im Bett liegen. Fachärzte wissen allerdings: Lange Bettzeiten sind geeignet, die Depression noch zu verschlimmern. Ulrich Hegerl, der Vorstandvorsitzende der Deutschen Depressionshilfe nannte das einen „Teufelskreis.“

Konkret haben acht Prozent der Erkrankten bereits Suizidgedanken oder suizidale Impulse. Weil das Baromater auch die Zahl der tatsächlichen Suizidversuche erfahren hat (13), ist eine Hochrechnung möglich, die für die Gesamtbevölkerung alleine nur für die Gruppe der an Depressionen erkrankten Bürger 140.000 Suizidversuche errechnet innerhalb nur eines Jahres.

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„Die Maßnahmen gegen Corona führen zu Versorgungsdefiziten und depressions-spezifischen Belastungen, die gravierende gesundheitliche Nachteile für die 5,3 Millionen Menschen mit Depression in Deutschland bedeuten. Besonders die Zahl der Suizidversuche bereitet mir Sorge. Es ist dringend notwendig, bei der Entscheidung über Maßnahmen gegen Corona den Blick nicht nur auf das Infektionsgeschehen zu verengen. Es müssen auch Leid und Tod systematisch erfasst werden, die durch die Maßnahmen verursacht werden“, so Hegerl weiter.

Immer wieder vergegenwärtigen muss man sich hier auch: Das Barometer kann derweil kaum exakte Antworten dahingehend geben, wieviele Menschen erst durch die Corona-Maßnahmen selbst depressiv geworden sind. Denn was in der vorangehenden Erhebungen 2020 noch unspezifischer war, ist im Barometer 2021 schon trauige Gewissheit: „71% der Bundesbürger empfinden die Situation im 2. Lockdown bedrückend. Im 1. Lockdown waren es 59%, im Sommer 2020 sogar nur 36% der Bundesbürger. Fast die Hälfte (46%) der Deutschen erlebt seine Mitmenschen als rücksichtsloser (im 1. Lockdown 40%). Jeder dritte hat Sorgen um seine berufliche Zukunft. Familiär stark belastet fühlen sich im Februar 2021 25% der Befragten, im Sommer 2020 waren es nur 16%“

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Auch Routinen sind für Depressive nicht nur angenehm, sondern lebenswichtig: Die überwiegende Zahl der Erkrankten beklagen hier den Verlust ihrer Tagesstruktur und zunehmend mehr Menschen ohne Depressionen leiden ebenfalls darunter. Auch hier die Frage: Was passiert auf Dauer mit Menschen die bisher von Depressionen verschont geblieben sind, wie gefährlich ist es hier, ebenfalls in eine Depression abzugleiten?

Millionen Deutsche erleben durch die Corona-Maßnahmen eine Einschränkung der medizinischen Versorgung mit entsprechenden gesundheitlichen Folgen. Will man den Erfolg der telefonischen und zusätzlichen Online-Hilfen einordnen, dann waren es im vorhergehenden Barometer 2020 immerhin schon 14 Prozent der Patienten, die von diesen Möglichkeiten erstmals Gebrauch gemacht haben. Sicher nicht so viele, aber doch ein messbarer Erfolg des Angebotes schon vor vielen Monaten. Ganz überwiegend positiv bewertet wurden von den Betroffenen schon damals diese Telefon- und Video-Sprechstunden.

Neben den erläuternden Grafiken auf der Internetseite der Deutschen Depressionshilfe zum Barometer steht jeweils in einer rot unterlegten Infoblase: „Depression kann jeden treffen.“ Das darf nach dieser doch umfangreichen Befragung als erwiesen gelten. Und wie lebensbedrohlich Depressionen sein können, weiß man schon länger als der sowieso schon lange andauernden Lockdown geht. Was aber ebenfalls zur Wahrheit dazugehören könnte, ist das Schicksal auch jener Menschen, die insbesondere unter den Corona-Maßnahmen im Leben in der Form keinen Sinn mehr erkennen. Menschen, die sich beispielsweise über Jahrzehnte etwas erarbeitet haben, das nun zusammenbricht, die aber gar nicht unbedingt die klinischen Kriterien einer Depression erfüllen. Depressionen sind ein Krankheitsbild, während eine Bewertung des aktuellen Seins nicht zwangsläufig depressiv sein muss, auch wenn das Ergebnis komplett negativ ist.


Sollten Sie das Gefühl haben, dass Sie Hilfe benötigen, kontaktieren Sie unbedingt die Telefonseelsorge. Unter der kostenfreien Rufnummer 0800-1110111 oder 0800-1110222 bekommen Sie Hilfe von Beratern, die Ihnen Hilfe bei den nächsten Schritten anbieten können. Hilfsangebote gibt es außerdem bei der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention. Im Netz gibt es – Beispielsweise bei der Stiftung Deutsche Depressionshilfe – auch ein Forum, in dem sich Betroffene austauschen können.

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Kommentare ( 37 )

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Deutscher
8 Monate her

Diese Schäden werden natürlich nicht eingerechnet in die großartige Erfolgsbilanz unserer Coronarin und ihrer Koalition der Willfährigen.

Wolfgang M
8 Monate her

Warum schreibt man eigentlich nur über die, die mit den Corona-Maßnahmen Probleme haben. Ich habe zum Beispiel damit überhaupt kein Problem. Mir fehlte der Friseur, weil ich wie ein anständiger Mensch auf die Straße gehen wollte. Das ist zumindest aktuell erledigt. Mir fehlt eine Urlaubsreise. Das ist aber kein Weltuntergang. Ich erinnere mich an die Zeit meines Hausbaus. Immer war kein Geld da. Alles wurde teurer. Und eine Bauaufsicht war auch von Nöten, obwohl ich eine Bauaufsicht bezahlt hatte. Zusätzlich gab es viel Eigenarbeit im Haus und Garten. Da fiel auch der Urlaub aus. Was soll’s? Aktuell akzeptiere ich alle… Mehr

Michael M.
8 Monate her
Antworten an  Wolfgang M

Tja Wolfgang M. und mir gehen alle diese unlogischen Vorsichtsmaßnahmen (Nein, die Urlaubsreise und der Friseur ist mir auch wurscht, ich will Leute treffen, in fröhliche Gesichter sehen, ins Theater, ins Restaurant oder auf ein Konzert gehen und zwar ohne die nutzlose Maske) die Nerven, weil inzwischen darf man ja nichts mehr außer zur Arbeit gehen und Steuern zahlen. Ihnen als Rentner/Pensionist mag das egal sein, aber mir ist es das nicht und übrigens bin ich auch nicht für ihre Gesundheit verantwortlich (selbstverständlich dürfen Sie sich auch impfen lassen und habe für mich entschieden dass ich das nicht möchte), darum… Mehr

MarkusF
8 Monate her

Die Maßnahmen erscheinen weitgehend sinnlos bis kontraproduktiv. Selbst die WHO rät grundsätzlich von Lock-Downs ab. Auch ging es von Anfang an nicht um Coronabekämpfung. Merkel hat die Grenzen erst geschlossen nachdem sie von Experten dazu gezwungen wurde; das war Anfang des letzten Jahres. Dann kam der im wesentlichen von Söder erzwungene erste Lock-Down und es wurde erkennbar das sich aus harten Corona-Maßnahmen politisches Kapital schlagen lässt und just, seitdem ist auch Merkel harte Corona-Kämpferin. Betrachtet man andere kostspielige wie rücksichtslose Volten Merkels so wie die ‚Energiewende‘ die ein reines Wahlkampfmanöver war verdichten sich die Indizien das Merkel hier ein weiteres… Mehr

Last edited 8 Monate her by MarkusF
Rita
8 Monate her

Das sind aber alles Projektionen. Ich (also Sie) leide unter Lockdown/Maßnahmen, also war das auch der Grund von jemandes Selbstmord. Derjenige fühlte wie ich (Sie) und konnte es nicht mehr aushalten.

Es gibt aber auch das Gegenteil. Sie können nicht einfach die Suizide nehmen und Ihrer Sicht der Pandemie hinzuaddieren.

Judith Panther
8 Monate her

NEUE NATIONALHYMNE DER D RITTEN D IKTATORISCHEN R EPUBLIK   Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt „Ich will Euch, den Deutschen dienen, Deutschland, einig Vaterland!“ log vor 16 Jahren Merkel, machte sich alsbald ans Werkel – Jetzt ist Deutschland abgebrannt.   Als die Sonne, schön wie nie, über Deutschland schien schickte Merkel ihre Schergen zu den Rodelbahnen hin. Schärfte ihnen sorgsam ein: „Friede, Freude, Freiheit suchen soll in Zukunft strafbar sein! Scheucht die Kinder von den Schlitten wenn sie auch heulen, schreien, bitten. Und der Deutsche Michel schnarcht, träumt vom Schlafen und von Schafen, merkt nicht, wie sie ihn… Mehr

Last edited 8 Monate her by Judith Panther
Politkaetzchen
8 Monate her

Irgendwie passt was nicht zsm. Wenn es den Leuten soooo schlecht geht, wieso wird trd ein „Weiter so“ gewählt und immer noch über Querdenker geschimpft? Ich weiß, ich mache mir jetzt Feinde, aber die meisten Depressive sind insgeheim Modedepressive und viele fallen auf das Phänomen der Neuzeit rein: Nirgendwo werden psychische Störungen, besonders Depressionen, so romantisiert und für hipp befunden wie in Deutschland. Man kann so schön das Opfersein zelebrieren. Ein bisschen in der Klinik die Langeweile vertreiben, ein paar Pillen einwerfen und sich über die Nebenwirkungen wundern, bevor man über sein ach so schweres Leben jammert. Jammern ist halt… Mehr

Last edited 8 Monate her by Politkaetzchen
Slawek
8 Monate her

Eigentlich müsste jede Stadtverwaltung in so einer Krise dann regelmäßig jemand schicken, der vorbeischaut, den Bedarf feststellt und je nach Situation sich öfter blicken lässt.
Nun ist es kein Geheimnis. Es gibt kein Geld. Konkret, von der Verwendung der für sowas vorgesehenen Geldmittel her – schon seit der Flüchtlingskrise nicht mehr.

olympos
8 Monate her

Sie wollen die Menschen veraengstigen, brechen, damit diese Missanthropen aus der Politik und der schlimmeren Presse der kranken Gehirne, ihre Diktatur auf den Weg bringen. Wer keinen Widerstand leisten kann, ist ein Gewinn fuer diese Faschisten.

Wolfsohn
8 Monate her

Die ganzen Verantwortlichen, von Dr. Osten bis Merkel sind für mich Mörder!
Jedes Suizidopfer, jedes Opfer eines „Ehren“mordes, die unzählichen Gewalttaten (SAntifa, „Flüchtlinge“ usw.) gehen auf deren Konto, denn was man nicht verhindert, unterstützt man.

Deutscher
8 Monate her
Antworten an  Wolfsohn

Nein, die Ehrenmorde gehen aufs Konto der Kultur, deren Bestandteil sie sind.

Andreas R.
8 Monate her

„Du Miststück. Meine Depression und ich.“ Ein lesenswertes Buch von Alexander Wendt!

Auch wenn ich zunehmend suizidal drauf bin; ich möchte schon auch gerne wissen, wie es ausgeht. Den ganzen Irrsinn mitgemacht und dann nicht die Wendung miterleben? Nicht mit mir! Es gibt halt nichts Endgültigeres als den Tod.

Morgen gehe ich ohne Maske in den REWE. War schön mit euch!