Die Schwachen und Sensiblen leiden am meisten unter der Corona-Politik

Je länger die Phase des Lockdowns dauert, umso schmerzhafter werden die Folgen. Es trifft die Menschen unterschiedlich. Die Schwachen leiden am meisten. Die wirklich Schwachen, das sind die Alten und die Kinder. Für sie nimmt die Zeit einen anderen Verlauf.

picture alliance | Andreas Poertner
Für Kinder fließt die Zeit langsam; ein Jahr ist eine Ewigkeit; eine lange Zeitspanne, in der sie sich verändern, lernen, wachsen. Ein Jahr Corona bedeutet für sie meist eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten, kaum Schulunterricht, das Diktat der Angst und der Zwang zur Maske. Familiäre Probleme mögen dazu kommen, Isolation und Vereinsamung, zunehmend auch anwachsende häusliche Gewalt im Lockdown. Viele Kinder reagieren depressiv und apathisch. Es ist mehr als ein verlorenes Jahr. Es ist ein Jahr, dessen traumatische Folgen sich erst später zeigen werden.

Vergessene Corona-Opfer
Psychisch kranke Kinder leiden besonders unter dem Lockdown
Die stärkeren Kinder werden das überstehen. Auch jene, die über ein intaktes Elternhaus verfügen. Dort fangen die Eltern auf, was Lehrer und Schule nicht mehr leisten. Die Schwächeren fallen zurück. Besonders betroffen sind Kinder aus Migrantenfamilien. Ihnen fehlt das tägliche „Sprachbad“, wie es Josef Kraus genannt hat: Das Erlernen der Sprache mit anderen Kindern und Lehrern. Sie sind auf ihre Eltern-Sprache zurückgeworfen. So scheitert Integration, noch ehe sie richtig begonnen hat. Dass viele Eltern durch das eingesperrt Sein überfordert sind, insbesondere wenn die Wohnungen klein sind und eng, kommt dazu. Viele haben sich auf die Betreuungsangebote des Staates verlassen: Kitas, Schulen, Ganztagsbetreuung. Jetzt zeigt sich: Es bleibt die Familie als Stütze und Hilfe. Die staatlichen Leistungen fallen aus.

Viele Städte und Gemeinden gehen rücksichtslos mit diesen Problemen um. Städtische Parks sind gesperrt, in Düsseldorf gilt jetzt ein „Verweilverbot“ am Wochenende in der Altstadt und an der Rheinpromenade, der einzigen Frischluftschneise in der verdichteten Stadt. Viele Mittelgebirge sperren am Wochenende ihre Straßen gegen Besucher. Das ist so in der Eifel und im Taunus. Parkplätze werden blockiert, die Städter sollen ferngehalten werden. Rodeln ist verboten, Spazierengehen ein Gnadenakt. Wie sollen Kinder und Eltern sich erholen – ohne Parks, ohne Freizeitmöglichkeiten, ohne Bolzplatz, ohne Kinderspielplatz?

Depressionsforscher Ulrich Hegerl
„Schaden und Nutzen wurden kaum öffentlich diskutiert“
Die Kanzlerin droht mit Verlängerung bis über Ostern. Mag ja sein, dass Osterferien und Urlaub für die Berliner Elite eine Gnade ist. Für Familien ist es überlebensnotwendig, je enger sie wohnen. Sprüche bringen keine Erleichterung in Städten, die verrammelt werden. Die Lauterbachs und die falschen ZeroCovid-Propheten und die NoCovid-Fanatiker denken an die Ausrottung des Virus. Bis er letztlich beseitigt ist, werden die sozialen Schäden in die Höhe getrieben.

Anders bei den Alten. Für sehr alte Menschen verfließt die Zeit schnell. Oft zählen nur noch Monate, ein halbes Jahr oder ein ganzes. In dieser Zeit allein zu sein, die Familie nicht mehr zu sehen, die Liebsten, die Kinder, die Enkelkinder: Viele empfinden es, so sagen uns Pfleger, als vorgezogenes Sterben, als sozialen Tod, dem der geistige und physische folgen. Die Entscheidungsfreiheit ist ihnen genommen: Noch einmal bei wachem Bewusstsein die Angehörigen sehen. Überleben um jeden Preis ist für viele nicht erstrebenswert, sondern die letzten Wochen oder Monate in Würde und in liebevoller Umgebung zu verbringen.

Kindern wird ein schlechtes Gewissen eingeredet. Sie könnten die Alten anstecken. Wie viele Schuldkomplexe werden hier Kindern aufgeladen – und das, ohne die Einsamkeit der Alten zu lindern? Sinnlos, zwecklos.

Geschichten aus dem Lockdown
"Ich kann nicht mehr“
Das sollten wir Erwachsene im mittleren oder rüstigen Stand uns vor Augen halten: Was ist schon ein Jahr ohne Urlaub für einen 50-Jährigen; der Verzicht relativiert sich, und irgendwann wird es ja wieder weitergehen. Wir hatten schöne Zeiten und weitere schöne Jahre liegen vor uns, in denen wir nachholen, was uns derzeit fehlt.

Diese Gelassenheit können die Jungen und die Alten nicht haben.

Und es sind die Sensiblen. Sie leiden nicht nur unter Isolation, dem Zerbrechen ihrer sozialen Eingebundenheit, dem Fehlen von Freundschaften. Es ist ein düsterer Nachruf, den TE-Autor Alexander Wendt anlässlich des Todes von Stefan Mickisch geschrieben hat: ein sehr persönliches Stück über das Scheitern eines sensiblen Pianisten, der wie kaum ein Zweiter Musik erklären und in Worte fassen konnte. Umgebracht hat ihn die Reaktion auf seine eigenen Worte: Eine ungeschickte Bemerkung auf Facebook wurde zum Anlass genommen, seine Existenz, seinen Ruf und sein Leben zu zerstören. Besonders niederträchtig dabei hervorgetan haben sich der Bayerische Rundfunk und das Haus Wahnfried in Bayreuth.

Es wurde eine Hexenjagd veranstaltet, eine öffentliche Jagd auf einen Menschen, der eine andere als die erlaubte Meinung vertritt. Daran ist Stefan Mickisch zerbrochen. Die selbstgerechten Rächer der Regierung und ihre Subventionsempfänger reagieren nicht betroffen, sie werfen noch schäbige Bemerkungen nach ins offene Grab.

Generation Corona
Kindheit ist nicht aufschiebbar
Wir leben in einer Zeit, die die Menschen aus den Augen verloren hat. Herzlos und kalt wird nach Zahlen gehandelt, die die Schicksale verbergen. Inzidenzwerte mögen technokratische Virologen befriedigen, aber nicht die meisten anderen Menschen. Überzogene Risiken und Vorsicht werden jeden Tag noch gefährlicher, weil die Belastungsfähigkeit der Menschen aufgebraucht ist.

Aber Politiker leben nicht so. Ihr Leben geht weiter wie bisher; Kinder zählen nicht, der Kampf geht nicht um konkrete Menschen, sondern abstrakte Formeln wie den Genderstern.

Die Opfer dieser gedankenlosen Politik sind die Schwachen, die Sensiblen. Sie sind keine organisierbare Minderheit, die auf die Pauke haut und sich durchsetzt, rücksichtslos auf ihre Identität pochend und ihre verletzten Gefühle vor sich hertragend wie eine Panzerfaust. Eine Gesellschaft zerbricht. An unmenschlicher Politik.


Sollten Sie das Gefühl haben, dass Sie Hilfe benötigen, kontaktieren Sie unbedingt die Telefonseelsorge. Unter der kostenfreien Rufnummer 0800-1110111 oder 0800-1110222 bekommen Sie Hilfe von Beratern, die Ihnen Hilfe bei den nächsten Schritten anbieten können. Hilfsangebote gibt es außerdem bei der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention. Im Netz gibt es – Beispielsweise bei der Stiftung Deutsche Depressionshilfe – auch ein Forum, in dem sich Betroffene austauschen können.

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Kommentare ( 81 )

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WandererX
4 Monate her

So ist das Leben eben mit einer Frau als Kanzler: nicht zu spaßen. Das Parlement ist abgeschafft, die Fürsten und die Königin entscheiden alleine und gegen Befehle ans Volk.

Kuno.2
4 Monate her

Eine Schwangerschaft und Geburt im Krankenhaus wird in diesen Zeiten auch nicht gerade angenehm sein. Immerhin kann der Vater infolge Schnelltest mittlerweile zu Mutter und Kind.

patitomio
5 Monate her

Wenn man eine Gesellschaft danach beurteilt, wie sie mit ihren schwächsten Mitgliedern umgeht, erfasst einem im Moment leider ein unheimliches Grauen.
Danke TE für das unermüdliche Anprangern dieser Zustände. Ein wahrer Leuchtturm inmitten dunkler Tage!

Solbakken
5 Monate her

Liebe Mitleser, lieber Herr Tichy, hören Sie sich auf Punkt.Preradovic den Podcast , das Interview, von Milena Preradovic mit Professor Stefan Hockertz über sein Buch Generation Maske, erschienen im Kopp-Verlag, an. Ich schätze Professor Hockertz seit Monaten wegen seiner impfkritischen Beiträge. Im Interview mit Frau Preradovic kommt Hockertz, bei aller Kritik an den politischen Maßnahmen, liebenswert und mutmachend rüber.
Ich habe mir das Buch sofort bestellt, bin gespannt.

fisco
5 Monate her

Danke. Niemand hat das Recht, seine Mitmenschen einzusperren und von einander fernzuhalten.

moorwald
5 Monate her

Was hält eigentlich die GROKO noch zusammen?
Wahrscheinlich bleibt die SPD drin, weil es sowieso egal ist, ob sie mitregiert oder opponiert.
Ihr dürfte bewußt sein, daß ohne sie Merkel erledigt wäre.
Die SPD steht eben für gar nichts mehr, nicht einmal für sich selbst.
Eigentlich wäre es mal wieder Zeit für einen Vorsitzenden-Wechsel.
Das einzige, was noch vorübergehend öffentliche Aufmerksamkeit verheißt.

karel
5 Monate her
Antworten an  moorwald

Aktuell leben die Linken nur von der Macht ihrer Medien.
Im Bundestag haben sie ja keine Mehrheiten, im Bundesrat jedoch die Blockade-Macht, um die verheerende Wirkung der Gesetze aus der Zeit von 1998 bis 2005 immer noch abzusichern..

Watzmann
5 Monate her

Man muss nur das Kabinett Merkel durchdeklinieren und dann weiß man wieviel Mitglieder dieser Regierung „kinderlos“ sind. Die Konsequenz des politischen Handelns ist zwingend logisch! Chancengleichheit, Möglichkeit des sozialen Aufstiegs, nichts als leere Worthülsen. Die Verantwortung für gute Erziehung und Bildung tragen Eltern und Großeltern. Eine banale Erkenntnis, auch dies war schon immer so. Das ganze soziologische Geschwätz kann man weitgehend in die Tonne treten.

elly
5 Monate her

„ Was ist schon ein Jahr ohne Urlaub für einen 50-Jährigen; der Verzicht relativiert sich, und irgendwann wird es ja wieder weitergehen. “ sehr viel, denn es bleibt nicht mehr so viel Lebenszeit. Wenn überhaupt haben bildungsferne Schichten Probleme und die Kinder werden nicht durch Corona traumatisiert. Seit der Zuwanderung finanzieren die heute ab 50-Jährigen alle Maßnahmen zur Integration. Wie erfolgreich das ist, sieht man an der heutigen Generation der Kinder türkischer Einwanderer. Einzelne erfolgreich Integrierte können nicht über die Masse der Integrationsverweigerer hinwegtäuschen. Es sind die heute ab 50-Jährigen, die den Wohlstand auch der bildungsfernen Schichten finanzieren. Ich sehe hier die… Mehr

Winston S.
5 Monate her
Antworten an  elly

Zustimmung. Außer beim Thema impfen.

Eberhard
5 Monate her

Alt muss nicht unbedingt schwach heißen. Ich bin sehr alt. Aber auch wenn körperliche Kräfte abnehmen, kann das große Maß an Erfahrungen das ausgleichen. Es gehört schon etwas Stärke dazu, mit vielen verlorenen Jahren zu leben, ohne zu Hadern. Trotz aller Rückschläge, Beschränkungen und Demütigungen nicht einzuknicken. Habe die Nazizeit, Krieg, Bombenterror und danach die Russen und die DDR mit aufgezwungenen Sozialismus überlebt. Der Krieg nahm mir und meinen vier Geschwistern den Vater. Der Bombenterror beendete urplötzlich gleichaltrige junge Freundschaft und zeigte auf, wie nahe der Tod täglich war. Danach schreckliche Erlebnisse als Fünfzehnjähriger, die mein Leben bis heute beeinflussen.… Mehr

Maja Schneider
5 Monate her

Ein sehr wichtiger Beitrag, der u.a. die verheerenden Auswirkungen der unmenschlichen aktuellen Politik im Hinblick auf die Jungen und Alten in den Blick nimmt. Beiden wird Lebensfreude und Lebenszeit gestohlen, die Jungen leiden darunter, weil für sie die Zeit, in der sie so vieles entbehren und aushalten müssen, unendlich langsam vergeht, die Alten, weil sie zu Recht fürchten, dass ihnen von den noch verbleibenden Jahren kostbare Zeit genommen wird, die nie mehr aufzuholen sein wird. Obüberhaupt und wie die Wunden dieser Zeit mit diesen politischen und gesellschaftlichen Verwüstungen seit März 2020 für eine inzwischen zerbrochene Gesellschaft je wieder zu heilen… Mehr