Amerikaner übernehmen über 90 Prozent an Lagerstätte für seltene Erden in Grönland

Im Januar 2026 entsandten Deutschland, Frankreich, Schweden und Norwegen Militär nach Grönland. Die Bundeswehr fünfzehn Soldaten. Um ein Zeichen gegen Trump zu senden. Die Amerikaner sichern sich derweil Rohstoffe für ihre industrielle Zukunft. Der Tanbreez-Deal zeigt, wer etwas von Geopolitik versteht.

IMAGO / Bihlmayerfotografie

Die Mainstream-Medien brüsteten sich damit, die europäischen Nato-Länder hätten Trump in Grönland zurückgedrängt, indem diese – nie verlegen, wenn es darum geht sich lächerlich zu machen – unter großem Mediengetöse eine Handvoll Soldaten. als Zeichen der Entschlossenheit, nach Grönland entsandt hatten. Washington verhandelte während dessen das, was man ohne Übertreibung einen Mega-Deal nennen kann. Die USA haben erreicht, dass das Unternehmen Critical Metals Corp die Kontrolle über das gigantische Tanbreez-Vorkommen in Grönland übernehmen kann. Tanbreez ist eines der wichtigsten Vorkommen für schwere Seltene Erden außerhalb Chinas. 4,7 Milliarden Tonnen, davon 27 % Heavy Rare Earth Elements (HREE).

Statt mit der üblichen europäischen Hysterie auf alles was Trump tut, zu reagieren, wäre es vermutlich besser gewesen, mit den Amerikanern gemeinsam über den Abbau dieser so wichtigen Mineralien verhandelt zu haben. Aber Rationalität scheint derzeit weder in der EU, aber auch nicht im Vereinigten Königreich hoch im Kurs zu stehen. In Deutschland kann man mit diesem Begriff schon lange nichts mehr anfangen.

Während die EU sich in Sonntagsreden zur strategischen Autonomie bekennt und Deutschland seine Industrie mit Energiepreisen und Bürokratie stranguliert, schaffen andere Fakten. Die Regierung Grönlands hat nun die Übertragung der letzten 50,5 Prozent von Tanbreez Mining Greenland A/S auf die Critical Metals Corporation genehmigt. Damit kontrolliert das amerikanische Unternehmen nun 92,5 Prozent des Tanbreez-Projekts, während die australische European Lithium Ltd mit 7,5 Prozent beteiligt bleibt. Den Amerikanern ist damit ein wichtiger Schritt gelungen, sich aus der rohstoffpolitischen Abhängigkeit von China zu befreien. Die EU ist einmal mehr außen vor.

Denn Tanbreez ist kein gewöhnliches Bergbauprojekt. Die Lagerstätte im Süden Grönland enthält sämtliche acht kritischen schweren Seltenen Erden, die für moderne Verteidigungssysteme, Elektromotoren, Hochtechnologie und die sogenannte grüne Transformation benötigt werden. Dysprosium, Terbium, Holmium, Erbium oder Yttrium sind keine exotischen Laborstoffe, sondern der industrielle Sauerstoff moderner Volkswirtschaften. Ohne sie gibt es keine Windräder, keine Präzisionswaffen, keine leistungsfähigen Elektromotoren und keine digitale Hochrüstung. Dass China heute Produktion und Verarbeitung dieser Stoffe dominiert, ist die Folge jahrzehntelanger westlicher Selbstzufriedenheit. Trump hat das erkannt und geändert. EU-Politiker sind zu beidem nicht in der Lage.

Die Genehmigung der grönländischen Regierung bestätigt die Eigentumsrechte der Critical Metals Corporation an den Vorkommen. Das erleichtert die Finanzierung des Projektes. Denn investiert wird nur, wenn Eigentumsverhältnisse geklärt und politische Risiken kalkulierbar erscheinen. Genau daran scheiterten in der Vergangenheit zahlreiche westliche Rohstoffprojekte.

Das Projekt verfügt über direkten Zugang zum Nordatlantik über ganzjährig nutzbare Tiefwasserfjorde – ein logistischer Vorteil, über den konkurrierende Projekte nicht verfügen. Während Europa über Lieferkettenresilienz diskutiert, entsteht hier faktisch ein neuer westlicher Rohstoffkorridor.

Und CRML belässt es nicht bei Ankündigungen. Im März 2026 meldete das Unternehmen metallurgische Fortschritte, die den Anteil des raffinierten Konzentrats auf 2,96 Prozent TREO steigerten – rund 40 Prozent besser als frühere Ergebnisse von 2016. Diese Resultate sollen die Grundlage für eine überarbeitete wirtschaftliche Erstbewertung bilden. Parallel vereinbarte das Unternehmen die Übernahme einer Mehrheitsbeteiligung an 60° North Greenland ApS, einem grönländischen Bau-, Explorations- und Logistikunternehmen. Auch personell wird aufgerüstet.

Besonders aufschlussreich ist jedoch das 30-Millionen-Dollar-Beschleunigungsprogramm. Während europäische Großprojekte oft schon an Umweltgutachten oder Bürgerinitiativen scheitern, definiert man in Grönland konkrete industrielle Ziele: Erweiterung der Ressource von 45 auf etwa 130 Millionen Tonnen, eine 6.000-Meter-Bohrkampagne, Material für Pilotanlagen und erste Erzproduktion bereits Ende 2028 bis Anfang 2029. Konzentratexporte sollen ab dem dritten Quartal 2029 beginnen. Parallel sicherte sich das Unternehmen eine Absichtserklärung der amerikanischen EXIM Bank über 120 Millionen Dollar. Die Vereinigten Staaten machen damit deutlich, was Europa bis heute nicht verstanden hat: Rohstoffversorgung ist Machtpolitik.

Hinzu kommen laufende Gespräche mit Abnahmepartnern in den USA, Europa und Saudi-Arabien. Jeder Partner soll vor Produktionsbeginn mindestens zehn Tonnen hochgradiges Eudialyt-Konzentrat erhalten. Der Betrieb einer Pilotanlage ist bereits für Mai 2026 vorgesehen, ein 150-Tonnen-Großprobenprogramm für Juni. Selbst die Infrastruktur entwickelt sich passend dazu. Ein neuer internationaler Flughafen nur zwölf Kilometer vom Standort entfernt soll die Logistik für Personal, Ausrüstung und Lieferketten verbessern.

Das alles zeigt, wie ernst der globale Wettlauf um kritische Rohstoffe inzwischen geworden ist. Während Europa sich in regulatorischen Selbstfesselungen verliert, entstehen andernorts konkrete industrielle Projekte mit geopolitischer Dimension. Tanbreez ist dabei nicht nur ein Bergbauprojekt, sondern ein Symptom einer tektonischen Verschiebung. Der Westen versucht, verlorene Kontrolle über strategische Rohstoffe zurückzugewinnen – gegen China, gegen Zeit und gegen die eigene politische Trägheit.

Der Kampf um Seltene Erden entscheidet längst nicht mehr nur über Industriepolitik, sondern über technologische und geopolitische Souveränität. Die EU und ganz besonders Deutschland glaubt über Trump lachen zu können, schlauer wäre es, sein Handeln nüchtern zu betrachten.

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Kommentare ( 7 )

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jwe
17 Minuten her

Was will die EU denn beim Abbau mit mischen? Der müsste doch zwingend Co2-neutral mit E-Baggern und E-LKWs von statten gehen. Und wer soll in Europa denn verarbeiten? Industrie wird hier, vor allem in DE abgewrackt.

alter weisser Mann
18 Minuten her

EU-Europa tönt nur dumm
in der ganzen Welt herum.

Last edited 14 Minuten her by alter weisser Mann
Mermaid
18 Minuten her

Leider habe ich bei solchen Deals immer einen schlechten Geschmack im Mund. Nur ungern erinnere ich mich an das Auftreten amerikanischer Unternehmen in Afrika und zum Beispiel in Südamerika in den 60-er und 70-er Jahren. Ich hoffe, den Grönländern bleiben solche Erfahrungen erspart und sie werden fair beteiligt… Die Rolle der Europäer weltpolitisch ist schon erbärmlich, da stimme ich Ihnen voll zu. Aber am meisten wundern mich die Briten. Was ist bloß aus ihnen geworden? Und noch deutlicher gefragt, hat das etwas mit dem neuen König zu tun? Hätten die Briten bei Elisabeth II. auch so eine Entwicklung genommen? Die… Mehr

Tomtargi
19 Minuten her

Nun, im Gegensatz zur EU werden die USA ja auch nicht (mehr) von Marionetten Chinas regiert.

Maja Schneider
25 Minuten her

Das Verständnis für Geopolitik wird weder die EU in Brüssel noch die Üolitik in Berlin je erreichen.

humerd
40 Minuten her

Der Tanbreez-Deal zeigt, wer etwas von Geopolitik versteht.“
dafür versteht Ursula von der Leyens EU und Deutschland sehr viel von scheinheiliger Doppelmoral

Chrisamar
42 Minuten her

Großartig! Ein Sieg für Grönland und ich gönne es den Arktischen Völkern von ganzem Herzen.
Meiner Meinung nach, gehört die EU in den Koffer der Versenkung. Deutschland sollte sich unverzüglich von diesem Haufen Altlasten trennen.
Denn die dortige Transfer – Elite ist auf allen Ebenen gescheitert. Ohne Deutschland könnte Herr Selensky dort das Amt von Frau UvdL übernehmen. Das passt dann alles wieder zusammen. Oder?