Bedrohung durch Iran in Deutschland: Sicherheitsleute kritisieren Regierungslinie

Die „New York Times“ berichtet über wachsenden Streit zwischen der Merz-Regierung und Sicherheitsleuten. Während Berlin beschwichtigt, warnen die Dienste offenbar vor iranischen Netzwerken, Spionage und Anschlagsgefahr in Deutschland.

picture alliance / Geisler-Fotopress | Bernd Elmenthaler

Während Merz und Dobrindt die Iran-Gefahr öffentlich herunterspielen, warnen Sicherheitsleute vor konkreten Risiken. Der Streit zeigt jetzt: Deutschlands Schutzapparat sieht mehr, als die Regierung öffentlich sagen will.

Die Bundesregierung und deutsche Nachrichtendienste streiten intern offenbar über eine Frage, die für die Bürger nicht nebensächlich ist: Wie deutlich soll vor möglichen, vom Iran gesteuerten Anschlägen gewarnt werden? Die „New York Times“ berichtet, seit Beginn des US-israelischen Kriegs gegen den Iran gebe es Spannungen darüber, ob die Öffentlichkeit ausreichend über die Lage informiert werde. Kanzler Friedrich Merz und Innenminister Alexander Dobrindt haben die Bedrohung zwar angesprochen, sie aber öffentlich eher wie ein theoretisches Risiko behandelt. Führende Sicherheitsvertreter, besonders auf Länderebene, sehen das nach dem Bericht anders: Für sie ist die Gefahr konkreter und dringlicher.

Die Zeitung stützt sich auf Gespräche mit Geheimdienstmitarbeitern, früheren Sicherheitsbeamten und Abgeordneten, die anonym bleiben wollten. Vier hochrangige deutsche Beamte schilderten demnach Spannungen zwischen Bund und Ländern. Die Landesämter sitzen näher an möglichen Gefährdungsorten, näher an jüdischen, israelischen und amerikanischen Einrichtungen, näher an den Szenarien, aus denen Anschlagsgefahren entstehen können. Dort wächst offenbar der Frust darüber, dass die politische Spitze in Berlin nach außen weniger alarmiert wirkt, als die Sicherheitslage intern nahelegt.

Warnen wäre ehrlich, Beschwichtigen ist bequemer

Sicherheitsvertreter befürchten, eine zu vorsichtige Kommunikation könne dazu führen, dass Bürger, Einrichtungen und Verantwortliche die Risiken unterschätzen. Bundespolitiker dagegen sorgen sich laut Bericht, dass deutlichere Warnungen eine selbsterfüllende Prophezeiung auslösen könnten. Das ist die vertraute Berliner Logik: Man hat Angst, die Wirklichkeit könne schlimmer werden, wenn man sie beim Namen nennt. Also wird sie in eine Sprache verpackt, die beruhigt, wobei sie eigentlich auf Gefahren vorbereiten müsste.

Merz erklärte am 12. März, die Schutzmaßnahmen für israelische, jüdische und amerikanische Einrichtungen in Deutschland seien verstärkt worden. Gleichzeitig sagte er, es gebe derzeit keine Erkenntnisse, die auf ein erhöhtes Gefährdungsniveau im Inland schließen ließen. Hinter verschlossenen Türen klang es nach Darstellung der „New York Times“ aber deutlich anders: Sicherheitsvertreter sollen erklärt haben, der Krieg habe die Wahrscheinlichkeit von Terrorakten in Deutschland erhöht.

Die WELT berichtet, diese Darstellung decke sich mit eigenen Informationen. Hinter vorgehaltener Hand sprächen Geheimdienstler offen über die wachsende Gefahr durch den Iran und mit ihm verbündete Milizen und Gruppen. Offiziell äußern sich deutsche Regierungsinstitutionen dagegen zurückhaltend. Man kennt dieses Muster: Die Dienste sehen Strukturen, Verbindungen, Radikalisierung, mögliche Anschlagsziele. Die Politik sieht dagegen zuerst die kommunikative Lage. Und am Ende wird die Bevölkerung mit halben Sätzen abgespeist, während die Sicherheitsapparate längst mit einer anderen Wirklichkeit arbeiten.

Deutschlands Sicherheit hängt am Blick der anderen

Deutschland kann sich diese demonstrative Gelassenheit vor allem deshalb leisten, weil andere Staaten hinschauen, wo deutsche Behörden oft blind sind oder immer mehr Kapazitäten auf die Kontrolle von Opposition und frechen Bürgern binden. Die Liste der letzten Jahre liest sich nicht wie eine Erfolgsbilanz deutscher Früherkennung, sondern wie ein Protokoll importierter Rettung.

2018 flog der Rizin-Plan in Köln-Chorweiler nach einem CIA-Hinweis auf; 2021 wurde der geplante Anschlag auf die Synagoge in Hagen nach einem Hinweis eines ausländischen Dienstes gestoppt; 2023 kamen in Castrop-Rauxel die entscheidenden Hinweise auf zwei iranische Verdächtige, die einen Giftanschlag mit Rizin oder Cyanid geplant haben sollen, vom FBI. Im selben Jahr fiel ein Syrer in Hamburg der NSA durch Online-Einkäufe auf, er soll einen Anschlag mit einem selbstgebauten Sprengstoffgürtel geplant haben.

Der Tagesspiegel zählt diese Fälle ausdrücklich zu einer unvollständigen Liste von Anschlagsplänen, bei denen US-Behörden deutsche Stellen warnten; WELT berichtete bereits zuvor, dass bei sechs von 13 seit 2011 vereitelten Anschlägen ausländische Erkenntnisse von wesentlicher Bedeutung waren.

Die jüngere Bilanz macht es nicht besser. 2024 kam der mutmaßliche Anschlagsplan auf die israelische Botschaft in Berlin durch einen ausländischen Nachrichtendienst auf den Tisch; in Deutschland hatte man den Libyer Omar A. nicht auf dem Radar. Ebenfalls 2024 berichtete CNN, amerikanische Dienste hätten einen russischen Mordplan gegen Rheinmetall-Chef Armin Papperger aufgedeckt und deutsche Stellen gewarnt. 2025 wurde in Berlin ein 22-jähriger Syrer festgenommen, der ein Selbstmordattentat geplant hatte; auch hier kam der Hinweis von einem ausländischen Nachrichtendienst.

Der Berliner GdP-Landeschef Stephan Weh fand dafür die Formulierung, die in Berlin niemand hören will: Mangels rechtlicher Handhabe seien deutsche Behörden „faktisch blind“. Also nach außen. Nicht nach innen. Da wird alles aufgefahren und nun auch noch die Befugnisse des Verfassungsschutzes weiter ausgebaut. Während ausländische Dienste Informationen hätten, sehe man hier „rein gar nichts“.

Noch deutlicher wird die Abhängigkeit bei iranischen und israelfeindlichen Netzwerken. Im Sommer 2025 wurde ein Däne mit afghanischen Wurzeln festgenommen, der im Auftrag eines iranischen Geheimdienstes jüdische Bürger und Einrichtungen sowie Objekte mit Israel-Bezug in Berlin ausgespäht haben soll; nach Berichten kam der entscheidende Hinweis vom Mossad, Dobrindt sprach von mehreren ausländischen Diensten. Im Oktober 2025 meldete Israels Auslandsgeheimdienst zudem, ein ranghoher iranischer Kommandeur stehe hinter vereitelten Anschlagsversuchen in mehreren Ländern, darunter Deutschland; die Anschläge gegen jüdische und israelische Ziele seien auch mit Hilfe des Mossad verhindert worden.

Das ist der Sicherheitsstaat Bundesrepublik Deutschland in seiner peinlichsten Form: Er belehrt Israel, mäkelt an Amerika, beschwört europäische Souveränität, bindet alle Mittel auf die Beobachtung, Ausspähung, Spionage und Zersetzung der Opposition – und verdankt die Verhinderung schwerster Anschläge immer wieder genau jenen Diensten, deren Methoden man hierzulande moralisch gern verachtet.

Auch die Hisbollah gehört in dieses Lagebild. Euractiv berichtete zuletzt über Hisbollah-Verbindungen zu einer antisemitischen Anschlagswelle in Europa und schrieb unter Berufung auf eigene Informationen, die Organisation unterhalte im Libanon zwei Verbindungsstellen für Deutschland, über die lokale Netzwerke an die Zentrale angebunden seien. In einem weiteren Bericht ging es um Schlüsselfiguren und Geldströme im Finanznetzwerk der Hisbollah. Das passt zu den Warnungen amerikanischer Stellen, nach denen die Hisbollah auf internationale Finanzierungs- und Vermittlungsnetze angewiesen ist und in erheblichem Umfang Geld, Waffen und Ausbildung aus dem Iran erhält.

Der Verfassungsschutz schreibt inzwischen offen, die Ausweitung der Aktivitäten von Hamas und Hisbollah auch in Deutschland trage zu einer erhöhten Gefährdung israelischer und jüdischer Ziele bei. Deutschland ist damit nicht Randzone dieses Konflikts, sondern Rückzugsraum, Finanzraum, Kontaktbörse und möglicher Operationsraum. Auch aus diesem Grund ist die Beschwichtigung aus Berlin mindestens grob fahrlässig.

Iranische Netzwerke operieren längst in Europa

Im April trat das Bundesamt für Verfassungsschutz erstmals deutlicher hervor. Der Inlandsnachrichtendienst teilte WELT mit, der Gruppierung „Harakat Ashab al Yamin al Islamiya“, kurz Hayi, seien bislang knapp ein Dutzend Anschläge in Europa zuzuordnen. Die Organisation nutze verschiedene Kanäle aus dem schiitisch-extremistischen und pro-iranischen Umfeld in sozialen Medien, um über ihre Aktivitäten zu berichten. Hinter Hayi vermutet der Verfassungsschutz ein irakisch-schiitisches Netzwerk. Zuletzt bekannte sich die Gruppe zu einem Brandanschlag auf ein israelisches Restaurant in München.

Auch die Aktivitäten iranischer Geheimdienste im Ausland könnten sich nach Einschätzung von Sicherheitsbehörden weiter intensivieren. Besonders oppositionelle Exil-Iraner und deren Umfeld geraten nach Warnungen mit der Sache vertrauter Beamter stärker ins Visier. Das fügt sich in ein Bild, das die Bundesregierung offenkundig nur ungern in voller Schärfe öffentlich zeichnet: Deutschland ist nicht Beobachter eines fernen Konflikts, sondern möglicher Operationsraum für Netzwerke, die jüdische, israelische, amerikanische und iranisch-oppositionelle Ziele ins Visier nehmen können.

Berlin dementiert, die Warnungen bleiben

Der Bundesnachrichtendienst wollte sich gegenüber der „New York Times“ nicht äußern. Das Innenministerium beantwortete Fragen nach Spannungen zwischen Politik und Diensten nicht direkt. Ministeriumssprecher Leonard Kaminski sagte der Zeitung aber, Hinweise auf iranische Planungen in Deutschland hätten „zugenommen“. Regierungssprecher Stefan Kornelius wies den Eindruck zurück, es gebe Uneinigkeit über Schwere und Umgang mit der Bedrohung. Man sei sich einig, Gefahren zu erkennen und zu bekämpfen. Die Meldung selbst klingt nach etwas anderem: Diejenigen, die näher an der Gefahr arbeiten, halten sie offenbar für konkreter, als die Regierung öffentlich einräumen will.

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Kommentare ( 12 )

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12 Comments
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Kassandra
1 Monat her

Hier kommen sie drauf, dass Katar alles unterwandert hätte – wobei es wohl auch Katar ist, das sich für den Bau von Moscheen im Abendland engagiert: „Qatar is everything that people accuse Israel of being.“ „This is a message to the West and to my European friends! The Al Thanis, Qatar’s ruling family, are funding terrorism, subverting and corrupting the West, promoting Islamist propaganda, and committing human right abuses. Help me free my beautiful country of these terrorists!“     https://x.com/visegrad24/status/2052843262570877427 . After the Qatargate scandal, the EU got a couple of scapegoats, and that was about it, says MEP Antónió Tânger Corrêa… Mehr

Kassandra
1 Monat her
Antworten an  Kassandra

Hier weiter: „The €10 million Islamic Center in Rijeka, Croatia, was almost fully funded by Qatar The Islamic Center in Rijeka, which opened in 2013, includes the first mosque built along the Adriatic coast since the Ottoman withdrawal from the area roughly 500 years earlier. Qatar’s Minister of Islamic Affairs, Ahmad Abdullah S. G. Al-Marri, was present to lay the cornerstone for the structure alongside Croatia’s then-president, Stjepan Mesić. While Islamists are welcomed in Europe and fund their projects with great success, Christians are banned from building churches in Qatar, and preaching Christianity is a criminal offence punishable by up… Mehr

OJ
1 Monat her

Sachsen-Anhalt muss die absolute Mehrheit erreichen (50% + 1 Stimme) und ein böser, böser Anschlag in Deutschland.
Dann sollte es relativ schnell zu einem Regieungswechsel kommen ❗

murphy
1 Monat her

Die größte Gefahr im Angriffskrieg der USA (angestiftet durch wen?) gegen den Iran sind die – in den Mainstreammedien verschwiegenen – israelischen Nuklearwaffen. Um Nuklearwaffen gegen den Iran einzusetzen brauchen die USA nicht Büchel, da muss sich Trump nur von Netanjahu oder von Miriam Adelson weichklopfen lassen solche Waffen aus Dimona zu holen.

Waehler 21
1 Monat her

Hätte man den Behördenapparat nicht politisiert, könnte man etwas glauben. Von der Strategie her. Wie wahrscheinlich ist es, dass der Iran noch einen zusätzlichen Gegner sucht? Was ist mit Frankreich oder GB? Da habe ich nichts gelesen oder gehört.
Wenn der Iran in Europa zuschlägt , dann wahrscheinlich in GB.

Kassandra
1 Monat her
Antworten an  Waehler 21

Alle Ungläubigen werden laut Koran als auszumerzen angesehen – also gibt es im gesamten Westen für die keine, die vor den islamischen Kampfbefehlen geschont werden müssen. https://www.zukunft-ch.ch/wp-content/uploads/2017/03/Zukunft-CH-Infoblatt-Kampfbefehle-im-Islam.pdf?pid=10125
Zudem wird ihnen aus dem Konstrukt Absolution erteilt:
„Nicht ihr habt sie getötet, sondern Allah hat sie getötet. Und nicht du hast geworfen, als du geworfen hast, sondern Allah hat geworfen, und damit Er die Gläubigen einer schönen Prüfung von Ihm unterziehe. Gewiß, Allah ist Allhörend und Allwissend.“ 8.17

Michael Theren
1 Monat her

Die USA werden ihre Stützpunkte in Deutschland schon sichern, zumal unsere Dienste eh die AfD und Bürger bekämpfen müssen…
Eine Bedrohungslage in Deutschland für Deutsche geht wohl zu 99,9 % von Sunniten aus!

Kassandra
1 Monat her
Antworten an  Michael Theren

Den Unterworfenen, ob sunnitisch oder schiitisch, liegen die unveränderbaren Suren des Koran zugrunde – darunter diese: https://www.zukunft-ch.ch/wp-content/uploads/2017/03/Zukunft-CH-Infoblatt-Kampfbefehle-im-Islam.pdf?pid=10125
Und solche, die nicht danach leben wie z.B. die Sufis, werden von den Brüdern wie wir „Ungläubige“ verfolgt.

Leroy
1 Monat her

Und wo treffen sie sich immer? Natürlich in Moscheen. Nur die Dümmsten glauben, dass eine Moschee einer Kirche vergleichbar ist.

Rob Roy
1 Monat her

Man alimentiert die Flüchtlinge und damit auch die Verrückten und Terroristen unter ihnen. Und lässt selbst die Gefährder in Ruhe. Darauf hoffend, dass sie das eigene Nest nicht beschmutzen und Deutschland als Rückzugort mit Vollpension betrachten, den sie „zum Dank“ mit weniger Anschlägen überziehen.

OJ
1 Monat her

Umso eher was wirklich Heftiges passiert, umso eher erfolgt ein Regierungswechsel.
Echt übel ❗

Last edited 1 Monat her by OJ
Haba Orwell
1 Monat her

> Wie deutlich soll vor möglichen, vom Iran gesteuerten Anschlägen gewarnt werden?

Wie meinen? Iran könnte vielleicht eine Ostsee-Pipeline sprengen? War es beim NordStream nicht wer anders?
Jedes Land, welches den Krieg nicht unterstützt, kann absolut sicher sein – vor den Persern zumindest.