Der 3.Oktober willkürlich festgesetzt ohne historischen Hintergrund. Dabei wäre der 17. Juni über die Wiedervereinigung hinaus der passendere Termin gewesen. Denn mit ihm wären Ost- wie Westdeutsche gleichermaßen einbezogen gewesen.
© Matthias Kern/Getty Images
Als was dürfen die Deutschen sich am 3. Oktober eigentlich feiern? Als Land der Dichter und Denker? Als moralische Weltmacht? Als Tätervolk? Als Leitkultur? Als Volk? Als Nation? Nein, diesmal ist Feiern unter einem ganz schlichten Alles- und Nix-Motto angesagt: „Zusammen sind wir Deutschland“. Wer aber ist „wir“? Gehören dazu Parallelgesellschaften? Gehören dazu all die Nationalallergiker und Nationalhysteriker, die – hier typisch und krass deutsch – voller Sündenstolz gar keine Deutschen sein wollen? Die in ihremIinternationalistischem nur noch „one world“ und im Zwischenschritt nur noch „Europa“ oder „EU“ sein wollen? Gehören zum „wir“ – so eine große Staatsphilosophin – „alle, die hier leben“ oder gewaltig präziser „alle, die schon länger hier leben“ plus „alle, die neu hinzugekommen sind“?
Nun also der 3.Oktober: willkürlich festgesetzt ohne historischen Hintergrund. Dabei wäre doch der 17. Juni auch über die Wiedervereinigung hinaus der passendere Termin gewesen. Denn mit diesem Tag wären Ost- wie Westdeutsche gleichermaßen einbezogen gewesen. Die Ostdeutschen mit dem Arbeiteraufstand von 1953; die Westdeutschen, weil sie sich an diesem Tag von 1954 bis 1990 an ein Gebot des damals geltenden Grundgesetzes erinnern lassen mussten: nämlich den Text des seit dem 23. Mai 1949 geltenden Grundgesetzes, das da in der Präambel lautete: „… vom Willen beseelt, seine nationale und staatliche Einheit zu wahren … hat das deutsche Volk … dieses Grundgesetz … beschlossen.“
Ja, und dann kam der 3.Oktober 2010: Ein Bundespräsident Christian Wulff meinte sich verewigen zu müssen mit einer Festrede und dem Satz, der Islam gehöre zu Deutschland. Die Steilvorlage dazu hatten ihm – und einer Angela Merkel, die den Wulffschen Satz x-mal wiederholte – schon Jahre zuvor diverse Moscheevereine geliefert. Hatten sie doch im Jahr 1997 – also vor bereits zwanzig Jahren – den 3. Oktober (!) zum „Tag der offenen Moschee“ erklärt.
Franzosen mit ihrem 14. Juli und US-Amerikaner mit ihrem 4. Juli können da nur mitleidig lächeln. Dort wird mit großem Pomp, auch militärischem, gefeiert. Vielleicht mögen diese beiden Nationen die Deutschen auch deshalb nicht so richtig inniglich, weil sich die Deutschen selbst nicht mögen. Denn wer mag schon jemanden, der sich selbst nicht ausstehen kann? Für Franzosen und Amerikaner gilt nämlich – ob sie ihn kennen oder nicht – Max Webers wunderbarer Satz: „Allein die Nation kann die innere Bereitschaft der Menschen wecken, sich solidarisch und selbstlos für das Gemeinwesen einzusetzen.“ Warum kann man nicht auch bei uns wenigstens darüber reden. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat bei seiner Festrede am heutigen 3. Oktober in Mainz „Argumente statt Empörung“ gefordert. Empörung hat er schon geliefert, Argumente noch nicht.





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