Argentinien schafft die Schuldenbremse ab – indem es sie verschärft

In Deutschland hat das Team „Rote Zahlen“ die Schuldenbremse aufgeweicht. Argentiniens Präsident Javier Milei geht den entgegengesetzten Weg: Er will sie unüberwindbar machen – und Politiker persönlich treffen, wenn der Staat über seine Verhältnisse lebt. Kein Wunder, dass die ihn hassen.

picture alliance / Sipa USA | Anthony Behar

Politik folgt einem einfachen Gesetz: Die Wahl gewinnt, wer Wohltaten verspricht. Reichen die Steuereinnahmen nicht dafür, werden die Steuern erhöht. Reichen die erhöhten Steuern nicht, werden Schulden gemacht, die dann morgen zu Steuern werden. Reicht es immer noch nicht, wird Geld gedruckt, bis über die Inflation die Staatsschulden entwertet und die Einkommen der Bürger gesenkt werden.

Irgendwann wird das System unerträglich. Das ist die Lage in Deutschland. Nicht erst, seit SPD-Vorsitzender Lars Klingbeil und der unter ihm zappelnde Friedrich Merz die Schuldenbremse aufgeweicht haben, gigantische Schulden aufnehmen und neue Steuererhöhungen durchsetzen wollen. Aber das Team Rote Zahlen geht diesen Weg bis zum Exzess und zur ökonomischen Katastrophe, die jeden Tag sichtbarer wird: Staatsverschuldung, Job-Verluste, Inflation, Staatsversagen auf allen Ebenen bei gleichzeitiger fetter Versorgung der Staatseliten.

Javier Milei geht einen radikal anderen Weg – den genau entgegengesetzten.

Milei hat dem Kongress ein Reformpaket vorgelegt, das er selbst als „Fiskalfessel“ bezeichnet. Die Grundidee ist ebenso einfach wie radikal: Der Staat darf dauerhaft nur das ausgeben, was er einnimmt. Für Deutschland geradezu eine revolutionäre Vorstellung: Irgendwo ist Schluss mit Verschwendung. Reichen die Steuereinnahmen nicht aus, sollen nicht einfach neue Schulden gemacht oder Geld gedruckt werden, wie es Klingbeil/Merz exemplarisch vorexerzieren. Stattdessen greift automatisch die Bremse – und Politiker werden in die Verantwortung genommen.

Das Vorbild sind die USA. Ist das Budget ausgeschöpft, würden große Teile der Verwaltung in einen Government Shutdown gehen. Neue Ausgaben, Einstellungen und zahlreiche Programme würden eingefroren, bis wieder ein ausgeglichener Haushalt beschlossen ist. Ausgenommen wären lediglich Kernaufgaben wie Polizei, Justiz, Gesundheitsversorgung oder Rentenzahlungen. Das dürfte sogar langfristige Folgen haben: Der Staat ist gezwungen, sich wieder auf seine Kernaufgaben zu konzentrieren, statt jeden Tag neue zu erfinden.

Doch Milei geht einen Schritt weiter: Die politische Führung soll während eines solchen Shutdowns ihre Bezüge verlieren. Wer den Haushalt nicht in Ordnung hält, soll die Folgen nicht nur den Bürgern aufbürden, sondern auch selbst spüren. Es ist der Versuch, die Anreize in der Politik umzudrehen: Nicht immer neue Versprechen sollen belohnt werden, sondern solide Staatsfinanzen. Das sollte man sich mal vorstellen: Bundeskanzler und Minister, der Tross der Staatsminister, Staatssekretäre, Staats-Irgendwas, steuerfinanzierte Wichtigtuer im Parlament, die ganze Klasse der nutzlosen Steuergeldfresser in Berlin – am Monatsende kein Geld auf dem Konto, sondern echte Geld-Diät? Unvorstellbar. In Deutschland. Vielleicht machbar – in Argentinien.

Ebenso will Milei verhindern, dass Defizite über die Notenpresse finanziert werden. Die Finanzierung staatlicher Ausgaben durch Gelddrucken soll gesetzlich untersagt werden – ein direkter Reflex auf Argentiniens jahrzehntelange Inflationserfahrungen.

Für deutsche Ohren klingt das wie das genaue Gegenteil der Berliner Debatte. Während die Bundesregierung die Schuldenbremse immer weiter lockert und neue Sondervermögen schafft, versucht Milei, künftigen Regierungen den Griff in die Taschen kommender Generationen möglichst unmöglich zu machen. Die eigentliche Schuldenbremse soll nicht mehr von der politischen Tageslaune abhängen, sondern automatisch wirken.

Noch ist das allerdings keine Realität. Mileis Vorschläge müssen den Kongress passieren, in dem seine Regierung keine eigene Mehrheit besitzt. Ob das Reformpaket in dieser Form Gesetz wird, ist offen. Aber die Richtung stimmt.

Während Deutschland darüber streitet, wie man mehr Schulden machen kann, diskutiert Argentinien darüber, wie man Politiker daran hindert, überhaupt noch welche zu machen. Das ist mehr als eine finanzpolitische Maßnahme. Es ist ein grundsätzlich anderes Staatsverständnis. Der Staat soll dem Bürger dienen, nicht umgekehrt. Verantwortlichkeit wird eingeführt, statt Schlendrian und Verschleuderung auf allen Ebenen zu honorieren. Politiker werden für ihre Taten verantwortlich. Ein Stopp der Gehaltszahlung für Merz, Klingbeil und Konsorten – ein Traum.

Steuerzahler träumen von der Fiskalfessel für Klingbeil/Merz. Das erklärt den Hass auf Milei, der, so Friedrich Merz „auf seinem Volk herumtrampelt.“ Wer trampelt da wirklich und auf wem herum?

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Kommentare ( 15 )

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Dreiklang
51 Minuten her

Zur Frage im letzten Absatz : Am schönsten trampelt das Duo Bas / Merz auf seinem Volk herum, und zwar derart, dass es inzwischen auch die Dummen merken. Der (ehemalige) SPD-Wähler ist dabei schneller als der CDU-Bestandswähler, weshalb die SPD von einstmals 38% auf 12% abgestürzt ist, aber in der SPD gilt das Motto : „Man kann auch mit 10% Volkspartei sein“. Ob dieses Motto auch für die CDU gilt, wird man sehen, denn in der CDSU wird auch schon ein Absinken auf 17% als tödliche Bedrohung gewertet. Von daher wird sich die CDU von Merz trennen müssen.

Last edited 47 Minuten her by Dreiklang
Alf
52 Minuten her

Wir bräuchten auch einen Milei bei uns.
Unsere Klatschhasen brauchen schon im Frühjahr des jeweiligen Jahres einen Nachtragshaushalt, können mit Geld nicht umgehen.
Mileis Versuch, künftigen Regierungen den Griff in die Taschen kommender Generationen möglichst unmöglich zu machen, ist der richtige Weg.

Der Staat sollte dem Bürger dienen, nicht umgekehrt. Verantwortlichkeit wird eingeführt, statt Schlendrian und Verschleuderung auf allen Ebenen zu honorieren. Politiker werden für ihre Taten verantwortlich.

Worauf warten wir?

Füllen wir das mediale Sommerloch mit diesem Thema und sanktionieren die Schuldigen.
Nicht nur Stopp der Gehaltszahlungen, der Pensionen und unrechtmäßigen Bereicherung.

alter weisser Mann
58 Minuten her

„Das Vorbild sind die USA.“
Das Vorbild, dessen Staatverschuldung täglich um 5-8 Milliarden USD steigt?

rainer erich
58 Minuten her

Hoffen wir für das Land, dass er mit diesem äusserst ambitionierten Vorstoss durchkommt. Ein übrigens tatsächlich und ausnahmsweise alternativloser Vorstoss, der zeigt, dass Milei Grundsätzliches und Zusammenhänge begriffen hat, offenbar eine Art Realpolitiker. Ich höre und lese bereits das „ja, aber..“, wohlgemerkt auch und vor allem bei denen, die es vermeintlich nicht so mit Rotgrün haben und gerne Anderes fordern. Wenn er überhaupt mit diesen systemischen Plänen wider die menschliche Natur ankommt , würde er sich jedenfalls in Schland mit zig Ausnahmen und Härtefällen befassen dürfen nach dem Motto, „aber hier könne man doch nicht…..“ oder “ es sind die… Mehr

Marc Greiner
1 Stunde her

So positiv diese Meldung und die Vorhaben Mileis auch sind. Eines sticht besonders hervor was hiesigen Politikern, vielen auch in der Schweiz, abgeht: Intelligenz, Integrität und Mut. Ohne Mut bewirkt man nichts, privat wie auch öffentlich.

Bernd Simonis
1 Stunde her

Ich kann mich aber erinnern, vor 3 Jahren etwa, da erschienen hier auf Tichy Beiträge mit der Empfehlung, Deutschland solle sich verschulden, wenn alle anderen in Europa sich auch verschulden. Denn sonst werden wir in Deutschland am Ende die Dummen sein. War es nicht so?? Nur dachten wir damals, wir könnten das Geld für eigene Zwecke verbrauchen. Heute sehen wir, das Geld fliest ab, ohne das wir etwas davon haben, in die Ukraine, für Windräder, nach Peru, für illegale Migration.

moselbaer
1 Stunde her

Natürlich wünschte ich, wir hätten solche Politiker wie Herrn Milei – was für ein Unterschied zu unseren Politikdarstellern…
Aber es würde vielleicht schon reichen, uns einmal an die preußischen Grundsätze zu erinnern, die aus einer „Streusandbüchse des Heiligen römischen Reiches“ eine prosperierende und weltweit in jeder Hinsicht vorbildliche Großmacht erschaffen haben. Man lese einmal Bismarcks Reden und vergleiche sie mit denen des Herrn Merz – hier ein Riese, dort ein Pygmäe…

Gert Lange
1 Stunde her

Ob Mileis Versuch, neben dem immer haftenden Volk, auch die Politics in echte Haftung zu kriegen gelingt? Zu wünschen wäre es dem so wichtigen Experiment, oder?

Flavius Rex
1 Stunde her

Deutschland nimmt keine Schulden für „Wohltaten“ an den eigenen Bürgern auf, sondern für die Finanzierung von Schutzsuchendenrettung, Klimarettung, „Entwicklungshilfe“, Frankreichrettung, EU Finanzierung, UN Finanzierung usw. In anderen Worten für die Eitelkeit einer kleinen Gruppe arroganter Spinner. Leider sind die meisten Deutschen Opportunisten und lassen das Pack gewähren.

Urmeli
1 Stunde her

Nach altem Brauch.
Klingts auch behämmert,
erst wenn gefüllt ist,
der Bauch,
ihm langsam,
es dämmert,
zu gehn,
auf nimmer,
wiedersehn.

Unwissender
1 Stunde her
Antworten an  Urmeli

Schönes Gedicht. Globalkonkret zu Thema.