Wie tief kann ein Land fallen? Gibt es einen Wendepunkt? Vor allem: Wer hat die Kraft, die Umkehr zu bewirken? Und bis dahin? Einige Lehren, aus Verspätungen gewonnen.
picture alliance / Noah Wedel
Nein, sagen alle meine Gesprächspartner, über die Bahn kann man nicht mehr schreiben. Alles schon geschrieben, wir wissen alles über diesen Laden. Und deshalb schreibe ich auch nicht über die Bahn, sondern über die Ursachen des Verfalls.
Der Verfall fährt Bahn
Berlin-Frankfurt. Früher, also noch so vor einem halben Jahr, dauerte die Fahrt gute drei Stunden. Flott, schnell. Heute fahrplanmäßig über fünf Stunden. Plus Verspätungszuschlag sieben Stunden. „Zugfahrten über vier Stunden sind eine Tortur“ sagte der frühere Bahnchef Hartmut Mehdorn. Wo er Recht hat, hat er Recht.
In derselben Woche: München-Frankfurt. Statt drei Stunden das Doppelte. Ausfall der Klimaanlage. Personal verschwindet. Kollege Achim Winter meldet: „Nie mehr Bahn! Meine Tochter hat die ganze Nacht auf der Strecke Hannover, Frankfurt verbracht von. 12 Stunden. Zum Teil auf offener Strecke, weil der Zugführer nicht mehr weiter arbeiten durfte. Heimkunft statt 21:00 Uhr 4:15 Uhr. Das ist das Ende.“ Der begnadete Humorist verliert denselben. Die Tortur der Woche überlebte, erstaunlich gut gelaunt: Alexander Wallasch: „15 Stunden gefangen zwischen Hannover und Hamburg.“
Journalisten sind ein mobiles Völkchen, berufsbedingt. Anders als Politiker und Gewerkschaftsführern allerdings mangelt es uns an Fahrern, Blaulicht und schwerer Verbrennerlimousine mit Schlaf-Sitzen. Mobilität wird zunehmend zur Klassenfrage. Die da oben donnern über die Autobahnen, die da unten sitzen ohne Klimaanlage irgendwo, eingesperrt. Der heimliche Wechsel in die 1. Klasse lohnt: Die Lederbezüge sind kühler als die Stoffbezüge.
Aber nein, die Bahn ist nur ein Abbild.
Personal-Rochaden: Nur Ablenkung
Gerade hatten wir einen neuen Verkehrsminister, Patrick Schnieder. Der holte eine neue Bahnchefin. Mittlerweile ist Schnieder weg, die neue Bahnchefin noch da, die Verspätungen nehmen zu, die Entschädigungen für Bahnkunden sind abgewendet: die Bahn baut Verspätung in den Fahrplan ein. Dann brauchen die Züge länger, aber kommen pünktlich an. Ein Staatsunternehmen als Betrüger? Es ist wie überall in Deutschland. Der Staat greift den Bürgern noch tiefer in die Tasche und leistet dafür noch weniger.
Eine Mordserie rollt über das Land. Antwort: Keine. Ausweichmöglichkeiten? Auch keine. Am idyllischen Bahnhof Traunstein in Oberbayern – Messerattentat am Bahnhofsvorsplatz. Von dort fährt stündlich die Lokalbahn ins noch idyllischere Ruhpolding – ein Afghane zückt das Messer. Eigentlich arbeitet er beim „Fritz am Sand“, mehr Alpenidylle geht nicht und wäre schon fast strafbar. Es gibt kein Entrinnen. Die Möder sind unter uns. Der erste deutsche Nachkriegsfilm von 1946 von Wolfgang Staudte mit der mädchenhaften Hildegard Knef in einer Hauptrolle gewinnt eine neue Bedeutung. Damals waren die Mörder abgetauchte Kriegsverbrecher. Heute sind sie unsere Gäste. Ist das jetzt eine unzulässige Verharmlosung? Sicherlich. Wer Stunden über Stunden bei 40 Grad schmachtet (Wasser 4 Euro 50) verliert die Maßstäbe.
Ein Land verfällt
Einstürzende Brücken kann man noch zählen, zerfallende Weichen nicht mehr. Aber die Infrastruktur ist mittlerweile eine vorgeschobene Begründung. Das Land zerfällt, weil seine Lohnarbeiter nicht mehr wollen, und wenn sie wollen, nicht mehr dürfen.
Die Verspätungen rühren ja nicht nur von den Versäumnissen aus der Zeit der Regierung Merkel her. Sie sind hausgemacht. Verstopfte Klos, technische Defekte am Zug, ständiger Personalmangel, Fahrverbote wegen Zeitüberschreitung. Das sind hausgemachte Fehler oder Managementversagen. „Das Computersystem des Zuges muss neu gebootet werden“ ist die jüngste Ausrede für Verspätung. Einmal Computer hochfahren, kostet eine Stunde und dann nach 20 Minuten wieder von vorne. Klingt modern. Tatsächlich: Schlechte Wartung, verstopfte Klos, wachsige Weichen, Zugführer, die nicht zum Bahnhof kommen, Zugchefs, nicht mehr arbeiten dürfen, selbst wenn sie wollen. Deutschland legt sich selbst lahm. Die ohnehin strenge Arbeitszeitregelung: 8 Stunden am Tag. Verlängerung bis zu 10 Stunden täglich ist zulässig, wenn innerhalb von 6 Kalendermonaten oder 24 Wochen im Durchschnitt wieder 8 Stunden pro Werktag eingehalten werden.
Nur Dumme arbeiten noch
So etwas hält kein Handwerker und kein Journalist ein, wohl aber die Bahn. Die hat sich in den neuesten Tarifverträgen enge Fesseln angelegt. Man nennt sie „Schichtdienstgrenzen“. Die Schicht beginnt schon bei der Vorbereitung. Lokführer sind die neuen Aristokraten der Arbeitswelt. Aber: Wer als Lokführer auch nur eine Minute länger fährt, um wenigstens den nächsten Bahnhof zu erreichen: Dienstschicht-Überschreitung. Die Leitstelle schreitet ein. Nun ist Übermüdung immer ein Risiko. Aber geht noch eine Viertelstunde? Vielleicht doch, starker Kaffee, und 600 Passagiere kommen weiter? Nicht nach den Tarifverträgen.
Für alle, die bei der Bahn wirklich Dienst am Kunden erbringen sollen, hat die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) durchgesetzt: Arbeitszeitverkürzung von 38 auf 35 Stunden. Zack. Nicht, dass die Lokführer und Zugbegleiter kein Einsehen hätten, dass Passagiere befördert werden müssen. Sie dürfen nicht.
Gewerkschaftsfunktionäre in den Leitstellen und Zügen verpfeifen Schaffner, die nach ihrer Dienstzeit den Passagieren Wasser bringen wollen, oder Lokführer, die zum Zielbahnhof fahren. Das Top-Management hat zugestimmt, aber findet kein Ersatzpersonal für die Arbeitszeitverkürzung von 7,9 Prozent. Dafür wird Bahn-Mitarbeitern neuerdings ein Dienst-KfZ zur Verfügung gestellt. Denn die wissen, was sie tun. Fünf Milliarden Euro erhält die Bahn im Jahr vom Bund. Da kann man Gewerkschaften gut pflegen damit. So funktioniert Nichtmarktwirtschaft heute, egal ob Bahn, Stahl, Strom oder Zement – der Staat subventioniert Unwirtschaftlichkeit. Warum sich also um Passagiere kümmern, wenn auch eine Steh-Bahn vom Staat finanziert wird? Wer Bahn fährt erlebt den real existierenden Sozialismus – eine abgepumpte Traumwelt mit luxuriösen Arbeitsbedingungen bei miserabler Leistung und Subventionierung durch den Staat. Gewerkschaften lieben so etwas.
Deutschland ist ein Gewerkschaftsstaat, in dem die sekundengenaue Einhaltung der Tarifverträge wichtiger ist als Produkt (Wartung der Züge in den Werkstätten), Service durch fahrendes Personal und Sicherheit durch herumstehende ICEs. Passagiere werden wie unverderbliche Gepäckstücke behandelt. Wer zur Kreislaufschwäche jenseits von 45 Grad Hitze neigt: Bleiben Sie zu Hause. Bahn fahren kann töten.
Arbeitszeitregelung per Tarifvertrag: Das ist der Grund, warum auf geheimnisvolle Weise das Personal aus den Zügen verduftet und die Passagiere eingesperrt bleiben, auch wenn sie am Bahnhof den Zug verlassen wollen.
DGB-Chefin Yasmin Fahimi übrigens fährt die mit der Bahn theoretische gut erschlossene Verbindung Düsseldorf-Erfurt im schwerstmöglichen Dienst-BMW. Sie ist eine von oben, die denen da unten das Leben schwer macht.
Das ist Deutschland. Die Minister wechseln. Bahnchefs wechseln, aber es bleibt alles, wie es ist.
Afuera
Gibt es keine Hoffnung? Doch. Schafft den Staat ab, der immer mehr Aufgaben an sich zieht, damit er seine Kernaufgaben nicht mehr erfüllen kann. Flixbusse fahren, das hat der letzte tätige Verkehrsminister Peter Ramsauer durchgesetzt. Demnächst donnern Italo-Schnellzüge auf den Hauptverkehrsachsen, die minutenpünktliche Privatbahn hat gerade 29 Zug-Garnituren bestellt. Privat übernimmt, was Staat und Gewerkschaften blockieren.
Melden sie sich bei Starlink an, und sie erhalten schnelles Internet, das auch nicht von der deutschen und europäischen Zensur gestoppt werden kann. Fehlende Medikamente liefern niederländische Internet-Apothken; wechseln sie die Anbieter um Spuren zu verwischen. Tanken sie in Polen, wenn sie nahe genug sind. Der gute, alte Wehrmachtskanister erlebt seine Wiederaufstehung. Überleben in Deutschland kann man nur noch mit der hohen Kunst der Partisanen. Die Datsche wird wieder zum Selbstversorger-Zentrum, auch wenn die EU privates Gemüse – weil angeblich klimafeindlich – verbieten will. Ihre Sparkasse sei ein Schweizer Zollfreilager. Denken sie daran: Ihre Rente, die sie aus überhöhten Beitragen finanzieren, wird besteuert. Vermeiden Sie Angestelltenverhältnisse.
Zugegeben: Es sind nur kleine Tricks. Aber sie helfen zum Überleben, bis die Versagerparteien endlich weg sind. Beeilen Sie sich mit Ihren Entscheidungen. In Niedersachsen sind freie Wahlen mittlerweile abgesagt; die AfD darf nur dort antreten, wo SPD/Grünen die Mehrheiten sicher sind. Ein Parteiverbot wird nicht ausgesprochen, aber ein Wahlverbot; so einfach geht das. Rechnen Sie mit dem Schlimmsten. Hoffen Sie auf das Beste.


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Warum man hierzulande offenbar annimmt, es könne in Deutschland nie wieder Hunger und Not (als Folge schlechter Politik!) geben, ist mir rätselhaft. Aber eine relative Mehrheit der Menschen hat es leider so gewollt. Dass sie medial massiv getäuscht worden sind, erklärt es nur bedingt.
„Wie tief geht tief?“ Bis zum Aufprall. Beendet der Wähler diesen linken Irrsinn nicht, wird es bald sehr ungemütlich hier, denn die orientalische Brut fühlt sich immer sicherer. Das ist unser Land, hört man mittlerweile überall von diesem Pack.
Dass wir uns das einfach so gefallen lassen, wird wohl nicht der Fall sein.
„Dass wir uns das einfach so gefallen lassen, wird wohl nicht der Fall sein.“
Ich sehe bis jetzt allerdings wenig Gegenwehr…
Wer um seine Kultur nicht kämpft, hat schon verloren!
Wer unsere Kultur vorsätzlich verrät, ist ein Verbrecher.
„Das Land zerfällt, weil seine Lohnarbeiter nicht mehr wollen,…“
Gerechten Lohn zahlen, Problem gelöst. Nur leider undenkbar. Denn die nicht wertschöpfende und sich für extraschlau dünkende Klasse erhebt den Anspruch auf das gesamte Geld, bildet sich gemeinhin sogar tatsächlich ein, dieses für ihr Gelaber & Gesülze und üblicherweise auch für ihre Herkunft irgendwie „verdient“ zu haben.
Gerade wer trotz Geburt zwar in die, aber nicht wirklich zur Köterrasse gehört und in deren Land gefangen ist und noch so etwas wie eine Zukunft haben möchte, der sollte seine ganze Energie darauf verwenden, da irgendwie raus zu kommen.
Wo wart ihr alle, als nach den ersten zwei Jahren Merkel klar war wo die Reise hingeht? Spätestens 2015 muß es doch der letzte Vollidiot gemerkt haben. Selbst nach der Inhaftierung 2020 nicht?
Tut mir Leid, mein Mitleid hält sich mittlerweile in Grenzen. Ich habe aufgehört über mein geliebtes Land zu weinen.
TE war 16 Jahre damit beschäftigt das baldige Ende der Regierung Merkel zu beschwören.
Und sie haben die inoffizielle Mitarbeiterin der Ministeriums für Staatsicherheit der DDR sogar 2017 zum vierten mal ins Kanzleramt gehivt ! Noch heute ist man in Westdeutschland so verzückt von der Bolschevistin dass man in einen regelrechten Wettbewerb getreten ist um ihr die nächste ihrer Faschingsorden umhängen zu können !
Macht im Osten keiner .
Frei nach Dante: „Laßt, die Ihr hier seid, alle Hoffnung fahren!“
Und das geht schon in der Schule los, wo man darauf aus ist auch Minderbemittelte im sozialistischen Geist zu fördern, indem man bundesweit integrierte Gesamtschulen förderte, damit aus jedem was wird, bis hin zum Abitur, was man in den letzten zwei Stufen über vermutlich herabgesetzte Punkte erreichen kann um mit einem Durchschnitt von ausreichend zum Abitur zugelassen zu werden und dabei den Anspruch erhebt, daß es gleichwertig mit den Gymnasien sei, als letzter Hohn pädagogischer Entgleisung. Das ist der Weisheit letzter Schluß aller Sozialisten, wenn auf diesem Weg eine Gleichsetzung stattfindet und die treten dann nach dem Abitur alle zusammen… Mehr
Danke für Ihre ausführliche Reaktion.
Gemeinschaftsschule, Inklsion statt Förderschulen, hoher Ausländeranteil in den Schulklassen, „Schreiben nach Gehör“, damit die Schüler durch das Diktatüben nicht zu sehr überfordert werden, Bundesjugendspiele abschaffen, denn schon der Zweitplatzierte könnte sich diskriminiert fühlen…..
Es lebe die leistungsfreie Gleichmacherei.
Verfall kann lange gehen (wie viel hundert Jahre brauchte Rom?). Es geht in Schritten, manchmal kommt es zu (noch!) kleineren Beschleunigungen (Ceuta, Kriege, Corona), dann wieder Schritte. Es zieht sich wie Kaugummi, ein Siechtum, ohne Katharsis. Unser Verfall ist ein Novum, da es tatsächlich keine lockenden Alternativen gibt, wie in Revolutions- oder Nachkriegszeiten. Wir sind vergreist, verzagt, verzogen, konsum- und friedensgewöhnt. Hunger? Bei uns doch nicht! (Davon hat nur Opa erzählt und der ist seit 20 Jahren tot) Krieg? Ach was, die Russen machen schon nichts!! (haben sie im Kalten Krieg ja auch nicht) Islam? Die waren doch soo gastfreundlich… Mehr
Na so ganz wollen wir Buntland doch noch nicht abschreiben, Herr Tichy. Diese Woche ist in den meisten Kalifaten, äh Bundesländern, mal wieder der beliebte Blitzermarathon. Das bekommt der Staat noch hin, irgendwie.
Die Deppen-Mehrheit im Land wird durch ihr grenzdebiles Wahlverhalten diese Zustände auch in Zukunft möglich machen. Die Mehrheit im Land ist eben kein Opfer dieser Politik, sondern ihr Komplize, weil sie die verantwortlichen Politversager immer wieder wählt.
Ich halte die Mehrheit inzwischen durchaus auch für Opfer dieser Politik, denn die Lebensumstände werden mit ziemlicher Sicherheit für eine Mehrheit schlechter und schlechter. Allerdings merkt es diese Mehrheit (noch) nicht: Hier trifft Ihr Adjektiv „grenzdebil“ nicht nur auf das Wahlverhalten zu; oder man will es nicht wahr haben, weil ja bekanntermaßen nicht sein kann was nicht sein darf.
Der ethnische Austausch ist in vollen Zügen und Deutschland wird am Ende auf dem Niveau der neuen Deutschen dahin dümpeln, denn die neue Population ist intellektuell und kulturell nicht fähig, einen Erste Welt Staat zu errichten.
Blöd ist nur das diese Typen auch in der dritten Welt versagt haben. Somit wird das Lappenland wohl vierte Welt werden.
Südafrika, würde ich sagen. Mal sehen wann die ersten Neudeutschen in Aufzugsschächte koten.