Die Unionsparteien hatten mehr oder weniger das Sagen auf dem Lerchenberg. Sie brachten angepasste Höflinge in Schlüsselpositionen, und als die CDU und CSU nach links rutschten, rutschten die mit. Mit dem grün-woken Zeitgeist wurde auch das ZDF grün-woke.
Der neue Skandal ums ZDF trifft mich. Ich schwanke zwischen Fassungslosigkeit und Scham, hatte ich doch den Laden anders kennen gelernt. Vor Jahrzehnten. Wie konnte er so verkommen?
I.
Antwort in aller Kürze: auf dieselbe Weise wie das ganze Land. Die Unionsparteien hatten mehr oder weniger das Sagen auf dem Lerchenberg. Sie brachten angepasste Höflinge in Schlüsselpositionen, und als die CDU und CSU nach links rutschten, rutschten die mit und kauften wiederum anpassungsfähige Redakteure ein. Mit dem grün-woken Zeitgeist wurde auch das ZDF grün-woke. Die regierenden Parteien hatten vom hörigen ZDF nur freundliche Unterstützung zu erwarten. Nötig gewesen wären Leute mit Statur statt bloß mit der passenden Gesinnung, kompetent und unabhängig. Solche Journalisten gibt es. Man könnte sie auch ausbilden, so schwer wäre das nicht. Aber es ist nicht erwünscht. Brav sollen sie stattdessen sein, als Vorgesetzte nett, als Moderatoren beliebt, stromlinienförmig. Bloß keine Debatten. Leute, die ihr eigenes Tun in Frage stellen, kann das ZDF nicht brauchen. Gesucht sind Mitarbeiter mit Freischwimmerabzeichen für den Mainstream. Mir ist nicht nach Schadenfreude. Ich wünsche mir einen Sender, der sein Geld wert ist und endlich kapiert, dass er sich selbst immer weiter schwächt, wenn er seiner Verantwortung als öffentlich-rechtliche Anstalt nicht gerecht wird und mehr bieten muss als verlässliche Einschaltquoten. Das ZDF beschädigt sein eigenes Fundament: die Akzeptanz der Zwangsgebührenzahler.
II.
Unsaubere Nachrichten, falsche, nicht bloß zugespitzte Behauptungen kommen immer wieder mal vor im aktuellen Geschäft. Aber doch bitte nicht immer mit derselben Tendenz. Die vorgefertigte Haltung verdrängt die notwendige Skepsis. Und nach dem Fehler immer wieder derselbe Mangel an Einsicht. Immer erst unter Zwang von außen halbe Eingeständnisse statt ganze Entschuldigungen. Es gibt keine Fehlerkultur im ZDF, aber jede Menge Selbstgerechtigkeit. Selten wird jemand zur Rechenschaft gezogen. Ein Böhmermann darf Prozesse verlieren und weiter seine Rufmordshow veranstalten. Der Komödiant, der sich als investigativer Journalist ausgibt, also ein Hochstapler, hat von seinem Intendanten offenbar nichts zu befürchten. Auch der muss nicht mit Konsequenzen rechnen. Die Verwaltungs- und Fernsehräte ignorieren weitgehend ihre Aufsichtspflicht. Niemand räumt auf, niemand setzt neue Maßstäbe. Im ZDF kümmert man sich hingebungsvoll um neue Vertriebswege im Netz, aber nicht um das, was seit jeher Qualitätsjournalismus auszeichnet. Was ankommt, muss auch richtig sein, glaubt man – welch ein Irrtum! Und wenn es wieder passiert, gibt man den politisch Verfolgten, hält sich für ein Opfer rechter Kampagnen. Die bösen alternativen Medien haben ja nichts anderes zu tun, als das ZDF zu schwächen – weil sie angeblich die Demokratie schwächen wollen.
Weil die Kritiker vermeintlich alle „rechts“ sind, verschanzt sich das Zweite. Hält sich ein Auge zu. Mit einem Auge sieht man garantiert nicht besser als mit zwei. Damit macht es das ZDF seinen Kritikern verdammt leicht. Im ZDF halten sich zu viele Kollegen für Hüter der Demokratie. Für Widerstandskämpfer. Das wiederum schwächt die Fähigkeit zu Selbstkritik. Aber auch das gilt für #UnsereDemokratie insgesamt.
III.
Die Unterstellung, Elon Musk habe in Belfast zur „Jagd auf Migranten“ aufgerufen, ist keineswegs nur, wie das ZDF behauptet, „unpräzise und deshalb missverständlich“ gewesen. Vor Angst schlotternd gab man eiligst eine Unterlassungserklärung ab. In der Sache hat Musk übrigens Recht. „Nur wenn wir wiederholt und laut protestieren, wird sich etwas ändern“, hatte er geschrieben. Auch das trifft generell für #UnsereDemokratie zu. Das Versagen der politischen Parteien, die Unfähigkeit zum Politikwechsel schreit geradezu nach Protest. Für Reformen. Für Wachstum. Gegen Bürokratie. Gegen den Missbrauch des Sozialstaats. Gegen die Bildungskatastrophe. Aber zustande kommen allenfalls Demonstrationen gegen „Rechts“.
IV.
Das freilich könnte sich ändern. Falls die AfD in Sachsen-Anhalt mit Abstand stärkste Fraktion wird, aber die CDU lieber mit den SED-Linken koaliert, werden Bürger gegen die Verhinderung des Wählerwillens auf die Straße gehen. Und wiederum andere Bürger werden gegen den Erfolg der Rechten revoltieren. Wenn das weniger friedlich ausgeht als erwünscht, muss sich niemand wundern. Die Selbstblockade der Demokratie generiert am Ende Gewalt. Ich passe jetzt besser auf, sonst unterstellt man auch mir, den rechten Mob zum Straßenkampf aufzufordern. Wie das ZDF über die Unruhen berichten wird, lässt sich leicht voraussehen.

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Präziser, auf den Punkt gebrachter Artikel! Nur das Fazit fehlt, im ÖRR wird sich nichts ändern! Die haben aktuell nur eine große Angst, die vor einer Regierungsbeteiligung der AfD, dann gerät der schöne Laden ins schlingern und deren heile Welt könnte zusammenbrechen, deshalb müssen sie weiter einseitig hetzen, jetzt noch mehr als bisher, wir werden es erleben!
Werter Herr Herles, auf den Punkt!
Ergänzen möchte ich nur, dass es nicht allein das zdf ist, deren Namen ich (auch) nicht mehr groß schreibe. Die ard ist genauso verkommen.
Sie, Herr Herles, tun immer so, als wäre das mit Zwangsgebühren finanzierte ZDF(/ARD) der Bonner Republik besser gewesen, als heute. Dem ist mitnichten so. Ob Hahne, Scholl-Latour oder Sie, etc., alle waren Sie Teils dieses sozialistischen Schmarotzer-Systems zu Lasten der Bürger. Ich bete jeden Tag darum, daß die AfD an die Macht kommt, um den Rundfunkstaatsvertrag zu kündigen. Dann geht ihre nicht gerechtfertigte Pension flöten & sie dürfen beim Amt einen Antrag auf Migrantengeld stellen.
Das ZDF hat mindestens schon seit 2015 Lügenpropagsnda betrieben, als sie ihre Lügenmärchen über die total friedlichen Pegida-Spaziergänge verbreiteten. Die Saat dafür wurde daher schon viel früher im ZDF gelegt.