Die Windräder des Fürsten Potjomkin

Als “Pionierleistung” feiert der niedersächsische Ministerpäsident Stephan Weil den ersten “kommerziellen” Windpark. Die Flügel drehen sich flott, aber angetrieben von den Dieselmotoren, die zu diesem Zweck in jedem der Türme vor sich hinstinken.

Frühestens 2014 soll doch noch Strom erzeugt werden, bis dahin werden die Motoren ca. 500.000 Liter Diesel weggegurgelt haben, Diesel, der wiederum in komplizierten, energieaufwendigen Aktionen von dieselgetriebenen Schiffen angeliefert werden muss. Das nennt man Potemkinsches Dorf, oder trügerische Luftspiegelung der Energiewende.  Dazu Wikipedia in der Alternativen Schreibweise Potjomkin:

“Für den Namen stand Feldmarschall Reichsfürst Grigori Alexandrowitsch Potjomkin Pate. Einer modernen Sage zufolge ließ der Günstling (und Geliebte) der russischen Zarin Katharina II. 1787 vor dem Besuch seiner Herrscherin im neu eroberten Neurussland entlang der Wegstrecke Dörfer aus bemalten Kulissen zum Schein errichten, um das wahre Gesicht der Gegend zu verbergen. Seither gilt das als Beispiel für die Vortäuschung von Ergebnissen.”

Als bekannte Fälle besonders dreister Täuschungen werden aufgelistet:

»Beispielsweise verglich der Historiker und ehemalige Häftling Stanislav Zamecnik das Konzentrationslager Dachau mit einem inszenierten Potemkinschen Dorf:[2] In den Anfangsjahren des Lagers erhielten einige ausgewählte Besucher die Gelegenheit, es im Rahmen einer Führung zu besichtigen, die dessen vorgebliche Harmlosigkeit präsentierte. Die Presse berichtete darüber, was letztendlich der nationalsozialistischen Propaganda diente.

Gleichfalls wird der Begriff verwendet, um die Vorgehensweise der ehemaligen DDR bei Staatsbesuchen zu beschreiben. Innenstädte oder einzelne Straßenzüge wurden herausgeputzt, um einen positiven, aber in Wirklichkeit falschen Eindruck zu vermitteln.

– So geschehen z. B. beim Staatsbesuch von Nicolae Ceaușescu in der DDR 1988: In Erfurt wurde die der Straße zugewandte Seite des Erfurter Opernhauses gestrichen, während die nicht sichtbaren Seiten der Oper in ihrem schlechten Zustand verblieben.

– Im Dezember 1981 besuchte Bundeskanzler Helmut Schmidt anlässlich eines Staatsbesuchs in der DDR zusammen mit Erich Honecker die Stadt Güstrow. Sie wurden durch Stasi-Mitarbeiter von den Bewohnern Güstrows völlig abgeschirmt. Gemäß den Vorstellungen Honeckers wurde das Bild „eines glücklichen Volkes in heimeliger Adventsstimmung“ inszeniert. Die meisten „Besucher des Weihnachtsmarktes“ waren in Zivil gekleidete Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit mit dem Auftrag, eine festliche Atmosphäre zu verbreiten und Erich Honecker zuzujubeln. 35.000 Sicherheitskräfte waren im Einsatz: 14.000 vom MfS, 21.000 von der Volkspolizei. Es gab 81 Haftbefehle, 11.000 Personen standen drei Tage lang unter Kontrolle, 4.500 Wohnungsuntersuchungen wurden durchgeführt. Für den G-8-Gipfel im nordirischen Enniskillen im Juni 2013 ließ die britische Regierung leer stehende Geschäftslokale mit Fototapeten bekleben, um geschäftiges Treiben vorzuspielen.«

Soweit Wikipedia. Es gibt nicht nur Potemkinsche Dörfer und Windparks, auch Bahnhöfe. In Mainz steht so einer. Er wird allerdings nur selten angefahren, weil Fahrdienstleister fehlen. Und die zu wenigen sind in Urlaub, aus dem man sie keinesfalls zurückholen darf, sagt die Gewerkschaft. Wenigstens die Gewerkschaft ist nicht potemkinsch, sondern ganz real. Leider fahren die Pendler von Mainz aber nicht mit der Gewerkschaft, sondern mit ganz normalen Zügen.

Reichsfürst Potjomkin war ein Lebemann; die Täuschung diente dazu, ihm die Gunst der Kaiserin zu bewahren. Vielleicht ist auch alles nur eine Anekdote der Geschichte. Die Story von der Schlittenfahrt mit Täuschungsabsicht hat einer seiner Gegner in Umlauf gesetzt, um ihn zu diskreditieren – also changiert die Wahrheit zwischen einer höfischen Intrige und einer charmanten  Affäre. Nur die Windräder und der Diesel sind bittere Wahrheit, und die Züge ebenso wie auch der Ministerpräsident, der ganz uncharmant einfach nur Unsinn verzapft.

(Erschienen auf Wiwo.de am 12.08.2013)

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