Kirche und Populismus

Wer selber im populistischen Glashaus sitzt, sollte nicht gegen den Populismus mit Steinen werfen…

Die Kirche im Rheinland lädt zu einem Studientag ein mit dem Thema „Kirche und Populismus“. „Das ist ja klasse“, denke ich; „jetzt geht die Kirche endlich mal ihr eigenes Problem an, nämlich dass sie in den letzten Jahren bei allen zentralen gesellschaftlichen Fragen sich populistisch an die Mehrheitsmeinung der selbsternannten ‚demokratietragenden Parteien‘ angeschmiegt hat“:

  • Kirche hat populistisch eine unbegrenzte Migrationspolitik mitgetragen, deren negative Konsequenzen auf den Gebieten von Bildung, Wohnungsnot, Sozialkassen, Arbeitslosigkeit und öffentliche Sicherheit nicht mehr geleugnet werden können.
  • Kirche hat populistisch den Islam verklärt nach dem Motto „wir glauben doch alle an denselben Gott“, ohne die gravierenden theologischen und gesellschaftspolitischen Unterschiede zur Kenntnis zu nehmen. Mit dieser populistischen Hofierung des Islam macht sich die Kirche ungewollt zum Unterstützer des muslimischen Antisemitismus und der erneuten Gefährdung des jüdischen Lebens in Deutschland.
  • Kirche hat populistisch eine evidenzlosen Coronapolitik mitgetragen und in Apartheidsgottesdiensten Nichtgeimpften den Zutritt zum Gottesdienst verweigert, obwohl die Impfung niemals auf Fremdschutz untersucht worden war und obwohl die getesteten Nichtgeimpften sicherer waren als die ungetesteten Geimpften.
  • Kirche hat sich populistisch kritiklos dem Brandmauerdenken unterworfen, obwohl damit erhebliche Teile der eigenen Kirchenmitglieder und Kirchensteuerzahler als Staatsbürger zweiter Klasse behandelt werden, was das gesellschaftlich-demokratische Miteinander fundamental zersetzt.
  • Kirche hat sich populistisch dem Ruf nach deutschen Waffen in die Ukraine angeschlossen, ohne mindestens genauso laut nach Friedensverhandlungen mit Russland und einem Ende der Subventionen zu rufen, die Russland in die Hände Chinas treiben und Deutschland schaden.
  • Kirche hat populistisch die staatliche Schuldenmacherei geduldet, wodurch die geburtenschwachen zukünftigen Jahrgänge mit Zinsen und Zinseszinsen schwer belastet werden und wodurch die bisherige Politik sich vor einer notwendigen Haushaltsdisziplin herummogeln konnte.

„Gut, wenn die evangelische Kirche endlich mal anfängt, ihren eigenen Populismus und ihre eigenen Fehler aufzuarbeiten“, denke ich, um dann enttäuscht feststellen zu müssen: Es geht bei der Tagung gar nicht um den Balken im eigenen Auge, sondern nur um die Splitter im Auge des anderen; es geht mal wieder einzig und allein um den „Rechtspopulismus“. Das wird zwar bei der Themenüberschrift nicht gesagt, aber die beiden eingeladenen Referenten werden vorgestellt als erwiesene Kämpfer gegen den Rechtspopulismus.

Typisch für die kirchliche Debattenkultur dabei ist, dass kein „Rechtspopulist“ als Referent eingeladen ist. Es geht um Selbstbeweihräucherung der eigenen Meinung statt um gemeinsame Wahrheitssuche. Es geht nicht um Lernen durch Pro und Kontra, nicht um Demokratie im Dienste des offenen Kennenlernens und nicht um ein faires Streiten über unterschiedliche Paradigmen.

Dass die Mehrheitsgesellschaft und die ihr hörige Kirche mit dieser Taktik in den letzten 10 Jahren keinerlei Erfolg gegen die wachsende Zivilgesellschaft hat, die sich mithilfe der AfD sammelt, scheint die Verantwortlichen nicht zu stören. Mehr als absurd ist es, wenn man immer das gleiche tut, aber davon andere Ergebnisse erwartet. Doch die leitenden Personen und Synoden in der Kirche sind so verbissen in ihrem parteipolitischen Kampf, dass sie ihren Widersinn gar nicht bemerken. Das können sie wohl auch nicht, weil sie ja alle ihre Kritiker hinter Brandmauern verbannt haben und gar nicht mehr bereit sind, das zu ändern. Damit ist ein in sich geschlossenes System der geistigen Inzucht ohne jeglichen Notausgang festgezurrt. Martin Luther hat in der Reformation einmal von einer Kirche in der babylonischen Gefangenschaft geschrieben. Dazu passt perfekt der zehntausendste Studientag gegen „Populismus“ in der eigenen Filterblase.

Unterstützung
oder

Kommentare ( 1 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

1 Kommentar
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
joly
32 Minuten her

Eine Debattenkultur gab es noch nie bei den christlichen Kirchen; seit gut 2000 Jahren. Wer nicht dafür war wurde verbrannt. Eine christliche Unkultur wurde so geschaffen, die heute noch ihr Unwesen treibt. Was muten sie denn dieser Glaubensrichtung zu? Das Teuflische im Christentum tilgen? Ohne Teufel keine Kirche – so sieht es doch aus.