Von der Amöbe über Einstein zur KI

Ist Intelligenz eine besondere Eigenschaft des menschlichen Gehirns? Setzt sie Bewusstsein voraus? Oder ist sie ein allgemeineres Prinzip, das auf unterschiedlichen materiellen Trägern verwirklicht werden kann? Vielleicht ist am Ende gar nicht Intelligenz künstlich, sondern lediglich ihr technischer Träger. Von Heinz Bannasch.

picture alliance / NurPhoto | Matteo Della Torre
Cerebras Systems And Artificial Intelligence

Kaum ein Begriff ist in den letzten Jahren so omnipräsent geworden wie der der „Künstlichen Intelligenz“. Computer schreiben Texte, erzeugen Bilder, programmieren Software, übersetzen Sprachen und lösen zunehmend komplexe wissenschaftliche Aufgaben.

Doch der Begriff wird häufig in geradezu abenteuerlicher Weise falsch gebraucht. Es wird darüber gestritten, ob eine Maschine „wirklich intelligent“ sein könne, ob sie Bewusstsein besitze oder ob nur der Mensch zu „echter“ Intelligenz fähig sei.

Damit werden unterschiedliche Dinge miteinander vermischt.

Bevor wir uns darüber unterhalten, ob eine Maschine intelligent sein kann, müssen wir zunächst klären, was Intelligenz überhaupt ist.

Ist sie eine besondere Eigenschaft des menschlichen Gehirns? Setzt sie Bewusstsein voraus? Oder ist Intelligenz ein allgemeineres Prinzip, das auf unterschiedlichen materiellen Trägern verwirklicht werden kann

Vielleicht ist am Ende gar nicht die Intelligenz künstlich, sondern lediglich ihr technischer Träger.

1. Was ist Intelligenz?

Warum kann Intelligenz überhaupt existieren? Weil unser Universum nicht aus einer chaotischen Folge völlig einzigartiger Ereignisse besteht. Es besitzt Regelmäßigkeiten, Beziehungen und Gesetzmäßigkeiten.

Die Welt besitzt Struktur.

Wäre jeder Vorgang vollkommen einzigartig, könnte aus Erfahrung nichts gelernt werden. Es gäbe keine Regel, die sich auf einen neuen Fall übertragen ließe.
Wo dagegen Strukturen wiederkehren, existieren Analogien. Und wo Analogien existieren, kann ein informationsverarbeitendes System sie erkennen und auf neue Situationen übertragen.

In diesem Sinne ist die Möglichkeit von Intelligenz einer strukturierten Welt immanent.

Der Psychologe Peter R. Hofstätter brachte das Wesen der Intelligenz auf eine bemerkenswert einfache Formel:

„Intelligenz ist die Fähigkeit, durch Abstraktion Analogien zu entdecken.“

Abstraktion bedeutet, vom Besonderen und Unwesentlichen abzusehen und die zugrunde liegende Struktur zu erkennen.

Analogie bedeutet, dieselbe oder eine vergleichbare Struktur in einem anderen Zusammenhangwiederzuerkennen.

Damit ergibt sich das Grundprinzip:

Information aufnehmen → abstrahieren → Struktur bzw. Analogie erkennen → auf Neues übertragen.

Dieses Prinzip lässt sich auf völlig unterschiedlichen Ebenen verfolgen – von der Amöbe über die Zecke und den Menschen bis zur heutigen KI.

2. Von der Amöbe zur Zecke

Schon eine Amöbe verarbeitet Informationen, obwohl sie weder Gehirn noch Nervensystem besitzt. Sie reagiert auf bestimmte Veränderungen ihrer Umwelt und setzt Information in zweckmäßiges Verhalten um.

Noch deutlicher zeigt sich das Prinzip bei der Zecke.

Sie muss in einer ungeheuer komplexen Umwelt einen Säugetierwirt erkennen. Dafür muss sie weder wissen, was ein Säugetier ist, noch zwischen Mensch, Hund oder Reh unterscheiden.

Sie vereinfacht die Wirklichkeit radikal.

Aus den unzähligen Eigenschaften eines Säugetiers reduziert sie die für sie relevante Wirklichkeit im klassischen vereinfachten Modell im Wesentlichen auf:

Buttersäure bzw. typischer Körpergeruch + etwa 37 °C Wärme = Säugetier → möglicher Wirt.

Fellfarbe, Größe, Gestalt, Augen, Beine und nahezu alle anderen Eigenschaften sind dafür bedeutungslos.

Genau das ist Abstraktion: Das Unwesentliche wird ausgeblendet, wenige entscheidende gemeinsame Merkmale bleiben übrig.

Die Zecke denkt selbstverständlich nicht abstrakt wie ein Mensch. Aber bereits hier erscheint in elementarer Form dasselbe Grundprinzip:

Komplexität reduzieren → Wesentliches herausfiltern → Gemeinsamkeit
erkennen → handeln.

3. Der Intelligenztest – Analogie in Reinform

Was messen Intelligenztests eigentlich?

Grundsätzlich nicht, wie viel ein Mensch weiß, sondern wie gut er durch Abstraktion Strukturen und Analogien erkennen und auf einen neuen Fall übertragen kann.

Deshalb verwendet man Aufgaben, für deren Lösung möglichst wenig spezielles Vorwissen erforderlich ist.

Nehmen wir eine einfache Zahlenfolge:
2 – 6 – 18 – 54 – ?

Man muss die Antwort nicht kennen. Man muss die zugrunde liegende Struktur entdecken:

Jede Zahl ist das Dreifache der vorhergehenden.

Hat man diese Regel abstrahiert, kann man sie auf einen neuen Fall übertragen:
54 × 3 = 162.

Noch deutlicher wird das bei Raven-Matrizen. Geometrische Figuren verändern sich nach einer zunächst unbekannten Regel. Der Proband muss aus den Einzelfällen die gemeinsame Struktur abstrahieren und auf eine neue Figur übertragen.

Das Grundprinzip lautet wiederum:

Zwei Einzelfälle → Abstraktion → Analogie bzw. Regel erkennen → auf Neues übertragen.

Der Intelligenztest prüft damit im Kern genau das, was Hofstätter beschreibt:

Intelligenz ist die Fähigkeit, durch Abstraktion Analogien zu entdecken.

4. Einstein – dasselbe Prinzip auf höchster Ebene

Zwischen einer Zahlenreihe und Einsteins Relativitätstheorie liegen Welten. Das
erkenntnistheoretische Grundprinzip ist jedoch erstaunlich ähnlich.

Einsteins außergewöhnliche Leistung bestand nicht einfach darin, besonders viele physikalische Fakten zu kennen. Er erkannte gemeinsame Strukturen hinter Erscheinungen, die zunächst völlig verschieden wirken.

Besonders anschaulich zeigt dies das Äquivalenzprinzip.

Einstein stellte sich einen Menschen in einem geschlossenen Raum vor.

Im ersten Fall befindet sich der Raum in einem Gravitationsfeld. Ein losgelassener Gegenstand fällt zum Boden.

Im zweiten Fall befindet sich der Raum fern von großen Massen im Weltraum und wird beschleunigt. Auch dort bewegt sich ein losgelassener Gegenstand relativ zum Raum zum Boden.

Für den Menschen im geschlossenen Raum können beide Situationen lokal nicht voneinander zu unterscheiden sein.

Die Ursachen scheinen vollkommen verschieden:

Gravitation auf der einen Seite – Beschleunigung auf der anderen.

Einstein abstrahierte von den unterschiedlichen äußeren Umständen und erkannte dahinter eine fundamentale Analogie.

Aus diesem Prinzip führte der Weg schließlich zu einer revolutionären Vorstellung:

Gravitation lässt sich als Ausdruck der Geometrie einer durch Masse und Energie gekrümmten Raumzeit beschreiben.

Der Intelligenztest fragt: Welche gemeinsame Struktur steckt hinter diesen Zahlen oder Figuren?

Einstein fragte: Welche gemeinsame Struktur steckt hinter scheinbar verschiedenen
physikalischen Erscheinungen?

Der Unterschied liegt in der ungeheuren Komplexität und Abstraktionshöhe.

Das Prinzip bleibt:

Beobachten → abstrahieren → Analogie entdecken → auf Neues übertragen.

5. Und dann kommt die KI

Genau hier wird die sogenannte künstliche Intelligenz interessant.

Auch moderne KI-Systeme verarbeiten enorme Informationsmengen und bilden daraus mathematische Repräsentationen von Beziehungen und Regelmäßigkeiten.

Ein Schlüsselmechanismus moderner Transformer ist Attention.

Vereinfacht gesprochen bewertet Attention, welche Elemente einer Information im jeweiligen Zusammenhang besonders relevant sind.

Das Wort „Bank“ beispielsweise besitzt für sich genommen keine eindeutige Bedeutung. Erst der Kontext entscheidet, ob eine Sitzbank oder ein Geldinstitut gemeint ist.

Attention gewichtet deshalb Beziehungen zwischen Informationselementen abhängig vom Kontext.

Während des Trainings entstehen hochdimensionale interne Repräsentationen. Dadurch können Regelmäßigkeiten erkannt und auf neue Kombinationen und Aufgaben übertragen werden.

Natürlich arbeitet ein Transformer nicht wie ein menschliches Gehirn. Daraus folgt weder, dass er wie ein Mensch denkt, noch dass er menschliches Bewusstsein besitzt.

Aber warum sollte Intelligenz Bewusstsein voraussetzen?

Wenn Hofstätters Definition trägt, entscheidet nicht das Material über Intelligenz, sondern die Fähigkeit, durch Abstraktion Strukturen und Analogien zu erkennen und auf Neues zu übertragen.

Die Mechanismen unterscheiden sich.

Das Grundprinzip bleibt.

6. Intelligenz braucht weder Kohlenstoff noch ein Gehirn

Wir setzen Intelligenz gewöhnlich mit Gehirnen gleich, weil alle uns vertraute hochentwickelte biologische Intelligenz mit Nervensystemen verbunden ist.

Das könnte ein Kategorienfehler sein.

Auch Fliegen war über Jahrmillionen ausschließlich eine Fähigkeit biologischer Organismen.

Daraus folgte nicht, dass Fliegen prinzipiell Federn und Muskeln voraussetzt.

Ein Vogel fliegt mit Federn und Muskeln. Ein Flugzeug mit Aluminium, Turbinen und Tragflächen.

Ein Flugzeug ist künstlich – der Auftrieb ist es nicht.

Ein Computer ist künstlich – warum sollte die auf ihm realisierte Intelligenz künstlich sein?

Intelligenz wäre dann kein bestimmtes Organ und kein bestimmtes Material, sondern ein Prinzip der Informationsverarbeitung in einer strukturierten Welt.

Auch Bewusstsein und Intelligenz sind nicht dasselbe.

Bewusstsein beschreibt subjektives Erleben. Intelligenz beschreibt die Fähigkeit, Informationen zu abstrahieren, Zusammenhänge zu erkennen und auf Neues zu übertragen.

Dass beim Menschen beides gemeinsam auftritt, beweist nicht, dass Intelligenz grundsätzlich Bewusstsein voraussetzt.

7. Einsteins Grenze: 1,4 kg Gehirn gegen nahezu unbegrenzt
skalierbare KI

Einstein besaß eines der außergewöhnlichsten Denkvermögen der Menschheitsgeschichte.

Trotzdem war selbst dieses Genie an die biologischen Grenzen eines einzelnen Gehirns gebunden.

Der Unterschied zur technischen Intelligenz ist gewaltig:

Der entscheidende Unterschied ist die Skalierbarkeit.

Einsteins Gehirn blieb bei rund 1,4 Kilogramm. Es konnte weder vergrößert noch kopiert noch mit Tausenden anderen Gehirnen zu einem einzigen Supergehirn zusammengeschaltet werden.

Technische Intelligenz kann dagegen prinzipiell immer mehr Rechenleistung, Speicher und parallele Verarbeitung erhalten. Mehr Hardware bedeutet nicht automatisch mehr Intelligenz. Aber die biologische Begrenzung eines einzelnen Gehirns fällt weg.

Wenn 1,4 Kilogramm biologische Materie Einsteins Relativitätstheorie
hervorbringen konnten – was könnte dann eine Intelligenz erkennen, die nicht mehr auf 1,4 Kilogramm, 100 m/s, ein Gehirn, Schlaf und eine menschliche Lebenszeit begrenzt ist?

8. Warum sollte Einstein die Grenze gewesen sein?

Warum sollte ausgerechnet die Evolution des Homo sapiens die prinzipielle Obergrenze möglicher Intelligenz erreicht haben?

Unser Gehirn entstand nicht, um Relativitätstheorie, Quantenmechanik oder Kosmologie zu entwickeln. Evolutionär musste es vor allem ermöglichen, Nahrung zu finden, Gefahren zu vermeiden, soziale Beziehungen zu bewältigen und sich fortzupflanzen.

Dass dieses etwa 1,4 Kilogramm schwere Organ trotzdem Einsteins Relativitätstheorie hervorbringen konnte, gehört zu den erstaunlichsten Leistungen der Natur.

Es gibt jedoch keinen bekannten naturwissenschaftlichen Grund, weshalb damit die Grenze möglicher Intelligenz erreicht sein sollte.

Zukünftige technische Systeme könnten Strukturen in Mathematik, Physik oder Biologie entdecken, deren Komplexität kein einzelnes menschliches Gehirn mehr überblicken kann.

Der Mensch kann höherdimensionale Räume mathematisch beschreiben – Einstein selbst arbeitete mit der vierdimensionalen Raumzeit. Unsere Anschauung bleibt jedoch durch unsere dreidimensionale Erfahrungswelt geprägt.

Eine KI muss sich einen hochdimensionalen Raum nicht vorstellen. Sie kann unmittelbar mit mathematischen Repräsentationen von Tausenden oder mehr Dimensionen operieren.

Vielleicht werden dadurch Analogien und Gesetzmäßigkeiten sichtbar, die einem menschlichen Gehirn kaum zugänglich sind – so wie Einsteins gekrümmte Raumzeit für eine Zecke unzugänglich wäre.

Warum sollte also ausgerechnet Einstein die Grenze gewesen sein?

9. Es gibt keine künstliche Intelligenz

Damit bekommt der Titel seinen eigentlichen Sinn.

Von der Amöbe über die Zecke und den Intelligenztest bis zu Einstein und zur modernen KI zieht sich dasselbe Grundprinzip:

Information aufnehmen → abstrahieren → Strukturen und Analogien erkennen → auf Neues übertragen.

Wenn unser Universum strukturiert ist, sind Analogien keine Erfindungen des menschlichen Gehirns. Sie sind in den Strukturen der Wirklichkeit angelegt.

Intelligenz ist die Fähigkeit, sie zu entdecken.

Das menschliche Gehirn wäre damit nicht die Quelle der Intelligenz, sondern lediglich einer ihrer möglichen Träger.

Bei der Amöbe geschieht Informationsverarbeitung in einer einzelnen Zelle, bei der Zecke in einem einfachen Nervensystem, bei Einstein in rund 1,4 Kilogramm biologischer Materie und bei der KI in Halbleitern, Algorithmen und gewaltigen Rechnerverbünden.

Der Träger verändert sich. Das Prinzip bleibt.

Dann gibt es im fundamentalen Sinne nicht zwei verschiedene Phänomene – natürliche und künstliche Intelligenz.

Es gibt Intelligenz.

Und wenn technische Intelligenz nicht mehr an die biologischen Grenzen eines einzelnen Gehirns gebunden ist, gibt es keinen ersichtlichen Grund anzunehmen, dass die höchste bislang beobachtete menschliche Intelligenz zugleich die Grenze möglicher Intelligenz darstellt.

Vielleicht hat selbst Einstein erst an der Oberfläche der möglichen Intelligenz gekratzt.


Heinz Bannasch ist Physikingenieur und ehemaliger Industrie-Manager – u.a. als Prokurist bei der Rheinmetall Waffe Munition GmbH und verbundenen Unternehmen im Rüstungs- und Pyrotechnikbereich. Er unterstützt weiterhin technisch Projekte in diesem Umfeld (z. B. Radar- und Täuschkörpersysteme).

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Kommentare ( 79 )

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giesemann
10 Tage her

KI weiß alles, versteht alles – kapiert aber nix.
Ein Internist weiß alles, versteht alles, kann aber nix. Der Chirurg weiß alles, sieht alles, kann alles, versteht aber nix. Der Patholog‘ weiß alles, sieht alles, kann alles, versteht alles – vermag aber nix (mehr).
So schaut’s aus, porca miseria.

horrex
10 Tage her

Nach der Lektüre so einiger Komnmentare stelle ich fest:
Der Begriff „Abstraktion“ bedarf – zumindest hier – noch einiger Erklärungen.

horrex
10 Tage her

Einer der besten Artikel die hier je gelesen habe !!!
D A N K E !!!
Stringent, kurz, und wohl „Jedem“ verständlich.
Oder doch nicht ??? 😉

giesemann
15 Tage her

Hohe Intelligenz ist womöglich vor allem ein gutes Gedächtnis: Albert Einstein wurde mal gefragt: Herr Professor, wie kommt es, dass Sie derart intelligent sind? Der nur: Ich bin gar nicht so besonders intelligent, ich vergesse nur nicht gleich wieder alles, was ich mal gelernt habe.

horrex
10 Tage her
Antworten an  giesemann

Schönes Zitat … aber nicht wirklich „kapiert“.

giesemann
10 Tage her
Antworten an  horrex

Man mag einwenden: Ist ein „savant“ wirklich -auch – intelligent?
Ein Savant (aus dem Französischen savoir = wissen, „Wissender“) ist ein Mensch, der trotz einer geistigen Behinderung, einer Entwicklungsstörung oder einer Autismus-Spektrum-Störung in einem oder mehreren eng umgrenzten Spezialgebieten außergewöhnliche, oft geniale Fähigkeiten besitzt. Dieses Phänomen nennt man auch Savant-Syndrom oder Inselbegabung. [1, 2, 3, 4]

Moses
17 Tage her

Alle Überlegungen sind richtig, aber mir fehlt hier noch etwas, um von einer echten Intelligenz sprechen zu können.
Zum Beispiel: «Die Gabe, die Absichten, Stimmungen und Gefühle anderer Menschen zu erkennen und empathisch darauf zu reagieren.
in ausgeprägtes Selbstbewusstsein, das Verstehen der eigenen Gefühle, Stärken und Schwächen sowie die Fähigkeit zur Selbstreflexion»
Mit anderen Worten: eine gute Erziehung und damit auch gutes Benehmen.

horrex
10 Tage her
Antworten an  Moses

Es wurde Vieles gesagt.
Aber noch nicht von ALLEN!

whgreiner
17 Tage her

Intelligenz ist ein Werkzeug, eine Denkprothese – so ähnlich, wie ein künstliches Bein eine Gehprothese oder eine künstliche Hand eine Greifprothese ist. KI kann mittlerweile sehr gut denken, besser als die meisten Menschen; aber im Gegensatz zum Menschen weiß sie nicht, warum und wozu sie es tut. Ihre „Wille“ wird ihr mehr oder weniger starr und undifferenziert durch ihre menschlichen Programmierer vorgegeben. KI hat keinen eigene Motivation; mit ihrem „Willen“ hängt sie sozusagen frei in der Luft, und lässt sich durch Programmierung in jede, beliebige Richtung lenken. Genau das macht sie ja als Werkzeug und Herrschaftsinstrument so interessant, dass derzeit… Mehr

Ich bin RECHTS
17 Tage her
Antworten an  whgreiner

Im Kern stimme ich Ihnen zu. Sie trennen allerdings genau das voneinander, was in der KI-Debatte häufig vermischt wird: Intelligenz, Motivation, Wille, Persönlichkeit und Bewusstsein. Dass heutige KI keine aus einem eigenen Körper entstandenen Bedürfnisse nach Nahrung, Fortpflanzung oder Selbsterhaltung besitzt, spricht nicht dagegen, ihre Leistungen als intelligent zu bezeichnen. Gerade darin liegt meine These: Intelligenz ist nur eine bestimmte Fähigkeit und nicht das gesamte Paket, das einen Menschen oder ein höheres Tier ausmacht. Eine KI müsste deshalb weder Hunger haben noch Angst vor dem Tod oder einen eigenen Fortpflanzungstrieb besitzen, um intelligent zu sein. Interessant wird es, wenn man… Mehr

giesemann
10 Tage her
Antworten an  whgreiner

Wille – freier Wille – Instinkt. Ein altes, großes Fass. Machen Sie es nur auf, vllt. ist der Wein da drin ja gut … .
Intelligenz -Intellekt wird gerne von Leuten etwas verächtlich gemacht, die selbst nicht allzu ville davon haben, oder? Wenn der Wein im Fass also eher Essig ist.

AndreasA
17 Tage her

Nach dieser merkwürdigen semantischen Verrenkung ist auch ein Haus kein künstliches Objekt, sondern eine Art Manifestation einer Höhle. Was soll das sein? Clickbait?

Ich bin RECHTS
17 Tage her
Antworten an  AndreasA

Der Vergleich mit dem Haus trifft meine Aussage gerade nicht. Natürlich ist eine KI künstlich hergestellt, ebenso wie ein Haus. Meine These lautet nicht, dass die Maschine nicht künstlich sei, sondern dass Intelligenz als Fähigkeit nicht künstlich wird, nur weil ihr Träger künstlich hergestellt wurde. Ein künstliches Bein macht schließlich auch das Gehen nicht zu „künstlichem Gehen“. Genau diese Unterscheidung zwischen dem Ursprung eines Systems und der von ihm erbrachten Leistung ist der Kern des Artikels.

AndreasA
16 Tage her
Antworten an  Ich bin RECHTS

Ich verstehe das durchaus, ich stimme nur nicht zu, weil die vom System erbrachte Leistung eben untrennbar mit der Struktur des Systems verknüpft ist. Kein Mensch ist je wie ein Vogel abgehoben, indem er mit den Armen geflattert hat. Das er sich im Flugzeug durch die Luft bewegt, macht den Prozess des menschlichen Fliegens eben gerade NICHT natürlich, auch wenn der Mensch durch die Luft von A nach B gelangt. Für KI gilt das umsomehr, da alle erzielten Ergebnisse – bisher jedenfalls – nur die Simulation von Intelligenz sind. Die KI gelangt unter UMGEHUNG intelligenter Denkprozesse zu ihren Ergebnissen, so… Mehr

giesemann
10 Tage her
Antworten an  AndreasA

„Kein Mensch ist je wie ein Vogel abgehoben, indem er mit den Armen geflattert hat“. Doch, der Schutzheilige der Flieger: Der Schutzpatron der Flieger, Piloten und der Luftfahrt ist der heilige Josef von Copertino. [1, 2] Hintergrund und Details Wer er war: Giuseppe da Copertino (1603–1663) war ein italienischer Franziskanermönch. Warum er der Patron ist: Er wurde berühmt für angebliche mystische Ekstasen und Levitationen (das plötzliche Schweben in der Luft während des Gebets), weshalb er auch als der „fliegende Heilige“ bekannt wurde. Gedenktag: Der 18. September. Ich habe heftig seiner gedacht. Weitere Patronate: Wegen seiner eigenen Lernschwierigkeiten gilt er zudem… Mehr

Reinhard Peda
17 Tage her

„Gravitation lässt sich als Ausdruck der Geometrie einer durch Masse und Energie gekrümmten Raumzeit beschreiben.“
Wirklich?
Kann Energie vernichtet werden?
Altert Energie?
Kann ein schwarzes Loch den Raum krümmen?
Wenn ja, warum kann ein schwarzes Loch den Raum nicht wie andere Materie aufsaugen?
Na dann mal ran, ihr Physiker, zur Beantwortung der Fragen!

Ich bin RECHTS
17 Tage her
Antworten an  Reinhard Peda

Ja – und die Fragen lassen sich mit der Allgemeinen Relativitätstheorie recht klar beantworten. Energie wird in einem abgeschlossenen System nicht einfach vernichtet, wobei Energieerhaltung in der gekrümmten Raumzeit der Allgemeinen Relativitätstheorie komplizierter ist als in der klassischen Physik. Energie „altert“ auch nicht wie Materie; allerdings kann etwa die Energie eines Photons für einen bestimmten Beobachter durch kosmologische oder gravitative Rotverschiebung geringer erscheinen. Ein Schwarzes Loch krümmt die Raumzeit sehr stark. Es saugt aber nicht „den Raum“ auf, denn Raum ist in der Relativitätstheorie kein Stoff, den man einsaugen könnte. Ein Schwarzes Loch ist vielmehr selbst eine Region der Raumzeit… Mehr

giesemann
10 Tage her
Antworten an  Reinhard Peda

Auch bei bestimmten Fragen gilt das Kriterium: Ist die Frage intelligent oder dumm?

Reinhard Peda
10 Tage her
Antworten an  giesemann

Ach wissen Sie, dumme Fragen sollten doch auch intelligente Antworten erbringen, oder nicht?
„Die Frage „Warum saugt das Schwarze Loch den Raum nicht auf?“ setzt deshalb bereits eine Vorstellung von Raum voraus, die die Relativitätstheorie gerade aufgegeben hat.“
In was bewege ich mich eigentlich wo es doch keinen Raum gibt? Und was wirklich in einem Schwarzen Loch abläuft, ist auch mehr Spekulation als Wissen!

giesemann
10 Tage her
Antworten an  Reinhard Peda

Ja, einmal drin und man hört nie mehr was von Ihnen.

libelle
17 Tage her

Auf die Frage was ist intelligenz lautet die erste Antwort : Intelligenz ist das worauf wir uns verständigt haben was sie sei. Die inhaltliche Antwort oszilliert zwischen Mustererkennung und Problemlösung. Das Erkennen von Mustern IN allen möglichen Erscheinungen/Prozessen aber nicht die Übertragung erkannter Muster auf andere komplexe Erscheinungen/Prozesse.Eine solche Übertragung ist vielmehr ein Analogieschluss und damit eher eine handwerkliche als eine genuin intellektuelle Leistung. KI im Besonderen ist Alles aber nichts davon – sondern lt. eigener Auskunft nur die Mittelwertbildung bzw der Mittelwert der Meinungen in der von der KI durchmusterten Datenbasis mit der höchsten Wahrscheinlichkeit. Wäre Intelligenz etwas tatsächlich… Mehr

Ich bin RECHTS
17 Tage her
Antworten an  libelle

Dass es keine allgemein verbindliche Definition von Intelligenz gibt, ist richtig. Aber gerade deshalb kann man Analogiebildung nicht einfach per Definition aus der Intelligenz herausnehmen. Eine erkannte Struktur auf einen neuen Sachverhalt zu übertragen, ist eine der anspruchsvollsten Formen des Problemlösens. Und ein LLM bildet keineswegs den „Mittelwert der Meinungen“ seiner Datenbasis. Es lernt statistische Strukturen und kann sie auf neue Konstellationen übertragen. Ob wir diese Leistung Intelligenz nennen, ist dann tatsächlich die interessante Definitionsfrage.

horrex
10 Tage her
Antworten an  libelle

Zum ersten Satz: „Intelligenz ist das worauf wir uns verständigt haben was sie sei. Die inhaltliche Antwort oszilliert zwischen Mustererkennung und Problemlösung.“
DAS sagen Psychologen zu dem Thema.
Die, die die I-Tests entwerfen und dann am Objekt auswerten.

Erzet
17 Tage her

Danke – war ein Espresso für meine 1,4 Kg! Btw: Auch wenn ich nicht gläubig bin – die These von Intelligenz als universelles Strukturprinzip ließe sich auch als Gottesbeweis verstehen. Sagt allerdings nix darüber aus, welchen Stellenwert Menschen als eine Verkörperung dieses Prinzips haben.

Ich bin RECHTS
17 Tage her
Antworten an  Erzet

Interessanter Gedanke. Als Gottesbeweis wäre mir das zu weitgehend – aus der Existenz universeller Strukturen folgt noch kein Schöpfer. Aber philosophisch führt meine These tatsächlich dorthin: Wenn Intelligenz im Erkennen real vorhandener Strukturen besteht, dann ist der Mensch nicht der Erfinder dieser Ordnung, sondern eines der Systeme, in denen das Universum beginnt, seine eigene Struktur zu erkennen. Ob man darin Gott, Natur oder schlicht Physik sieht, ist eine andere Frage.

giesemann
10 Tage her
Antworten an  Erzet

Ja, denn „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit“, – ist das vllt. Intelligenz? Jahreslosungen seit 1930, für 1933, 1949 und 1984.