Männer in der Frauenliga? Die WNBA bekommt ihre eigene Trans-Ideologie serviert

Profi-Basketballerin Sophie Cunningham sagt einen simplen Satz: Frauensport ist für Frauen da. Dafür wird sie als „MAGA-Barbie“ verhöhnt und von der eigenen Liga politisch bekämpft. Nun erklären sich zwei ehemalige NBA-Profis demonstrativ zu Frauen, melden sich für den WNBA-Draft 2027 an – und zwingen die Liga, ihre eigene Trans-Logik zu fressen.

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Über dieses KI-Video und die Aktion der beiden Ex-NBA-Profis Enes Kanter und Royce White lacht und jubelt das Netz

Eigentlich sollte kaum eine Sportliga leichter erklären können, warum es sie gibt als die WNBA. Das „W“ steht für Women. Die Liga existiert, weil Männer und Frauen im Spitzensport nicht unter denselben körperlichen Voraussetzungen antreten und weil Frauen ohne eine eigene Wettbewerbskategorie im professionellen Basketball kaum vorkämen. Im Amerika des Jahres 2026 reicht inzwischen selbst diese Feststellung, um aus einer Frauenliga ein politisches Schlachtfeld zu machen.

Ausgelöst hat den Streit Sophie Cunningham von den Indiana Fever. Cunningham hatte in einem Interview gesagt, sie wolle junge Mädchen schützen, die weder in der Umkleidekabine noch auf dem Spielfeld mit biologischen Männern konfrontiert werden sollten. Sie habe nie gesagt, dass sie Transmenschen hasse, sie wolle Menschen mit Liebe begegnen, aber eben auch ehrlich sein.

Cunningham ist dabei längst nicht mehr nur Basketballfans ein Begriff. Ende Juni wurde die Spielerin der Indiana Fever praktisch über Nacht zum weltweiten Internet-Meme: Nach einem Wortgefecht zwischen ihrer Teamkollegin Caitlin Clark und DeWanna Bonner von Phoenix stand Cunningham mehr als 20 Sekunden lang nahezu regungslos da und zeigte mit ausgestrecktem Finger auf Bonner. Aus der absurden Szene entstand das „Sophie Cunningham Pointing“-GIF, das binnen Tagen zum universellen Netz-Kommentar alles und jeden wurde. Cunningham, ohnehin für ihre kompromisslose Art auf dem Feld bekannt, war plötzlich weit über die WNBA hinaus eine der bekanntesten Figuren des amerikanischen Sports.

Auch in Deutschland wurde Cunningham inzwischen zum Objekt bemerkenswerter Betrachtungen. FAZ-Boomer-Korrespondent Jürgen Kalwa beschrieb die 29-Jährige in einem Artikel über ihre Haltung zu Transathleten zunächst als „mittelmäßige Sportlerin mit weißer Hautfarbe, langen blondierten Haaren und einem fotogenen Lächeln“, die „mithilfe ihres Äußeren sehr viel Aufsehen“ errege; schon die Überschrift machte aus ihr die „MAGA-Barbie“. Dabei bezeichnet Cunningham sich selbst gerade nicht als Trump-Anhängerin, sondern politisch als in der Mitte stehend. Für den Text bekam Kalwa entsprechend harten Gegenwind. Der Publizist Marc Felix Serrao drehte ihm die Methode genüsslich um und schrieb, wer Beweise suche, dass auch „mittelmäßige und in die Jahre gekommene Journalisten ohne fotogenes Lächeln“ 2026 noch Texte über junge Frauen veröffentlichen könnten, müsse nur Kalwas Artikel lesen.

Cunningham spricht nun etwas aus, das bis vor wenigen Jahren kaum einer Erklärung bedurft hätte: Frauen- und Mädchensport ist für Frauen und Mädchen da. Nicht weil andere Menschen weniger wert wären, sondern weil eine eigene Frauenkategorie ihren Sinn verliert, sobald das Geschlecht für die Zulassung zu dieser Kategorie keine entscheidende Rolle mehr spielt.

In Teilen der WNBA galt nun allerdings die unbequeme Cunningham als Problem. Bei Auswärtsspielen der Indiana Fever entstanden Proteste und Gegenproteste. In Seattle hielten zwei 16-jährige Mädchen Schilder hoch, mit denen sie Cunningham für ihren Einsatz für Mädchen dankten. Die Minderheitseigentümerin der Seattle Storm, Celeste Keaton, konfrontierte sie daraufhin derart aggressiv und mit obszöner Sprache, dass sich der Verein entschuldigen musste. Die WNBA sperrte Keaton für fünf Heimspiele und verhängte gegen Seattle Storm zusätzlich eine Geldstrafe.

Minnesota-Lynx-Trainerin Cheryl Reeve erschien kurz darauf vor dem Spiel gegen Indiana mit einem T-Shirt mit der Aufschrift „Trans Kids Belong“. Sie erklärte die Angelegenheit zu einer Menschenrechtsfrage und beklagte, das Thema werde künstlich großgemacht. Seattle-Spielerin Stefanie Dolson trug ihrerseits ein Shirt mit der Botschaft „Trans rights are human rights“. Reeve räumte immerhin ein, dass bei Leistungssport nach der Pubertät Fragen entstünden, die genauer betrachtet werden müssten. Ihre Lösung lautete dennoch: Die Antwort dürfe nicht Nein heißen.

Nun hat sich auch Gabby Williams von den Golden State Valkyries eingeschaltet. Sie erklärte „Trans-Rechte“ zum „neuen Kampf“ der Spielerinnen und sagte, sie würde jederzeit eine transidente Person sowohl im eigenen Team als auch als Gegner willkommen heißen. Die gesamte Debatte sei für sie im Grunde nur eine weitere Möglichkeit, Transmenschen anzugreifen.

Damit ist der entscheidende Schritt vollzogen. Die Frage lautet nicht mehr, unter welchen Voraussetzungen fairer Frauensport überhaupt möglich ist. Wer diese Frage stellt, gerät bereits unter Verdacht, eine Minderheit anzugreifen. Aus einer sportlichen Kategorie wird ein Gesinnungstest.

Besonders kurios ist Williams‘ Berufung auf die frühere WNBA-Spielerin Layshia Clarendon als mutiges Vorbild. Clarendon bezeichnet sich als transgender und nonbinär. Nur beweist dieser Fall für den eigentlichen Streit überhaupt nichts: Clarendon wurde weiblichen Geschlechts geboren. Dass Clarendon in der WNBA spielte, beantwortet deshalb nicht die Frage, um die Cunningham und ihre Kritiker streiten – nämlich ob eine Person, die männlich geboren wurde und insbesondere eine männliche Pubertät durchlaufen hat, in der Frauenklasse antreten darf. ESPN weist selbst darauf hin, dass bislang keine öffentlich bekannte Trans-Frau in der WNBA gespielt hat; die beiden nonbinären ehemaligen WNBA-Spieler AD Durr und Clarendon wurden beide weiblich geboren.

Genau deshalb konnte die Liga ihren Widerspruch bislang bequem theoretisch behandeln. Man konnte von Inklusion sprechen, Shirts tragen, Menschenrechte beschwören und jeden Einwand moralisch einordnen, ohne erleben zu müssen, was die eigene Definition auf dem Basketballfeld praktisch bedeuten könnte.

Tja. Und dann kamen Enes Kanter Freedom und Royce White.

Beide ehemaligen NBA-Spieler erklärten am Freitag demonstrativ, sie wollten sich für den WNBA-Draft 2027 melden und identifizierten sich dafür als Frauen. Das ist erkennbar ein politischer Stresstest der geltenden Logik. Der 2,08 Meter große frühere NBA-Center Kanter Freedom und der ebenfalls ehemalige NBA-Profi White zwingen die Liga damit zu einer Frage, der sie bislang ausweichen konnte: Was genau bedeutet bei einer Frauenliga eigentlich „Frau“?

— DFF (@DumbFxckFinder) August 8, 2026

Plötzlich reicht das Inklusionsvokabular nicht mehr. Denn im Tarifvertrag der WNBA steht lediglich, dass nur „players who are women“ spielberechtigt sind. Eine nähere öffentlich zugängliche Definition anhand von biologischem Geschlecht, Geschlechtsidentität oder anderen Kriterien enthält die Regelung nicht. Eine bloße Selbstdeklaration garantiert allerdings auch nach der jetzigen Regel keineswegs automatisch die Spielberechtigung.

Das Gedankenspiel der beiden Ex-NBA-Profis trifft deshalb genau die offene Flanke der Liga. Wenn Geschlechtsidentität die entscheidende Kategorie sein soll, muss erklärt werden, warum ihre Erklärung nicht genügt. Wenn sie nicht genügt, muss die WNBA Kriterien benennen. Und sobald diese Kriterien körperliche Voraussetzungen, biologisches Geschlecht oder männliche Pubertät betreffen, landet sie wieder bei jener Realität, die Sophie Cunningham ausgesprochen hatte.

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. WNBA-Commissioner Cathy Engelbert verschickte ein Memorandum an die Teams. Eine Arbeitsgruppe aus Präsidenten und General Managern soll das Thema in der kommenden Woche beraten.

Engelbert betont nun ausdrücklich die „Integrität“ des Spiels und „fairen Wettbewerb“ als höchste Prioritäten der Liga. Wochenlang wurde über Inklusion gesprochen; kaum stellen zwei ehemalige NBA-Spieler die Konsequenz dieser Inklusion demonstrativ in Aussicht, entdeckt die Führung die Wettbewerbsintegrität.

Auch die Spielergewerkschaft WNBPA meldete sich. Sie bekannte sich zu „Gerechtigkeit, Chancengerechtigkeit, Vielfalt und Inklusion“, warnte vor Hass und erklärte, die Spielerinnen ließen sich nicht zu „politischen Spielbällen“ machen. Dabei besteht der politische Konflikt gerade deshalb, weil die WNBA bislang keine klare Antwort auf eine Frage besitzt, die für jede Frauenliga elementar sein müsste: Wer gehört in die Frauenkategorie?

Andere Sportorganisationen sind längst weiter. Nach dem aktuellen ESPN-Bericht schließen NCAA, Internationales Olympisches Komitee und das US-amerikanische Olympische und Paralympische Komitee Trans-Frauen inzwischen von der Frauenkategorie aus. In 27 US-Bundesstaaten bestehen zudem entsprechende Regelungen für Schul- beziehungsweise College-Sport.

Die WNBA hat sich währenddessen selbst in eine Sackgasse argumentiert. Jetzt muss die Women’s National Basketball Association entscheiden, ob das Wort „Women“ in ihrem Namen noch eine sportliche Kategorie bezeichnet oder nur noch eine politische Selbstbeschreibung ist. Genau darum geht es. Denn eine Frauenliga, die nicht mehr erklären kann, warum es eine Frauenliga gibt, hat weit größere Probleme als Sophie Cunningham.

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