Das Bundesverdienstkreuz für Ruprecht Polenz? Der ehemalige Kurzzeit-CDU-Generalsekretär macht vor allem in den sozialen Medien von sich reden – indem er gegen die Interessen seiner eigenen Partei in die Tasten haut und jeglichen Talking Point "Unserer Demokratie" bedient. Die Laudatio würdigt dieses fragwürdige Engagement explizit.
picture alliance/dpa | Michael Brandt
„Früher war mehr Lametta.“ Diesen Spruch tat 1978 Opa Hoppenstedt im Sketch „Weihnachten bei Hoppenstedts“. Der Opa wurde von Vicco von Bülow, alias Loriot, gespielt. Er bemängelte damit den kargen Christbaumschmuck.
Nun, auch Orden, Ehrenzeichen und andere sichtbare Auszeichnungen werden boshaft als Lametta bezeichnet, mit denen mehr oder weniger verdiente Bürger für was auch immer geehrt werden: von Vereinen, Behörden, der Bundeswehr, von Kommunen, Bundesländern. Ja, und eben vom Bund. „Lametta“ – weil man sie an die Brust oder sonstwo hingehängt oder angeheftet bekommt.
Nehmen wir die Verdienstorden, die die Bundesrepublik namens des Bundespräsidenten verleiht. Acht Stufen gibt es davon, dazu einige Sonderstufen. Die unterste ist die Verdienstmedaille, die nächst höhere der Bundesverdienstorden am Bande, die höchste Stufe das Großkreuz in besonderer Ausführung.
Ja, früher war auch hier mehr Lametta. Bis heute wurden die von Theodor Heuss ab 1951 eingeführten Stufen des Verdienstordens rund 265.000-mal verliehen. In der 75-jährigen Geschichte wären das pro Jahr im Schnitt rund 3.500. Mit einem Rekord von rund 6.000 Verleihungen pro Jahr in den 1980er Jahren. Mitte der 2000er Jahre wurde die Inflation gestoppt. Etwa seit 2015 hat sich die jährliche Zahl dieser Ordensverleihungen bei rund eintausend eingependelt. Und das ist gut so.
Dennoch fragt man sich immer mal wieder, wer warum einen solchen Verdienstorden bekommt. Darunter nicht selten Politiker oder Ex-Politiker, deren Job es war, sich gemäß Amtszeit für das Wohl des Landes einzusetzen, und die dafür nicht schlecht alimentiert werden bzw. wurden. Der (noch) amtierende Bundespräsident Steinmeier jedenfalls hat immer wieder Ordensträger herausgesucht, die Kopfschütteln auslösen. Das heißt nicht, dass Steinmeier jedes Jahr rund eintausend Leutchen persönlich ehrt oder auch nur über deren Ehrung entscheidet. Denn jeder Bürger kann jedermann für eine Ehrung vorschlagen. Diese Vorschläge werden in den Staatskanzleien der deutschen Länder gebündelt, bewertet, sortiert und weitergleitet an das Bundespräsidialamt – oder eben nicht. Dass Steinmeier am 17. April 2023 Angela Merkel mit dem Großkreuz in besonderer Ausführung auszeichnete, ist wohl seinem eigenen Kopf entsprungen. Denn dieses Großkreuz haben vor Merkel nur Konrad Adenauer und Helmut Kohl bekommen. Wie schief und wie peinlich, eine Kanzlerin auszuzeichnen, die wie kein Bundeskanzler zuvor Deutschland geschadet hat.
Nun bekommt Merkels Sieben-Monate-Generalsekretär Ruprecht Polenz (80) am 5. Oktober 2026 den Bundesverdienstorden am Bande verliehen – aus Steinmeiers Hand persönlich. Ruprecht Wer? Polenz! Er war von 1994 bis 2013 Bundestagsabgeordneter der CDU für Münster (NRW). Vom 10. April 2000 bis 20. November 2000 diente er CDU-Parteichefin Merkel als Generalsekretär. Seit seinem Ausscheiden aus der aktiven Politik schreibt Polenz viel. Zum Beispiel aktuell das 174-Seiten-Buch „Wie ein Volk den Verstand verliert“. Noch mehr schreibt er tagtäglich auf X . Dort präsentiert er sich mit Angela-Merkel-Postern und „I-love-Raute“-Plakaten und gibt den Erz-Merkelianer.
Entsprechend eng ist auch sein intellektueller Horizont. Gelegentlich streut er Orwellsche Sprüche ein, ein andermal präsentiert er sich mit einem Zeitungsinterview, in dem er sich für eine staatliche Förderung der Presse ausspricht. Oder er gibt ÖRR-Programm-Empfehlungen. Ansonsten regelmäßig: der AfD-Spaltpilz, der qua Parteiverbot aus der Welt zu schaffen sei.
Den (Noch-)Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier hat das offenbar so beeindruckt, dass er vorab schon mal folgende Laudatio verbreitet: „‚Der Staat muss danken können‘, sagte Bundespräsident Theodor Heuss einst zur Stiftung des Verdienstordens. Mit Ruprecht Polenz wird genau in diesem Sinne einem Bürger gedankt, der den überwiegenden Teil seines Lebens dem Dienst an der Gesellschaft und dem demokratischen Gemeinwesen gewidmet hat. Seit mehr als 50 Jahren ist er dort zur Stelle, wo es zu handeln gilt: in der Kommunal- und Bundespolitik, in der Völkerverständigung, im interreligiösen Dialog, beim Technischen Hilfswerk, um nur einige wenige seiner vielen Ämter und Ehrenämter zu nennen. Bis heute ist Ruprecht Polenz für die Interessen der Bundesrepublik aktiv. Dabei verteidigt er leidenschaftlich die Werte der Demokratie. Und mehr noch: Er vermittelt sie allgemeinverständlich und führt den demokratischen Diskurs auch in den sozialen Medien. Damit erreicht Ruprecht Polenz beeindruckend viele junge Menschen und wirkt als Vermittler zwischen den Generationen.“ So weit das bundespräsidiale Verballametta.
Ach ja; Polenz ist Vorsitzender der christlich-muslimischen Friedensinitiative e.V. und Kuratoriumsmitglied der Christlich-Islamischen Gesellschaft. Also genau das, was Berlin nach der Wahl vom 20. September brauchen könnte? Ganz im Sinne jedefalls einer möglichen dunkelrot-grün-rot-muslimischen Clan-Koalition.


Sie müssenangemeldet sein um einen Kommentar oder eine Antwort schreiben zu können
Bitte loggen Sie sich ein