Geldwäsche-Krimi: Selenskyjs Präsidialamtsleiterin in Handschellen abgeführt

Iryna Mudra war bis vor kurzem eine der einflussreichsten Personen im Präsidentenpalast in Kiew – gestern wurde sie von Korruptionsermittlern in Handschellen abgeführt: Die Vize-Leiterin des Präsidialamts, Gesprächspartnerin zahlreicher westlicher Delegationen, sitzt nun in Untersuchungshaft.

Iryna Mudra während einer Pressekonferenz der EU-Kommission | Brüssel, am 04. Februar 2025

Ein aktuelles Video aus dem Präsidentenpalast zeigt die Festnahme von Iryna Mudra: Korruptionsermittler, die ihre Hände an den Pistolengriffen haben, führen die stellvertrende Präsidialamtschefin aus dem Gebäude im Zentrum Kiews.

Diese Bilder bestätigen die gewaltige politische Dimension des Korruptions-Skandals, in den zahlreiche Persönlichkeiten aus dem engeren Umfeld des Präsidenten verwickelt sein könnten: Iryna Mudra wurde am 19. August von Selenskyj entlassen, nachdem das Nationale Anti-Korruptionsbüro (NABU) und die Spezialisierte Anti-Korruptionsstaatsanwaltschaft (SAPO) im Rahmen der Operation „Forrest Gump“ Anklage wegen organisierter Kriminalität, Geldwäsche und illegaler Unternehmensübernahmen („Raiding“) erhoben hatten.

Korruption in Kiew
Der Kyiv Independent und die Ukrainska Prawda bestätigen aktuell, dass Mudra zu jenem prominenten Personenkreis zählen soll, der in diesem Jahr mit massiven Korruptions-Vorwürfen konfrontiert ist: Im Zentrum steht die Geldwäsche von 150 Millionen Hrywnja (3,4 Millionen US-Dollar). Diese Summe diente laut den Ermittlern als Kaution für den ehemaligen Energie- und Justizminister Herman Haluschtschenko, der im separaten „Midas“-Verfahren wegen Korruption im staatlichen Kernenergiekonzern Energoatom verdächtigt wird.

NABU-Protokolle, die von mehreren Medien zitiert werden, zeigen Gespräche, in denen Iryna Mudra und der frühere Abgeordnete Maksym Mykytas über die Nutzung der staatlichen Sense Bank für diese Geldwäsche sprechen. Ein Staatsanwalt erklärte in einer parallelen Anhörung am 25. August, dass ein Mitglied der mutmaßlichen Gruppe – mutmaßlich Timur Minditsch, ein enger Vertrauter Selenskyjs, der sich in Israel aufhält – Mudra Bargeld für die Kaution von Haluschtschenko übergeben habe.

Goldene Toilette, ganze Bank unter Kontrolle gebracht

Timur Minditsch, dessen goldene Toilette bei der Razzia in seiner Wohnung fotografiert wurde, ist seit dem Auffliegen des Energoatom-Skandals flüchtig. Der Kyiv Independent berichtet, dass Mudra in den Tonbandprotokollen von „Timur, einem israelischen Flüchtling“ spricht, der sie gebeten habe, die Kontrolle über die Sense Bank zu übernehmen. Mykytas soll geäußert haben: „Wenn Minditsch zahlt, dann können wir auch für andere, niedriger gestellte korrupte Beamte Geld aufbringen. Der Kanal ist schon da, und wir halten ihn offen.“

Die Ermittler werfen nun den Tatverdächtigen vor, die Bank de facto unter Kontrolle gebracht und über Scheinfirmen wie Hiran Konstrakt und Tetras Optima die Gelder gewaschen zu haben. Auch gegen den Vorstandsvorsitzenden der Sense Bank, Oleksij Stupak, und den Aufsichtsratsvorsitzenden Mykola Hladyschenko wird ermittelt. Mykytas selbst sitzt seit dem 21. August in Haft.

In der Ukraine werden die jüngsten Ermittlungsergebnisse im größeren Kontext mit dem Energoatom-Skandal gesehen: Dort sollen über Kickback-Systeme – von 10 bis 15 Prozent auf abgeschlossene Verträge – mehr als 100 Millionen US-Dollar abgezweigt worden sein. Die Operation „Midas“ hatte bereits 2025 zahlreiche hochrangige Persönlichkeiten belastet, Timur Minditsch gilt als einer der Hauptverdächtigen.

Iryna Mudra traf zahlreiche EU-Politiker

Für Politiker der EU-Staaten, die in den vergangenen Monaten Kiew besucht und mit vielen der hier genannten Tatverdächtigen für Social-Media-Fotos posiert haben, ist diese Entwicklung überaus unerfreulich: Noch am 31. März, also erst vor fünf Monaten, saß Iryna Mudra etwa mit Wolodymyr Selenskyj an einem Tisch mit einer Parlamentarier-Delegation aus den Staaten der Europäischen Union. Bei diesem Treffen mit dabei waren auch Anke Rehlinger, Vizepräsidentin des Bundesrats, und aus Österreich Henrike Brandstötter, Nationalratsabgeordnete der linksliberalen Neos und Vorsitzende der parlamentarischen Freundschaftsgruppe Österreich-Ukraine.

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Kommentare ( 4 )

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Bernd Simonis
15 Minuten her

Wirklich nur Spitze des Eisberg. Der eine oder andere wird für die Öffentlichkeit an den Pranger gestellt. Damit die anderen weitermachen können. Keine Ahnung, ca. 10 bis 25 Prozent der Hilfs Gelder werden abgezweigt.

Klaus Uhltzscht
16 Minuten her

In EU und NATO ist Korruption der herrschenden Kriegstreiber weit verbreitet.

Juri St.
33 Minuten her

Irgendwo müssen die zig Milliarden aus der EU ja bleiben. Ist nicht die erste und wird nich die letzte sein, die sich erwischen lässt.

Haba Orwell
37 Minuten her

> Iryna Mudra während einer Pressekonferenz der EU-Kommission | Brüssel

Der ganze Rest noch nicht in Handschellen abgeführt? Kommt es noch?