Klingbeil gibt dem Affen Zucker

Die süße Gier des Staates: Die Zuckersteuer ist ein teurer Etikettenschwindel. Angeblich will der Staat die Bürger gesünder machen. In Wahrheit braucht die Regierung Geld – und sucht es jetzt in der letzten Flasche Fruchtschorle.

picture alliance/dpa | Kay Nietfeld

Mit klebrigen Steuereintreiberfingern greift Lars Klingbeil nach Säften und Milchmixgetränken, nach Haferdrinks und alkoholfreiem Bier, nach Sirup und Instantpulver.

„Gesundheitsschutz“, rief der Bundesfinanzminister und glücklose SPD-Vorsitzende in Personalunion dabei. Und erklärte einen Satz später: Besteuert werden sollten künftig auch Getränke, die gar keinen Zucker enthalten, sondern Süßstoff. Klingbeil wollte also eine Zuckersteuer auf zuckerfreie Getränke erheben. Das entlarvt sein das Vorhaben. „Zucker“ ist nur der Vorwand. Tatsächlich geht es schlicht und einfach um mehr Geld für die Staatskasse.

Auch die „Lenkungswirkung“ der neuen Steuer ist ein schlechter Witz. Davon könnte man höchstens sprechen, wenn es einen klaren Anreiz für den Verbraucher gäbe: weniger Zucker, weniger Steuer. Doch nach Klingbeils Plänen ist es weitgehend egal, ob ein Hersteller die Rezeptur ändert und ob der Kunde zur zuckerfreien Alternative wechselt. Teurer wird es in jedem Fall.

Es geht nicht um die Gesundheit. Es geht um Haushaltskonsolidierung.

Chef Klingbeil opfert seine Mitarbeiter

Der öffentliche Aufschrei ist riesig. Völlig zurecht. Und der Bundesfinanzminister offenbart wieder einmal seinen wahren Charakter.

Plötzlich erklärt er auf Instagram, eine Besteuerung von Süßungsmitteln sei mit ihm auf keinen Fall zu machen. Ganz so, als habe er mit dem Vorschlag nichts zu tun. Dabei haben seine Mitarbeiter in seinem Ministerium in seinem Auftrag diesen Vorschlag überhaupt erst gemacht.

Jetzt distanziert er sich von seinen eigenen Plänen und lässt seine Mitarbeiter im öffentlichen Regen stehen. Lars Klingbeil ist die Art von Chef, die niemand haben will.

Handwerkliches Desaster

Im Ministerium von Lars Klingbeil arbeiten viele SPD-nahe Ideologen, die nicht unbedingt etwas von Steuern verstehen müssen. Das ist inzwischen so üblich in der linken Politik, dass Gesinnung um Lichtjahre wichtiger ist als Kompetenz.

So ist es zu erklären, dass im ursprünglichen Entwurf die abstrusesten Sachen drinstehen.

Reiner Fruchtsaft mit natürlichem Zucker bleibt steuerfrei. Verdünnt der Hersteller denselben Saft mit Wasser und senkt damit den Zuckergehalt, entsteht eine steuerpflichtige Schorle. Weniger Zucker führt also zu mehr Steuer.

Gesundheit als Vorwand für Abzocke
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Milch enthält von Natur aus rund fünf Gramm Zucker je 100 Milliliter. Die Einstiegsschwelle von 4,5 Gramm erfasst schon den Milchzucker. Zugleich tragen Milchmischgetränke zur Versorgung mit Calcium und Jod bei. Das ist gesundheitspolitisch seit vielen Jahren ausdrücklich gewünscht. Der Staat verkündet also gesunde Ernährung – und verteuert jetzt die passenden Produkte. Selbst Pflanzendrinks geraten ins Netz.

Auch alkoholfreies Bier und alkoholfreier Wein sollen zahlen. Wein wird mit null Euro besteuert, die Biersteuer ist niedrig. Die alkoholfreie Variante kann künftig teurer werden als das alkoholhaltige Original. Die Regierung bekämpft also den Alkohol, indem sie den Verzicht auf Alkohol teurer macht.

Wie irre kann man sein?

Statt der in Europa häufig verwendeten Schwellen von fünf und acht Gramm plant das Ministerium drei Stufen und einen Einstieg bei 4,5 Gramm. Das trifft Hersteller, die ihre Rezepturen bereits auf Werte zwischen 4,5 und fünf Gramm gesenkt haben. Ein politisch gewünschtes Verhalten wird nachträglich bestraft.

Nicht einmal der Steuergegenstand ist klar definiert. Es fehlen eindeutige Warencodes. „Granulate“ können Brausetabletten, Proteinpulver, Diät-Shakes und Getränkepulver umfassen. Offen bleibt die Behandlung von Produkten mit Zucker und Süßstoff. Ebenso fehlt ein Schutz vor Doppelbesteuerung: Zahlt erst der Sirup und danach noch einmal die Limonade, in der der Sirup verarbeitet wird?

BERLINS PATERNALISMUS
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Ungeklärt sind Steuerbefreiungen im Inland, Kontrollen, Zuständigkeiten und Erhebungsverfahren. Bei Importen dürften die Pläne gegen internationales Handelsrecht verstoßen: Die unterschiedliche Behandlung von Direktsaft und Konzentrat dürfte in der geplanten Form ziemlich sicher gegen die von Deutschland anerkannten Regeln der internationalen Handelsorganisation WTO verstoßen, weil Ware etwa aus Brasilien gegenüber heimischen Produkten benachteiligt wird.

Klingbeil will eine Milliardensteuer einführen – und weiß nicht, was er wie besteuern darf.

Und das Ganze soll schon ab 2027 wirken. Doch für das kommende Jahr sind die Verkaufsgespräche zwischen Herstellern und Handel längst geführt. Rezepturen, Verpackungen, Verträge und Warenwirtschaft lassen sich nicht auf Zuruf austauschen.

Das weiß man im Finanzministerium. Also geht es nicht um irgendeine „Lenkungswirkung“: Es geht ums Abkassieren in kurzer Zeit.

Ein Kompromiss, der keiner ist

Inzwischen kursiert ein Papier, bei dem es sich um einen „Kompromissvorschlag“ des Bundesfinanzministeriums handeln soll.

Darin steht der Satz: „An der Einbeziehung von Süßungsmitteln sollte festgehalten werden, um eine echte Lenkungswirkung in Richtung weniger süße Getränke zu erzielen und ein relevantes Steueraufkommen zu sichern.“

Offenbar hat Klingbeil seine eigenen Mitarbeiter noch nicht über seinen Meinungsumschwung informiert. Die Öffentlichkeit aber schon. Was sagt das über den Mann?

Weiter wird in dem Papier nun vorgeschlagen, auf die Besteuerung von Granulaten bzw. Instants zu verzichten. Aber nicht komplett, sondern „zunächst“. Reine Saftschorlen ohne weitere Zusätze sollen nicht besteuert werden. Auch alkoholfreie Weine, Biere und Schaumweine werden ausgenommen – „sofern sie nicht die Grundlage für Mischgetränke bilden“. Milchmischgetränke sollen ebenfalls nicht in die Besteuerung einbezogen werden – ebenfalls „zunächst“.

Der teure blinde Fleck

Ein wichtiger Punkt wird bisher in der öffentlichen Debatte kaum beachtet: Schon die Steuererhebung wird jeden Produzenten viel, viel Geld kosten.

Nimmt man die Kaffeesteuer als Blaupause, werden Produktionsstätten nämlich zum sogenannten „Steuerlager“. Das ist kein gewöhnliches Lagerhaus und auch kein Gebäude des Zolls. Es ist ein Betrieb oder Betriebsteil mit einem besonderen steuerrechtlichen Status: Dort dürfen verbrauchsteuerpflichtige Waren hergestellt, verarbeitet und gelagert werden, ohne dass die Steuer sofort bezahlt werden muss.

Sinn der Sache wäre bei der Zuckersteuer, dass das herstellende Unternehmen den Zucker nicht sofort versteuern muss – sondern erst, wenn zum Beispiel die Limonade im Handel ist, in der der Zucker verarbeitet wurde. Die Steuer auf den Zucker ist offiziell „ausgesetzt“, bis der Hersteller die zuckerhaltige Limo tatsächlich verkauft und damit Einnahmen erzielt hat. Die Steuer soll möglichst erst entstehen, wenn die Ware tatsächlich in den inländischen Wirtschaftskreislauf gelangt. Hersteller müssen keine Steuer auf noch nicht verkaufte Lagerbestände vorfinanzieren. Exporte werden nicht mit deutscher Verbrauchsteuer belastet.

Durchaus sinnvoll. Aber teuer.

Der Betrieb muss nämlich genau dokumentieren:
• welche Mengen hergestellt wurden,
• welchen Zuckergehalt die einzelnen Produkte haben,
• welche Mengen noch lagern,
• welche ausgeliefert, exportiert, vernichtet oder an andere Steuerlager abgegeben wurden.

Bei den bestehenden Verbrauchsteuern verlangt das Hauptzollamt deshalb typischerweise:

• einen Antrag mit Lageplänen,
• eine genaue Betriebserklärung,
• eine genaue Erläuterung der Produktions- und Lagerprozesse,
• eine gesonderte Buchführung,
• die jederzeitige Duldung von Kontrollen,
• gegebenenfalls eine finanzielle Sicherheit.

Teuer ist also nicht das Steuerlager selbst, sondern die Verwaltung: Software und Warenwirtschaft müssen angepasst werden. Jedes Produkt muss steuerlich separat eingeordnet werden. Der Zuckergehalt in den Rezepturen muss genau dokumentiert werden. Beschäftigte müssen geschult werden. Fehler können Nachzahlungen und steuerrechtliche Sanktionen auslösen.

Coca-Cola verteilt diese Kosten auf Milliarden Flaschen. Der regionale Mineralbrunnen, die Familienbrauerei und der kleine Lohnabfüller verteilen sie vielleicht auf einige Hunderttausend Flaschen. Die Zuckersteuer wird also absehbar zu einem erheblichen Wettbewerbsnachteil für den Mittelstand.

Die Steuer belastet nicht nur den Zucker. Sie begünstigt die Großen.

Der Staat als Steuer-Junkie

Die Zuckersteuer sollte für die Krankenkassen im kommenden Jahr 650 Millionen Euro und ab 2028 dann mindestens 450 Millionen bringen. Jetzt rechnet das Bundeslandwirtschaftsministerium allein bei Erfrischungsgetränken durch die Zuckersteuer mit rund zwei Milliarden Euro Mehreinnahmen pro Jahr. Natürlich werden die keinesfalls komplett den maroden Krankenkassen überwiesen.

Nein, ein großer Teil wird beim gierigen Lars und seinem löchrigen Etat hängenbleiben.

Dabei verfolgt Klingbeil die Taktik „erst erschrecken, dann nachbessern“. Die vielen Fehler im ursprünglichen Entwurf sind als Maximalversion durchaus gewollt: Zuckersteuer ohne Zucker, drei Tarife, widersinnige Produkte, Start im Eiltempo. Danach beginnt das Berliner Ritual: Einige Produkte verschwinden aus der Liste, die Schwelle steigt, Ausnahmen kommen hinzu. Die Regierung verkauft die kosmetische Korrektur als Ergebnis des Dialogs. Das Publikum soll glauben, die Kritik habe das Schlimmste verhindert. Der Rest erscheint als vernünftige Mitte.

Doch eine schlechte Steuer wird nicht dadurch gut, dass man ihre gröbsten Auswüchse dämpft. Der Kern bleibt ja unverändert: Der Staat verteuert Konsum, schafft Bürokratie, schwächt kleinere Hersteller und tarnt Einnahmebeschaffung als Fürsorge.

Die Zuckersteuer ist das Symptom eines Staates, dem das Geld ausgeht. Statt Ausgaben zu kürzen und Prioritäten zu setzen, greift er mit tausend Händen in jedes Regal und in die Taschen der Bürger.

Dieser Staat braucht keine Logik und keine Konsistenz, und er kennt keine Scham. Er braucht nur einen neuen Steuergegenstand. Heute ist es die Limonade. Morgen findet sich etwas anderes, das teurer werden muss.

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Kommentare ( 10 )

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yeager
18 Minuten her

Was kostet uns diese Steuer eigentlich?
Das hört sich nach ziemlich aufwendiger Verwaltung an, und unterm Strich kommt da nicht mal eine Milliarde bei rum. Da könnte man allein bei der Entwicklungshilfe mühelos weit mehr einsparen.
Da gibt es jetzt also neue Richtlinien die dann alle geprüft werden müssen, Produkte die evaluiert werden müssen, eine neue Steuerkategorie die zusätzlich abgerechnet werden muss.
Sowohl Produzenten als auch Staat haben dadurch zusätzliche Arbeit, da ist die erste Frage ob diese neue Steuer wenigstens all die Beamten finanziert, die dafür gebraucht werden.

Teiresias
24 Minuten her

Die Regierung BRAUCHT kein Geld, sie WILL Geld für ihre Hobbys wie z.B. die Ukraine, die Islamisierung oder die Weltbeglückung.
Da ist nichts, was uns zwingen worde, das alles zu bezahlen.
Alles freiwillige Leistungen aus Jux und Dollerei.
Oder aus Gehorsam gegenüber den USA.

Last edited 20 Minuten her by Teiresias
AlexR
17 Minuten her
Antworten an  Teiresias

Die ReGIERung hat genug Geld. Vielleicht sollte sie zuerst ihre unnützen Ausgaben überprüfen und dort ansetzen. Aber das kann keiner dieser tollen Politiker.

GP
25 Minuten her

Also ich kann den Finanzminister verstehen… der „gemeine“ Steuerzahler könnte in eine zuckerfreie Brause Zucker hinein tun und hätte dann ein zuckerhaltiges Erfrischungsgetränk ohne die dafür fällige Zuckersteuer entrichtet zu haben. Das geht gar nicht! Also Zuckersteuer auf alles was man trinken kann, wegen der Steuergerechtigkeit, und der Volksgesundheit, natürlich…. 😁🤪😎

Werner Meier
25 Minuten her

Klingbeil definiert Steuern bis zu zuckerfreien Getränken. Demnächst wird der Antifant das Regenwasser besteuern.

Umgekehrt hat der „Finanzministrierende“ noch kein Sparprogramm aufgelegt, eine Kettensäge liegt jenseits des Horizonts und selbst eine Laubsäge ist dem Antifanten fremd.

Klingbeil ist der schlüssige Beweis, dass das Studium von Politikwissenschaft und Soziologie für die Tonne ist.Der Mann könnte keinen Handwerkerbetrieb führen.

horrex
28 Minuten her

Sehr treffend skizziert, Lars‘ „Arbeitsweise“!

BellaCiao
28 Minuten her

Die Grüne Ricarda Lang hat die Erhebung der Zuckersteuer auf zuckerfreie Getränke scharf kritisiert. Die Grünen drohten somit der SPD in relevantem Umfang die Wähler abspenstig zu machen.

Das hätte die SPD schnell jeweils 2–3 % der Stimmen bei den unmittelbar bevorstehenden Landtagswahlen kosten können. Nur darum rudert Klingbeil jetzt hart zurück.

Will Hunting
33 Minuten her

Das beschreibt mal wieder wie sorgfältig die größte Firma in Europa geführt wird.
Liegt der Klingbeil die ganze Nacht wach und überlegt wir er uns noch mehr schaden kann?

Koepenicker
37 Minuten her

Jetzt distanziert er sich von seinen eigenen Plänen und lässt seine Mitarbeiter im öffentlichen Regen stehen. „
Auf dem verlinkten „Instagram“ Post schreibt Klingbeil dazu : „Ich stelle mich vor meine Leute. Sie müssen intern offen diskutieren und auch Vorschläge machen können, die am Ende nicht umgesetzt werden. Wenn jede interne Überlegung behandelt wird wie eine politische Entscheidung, wird diese Offenheit schwieriger.“.

U.S.
10 Minuten her
Antworten an  Koepenicker

Eine langjährig erfahrene Abteilungsleiterin im Finanzministerium hat Lars Kl….beil erst mal geschasst, strafversetzt, nachdem sie ihren „Chef“ mehrfach deutlich gesagt hatte, dass sie Lars Kl…beil,’s Budget Planung 2027 für unseriös halte, und als Ersatz hat er einen ihm treuen Ja- Sager um 3 Stufen nach oben befördert.

Dringendst benötigt werden die zusätzlichen Staatsschulden für: …..weitere Massenimmigrationen aus allen Armutsregionen unseres hoffnungslos überbevölkerten Planeten.

D.h., weitere Milliarden für d a s Lieblingsprojekt der SPD und Grünen: weitere Massenimmigrationen aus allen Armutsregionen unseres Planeten.