Die Abzocker: Bundesregierung setzt auf Suchtsteuern, um sich der Reformpolitik zu entziehen

Zur Finanzierung des Staatsdefizits schlägt Finanzminister Klingbeil die Einführung einer Zuckersteuer vor. Nach der Anhebung der Tabaksteuer wird zudem auch die Alkoholsteuer angehoben. Klar ist: Abgaben werden immer weiter steigen, um den politischen Eskapismus und die Reformverweigerung Berlins zu finanzieren.

picture alliance / Chris Emil Janßen | Chris Emil Janssen

Klimasozialismus und der nicht abreißende Strom an Sozialzuwanderern sind ökonomische Himmelfahrtskommandos. Hinzu kommt die Verdrängung der Industrietätigkeit durch destruktive Energiepolitik. All das setzt den öffentlichen Finanzen zu, der Schuldenberg gerät ins Wanken.

36,6 Milliarden mehr als vor einem Jahr
Staatsdefizit steigt auf 71,3 Milliarden Euro
Wie jüngst gemeldet, schnellte das öffentliche Defizit im ersten Halbjahr des laufenden Jahres auf 71,3 Milliarden Euro – 36,6 Milliarden Euro mehr als im Vorjahreszeitraum.

Merz und Klingbeil wissen, wie man das ganz große Rad dreht, zumindest wenn es darum geht, künftigen Generationen die Lasten ihres eigenen politischen Versagens um den Hals zu hängen. Setzt sich der Trend auch in der zweiten Jahreshälfte fort, wovon auszugehen ist, wird es düster. Dann werden zusätzlich die Ausgaben aus dem Sondervermögen und den Bereichsausnahmen – aus dem Klimafonds und der Rüstungseuphorie – zahlungswirksam. Es ist nicht zu hoch gegriffen anzunehmen, dass das Defizit für das gesamte Jahr spielend auf 180 Milliarden Euro ansteigen wird. Das wären dann 4,1 Prozent des BIP – Deutschland wäre Maastricht-Sünder, was niemanden mehr zu interessieren scheint: Also Schwamm drüber.

Die Frage lautet: Wie stabilisiert man die Staatsfinanzen, wenn man Remigration und das Ende der zerstörerischen Klima- und Energiepolitik vermeidet wie der Teufel das Weihwasser? Richtig: Man erhöht die Steuern, denen die Menschen kaum aus dem Weg gehen können. Vorzugsweise Verbrauchssteuern wie die Mehrwertsteuer oder die, nennen wir sie einmal, Suchtsteuern: Tabak-, Zucker- oder Alkoholabgaben.

Gesundheit als Vorwand für Abzocke
Na sowas: Bundesregierung plant Zuckersteuer sogar auf Zero-Getränke
Ab dem 1. Januar 2027 wird es ernst: Dann werden Zucker- und Alkoholsteuern gleichzeitig massiv ansteigen. Bei der Zuckersteuer sollen neben Limonaden auch Säfte, Milchgetränke, Eistees, Biermischgetränke und Fertigkaffees erfasst werden. Selbst zuckerfreie Cola-Zero-Produkte sind allein wegen der enthaltenen Süßstoffe ins Visier des Fiskus geraten. Vorgesehen sind 26 Cent bei geringem Zuckergehalt und bis zu 38 Cent bei mehr als zehn Gramm je 100 Milliliter. Klingbeil rechnet allein im ersten Jahr mit zusätzlichen Einnahmen von 650 Millionen Euro, danach jährlich mit weiteren 450 Millionen.

Parallel dazu wird die Alkoholsteuer um 20 Prozent angehoben – von 13,03 auf 15,64 Euro je Liter reinen Alkohols. Betroffen sind Spirituosen, Schaumwein, Alcopops und Likörweine. Bier und Wein bleiben davon verschont – man will es sich wohl mit den letzten Wählern nicht vollständig verscherzen. Im Falle der Alkoholsteuer veranschlagt das Finanzministerium zusätzliche 455 Millionen Euro pro Jahr. Dies alles klingt nach Kleinigkeiten – ein wenig fiskalischer Abrieb, ohne Bedeutung angesichts der gigantischen Defizite. Doch machen wir uns nichts vor: Gerade die unteren Einkommensschichten und die Alten, die der Inflation grundsätzlich nicht ausweichen können, sind hier die besonders Leidtragenden. SPD und soziale Gerechtigkeit? Das klingt so, als wäre die Union noch eine konservative Partei – es ist alles eine Farce.

Um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, dürfen wir uns auf eine Mehrwertsteuerdebatte freuen: Hier leistete das infernalische Fiskalduo Union/SPD bereits die Vorarbeit und kochte das Süppchen ein wenig vor. Es werden wohl zwei zusätzliche Prozentpunkte sein oder der Wegfall des reduzierten Mehrwertsteuersatzes von sieben Prozent – welche Schikane man uns auferlegt, steht noch in den Sternen.

So funktioniert postmoderne Demokratie: Der Steuerzahler wird bis zur letzten Sekunde über die tatsächlichen Lasten im Unklaren gelassen. Treibt es der Staat zu weit, kommt Kritik auf, setzt die Kakophonie der Moralisierer ein. Der Kritiker wird zum Staatsfeind, der Leistungsträger zum moralisch verpflichteten Solidarpartner einer Politik, die von ihrem ideologischen Furor aus Massenmigration, Klimaunfug und Rüstungseuphorie nicht ablassen kann.

Steuerpolitik ist stets Machtpolitik. Das trifft erst recht auf Suchtsteuern wie die Zuckersteuer, die Tabaksteuer oder auch die Alkoholsteuer zu.

Es ist purer Zynismus und Anmaßung des Staates, die Bürger mithilfe künstlicher Preiserhöhungen auf einen ideologisch reinen, vermeintlich gesunden Pfad hinbewegen zu wollen. Gesunde Ernährung, keine Flugreisen mehr, Verbrenner-Aus – die krakenartigen Arme der Ideologen halten unseren Lebensalltag fest verschlungen. Sie regieren bis auf den Frühstückstisch. Dabei ist der Konsum bestimmter Narkotika beileibe nicht Sache des Finanz- oder Gesundheitsministers. In einer freien Gesellschaft entscheidet das Individuum selbst, wie es zu leben gedenkt. Dies gilt im Übrigen auch für die Versicherungen, mit denen man sich gegen die Folgen des eigenen Lebensstils absichert und für die man selbst geradesteht – dazu schufen intelligente Köpfe einst das Versicherungswesen.

Nein, im Grunde geben sie es auch zu: Das Schlimmste, was geschehen könnte, wären Bürger, die dem Preissignal tatsächlich folgten – und ihren Konsum von Zucker, Alkohol und Tabak drastisch reduzierten. Im Falle der Zuckersteuer plant der Finanzminister mit einem zusätzlichen Steuervolumen von über 4 Milliarden Euro binnen weniger Jahre. Rauchen, saufen und Süßigkeiten verspeisen wird so unfreiwillig zur finanziellen Stütze eines Staatsapparats, der sich sein fiskalisches Loch mit immer neuen Abgaben tiefer gräbt.

Hier stimmen die Maße längst nicht mehr: Ein Staat mit einer Staatsquote von über 52 Prozent ist verwaltungstechnisch verfettet und taumelt selbst wie ein Betrunkener der Schuldenkrise entgegen. Es müsste so sein wie in Argentinien: Sollte Präsident Javier Milei sein Gesetz durchsetzen, wäre es dem Kongress schlichtweg untersagt, neue Schulden aufzunehmen.

Denn am Ende steht es so: Verantwortungslose Politiker – und sie finden sich nun einmal in sämtlichen Parteien – werden, solange es den billigen Kredit und das Füllhorn des Fiat-Geldes gibt, stets mit diesem Füllhorn auf Wählerstimmenfang durch die Länder ziehen. Diese Politik ist so alt wie der Stimmenfang selbst – so alt wie jene nicht als Korruption ausgewiesene Manipulation der öffentlichen Meinung mithilfe von Staatsschulden, die andere zu einem späteren Zeitpunkt entweder über höhere Abgaben oder über Inflation zu entgelten haben.



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Kommentare ( 73 )

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roffmann
13 Tage her

Kinder kauft Kämme !…. es kommen lausige Zeiten ? Gibt es schon eine Kammsteuer ? Schminksteuer, Haarschnittsteuer ?

Nibelung
12 Tage her
Antworten an  roffmann

Die Besteuerung der Luft ist ja teilweise auch schon im Klimapaket mit drin und das alles kann ja noch heiter werden, wenn sich Totalitäten im Land tummeln, wo man sich fragen muß für was sie überhaupt bezahlt werden, indem sie uns systematisch ruinieren. Die wenigsten stellen sich die Frage woher das alles kommt und die irrige Ansicht, es handele sich um politisches Unvermögen oder Fehlverhalten kann man vergessen, denn das ganze findet generalstabsmäßig statt, wo sich das altbekannte Kapital heutzutage neutral in einer Fondgesellschaft namens Black Rock versteckt und das auch noch mit dem CEOaus eigenen Reihen, der die Geschicke… Mehr

Alf
13 Tage her

Es müsste so sein wie in Argentinien: Sollte Präsident Javier Milei sein Gesetz durchsetzen, wäre es dem Kongress schlichtweg untersagt, neue Schulden aufzunehmen.
Wie lange wollen wir diesem Kasperletheater also noch zuschauen?

A-Tom
12 Tage her
Antworten an  Alf

Es ist gibt diesen Artikel bereits im Grundgesetz; Art. 155 des GG besteht genau aus 2 Absätzen.
Hier ist die Version von 1969:
https://www.bgbl.de/xaver/bgbl/start.xav?start=%2F%2F*%5B%40attr_id%3D%27bgbl169037.pdf%27%5D#/switch/tocPane?_ts=1787672195401
Und hier ist die Version von heute:
https://dejure.org/gesetze/GG/115.html
Das Junktim, welches diesen Artikel mehr und mehr aufgeweicht hat, besteht eben nur zu 50% aus den Politikern. Die andere Hälfte nennt sich die Gruppe der Wähler.

Schlaubauer
11 Tage her

Hoffentlich trifft die Steuer ncht das Zuckerfest!

moorwald
12 Tage her

Warum wird nicht einfach der Zucker selbst besteuert? Weil der Zucker als solcher viel weniger von den Konsumenten verbraucht wird (in der heimischen Küche) denn als Bestandteil von Getränken

giesemann
11 Tage her
Antworten an  moorwald

… und wer säuft die Gesöffe?

MachiavelliNiccolo
12 Tage her

Der Wähler hat sich diese Gestalten immer und immer wieder herbeigewählt. Deshalb gehe ich bei vielen auch hier von großer Zufriedenheit mit dieser absehbaren Politik aus. So what

Tom Engel
12 Tage her

Neueste Meldung: Der „kleine Lars“ gibt bekannt, das es KEINE Zuckersteuer auf Coke Light & Co. geben wird. Natürlich ist er nun der Retteter der „seine Beamten“ in die Schranken verwies….

Was für ein angekatertes Getue…

moorwald
12 Tage her

Nach den „Hitzetoten“, „Coronatoten“, „Rauchertoten“ müßten nun bald die „Zuckertoten“ kommen.
Es gab mal einen Dr. Bruker, übrigens SA-Mitglied, der so ziemlich alle menschlichen Krankheiten auf den Genuß von „Fabrikzucker“ und anderen „vitalstoffarmen“ Lebensmitteln zurückführte.
Eine von vielen monistischen Heilslehren.

Dieter
12 Tage her

Aus der -guten – Idee, eine ABGABE auf hohe Zuckerzugaben mit zweckgebundener Verwendung in den Krankenkassen ist ganz schnell eine pauschale Steuer geworden.
Jetzt wird nal wieder fleißig polemisiert, wild Schaum geschlagen , dann zurückgeruderd (Klingbeil- mit mir nicht..klar..) und alle sind glücklich das „nur“ eine 15% Steuer für die Waffenproduktion dabei raus kommt..
wie waren die letzten Versprechen? Tanken für die Rente (also Steuer rauf..) und rauchen gegen den Terror (also Steuer rauf.:) wo bleibt die Kohle? in dubiosen Regierungs GO s…

Last edited 12 Tage her by Dieter
Schlaubauer
11 Tage her
Antworten an  Dieter

Wo soll da die gute Idee versteckt sein? Die steht krass im Widerspruch zu ABGABE. Genau das ist die Vorbereitung für die Zuckersteuer?

Dieter
7 Tage her
Antworten an  Schlaubauer

das ist ja das, was ich geschrieben hatte…

moorwald
12 Tage her

Wuißten Sie schon, daß es zwei Klingbeils gibt? – Sie werden vermutlich sagen: Mir ist einer schon zuviel.
Aber aufgemerkt:
Der Finanzminister K. muß sich einen möglichst hohen Konsum zuckerhaltiger Getränke wünschen, damit die .neue Steuer auch was bringt.
Der Hobby-Gesundheitsminister dagegen müßte als letztes Ziel einen Verbrauch von null anstreben.
„Der Wahnsinn, wenn er endemisch wird, heißt Vernunft.“
(Oskar Panizza)
Achtung: Wenn Politiker von „den Menschen“ oder „unseren Kindern“ fabulieren, wollen sie uns entweder weiter gängeln oder an unser Portemonnaie.- meistens beides, denn das ist ihr Daseinszweck.

Mausi
12 Tage her

„Versicherungen, mit denen man sich gegen die Folgen des eigenen Lebensstils absichert“: Und wenn ich mir ansehe, wie gestaffelt inzwischen die Autoversicherung ist (Garage, Eigentum, Alter, Fahranfänger…) dann kann ich nur sagen: Gebt die Krankenversicherung frei. Wer dann Vollkaskoversicherung wünscht, die Schwangerschaftsabbruch, Kinderwunsch, Süchte, Sportunfälle – kann jede Versicherung für sich definieren, Versorgung mit allermodernsten Medikamente (jünger als ?? Jahre) und allermodernste Untersuchungen (Geräte jünger als ?? Jahre) versichert, muss extra zahlen. Und dann müssen die Krankenkassen Rücklagen aufbauen, die nicht einfach mal eben von der Politik abgeschmolzen werden können. Es kommt ja auch keiner auf die Idee, Unternehmen die… Mehr

BellaCiao
12 Tage her

Steuererhöhungen werden ganz sicher beschlossen. Angefangen mit der Märchensteuer. Zudem wird die „Zuckersteuer“ kommen und parallel auch die Alkohol- und Tabaksteuer erhöht.

Sobald das durch ist, hat die Bundesregierung schon „Reformen“ geliefert. Wenn die Koalition es dann noch schafft, den Mittelstand auch nur mit einem symbolischen Betrag zu entlasten, dann ist die „große Reform“ für mehr Wachstum (der Steuereinnahmen) komplett vollbracht.

Gleichzeitig wird sogar auch noch die „Erderwärmung in Deutschland“ (sic!) weiter „zurückgedrängt“. Mit anderen Worten:

Die Degrowth-Politik – also das wirtschaftliche Schrumpfen – wird „unbeirrt“ weiter fortgesetzt. Somit ein voller Erfolg der Regierung auf der ganzen Linie.

Last edited 12 Tage her by BellaCiao
Endlich Frei
12 Tage her

Und wofür das Ganze? Damit der Kanzler auf der nächsten internationalen Entwicklungshilfe-, NGO- oder Kima-Konferenz im Vorbeigehen mal eben wieder ein paar Hundert Millionen Euro für Fahrradwege in Peru, Kühlschlränke in Kolumbien, „Förderung von positiver Maskulinität“ in Ruanda oder Gender in Afghanistan rauspfeffern kann ?
Man sollte die „Zuckersteuer“ ehrlicherweise in „Gendersteuer“ umbenennen, denn der Aufwand für internationale Genderprojekte in der Entwicklungshilfe kostet dem Steuerzahler jährlich genau das, was die „Zuckersteuer“ ihm an Mehreinnahmen aus den Taschen ziehen soll. Soviel zu Einsparmöglichkeiten.

Die Partei, die die Abschaffung dieser Steuern verspricht, erhält mein Kreuz bei den nächsten Wahlen !