Na sowas: Bundesregierung plant Zuckersteuer sogar auf Zero-Getränke

Die geplante Zuckersteuer soll offenbar auch Cola Zero, Säfte, Milchgetränke und weitere bislang kaum bekannte Produktgruppen erfassen. Kurz vor wichtigen Landtagswahlen die nächste Wahlempfehlung für die AfD.

picture alliance/dpa | Kay Nietfeld

Die geplante Zuckersteuer der Bundesregierung soll offenbar erheblich umfassender ausfallen als bislang bekannt. Nach einem Papier aus dem Bundesfinanzministerium, über das die BILD berichtet, sollen neben klassischen Limonaden auch Säfte, Milchgetränke, Eistees, Biermischgetränke und Fertigkaffees erfasst werden. Besonders bemerkenswert: Selbst zuckerfreie Getränke mit Süßstoffen wie Cola Zero sollen besteuert werden. Die neue Steuer könnte außerdem bereits 2027 kommen und damit ein Jahr früher als zunächst vorgesehen.

Das ist eine ungeheuerliche Entwicklung für eine Abgabe, deren politische Begründung ursprünglich mal der Zucker war. Die von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) eingesetzte Finanzkommission Gesundheit hatte ein gestaffeltes Modell vorgeschlagen: Getränke mit weniger als fünf Gramm Zucker je 100 Milliliter sollten steuerfrei bleiben, zwischen fünf und acht Gramm waren 26 Cent je Liter vorgesehen, darüber 32 Cent. Getränke mit Süßstoffen sollten ausdrücklich ausgenommen werden. Nun plant das von Lars Klingbeil (SPD) geführte Finanzministerium offenbar, auch diese Ausnahme zu kassieren. Vati Staat braucht Geld.

Für Zero-Getränke werden nach den inzwischen bekannt gewordenen Plänen 26 Cent je Liter genannt. Je nach Produkt und Ausgangspreis könnten die Preisaufschläge erheblich ausfallen; die BILD spricht von bis zu 36 Prozent. ⁠Gleichzeitig hat sich die finanzielle Dimension des Vorhabens bereits verschoben. Im Frühjahr war noch von rund 450 bis 500 Millionen Euro Einnahmen jährlich die Rede. Im Juli nannte Gesundheitsministerin Warken für das kommende Jahr bereits 650 Millionen Euro. Das Geld soll die gesetzlichen Krankenkassen entlasten.

Spätestens hier endet die ernährungspolitische Begleitmusik. Wer ein Getränk ohne Zucker mit einer Zuckersteuer belegt, hat die eigene Begründung gleich mit abgeschafft. Was ohnehin jeder wusste, springt einem sozusagen mit dem nackten Hintern ins Gesicht: Es geht nicht um Gesundheit, sondern um das Füllen klammer Staatskassen. Der Staat braucht immer mehr von dem Süßgetränk Steuerzahlerbrause. Also bekommt eine neue Einnahmequelle einen gesundheitspolitisch wohlklingenden Namen und wird anschließend so weit aufgedreht, bis möglichst viele Verbraucher hineinpassen.

Das Ganze wirkt wie eine gigantische Wahlempfehlung für die AfD, ausgestellt von CDU und SPD höchstpersönlich. Die AfD liegt aktuell je nach Institut bei 27 bis 29 Prozent und damit deutlich vor der Union. Infratest dimap sah sie Anfang August bei 28 Prozent, CDU und CSU bei 21 Prozent. YouGov maß zuletzt 28 zu 20 Prozent. Bei INSA waren es am vergangenen Wochenende 29 zu 21 Prozent. Die SPD dümpelt bei zwölf Prozent. Das dürfte hiernach weiter ganz schnell abwärts gehen.

Man könnte daraus schließen, dass eine Bundesregierung in dieser Lage alles daran setzt, den Bürgern einen nachvollziehbaren Grund zu liefern, ihr noch einmal zu vertrauen. Schwarz-Rot entscheidet sich für Besteuerung der schwarzen Cola-Null.

Millionen Menschen erleben seit Jahren, wie Energie, Wohnen und der alltägliche Einkauf immer und immer teurer werden. Bei steigenden Arbeitslosenzahlen. Der Staat langt bei Einkommen und Konsum ohnehin kräftig zu. Die Sozialabgaben steigen. Zugleich wächst der Finanzbedarf eines Staates weiter, der seine Ausgabenprobleme regelmäßig mit neuen Belastungen seiner Bürger beantwortet. Jetzt wird sogar der Griff ins Getränkeregal zur nächsten Gelegenheit für den Fiskus.

Jahrelang wurde den Menschen erklärt, sie sollten weniger Zucker konsumieren. Hersteller änderten Rezepturen, Verbraucher stiegen auf zuckerfreie Varianten um. Die Bundesregierung hat im Juni selbst mitgeteilt, dass die von der Wirtschaft gesetzten Ziele zur Zuckerreduktion bei Erfrischungsgetränken erreicht worden seien. Die politische Antwort auf diese erfolgreiche Zuckerreduktion lautet nun offenbar: Dann besteuern wir eben die Getränke ohne Zucker noch obendrauf.

Damit entlarvt sich eine weitere Lenkungssteuer als fiskalisches Chamäleon. Erst soll der Bürger sein Verhalten ändern. Ändert er es, wandert die Steuer hinterher.

Für die Union ist der Vorgang noch verheerender. Der CDU-Parteitag hatte eine Zuckersteuer zuvor mehrheitlich abgelehnt. Im Frühjahr gab die Bundesregierung auf eine Anfrage der AfD noch zu Protokoll, dass der Koalitionsvertrag keine Steuererhöhungen vorsehe. Wenige Wochen später verdichteten sich die Pläne. Im April gab die Regierung die Einführung ab 2028 bekannt. Inzwischen geht es um 2027 und um ein deutlich größeres Sortiment. Na, fühlen sich jetzt alle wohl, die ihr Kreuzchen beim großen Merz gemacht haben?

Aus der Union kommt inzwischen der vertraute Sound einer Partei, die bei Vorhaben der eigenen Regierung gern so klingt, als sitze sie in der Opposition. Der finanzpolitische Sprecher der Unionsfraktion Fritz Güntzler erklärte zu Klingbeils Papier, es handle sich zunächst um ein „Arbeitspapier“ und die endgültige Ausgestaltung bleibe dem Gesetzgebungsverfahren vorbehalten. Der Bürger kennt dieses Ritual inzwischen: Die SPD fordert, die Union täuscht Bedenken vor, obwohl sie irgendwo zugestimmt hat und anschließend kommt die nächste Belastung.

Und dann wundert man sich im Konrad-Adenauer-Haus über die Umfragen. Merz ist der unbeliebteste Politiker im jüngsten Ranking. Weit abgeschlagen. Letzter Platz. TE hat schon viele Jahre vor seiner Wahl erklärt, was die Bürger unter ihm zu erwarten haben.

Die AfD braucht für ihren derzeitigen Höhenflug kaum noch eigene Wahlkampfideen. Schwarz-Rot liefert das Material frei Haus. Eine Regierung, die mit dem Versprechen wirtschaftlicher Erholung und einer politischen Kurskorrektur angetreten ist, diskutiert inzwischen darüber, wie der Staat selbst aus einer zuckerfreien Cola noch zusätzliche Einnahmen abmelken kann. Wie verkommen kann man eigentlich noch sein? Das alles wenige Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, wo die AfD in den Umfragen mit großem Abstand führt.

Die AfD könnte sich teure Plakatkampagnen sparen und einfach das Papier aus Klingbeils Finanzministerium verteilen. Mehr Wahlkampfhilfe kann eine Bundesregierung ihrer schärfsten Konkurrentin kaum leisten.



Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 30 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

30 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Stefan Tanzer
17 Minuten her

Wer hat denn je geglaubt, dass es nur um die Gesundheit ginge? Genauso wird auch die Mehrwertsteuer erhöht werden. Denn man will weiterhin an sinnlosen Ausgaben wie etwa Entwicklungshilfe, NGOs oder Kosten für Bürgergeld (was ohnehin ein Treppenwitz ist) sowie Flüchtlinge festhalten. Es geht rein um Ideologie und da sind solche Überlegungen zur Betrachtung der Ausgabenseite nur Fehl am Platz. Die Ausgabenseite wird lediglich dann betrachtet, wenn es darum geht, dem zahlenden Bürger mehr wegzunehmen, wie etwa beim Elterngeld, welches man nie angepasst hatte – auch nicht an die Inflation – und wodurch dieses bereits mehr als 40% an Wert… Mehr

OJ
27 Minuten her

Fast stündlich zeigen die Politiker ihr wahres Gesicht, dumm, dümmer, am dümmsten ❗
Klingbeil und sein Ministerium überlegt schon, eine CO2-Abgabe auf den Ladestrom von E-Autos zu erheben, weil sie wie Verbrenner vier Räder haben.

humerd
16 Minuten her
Antworten an  OJ

Ladestromsteuer, Kilometerabgabe E-Auto-Fahrer könnten künftig zur Kasse gebeten werdenJe mehr Elektroautos auf den Straßen fahren, desto weniger Kfz-Steuer nimmt der Staat ein. https://www.focus.de/auto/elektroauto/neue-abgaben-e-auto-fahrer-koennten-schon-bald-zur-kasse-gebeten-werden_2ba92b60-63d7-47bb-8da4-a6e91a501596.html Richtig e-Autos haben auch 4 Räder und diese 4 Räder verursachen Abrieb und dieser Abrieb ist böser Feinstaub und am bösen Feinstaub ersticken doch die Leute, obwohl die Luft noch nie so sauber war. Zudem benötigen auch e-Autos Straßen, weshalb sollen die nur von den bösen Verbrennerfahreren finanziert werden? Es wäre wirklich an der Zeit, dass sich auch e-Auto Fahrer an den Kosten beteiligen, schließlich kassieren sie beim Kauf Subventionen, werden in vielen Städten bei Parkplätzen bevorzugt,… Mehr

Andreas F
14 Minuten her
Antworten an  OJ

Es ist nicht Dummheit. Es ist Hass auf das deutsche Volk. Hass auf eigenständige Menschen. Hass auf alles, was nicht faschistoid linksextrem ist.
Es ist Verrat am Volk.

BellaCiao
11 Minuten her
Antworten an  OJ

In Großbritanien gibt es schon die „Wegsteuer“ für Elektro-Autos. Ist auch irgendwie „gerecht“, denn die Verbrennerfahrer müssen ja Kraftstoffsteuer bezahlen. Das sind in DE 2-stellige Milliardenbeträge im Jahr die sonst ja ersatzlos wegfielen. Nicht auszudenken.

Teiresias
28 Minuten her

Derweil hat Peru wieder 100mio€ als Geschenk bekommen – diesmal für allgemeinen „Umweltschutz“.
Der Ukrainekrieg wird mittlerweile höher finanziert als die Wiedervereinigung.
Die Fremdstaatenfinanzierung hat Ausmaße angenommen, die die Staatshaushalte der meisten Staaten dieser Welt überschreiten.
Nichts davon ist zwingend oder verpflichtend – es ist im Grunde ein teures Hobby, daß sich „unsere“ Eliten von uns bezahlen lassen.

Weil wir ein reiches Land sind und es uns leisten können.

AmpelFluechtling
31 Minuten her

Zwei Länder die bereits eine Zuckersteuer haben, Großbritannien und Kanada, haben es genauso gemacht. Auch auf Zero Getränke. In Kanada wird die 73% Alkoholsteuer sogar auf alkoholfreies Bier fällig. Und süße Schnäpse die Zucker und Alkohol enthalten kann man gleich doppelt besteuern! Gute 110% Steuern fallen dann an.

Keine Sorge, der Staat wird immer Möglichkeiten finden sich zu bereichern. Da ist Deutschland keine Ausnahme sondern eher nur Mitläufer.

littlepaullittle
33 Minuten her

Warum nicht alles andere mit Zucker oder Zuckeraustauschstoffen ?
Wir lassen uns jetzt die Bananen von Verwandten aus Frankreich mitbringen.
Die Mauer ist längst wieder da.

Paul Brusselmans
34 Minuten her

Siegmunds Siegeszug in Sachsen-Anhalt dürfte mehr als nur AfD sein. Er erinnert mich zunehmend an die Gelbwesten-Bewegung in Frankreich. Ein allgemeines „es reicht“. Die „extreme Mitte“, wie der franko-kanadische (rechte) Soziologe Mathieu Bock-Coté so schön sagt, implodiert.
Interessant ja auch die Bewertung der Sonderschulden Infrastruktur und Verteidigung durch den volkswirtschaftlichen Bericht der EU-Kommission. Diese Billion wurde unter der Prämisse akzeptiert, sie diene der Schaffung einer Grundlage für starkes Wirtschaftswachstum bzw. der Verteidigungsbereitschaft. Sollte das Geld anderweitig verwendet werden, dürfte Deutschland nicht lang auf ein Defizitverfahren warten – der Lehrmeister übrigens gegenüber Griechenland und anderen Südstaaten…

humerd
15 Minuten her
Antworten an  Paul Brusselmans

 der Lehrmeister übrigens gegenüber Griechenland und anderen Südstaaten…
war Deutschland, weil Deutschland der Zahlmeister war.

WIING
35 Minuten her

Dieser Staat verbietet einem im weiten Sinne das Wählen.
Ob bezüglich Partei oder Autokauf, Heizungsbau oder Hobbies wie Rauchen und Trinken.
Zur Beruhigung darf man 1x/Jahr das Geschlecht wählen.
Das nennt man aus Gewohnheit immer noch – Demokratie!

Last edited 33 Minuten her by WIING
Bernd Simonis
36 Minuten her

Es ist nicht jedermanns Sache, nur reines Wasser zu trinken, obwohl das gesund wäre. Man sollte sich freuen, wenn die Bürger möglichst wenig Alkohol trinken. Man sollte daher den Leuten ihre Cola oder was auch immer gönnen. Wer da dran geht, der kann in der Tat auch gleich die Atemluft besteuern, nicht als Witz, sondern ernst gemeint.

Andreas F
13 Minuten her
Antworten an  Bernd Simonis

CO2-Steuer. Das ist die Steuer auf Atemluft

Caracalla
38 Minuten her

Oh Mann, wie verzweifelt muss die Regierung bei der Finanzierung des Staatshaushalts sein, wenn nun sogar eine Zuckersteuer erhoben wird und das auch auf Produkte, die gar keinen Zucker enthalten? Warum nennt man sie nicht direkt Abzocksteuer? Und wann wird der Zehnt wieder eingeführt?

BellaCiao
38 Minuten her

Na, für unsere woke Regierung ist das doch klar: Es schmeckt süß, also muss auch die Zuckersteuer drauf. Logisch! Denn es lohnt sich.

Last edited 38 Minuten her by BellaCiao