Im Wahlkampf haben sie versprochen, alle Wohltaten zu behalten, die Orbán einführte, und noch etwas darüber hinaus. In Wahrheit wird der finanzielle Spielraum gering sein.
IMAGO / Anadolu Agency
Noch ist die neue Regierung in Ungarn nicht im Amt, aber immerhin gab der Chef der neuen Regierungspartei, Péter Magyar, eine Pressekonferenz und sagte konkrete Dinge. Daneben versuchen die Journalisten, die im Wahlkampf gute Kontakte zu Tisza pflegten, herauszufinden, was denn der Plan ist – denn im Wahlkampf verriet Péter Magyar recht wenig.
Zunächst die öffentlichen Informationen: Die neue Regierung wird den Euro einführen (erst einmal ein Datum für dessen Einführung bekanntgeben), der EU-Staatsanwaltschaft beitreten, und auch die Wiederaufnahme in den Internationalen Gerichtshof beantragen, aus dem Ungarn unter der Regierung von Viktor Orbán ausgetreten war.
Die neue Regierung will, nach dem Vorbild der polnischen Regierung (als jene die konservative PIS-Regierung ablöste), alle politischen Sendungen und Nachrichtenprogramme des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aussetzen, bis dessen Redaktionen mit „unabhängigen” Journalisten besetzt sind. Wer werden sie sein?
Niemand weiß es, aber aus journalistischen Kreisen ist zu hören, dass Redakteure des Tisza-eigenen „unabhängigen” Mediums kontroll.hu in Frage kommen, und dort auch voller Hoffnung sind, an die gut dotierten Positionen zu kommen. Kontroll.hu wird geführt von Péter Magyar’s Bruder, Márton Magyar. Chefredakteur ist der prominente Tisza-Politiker Béla Tarr, der allerdings auch ins Parlament gewählt wurde. Das dürfte unvereinbar sein mit einer Aufgabe in den öffentlich-rechtlichen Medien.
Eine wesentliche Frage ist, ob die bisherigen regierungskritischen Medien auch unter einer Tisza-Regierung kritisch bleiben, oder eher deren Erfolge feiern werden. Das hängt auch davon ab, wie verwundbar diese Redaktionen wirtschaftlich sind. Printmedien wie die Wochenzeitung „Magyar Hang” müssen sich Sorgen machen über das Hetz-Potenzial des neuen Regierungschefs: Wenn er sagt, dass er die Zeitung, die ihn bislang unterstützte, als Gegner betrachtet, dann kann das zu massenhaften Abo-Kündigungen führen. Digitale Medien, die auch zum Teil aus Zuwendungen der EU und diverser NGOs leben, wie Telex oder 444, dürften weniger exponiert sein – es sei denn, diese Geldgeber betrachten sich als Unterstützer der neuen Regierung.
Finanziell wird der Spielraum sehr eng sein für großzügige Gebärden der neuen Regierung, zudem möchte sie – diesen, nicht gesicherten Informationen zufolge – den Preistopp der Orbán-Regierung für bestimmte Basisprodukte des täglichen Bedarfs aussetzen. Damit sollte ursprünglich die Inflation gebremst werden, aber bei Tisza denkt man, dass es die Inflation eher antreibt, weil Händler dann eben die Preise für andere Produkte anheben. Das würde auch bedeuten, dass die gegenwärtig gedeckelten Benzinpreise steigen, was ein zentrales Wahlkampfthema Orbáns war: Unter Tisza würde das Benzin so viel kosten wie in Deutschland. Das könnte nun tatsächlich eintreten. Das alles bedeutet, dass Tisza seine Wähler erstmal nicht finanziell belohnen kann.
Den – wie gesagt ungesicherten – Informationen zufolge sollen chinesische und deutsche Firmen, die in Ungarn tätig sind, den Tisza-Wahlkampf unterstützt haben, um sich im Falle deren Sieges mit der neuen Führung gut zu stellen. In seiner Pressekonferenz am Monat sagte Péter Magyar, er wolle mit China eine gute Zusammenarbeit fortführen, insoweit sie nicht schädlich sei für Ungarn. Er sagte auch – in krassem Gegensatz zu seinen Verlautbarungen im Wahlkampf – dass er durchaus auch russisches Öl kaufen würde. Es sei ihm nicht wichtig, wo das Öl herkomme, sondern nur, ob es das billigste sei. Zudem will der die Energiequellen auch „diversifizeren”. Damit übernimmt er im Großen und ganzen die Orbánsche Energiepolitik.
Péter Magyars erste Auslandsreisen werden nach Polen, Wien und Brüssel führen. Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk unterstützte Péter Magyar aktiv in dessen Wahlkampf mit Schreckensmeldungen über angebliche „russische Einflussnahme”. Auch der österreichische Bundeskanzler Karl Nehammer traf sich mit Magyar und versprach gute Zusammenarbeit.
In Brüssel dürfte Magyar mit Ursula von der Leyen die frohe Botschaft verkünden, dass die EU-Gelder, die man bislang der Orbán-Regierung unter diversen Vorwänden verweigert hatte, bald überwiesen werden. Im Gegenzug wird Tisza den Notkredit für die Ukraine nicht mehr blockieren, und wohl auch nichts einwenden gegen das Vorhaben einer Abschaffung des Vetos bei EU-Abstimmungen. Einen beschleunigten EU-Beitritt der Ukraine lehnt Péter Magyar offiziell ab, er hat aber nicht gesagt, dass seine Regierung dagegen Widerstand leisten werde.






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Der Punkt ist: Ungarn hängt vom Geld der EU ab. Entsprechend ist auch die Macht der EU in Ungarn.
Der österreichische Bundeskanzler heißt Christian Stocker. Nehammer war sein Vorgänger und ist raus aus der Politik.
Alles in allem: Korruption und Zerstörung des Landes und seiner Eigenheiten à la EU. Die Ungarn bekommen geliefert, was sie bestellt haben. Ich befürchte, sie werden ihre Wahl noch sehr bereuen.
Wen den Ungarn zu wohl wird gehen sie in die EU, oder so ähnlich.
Das „MCC“ wird wohl in seiner jetzigen Ausrichtung nach neuen Geldgebern suchen müssen. Denn wenn die „MOL“ (ein ungarischer multinationaler Öl- und Gaskonzern, mit engen wirtschaftlichen Verbindungen zu Russland ) keine 50 Millionen Euro Dividenden pro Jahr mehr auszahlt ,wird es dünn mit der Finanzierung. Das „MCC“ und das „MCC-Brüssel“ ist durch seine Nähe zu Organisationen wie der „Heritage Foundation“ (jenem US Think-Tank der das „Project 2025“ für Trump erarbeitete) sehr vielen ,ein riesiger Dorn im Auge. Also entweder das „MCC“ schafft es sich neue Geldgeber zu besorgen (zum Beispiel aus den USA) oder es wird komplett neu ausgerichtet. Damit… Mehr
Wenn sich Magyar gegen russisches Erdgas und wohl auch Erdöl positioniert, dann freut dies den Diktator Selenskyi in Kiew und die Typen in Brüssel, kostet aber Ungarn insgesamt viel Geld.
„Tisza“ – ist rein zufällig (wohl ehr nicht) auch der Name eines Flußes der 1000 Jahre lang zu Ungarn gehörte – die Theis. Woher kommt Orbans Groll auf Europa? Sein Motiv ist tief in der europäischen Geschichte des „französischen Faschismus“ vergraben. schon seit Ludwig XIV und dann insbesondere von den Napoleonen – von dem Ungarn und Deutsche gleichermaßen betroffen sind. Den Raub historischer Gebiete die über 1000 Jahre dem ungarischen Volk gehörten(Siebenbürgen und die Theiseben) und jene die dem deutschen Volk seit über 1000 Jahren gehörten (linksrheinische Gebiete) Aber das sind historische Fakten denen Orban nachgetrauert hat, die auf absehbare… Mehr
Orban hat keinen Groll gegen Europa sondern gegen die diktatorische EU! Das hat weniger mit der Geschichte zu tun als das tiefe Verständnis was Demokratie für das ungarische Volk bedeutet. Ich meine die richtige Demokratie und nicht Unseredemokratie und das was uns die EU als Demokratie vorspielt.
Herr Kalnoky, bin gespannt, ob Sie Ihre Position beim MCC behalten werden. Ihre Berichterstattung hier bei TE habe ich immer als unaufgeregten neutralen Journalismus wahrgenommen. Ich drücke die Daumen.
Was reden sie da Herr Kalnoky? „a“ mit Apostroph im Namen, also ungarisch. Tragen auch sie noch immer das Versailles-Trauma des V. Orban in sich? wie die ungarisch Volksseele, die ich bestens kenne.
Ihr Artikel strotzt nur so vor verklausuliertem Unwissen. Für Ungarn heißt es jetzt in die Zukunft zu blicken nicht in die Vergangenheit wie Orban es getan hat.
Das haben die Ungarn bei der Wahl verstanden und zum Ausdruck gebracht. Sie nicht Herr Kalnoky?
Dann eine schöne Zukunft mit Tausenden von kompatiblen Migranten und einer Degenaration der über hunderte von Jahren entwickelten und erfolgreichen europäischen Kultur!
Wünsch noch angnehme Genesung von ihrer Degeneation aus groteskem Unwissen.
„ den Preistopp der Orbán-Regierung für bestimmte Basisprodukte des täglichen Bedarfs aussetzen. „
“ Unter Tisza würde das Benzin so viel kosten wie in Deutschland.“
die Ungarn wollen das so, sie haben das gewählt