Norwegen will die Öl- und Gasförderung in der Barentssee ausweiten. Damit läuft Oslo dem Arktis-Kurs der EU offen entgegen. Besonders pikant: Deutschland sichert sich norwegisches Gas gleichzeitig vertraglich bis 2041.
IMAGO
Norwegen will seine Öl- und Gasvorkommen in der Arktis weiter erschließen. Energieminister Terje Aasland hat den Kurs seiner Regierung jetzt noch einmal ausdrücklich bestätigt. Die ablehnende Haltung der Europäischen Union gegenüber neuen Öl- und Gasbohrungen in der Arktis werde daran nichts ändern. Weitere Bohrungen in der Barentssee seien aus Sicht Oslos für die langfristige Energieversorgung notwendig.
Aasland verweist dabei ausdrücklich auf die geopolitische Lage. Europa brauche auch künftig verlässliche Energielieferungen. Norwegen wolle seine Rolle als großer Öl- und Gasproduzent behalten und die Förderung möglichst bis mindestens 2035 auf dem heutigen Niveau stabilisieren. Ein erheblicher Teil der noch unerschlossenen Ressourcen liegt in der Barentssee.
Die norwegische Regierung hat dafür längst die Voraussetzungen geschaffen. Im Mai weitete sie die diesjährige Lizenzrunde auf weitere 70 Blöcke des norwegischen Kontinentalschelfs aus. 38 davon liegen in der Barentssee. Ministerpräsident Jonas Gahr Støre begründete die Entscheidung ausdrücklich mit der Bedeutung der Branche für Norwegen und mit Europas Energiesicherheit.
Damit prallt die norwegische Energiepolitik auf einen Kurs, den die EU-Kommission unter Ursula von der Leyen seit Jahren verfolgt. In ihrer Arktisstrategie von 2021 forderte die Kommission, fossile Energieträger auch in der Arktis im Boden zu lassen. Brüssel wollte dafür auf eine internationale Verpflichtung gegen neue Förderprojekte hinarbeiten.
Norwegen gehört nicht zur Europäischen Union und entscheidet selbst über seine Rohstoffe. Gerade deshalb ist Aaslands Ansage politisch so deutlich. Ein Land, auf dessen Gasversorgung die EU angewiesen ist, sieht keinen Grund, seine Energiepolitik den klimapolitischen Vorstellungen der Kommission unterzuordnen.
Norwegen war 2025 der größte Gaslieferant der Europäischen Union, 31 Prozent der gesamten EU-Gasimporte kamen von dort. Beim Pipelinegas lag der norwegische Anteil bei 54 Prozent. Seit dem Einbruch der russischen Lieferungen ist das Land für Europas Versorgung erheblich wichtiger geworden.
Ausgerechnet Deutschland liefert für die Abhängigkeit ein besonders anschauliches Beispiel. Am 24. August vereinbarten Uniper und der norwegische Energiekonzern Equinor einen neuen langfristigen Liefervertrag. Von 2027 bis 2041 sollen jährlich mehr als 30 Terawattstunden Erdgas nach Deutschland fließen. Uniper bezeichnet die Vereinbarung als Beitrag zur deutschen Versorgungssicherheit.
Uniper gehört zu 99,12 Prozent dem deutschen Staat. Der Bund hat das Unternehmen 2022 nach dem Ausfall russischer Lieferungen übernommen und hält seine Beteiligung bis heute. Damit bindet ein fast vollständig staatseigener deutscher Energiekonzern das Land für weitere 15 Jahre an umfangreiche norwegische Gaslieferungen.
Die EU-Kommission drängt seit Jahren darauf, neue fossile Förderung zurückzufahren. Deutschland, das gehorsamst auf eigenes Fracking verzichtet, sichert seinen Gasbedarf zugleich über langfristige Lieferverträge mit Norwegen ab. Damit diese Mengen auch in den kommenden Jahrzehnten geliefert werden können, muss Norwegen neue Vorkommen erschließen.
Auch andere EU-Staaten rechnen mit norwegischen Rohstoffen. Der polnische Staatskonzern ORLEN kaufte im Juni einen Anteil von 20 Prozent an fünf norwegischen Lizenzen einschließlich des produzierenden Goliat-Feldes in der Barentssee. Die zusätzlichen Reserven belaufen sich nach Angaben des Unternehmens auf fast 60 Millionen Barrel Öläquivalent. ORLEN begründet die Investition mit der eigenen Versorgungssicherheit.
Goliat soll nach den derzeitigen Planungen mindestens bis 2040 fördern. ORLEN erwartet dort erhebliche zusätzliche Gasvorkommen und sieht die vorhandene Infrastruktur als möglichen Ausgangspunkt für weitere Projekte in der Barentssee. Der Konzern verweist dabei ausdrücklich auf die Bedeutung für die europäische Energieversorgung.
Aasland kennt diese Verträge und Investitionen. Er kennt auch die politische Debatte in Brüssel. Seine Regierung zieht daraus den naheliegenden Schluss, weitere Lagerstätten zu suchen. Ohne neue Funde sinkt die norwegische Förderung nach 2030 deutlich. Für ein Land, das langfristige Lieferzusagen macht und große Teile Europas versorgt, wäre ein Ende der Exploration wirtschaftlich kaum sinnvoll.
Der norwegische Minister hat zugleich eine weitere europäische energiepolitische Vorstellung beerdigt. Das frühere Bild Norwegens als „grüne Batterie Europas“ hält er inzwischen für verfehlt, neue Stromverbindungen zum europäischen Festland sind derzeit nicht vorgesehen. Die vorhandene Marktverknüpfung hat in Norwegen zu heftigen Debatten geführt, weil europäische Preisschwankungen auf den heimischen Strommarkt durchschlagen.
Für von der Leyens Kommission wird Norwegen damit zum unangenehmen Realitätstest ihrer Energiepolitik. Der Ausstieg aus russischen Lieferungen hat die Bedeutung anderer Produzenten massiv erhöht. Einer der wichtigsten davon erklärt nun öffentlich, dass dafür weitere Förderung notwendig ist.
Die EU selbst überprüft inzwischen ihren bisherigen Arktis-Kurs. Bereits im Frühjahr wurde bekannt, dass die Kommission angesichts der veränderten Versorgungslage Alternativen zum angestrebten Moratorium untersucht. Fortschritte bei einem internationalen Förderstopp hatte es bis dahin allerdings nicht gegeben.
Norwegen hat diese Debatte offenbar bereits entschieden. Die Regierung vergibt neue Lizenzen und plant mit einer langen Zukunft ihrer Erdölindustrie. Deutschland hat seinen Bedarf bis 2041 vertraglich abgesichert. Die energiepolitische Wirklichkeit reicht damit viele Jahre weiter als die Parolen, mit denen von der Leyens Kommission Europas fossiles Zeitalter für beendet erklären wollte.
Auch bei der Kernkraft hält sich Norwegen inzwischen Optionen offen. Die Regierung setzte 2024 erstmals seit Jahrzehnten wieder einen staatlichen Atomkraftausschuss ein. Im Februar 2026 ließ Aaslands Ministerium die Umweltverträglichkeitsprüfung für ein konkretes Kernkraftprojekt in Aure und Heim anlaufen; insgesamt liegen bereits zahlreiche Projektmeldungen vor.


Sie müssenangemeldet sein um einen Kommentar oder eine Antwort schreiben zu können
Bitte loggen Sie sich ein
wir finanzieren den Norwegern ein bestmögliches Leben über unsere überteuerten Gaspreise…..naja,wenigstens eine Nation freut sich über unsere Dummheit
Wenn die EU kein Gas, Öl oder Kohle braucht, dann kauft halt keins. Aber nicht jammern wenn ihr friert, trotz Klimaerwärmung, wenn ihr keine Arbeitsplätze mehr habt die ihr lieber durch moralische Überlegenheit eintauscht. It is your choice.
https://www.spiegel.de/wirtschaft/norwegen-staatsfonds-macht-184-3-milliarden-dollar-gewinn-in-sechs-monaten-a-bc67377d-dc6d-4ffa-8cad-293c15d72797
Soviel zu den Norwegern und ihrem Rentensystem.
Diese Zahlen kursieren gerade überall. Und ja, sie stimmen.
62.400 Mitarbeiter bei der Deutschen Rentenversicherung. 700 beim norwegischen Staatsfonds. Der eine erwirtschaftet seit 1998 im Schnitt 6,64 % Rendite pro Jahr. Der andere verteilt nur um, was reinkommt.
Der Wahlspruch des neuen Königs heißt „Alles für Norwegen“. Wie schon bei seinem Vater und Großvater. Damit dürfte er wohl in den Augen unserer Demokraten gesichert rechtsextrem sein.
Wo bleibt da die Brandmauer? Wir sollten sofort Sanktionen gegen Norwegen einführen und kein Gas und Öl mehr aus diesem Staat importieren. Koste es uns was es wolle.
Geht es nach der EU, dann ist jeder Gasimport aus Russland, Katar oder Norwegen abzulehnen.Nur bei Trump verlässt Ursula der Mut.
Generell steht der sog. Klimaschutz in der Kommission an erster Stelle, da mag die Wirtschaft ruhig absaufen.
Brüssel dreht die fossile Energie ab, Berlin hat bereits die Kernkraft gesprengt.
Klappe zu, Affe tot.
Das ist das Einzige, was uns retten kann: Der „Nationalismus“ der einzelnen Staaten. Politiker, die das Wohl ihres Staates vertreten. Auch weil ihnen sonst die Wähler davonlaufen. In D verliert die wokelinke Welle mit Klima und offenen Grenzen m. E. an Kraft. Daher nimmt die AfD zu. Aktuell nimmt die EU den deutschen Regierungen die Verantwortung für den Ruin Ds mindestens zu einem Teil ab, indem sie Regeln erlässt, die D zu 110% umsetzt. Wohl auch in der Hoffnung, sollte die AfD D demnächst regieren, sie nicht aus der EU austreten wird. Dann bleiben wir in dem System gefangen, bis… Mehr
Auch in Deutschland gibt es eine ganze Menge Öl und Gasvorkommen, das man fördern könnte. Eventuell sogar, nach den Ansichten Derer die das verhindern, umweltfreundlicher als das welches man statt dessen im Ausland kauft und noch zusätzlich weit transportieren muß Ein Irrsinn, aber so Manche verdienen und leben gut an diesem Irrsinn und verstärken den Irrsinn immer mehr
Norwegen – Glückliches Land ohne EU-Abhängigkeit und mit klaren Verstand und Wirtschaftskompetenz.
Und teuer. Viele haben auch hier keine Lust mehr auf die Steuerlast und das woke Gehabe.
> Besonders pikant: Deutschland sichert sich norwegisches Gas gleichzeitig vertraglich bis 2041.
Norwegen verkauft allerdings strikt zu den aktuellen Weltmarkt-Preisen – viel teurer als die großzügigen Preise aus Russland.
Deutschland muss nicht bei Norwegen kaufen. Man könnte auch billiger aus Russland die Energie beziehen. Aber man will dem Russen schaden. Das ist ungefähr so als hackte man sich ein Bein ab damit der Russe nicht laufen kann.
Und nicht vergessen, das Seymour Hersh neben den USA auch Norwegen für den Anschlag auf Nord Stream 2 verantwortlich machte. Auch sie profitieren ja massiv von diesem Kriegsakt.
Cui bono ist immer eine berechtigte Frage. Wenn es so war wie wir vermuten, dann könnte man hinzufügen, dass weder die USA, noch Norwegen, und nicht einmal die Ukrainer auf einer operativen Ausführungsebene, dafür verantwortlich sind, dass D die Atomkraftwerke tatsächlich alle abgeschaltet hat, und, dass D, wie Vahrenholt meint, längst aus Niedersachsen so viel Gas fördern könnte wie NS-1 einmal geliefert hat. Nicht so günstig wie das russische Pipelinegas, aber nur halb so teuer wie das aus Norwegen und den USA zugekaufte Gas / LNG. Wenn uns die Sprengung von NS in ein Knie geschossen hat, dann haben wir… Mehr
Nee das waren Ukrainer auf einem Segelschiff 🤣 🤣 🤣