Beamtenbund fordert Besetzung von 631.000 Posten 

Tausende Beamte gehen in Rente, die Zahl der Aufgaben würde sich aufgrund der Sicherheitslage erhöhen: Der öffentliche Dienst in Deutschland steuert nach Einschätzung des Beamtenbunds auf einen deutlich spürbaren Personalmangel zu.

picture alliance / dts-Agentur | dts Nachrichtenagentur GmbH
Volker Geyer, Bundesvorsitzender dbb, Berlin, 30.07.2026

Nach der jährlichen Abfrage bei den 41 Mitgliedsgewerkschaften fehlen derzeit 631.000 Beschäftigte, damit der Staat seine Aufgaben überhaupt noch erfüllen kann, im Vorjahr hatte der Deutsche Beamtenbund (dbb) noch von 600.000 fehlenden Kräfte gewarnt, berichtet die „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Die größten Lücken liegen in der Daseinsvorsorge. Für Kranken- und Altenpflege fordert der Deutsche Beamtenbund 125.200 zusätzliche Stellen, an den Schulen 120.000 und in den Kommunalverwaltungen 112.000. Polizei und Bundeswehr sollen zusammen 92.000 Kräfte erhalten. Im FAZ-Interview nannte Bundesvorsitzender Volker Geyer zudem 50.000 Stellen in der Finanzverwaltung: Mehr Steuerfahnder rechneten sich für den Staat, Künstliche Intelligenz ersetze sie nicht.

Volker Geyer führt den Anstieg vor allem auf den demographischen Wandel zurück: Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in den Ruhestand, jedes Jahr rund zwei Prozent der Belegschaft. Viele Stellen bleiben unbesetzt. Zugleich wachsen die Aufgaben. „Wer sich die geänderte Sicherheitslage ansieht, sollte sofort verstehen, warum wir mehr Polizisten brauchen“, sagte er. Allein die Überwachung neuer Waffenverbotszonen sei „sehr personalintensiv“. Der dbb-Monitor hatte bereits zu Jahresbeginn gewarnt, dass in den nächsten zehn Jahren 1,4 Millionen Beschäftigte den öffentlichen Dienst verlassen. Eine Bürgerbefragung des Verbands zeigte zugleich: 79 Prozent halten den Staat für überfordert, nur 17 Prozent glauben, dass er seine Aufgaben noch erfüllen kann.

Der Wunsch nach mehr Beamten trifft aktuell aber auf die harte Realität der Staatsfinanzen: Für das Gesamtjahr 2026 erwartet das Bundesfinanzministerium ein Defizit von mehr als vier Prozent der Wirtschaftsleistung. Der Bundeshaushalt umfasst Ausgaben von 524,5 Milliarden Euro und eine Nettokreditaufnahme von 98 Milliarden Euro. Die Schuldenquote dürfte auf etwa 66,5 Prozent steigen. Der Finanzplan bis 2030 sieht weiter wachsende Ausgaben und eine noch höhere Kreditaufnahme vor. Deutschland finanziert Infrastruktur, Verteidigung und Sozialleistungen zunehmend auf Pump – und soll nun zugleich Hunderttausende Stellen schaffen, die dann jahrzehntelang Besoldung und Pensionen nach sich ziehen.

Der Gedanke an eine Staatsverkleinerung kommt natürlich nicht vor.

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Kommentare ( 57 )

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A rose is a rose...
6 Tage her

Immer weniger Leute bei immer mehr Arbeit. Hmmm. Die armen Beamten. Die Wertschaffenden haben sowas natürlich noch niiiiiie gehört und können sich gar nicht vorstellen, wie schlimm es sein muss, mit solchen Zuständen leben zu müssen.

Rechts_ist_angesagt
10 Tage her

Ich verstehe den Mann schon. Wenn der Staat ohne Ende hochgradig Kriminelle zur Bevölkerung hinzufügt und ohne Ende neue Gesetze einführt, die kontrolliert werden müssen, dann müssen das Staatsbedienstete eben machen. Und davon werden immer mehr benötigt. Die Lösung sollte bei der Ursache ansetzen -> Verschlankung der Regulierung, einfacheres Steuersystem, Remigration. Also Wahl der AFD.

Ohwehnene
11 Tage her

Wer einmal die „Produktivität“ im öffentlichen Dienst (Kranken- und Pflegebereich ausgenommen) und in Beamtenstuben kennen gelernt hat, indem er von der freien Wirtschaft dorthin gewechselt ist, der kann nur laut lachen. Wenn die Aufgaben von freien Unternehmen übernommen würden kämen die mit 1/3 des Personals aus, das zudem noch billiger wäre. Abgesehen von der Frage, ob der Staat überhaupt so viele Aufgaben übernehmen muß.

kurowski
12 Tage her

In den deutschen Regierungsämtern arbeiten ca. 6 Millionen als Beamte und Angestellte. Niedersachsen hat 8 Millionen Einwohner, abzüglich Kinder und Rentner wohl ca. 6 Millionen Arbeitsfähige. Also alle Arbeitsfähigen eines gesamten Bundeslandes wie Niedersachsen arbeiten in irgendwelchen Regierungsämtern, die dann immer noch für Millionenbeträge freie Beraterfirmen engagieren, weil sie für wichtige Antworten selbst nicht in der Lage sind. Das Ist absurd und die Zahl ist zu halbieren. Die „Fachkräfte“ werden in der Wirtschaft angeblich gebraucht.

Haedenkamp
12 Tage her
Antworten an  kurowski

Nur noch 14 Millionen Menschen arbeiten hier wertschöpfend und ziehen den ganzen Karren. Die Zahl der Beamten muss dringend halbiert werden. Wo ist Friedrich Merz, wenn man ihn mal braucht?

November Man
12 Tage her

Der Wasserkopf in Deutschland wird immer größer bis er platzt.

Thilo Braun
12 Tage her

Es ist ja nicht wirklich überraschend, dass ein Vorsitzender des Beamtenbundes mehr Beamte fordert. Das würde jeder an seiner Stelle machen. Im Grunde könnten aus meiner Sicht in allen Bereichen mit Erst-Verwaltungsentscheidungen KI Lösungen eingesetzt werden. Die würden zielgerichtet und schnell allein auf gesetzlicher Grundlage entscheiden und könnte überall da eingesetzt werden, wo es nicht auf Ermessen ankommt.

Martin Mueller
12 Tage her

Es gibt Leute, die schaffen es, die Krise potenzieren.

Irrsinn potenziert sich!

marcusfiedler
12 Tage her

Es wurde hier schon vieles richtiges gesagt, dass keiner Wiederholung bedarf.
Ich möchte noch hinzufügen, dass sich ein Großteil der Arbeiten in Steuerbehörden und Verwaltungen problemlos automatisieren lassen würde.
Der Prozess könnte sukzessiv mit der Verpensionierung voran getrieben werden.
Aber:
Wo kein Wille, da auch kein Weg.

eingermane
12 Tage her

• Deutsche Beamtenbund
• 41 Mitgliedsgewerkschaften
Forderung:
+ 631.000 Beschäftigte/Beamte

Es sollte jedem klar sein, Deutschland hat als funktionierendes Staatswesen aufgehört zu existieren.

Freuen wir uns also auf die kommende „Stunde Null“ und den dann möglichen Neubeginn.
Auf einer besenreinen Baustelle vom unnützen Ballast befreit.

Orlando M.
12 Tage her

Erst wenn die Beamten mit den Rentnern/Pensionären und Sozialstützeexperten ganz unter sich sind in diesem besten Deutschland aller Zeiten (für wen?), fängt bei denen vereinzelt das Denken an.

Michael Palusch
11 Tage her
Antworten an  Orlando M.

Das Menschen altern, kann man ihnen nun wahrlich nicht zum Vorwurf machen. Ob Sie’s glauben oder nicht, auch Sie werden eines Tages Rentner/Pensionär sein.

Last edited 11 Tage her by Michael Palusch