Ceuta: Wie ein Richterspruch und Sánchez’ großzügige Migrationspolitik die Invasion auslösten

Die Übernahme Ceutas durch Invasoren aus Marokko hat viele Väter. Den Startschuss gab ein spanisches Gerichtsurteil aus dem Juli, das umgehend ausgenutzt wurde. Auch Sánchez’ mehr als großzügige Migrationspolitik gehört zu den Gründen. Im Hintergrund treibt der marokkanische König ein doppeltes Spiel. Und die EU spielt mit.

picture alliance / AP Photo/Antonio Sempere

In Ceuta wird ein lokales Ereignis zur Sommerpausen-Weltpolitik, wird aber dieses Mal wohl Folgen weit darüber hinaus haben. In der EU formieren sich die Gegner eine permissiven Migrationspolitik, und zu denen will selbst Friedrich Merz gehören. Daneben ruft das Ereignis die weltweiten Kritiker der unkontrollierten Massenmigration wach. Donald Trump sieht sich bestätigt. Ursula von der Leyen zeigt sich ratlos.

Inzwischen sind 60.000 Invasoren illegal auf das spanische Territorium von Ceuta vorgedrungen. Ceuta-Kenner gehen davon aus, dass vorerst bei einigen Rückreisen noch rund 40.000 illegale Eindringlinge in Ceuta bleiben werden. Vielleicht wird sich diese Zahl durch Kurzaufenthalte, die nur eine Art „Unfugs- und Plünderwallfahrt“ darstellen, noch verringern. Doch es bleibt bei einer sehr unsicheren Lage in der 84.000-Einwohner-Exklave. Dass die Sicherheit der Bürger und ihres Eigentums unter diesen Bedingungen nicht gewährleistet ist, ist keine Frage mehr. Die Zustände sind existenzbedrohend. Ladenbesitzer haben ihre Geschäfte verrammelt. Bürgermilizen sind im Entstehen begriffen.

Am Freitagmittag werden neue Signale für die jungen Maghrebiner, meist Marokkaner und Algerier, erwartet. Die jungen Männer, so eine Erwartung, werden tun, was ihnen die Imame und Prediger sagen, die extra für diesen Anlass nach Ceuta eingeschleust werden. Auch über soziale Medien dürften sich entsprechende Botschaften leicht verbreiten.

Doch es bleibt dabei: Der spanische Sozialist und Premierminister Pedro Sánchez hat Bilder provoziert und erreicht, die in sein Narrativ eines von Migranten belagerten Spanien passen – Migranten, denen man helfen muss oder deren man sich als „Arbeitskräfte“, vor allem aber als Wähler bedienen kann, je nach Tagesdevise.

Eine höchstrichterliche Entscheidung gab den Startschuss

Spanien hat durch die großflächigen Legalisierungen illegaler Zuwanderer und zuletzt durch eine Gerichtsentscheidung zu ins Land „schwimmenden Migranten“ die Migrationswelle selbst mit heraufbeschworen. Erst Anfang Juli urteilte der Oberste Gerichtshof in Madrid, dass Migranten, die schwimmend spanischen Boden erreichen, nicht mehr direkt nach Marokko zurückgewiesen werden dürfen. Vieles spricht dafür, dass dies die neueste Welle ausgelöst hat. Richter gehören offenkundig zur regierenden Elite ihres Landes. Dass sie aber vollkommen unabhängig von den politischen Gezeiten agieren, ist unwahrscheinlich.

Die Schleuser brauchten nicht lange, um die neue höchstrichterlich eingeräumte Regelungslücke für sich zu nutzen. Hier sitzen sich auf der einen Seite naive Arglosigkeit der westlichen Gutmenschen und Migrationsadvokaten, auf der anderen Seite die von Komplexen unbelastete Intelligenz der Schlepper und Geschleppten gegenüber. Die spanische Asylgesetzgebung ist übrigens auch daneben sehr lax: Nur sechs Monate nach ihrer Registrierung dürfen die Asylanten auch legal arbeiten – illegal können sie das wohl vom ersten Tag an. Und weiterreisen im Schengenraum ist auch kein Problem.

Nun wird Sánchez sein Werk vermutlich vollenden und auch die neu eingeschwommenen und eingestürmten Migranten bei Versorgung mit Essen, Trinken und Unterkunft aufnehmen. Doch das ist nicht mehr unumstritten in Spanien. Engagierte Beobachter warnen: „Wer den Invasoren zu trinken und zu essen gibt, gibt der Invasion Flügel.“

Das Geschehen gilt daneben als geplante Operation des marokkanischen Königs, der sogar Kriminelle aus den Gefängnissen entlassen und sie vor der spanischen Grenze abgeladen habe. Eventuell waren diese Kriminellen schon länger in der Grenzregion anwesend: als Schmuggler, nicht immer von Menschen, auch von Gebrauchsgütern. Über den Verlust dieser Einwohner wird die marokkanische Führung nicht allzu traurig sein. Laut Berichten in westlichen Medien sollen die marokkanischen Grenzkräfte ihre Posten zeitweise verlassen haben. Parallel sollen die ganze Nacht über Flugzeuge zwischen dem Aufenthaltsort des Königs und der Küstenregion zirkuliert haben – mit unbekanntem Zweck. Eines liegt äußerst nahe: Ohne die Billigung der marokkanischen Führung wäre es nicht zu diesem Überlaufen der Lage gekommen.

— Rubén Pulido (@rubnpulido) July 31, 2026

Ceuta „befreit“? Eher erobert

Eine weitere Facette des Geschehens zeigen Veröffentlichungen aus den sozialen Medien. Da sind jene Posts, die von einer „Befreiung“ der Stadt sprechen, Ceuta werden an ihre „Besitzer“ übergeben – ganz im postkolonialen Modus, dabei ist Ceuta eine griechische Gründung und war die meiste Zeit ihres Bestehens über in römischer und dann portugiesischer und spanischer Hand. Eine kurze arabische Periode hat es gegeben, doch die Araber waren zweifellos als Eroberer von fern her gekommen. Diese Vorgänge werden allgemein als islamische Expansion bezeichnet.

Die heutige Invasion von Ceuta wurde offenbar aktiv durch Facebook-Gruppen gesteuert. Das ist längst nichts Neues mehr, auch von der Balkanroute wurden immer wieder ähnliche Gruppen und Posts bekannt, die illegalen Invasoren den Weg wiesen. Zusammen hatten die Gruppen mehr als 230.000 Mitglieder. Dabei untersagen die neueren Facebook-Regeln solche Inhalte, die Schlepperei befördern. Etwas später wurden alle fünf Facebook-Koordinierungsgruppen zum Grenzübertritt gelöscht.

Weitere Folgen waren zu erwarten: Bei einem Zustrom von mehr als 50.000 Personen, von denen einige sich nicht aufs Marodieren beschränken, war das temporäre Aufnahmezentrum von Ceuta bald überfüllt. Dessen Fassungskraft liegt bei 512 Personen. Zelte wurden aufgestellt, aber dutzende Menschen schliefen vor der Tür des Zentrums, wie die Zeitung El Faro de Ceuta meldet. Sie alle hoffen offenbar auf umgehende Verschiffung aufs Festland – und das wird Premierminister Pedro Sánchez natürlich zugetraut. Am Mittwochmorgen sollen bereits 54 Invasoren auf einer Fähre nach Algeciras übergesetzt haben. Das ist so die gewöhnliche Rate zur Entlastung Ceutas im Rahmen einer „humanitären Aufnahmeprogramms“ durch die spanische Regierung.

Die Verantwortung von Sánchez und Wadephul

Nach außen hin spielt Sánchez nun den Empörten, spricht von einem „Angriff auf die territoriale Integrität“ Spaniens und fordert „Antworten“ von Marokko ein. Wie konnte sich der spanische Premier, aber wie konnten sich auch der Rest der EU-Anführer so sehr in ihrer Außenpolitik täuschen? Seit dem Jahr 2000 versucht man, Marokko neben anderen Ländern durch das „Europa-Mittelmeer-Abkommen“ auf seine Seite zu ziehen. Jüngst wurden Handelsvereinbarungen geschlossen und Finanzhilfen gezahlt, um genau ein solches Szenario zu verhindern, wie es sich nun anscheinend unter den Augen von König Mohammed VI. abspielt.

Oder hat man auch Mohammed einen bösen Streich gespielt? Am Mittwochabend hielt er seine Rede zum 27. Thronjubiläum, in der er einen „neuen Entwicklungszyklus“ in Marokko ankündigte, ein großes Programm zum Aufbau der marokkanischen Wirtschaft und Infrastruktur. Er sprach von Marokko als einem „Pfeiler der Stabilität“ in der Region. Anscheinend ist nicht alles schlecht in Marokko, wie es uns nun die Invasoren erzählen wollen. 4,9 Prozent Wachstum im Jahr 2025 sprechen für einen Monarchen, der mit seinem Pfund zu wuchern weiß. Aber Jugendarbeitslosigkeit und Korruption bleiben als Themen auf der ungelösten Problemagenda.

Doppeltes Spiel in Rabat – Trump: Ergebnis extrem linker Politik

Ein doppeltes Spiel des Königs ist bei weitem nicht ausgeschlossen. Eine Algerienreise von Pedro Sánchez gilt als heikler Punkt. Daneben trägt aber auch Bundesaußenminister Johann Wadephul einen Teil der Verantwortung für die Geschehnisse: Er hatte doch zuletzt für mehr Einwanderung aus Marokko geworben. Solche Rufe verhallen in der globalisierten Informationsgesellschaft nicht folgenlos. Die Marokkaner haben verstanden: Wenn sie nunmehr in Deutschland gewollt sind, dann müssen sie es nur aufs spanische Festland schaffen, um dann den Weg ins gelobte Wohlfahrtsland anzutreten.

Eine klare Meinung zum Geschehen hat US-Präsident Donald Trump. Der Vorfall ist für ihn das Ergebnis einer „extrem linken globalistischen Politik“. Das sagte die Sprecherin für das Weiße Haus, Anna Kelly, der Jerusalem Post: „Spanien und andere Länder, die sich dieser zerstörerischen Philosophie verschrieben haben, sollten ihren Kurs unverzüglich ändern oder sie riskieren ihren eigenen Untergang.“

Vor kurzem hatte Trump den neuen britischen Premier Andy Burnham dafür kritisiert, dass dieser das Migrationsthema bisher nicht angesprochen hatte: „Er muss es ansprechen, denn es tötet Euer Land.“ Doch Burnham hat anderes zu tun, als über die Misere im eigenen Land zu sprechen: Er bietet lieber seinem Gesinnungsgenossen Pedro Sánchez „Unterstützung“ an. Er will demnach die „Auswirkungen der Situation verstehen“. Ein Lehrling auf dem Premiersstuhl.

Von der Leyen: Für Massenmigration, aber nach „unseren Regeln“

Die Krone der politischen Kommentare zur Lage erringt allerdings Ursula von der Leyen (CDU) mit dem auf X geäußerten Satz: „Wir können nicht zulassen, dass jemand in unsere Union kommt, ohne unsere Regeln zu befolgen.“ Daraus folgt: Solange man sich an das Protokoll von UvdL hält, an die von ihr mitentworfene Form von Migrationsmanagement, ist alles gut. Diese EU beabsichtigt nur eines: Aus illegaler möglichst viel legale Zuwanderung zu machen. „Gefährliche Grenzkreuzungen“ sollen verhindert werden, gibt von der Leyen als Ziel aus. Bei diesem Prozess können aber auch Schockbilder wie Ceuta genutzt werden, solange Zuwanderungsermöglichung als Lösung gilt. Die Zeiten dieses politischen Modells gehen aber zu Ende – langsam, aber sicher.

Die Regeln der EU erlauben „rasche Rückführungen“, sagt VDL nun auch – auf einmal. Auch außenpolitisch soll die Mittelmeer-Kommissarin Dubravka Šuica nun für Erfolge sorgen, also für das,was der EU bislang gerade an dieser Front offenbar misslungen ist. Ein Schlusspunkt dieses Misslingens sind Wadephuls Marokkaner-Import-Gelüste: die Waffen werden niedergestreckt, wo man keinen Sieg erringen kann.

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