Die Welt befindet sich in einer Phase tiefer technologischer Transformationen. Für Elon Musk zählt in dieser Zeit der Veränderung die humanoide Robotik zu den wichtigsten Aktionsfeldern. Verpasst Deutschland auch diesen Technologiezug? Oder wäre eine Zukunft in einer Roboterwelt letztlich nicht die schlimmste aller Dystopien – ein Albtraum, der besser nie zur Realität wird?
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Viel ist in diesen Tagen wieder die Rede von illegaler Immigration. Der Ceuta-Schock sitzt tief. Klar ist: Illegale Immigration wird zur Invasion, wenn Migrantenwellen politisch gelenkt werden, um im Zuge verdeckter geopolitischer Kriegsführung ganze Gesellschaften zu destabilisieren.
Mindestens ebenso real wie menschliche Invasionen dürfte in nicht allzu ferner Zukunft eine ganz neue Form der Invasion sein: die der humanoiden Roboter. Menschenähnlich, gesteuert von künstlicher Intelligenz, drängen sich diese Maschinen zwischen uns – zunächst im Produktionsbereich, in der Wirtschaft und in nicht allzu ferner Zukunft auch in unserem privaten Bereich, als Alltagshelfer. Fasst man den Begriff der Robotik und autonomer Systeme etwas weiter, so beginnt gerade die Phase autonomer Mobilität – Widerstand scheint zwecklos. Die technologische Welle rollt, und das Individuum wird, wie schon beim iPhone, beim Internet und bei sämtlichen großen Innovationen der Menschheitsgeschichte, vor vollendete Tatsachen gestellt.
Was wie eine Flutwelle auf uns zurollt, brachte Tesla-Gründer Elon Musk Anfang September 2026 in einer Videoschalte beim G20 Innovation Ministerial auf den Punkt. Er sei bereit, ernsthaftes Geld darauf zu setzen, so Musk, dass es innerhalb der kommenden zehn Jahre mindestens eine Milliarde humanoide Roboter weltweit geben werde. Den Mechanismus hinter dieser Entwicklung beschreibt er kurz und knapp: Sobald Roboter beginnen, andere Roboter zu bauen, setzt ein rekursiver Effekt ein – die Produktion wächst dann nicht mehr linear, sondern exponentiell. Und sie beschleunigt sich auch noch von Zyklus zu Zyklus, bis eine Marktsättigung erreicht ist.
Musks sportliche Vision für die Optimus-Produktion, den Tesla-Roboter: Für das laufende Jahr soll eine Kapazität von bis zu 100.000 Stück aufgebaut werden. Am Ende der kommenden Dekade wird es wild: Tesla plant eine kombinierte Produktionskapazität von bis zu 11 Millionen Stück jährlich – Musk scheint ein wenig über das Ziel hinauszuschießen in seiner Euphorie, aber sei es drum. So oder so scheint die Serienfertigung humanoider Ersatzmenschen in diesen Monaten längst angelaufen zu sein. Der Optimus besteht aus 10.000 Einzelteilen; letzten Endes ist es wohl alles nur noch eine Sache der Lieferkettenkoordination.
Musk hat seine Vision an die aktuelle Lage angepasst. Vor zwei Jahren klang seine Roboterhypothese noch spektakulärer: Zehn Milliarden humanoide Mitbewohner sollten es bis 2040 sein – dann sollte das Heer der humanoiden Roboter tatsächlich die Zahl der Menschen auf dem Planeten übersteigen – wir Hominide werden von Humanoiden zur großen Minderheit degradiert und zu einer völlig neuen Form des Zusammenlebens gezwungen.
Regelrecht verlockend wird es aus Kostensicht. Letztlich ist alles eine Frage des Geldes. Musk peilt einen Verkaufspreis des Optimus von 20.000 bis 25.000 Dollar an – ein Ergebnis der Economies of Scale und des enormen technologischen Fortschritts in einer Phase, in der künstliche Intelligenz, Robotik, Quantencomputing, Chiptechnologie und der Ausbau der Energieversorgung zusammenströmen und gemeinsam eine neue Ära des Produktivitätswachstums anstoßen könnten.
Wo stehen wir gegenwärtig? Bevor wir uns darauf freuen, dass ein Tesla Optimus unseren Tisch deckt, den Boden schrubbt und das Essen zubereitet, steht zunächst einmal eine industrielle Revolution vor der Tür. In seinem Werk in Fremont stellt Tesla seine Produktion von der E-Autofertigung der Modelle S und X auf eine reine Produktion des Optimus-Robotermodells um. Hier soll die dritte Generation dieses Typus entstehen, die in der Folge intern getestet werden muss, bevor Musk den Verkaufsstart bei Firmenkunden Ende 2026 und bei Privathaushalten Ende 2027 anpeilen kann. Die Zukunft scheint zum Greifen nahe. In jedem Fall sind die Entwicklungen wohl weiter fortgeschritten, als vielen von uns bewusst ist.
Doch wenn es darum geht, künftig einen Roboter zum Staubsaugen und zum Gassigehen zu schicken, wird auch der große Konkurrent China noch ein Wörtchen mitzureden haben. Rund 97 Prozent aller weltweit verschifften humanoiden Roboter stammten im ersten Halbjahr dieses Jahres aus den chinesischen Technologieschmieden wie Agibot oder Unitree, die jeweils etwa 30 Prozent Marktanteil belegen.
Tesla spielt in diesem Feld noch keine Rolle, dürfte aber bald den großen Sprung wagen, da der amerikanische Heimatmarkt alles aufsaugen wird, was für die Reindustrialisierung nötig ist – wie ein trockener Schwamm. Morgan Stanley schätzt Chinas Produktionspotenzial bis 2030 auf 446.000 Auslieferungen pro Jahr, bei einem Marktvolumen von 15 Milliarden US-Dollar. China hat klare Vorteile bei der Skalierung und bei seiner eng gefassten nationalen Lieferkette – ein Vorsprung, den die USA nur durch technologische Führerschaft noch aufholen könnten.
In Amerika hofft man also auf den letzten Pfeil im Köcher: auf Tesla.
Schwenk nach Deutschland. Wie stellt sich die Lage im ehemaligen Land der Ingenieure und Tüftler dar, wenn es um die Zukunft der Robotik geht? Ist auch in diesem Bereich Hopfen und Malz bereits verloren? Mitnichten – es strömt noch Blut durch einige Regionen der schwer erkrankten Herzkammer der deutschen Industrie. Hidden Champions wie Neura Robotics oder der Konzern Bosch arbeiten am Beweis, dass deutsche Ingenieurskunst immer noch mithalten kann – ganz gleich, wie übel Gesetzgeber und Regulator den Unternehmen mitgespielt haben. Neura Robotics aus München zählt zu den europäischen Hoffnungsträgern: Das auf kognitive Robotik spezialisierte Unternehmen wird derzeit mit einer Series-C-Finanzierung von bis zu 1,4 Milliarden Dollar gehandelt, Zielhorizont für die Marktreife ist 2028 bis 2030 – dann will man eine eigenständige, europäische Antwort auf die amerikanisch-chinesische Dominanz liefern.
Auch der Stuttgarter Technologiekonzern Bosch wagt sich aus der Deckung: Ab August 2027 will das Unternehmen im badischen Bühl die erste europäische Serienproduktion humanoider Roboter aufnehmen – den radgetriebenen HMND Gamma des Start-ups Humanoid. Die Massenproduktion soll frühestens ab 2028 anlaufen. Trotzdem bleibt der Abstand zur Konkurrenz gewaltig: Während chinesische Hersteller mit massiver Serienfertigung skalieren, bewegen sich die deutschen Gegenspieler noch im Bereich einzelner Pilotprojekte und Wagniskapitalrunden.
Wir werden kein Referendum darüber erleben, ob wir einer Roboterinvasion zustimmen oder sie von vornherein verbieten. Uns bleibt nur die Wahl, zur politischen Vernunft zurückzukehren, Teile der Produktion und der Wertschöpfungskette und damit auch der technologischen Souveränität an uns zu binden, um nicht am Ende zu Vasallen chinesischer oder amerikanischer Androiden hinabgedrückt zu werden.


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