Die kleinteilige Kommunalwahl in Niedersachsen zeigt: Trotz Kandidatenverbot gewinnt die AfD und wir mit 15,9 Prozent drittplatziert. SPD und CDU verlieren weiter an Zustimmung. Die AfD wächst auch auf lokaler Ebene zu einem gefährlichen Herausforderer heran.
picture alliance/dpa | Julian Stratenschulte
Dieser Artikel wurde am 14.09.2026 um 7:50 aktualisiert.
Dem auf dem Wahlportal des Landes veröffentlichten vorläufigen Ergebnis zufolge verschlechterte sich die CDU im Vergleich zu den Kommunalwahlen 2021 von 31,7 auf 27,2 Prozent. Die CDU liegt damit dennoch vor der SPD mit 24,6 Prozent und der drittplatzierten AfD, die auf 15,9 Prozent kommt. Es folgen die Grünen mit 14,1 Prozent, die 2021 noch drittstärkste Kraft gewesen waren. Die Linke erhielt 6,0 Prozent und die FDP 3,7 Prozent der Stimmen.
Die Wahlbeteiligung lag mit 64,6 Prozent deutlich höher als bei den Wahlen 2021. Während fast alle großen Parteien verloren, legte die AfD um fast 12 Prozent zu. Die Linke verbesserte sich um gute drei Prozent im Vergleich zur letzten Wahl.
Der Wahltrend aus rund 2.200 Kommunalwahlen und 400 Direktkandidaten zeigt: Aus Sicht der SPD war es eine zweischneidige Idee, mindestens vier Kandidaten der AfD einfach von der Wahl auszuschließen. So wird zwar voraussichtlich Ulf Prange, ein gemeinsamer Kandidat von SPD/Grünen, in Friesland als Sieger hervorgehen – aber seine Wahl wird angefochten, weil AfD-Kandidat Martin Sichert von der aus Hannover zentral geführten Wahlkommission ausgeschlossen worden war.
Nun liegt der Vorgang bei den Gerichten – selbst im roten Niedersachsen ist das für die dortige Landesregierung nicht ganz risikolos. Denn die Staatsanwaltschaft Hannover hat zum Beispiel die Hausdurchsuchung beim SPD-Spitzenkandidaten in Berlin veranlasst und damit der Partei erheblichen Schaden zugefügt, wenn auch im fernen Berlin. In Braunschweig und Salzgitter wird es voraussichtlich zu Stichwahlen zwischen den Kandidaten der AfD und denen der beiden früheren Volksparteien SPD und CDU kommen. In Wolfsburg hat sich ein CDU-Kandidat mit gerade 50,1 Prozent nur äußerst knapp durchgesetzt.
Zwischen der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern gilt der Urnengang in Niedersachsen als weiterer wichtiger Stimmungstest, der auch im politischen Berlin mit Spannung verfolgt wird. Immerhin stimmten im Norden 6,3 Millionen ab, das ist mehr als bei den drei Landtagswahlen im Osten insgesamt. Dort sind zusammen 5,5 Millionen Menschen wahlberechtigt. Ein schlechtes Abschneiden der CDU könnte Bundeskanzler Friedrich Merz weiter unter Druck setzen.
Bei der vergangenen Kommunalwahl 2021 wurde die CDU mit 31,7 Prozent noch stärkste Kraft. Die SPD folgte mit 30 Prozent, die Grünen erreichten 15,9 Prozent. Auf die FDP entfielen 6,5 Prozent, auf verschiedene Wählergemeinschaften zusammen 5,6 Prozent. Die AfD kam auf 4,6 Prozent, die Linke auf 2,8 Prozent. Eine aktuelle INSA-Umfrage zeigt allerdings, wie stark sich die Kräfteverhältnisse seither verschoben haben könnten. Wäre jetzt Landtagswahl, läge die SPD mit 26 Prozent vorn. Die CDU käme auf 22 Prozent, die AfD auf 21 Prozent. Zwischen Union und AfD verbliebe damit nur noch ein Prozentpunkt.
Die Wahl in Niedersachsen ist so entscheidend, weil dort vier Kandidaten der AfD im Juli ausgeschlossen worden waren. Der Bundestagsabgeordnete Martin Sichert wurde von der Landratswahl im Landkreis Friesland ausgeschlossen, Justin Vogel von der Bürgermeisterwahl in Herzberg am Harz, der Landtagsabgeordnete Thorsten Moriße von der Oberbürgermeisterwahl in Wilhelmshaven und der Landtagsabgeordnete Stephan Bothe von der Landratswahl im Landkreis Lüneburg.
Ausgangspunkt waren Zweifel an der „jederzeitigen Verfassungstreue“. Die Wahlleitungen schalteten deshalb die Kommunalaufsicht ein, die wiederum Erkenntnisse des niedersächsischen Verfassungsschutzes heranzog. Möglich wurde das durch eine gerade noch rechtzeitig durchgepeitschte neue Vorschrift für die Niedersächsische Kommunalwahlordnung (NKWO) in diesem Frühjahr, nach der die Wahlleiter verpflichtet sind, bei Zweifeln an der Verfassungstreue der Kandidaten die Kommunalaufsicht einzuschalten. In allen vier Fällen spielten die Einstufung des AfD-Landesverbandes sowie die Funktionen und Aktivitäten der Bewerber innerhalb der Partei eine zentrale Rolle.
Die Kommunalaufsicht erklärte ihre Einschätzungen zwar lediglich zur Entscheidungshilfe; formal beschlossen die jeweiligen Wahlausschüsse die Nichtzulassung. Kommunalaufsicht und Verfassungsschutz unterstehen jedoch beide dem von Daniela Behrens (SPD) geführten niedersächsischen Innenministerium. Die Begründungen folgten dabei weitgehend demselben Muster: Nicht allein die AfD-Mitgliedschaft, sondern deren Verbindung mit Mandaten, Parteiämtern und öffentlicher Betätigung begründe Zweifel an der Verfassungstreue.
Die vier Kandidaten beantragten daraufhin bei den zuständigen Verwaltungsgerichten ihre vorläufige Zulassung. Die Eilanträge wurden im August abgelehnt – im Wesentlichen mit dem Hinweis, die Betroffenen könnten erst nach der Wahl Einspruch erheben. Damit blieben alle vier Namen von den Stimmzetteln gestrichen, ohne dass die Rechtmäßigkeit der Ausschlüsse vor der Wahl abschließend inhaltlich geklärt wurde.
In allen vier Fällen gab es also keine begründeten oder tragfähigen Einwände gegen die Kandidaten. Sie wurden wegen ihrer Zugehörigkeit zur angeblich verfassungswidrigen AfD abgelehnt. Eine Partei ist aber erst dann verfassungswidrig, wenn das Bundesverfassungsgericht dies nach Artikel 21 Absatz 4 GG festgestellt hat. Da diese voraussichtlich nicht geschehen wird, sucht man jetzt andere Wege – eben Angriffe auf die Person der Kandidaten. Es ist faktisch ein Parteiverbot der AfD, wenn deren Kandidaten einfach gestrichen werden. Wirksames Instrument ist dabei das Landesamt für Verfassungsschutz – eine weisungsgebundene Landesbehörde.
Der Verfassungsschutz kann zwar eine Partei beobachten oder als rechtsextremistische beziehungsweise verfassungsfeindliche Bestrebung einstufen; er kann sie aber nicht selbst für verfassungswidrig erklären. Deswegen lautet das Urteil diverser Landesverfassungsschutzämter, allesamt weisungsgebundene Behörden im Auftrag der Innenminister, auch nur meist „gesichert verfassungsfeindlich“ oder rechtsextrem: rechtlich ein eminenter Unterschied. In der öffentlichen Wahrnehmung ist es aber ein Killer-Etikett, von dem sich die lokalen Wahlausschüsse auch haben beeindrucken lassen, auch wenn die jeweilige Begründung keine Substanz zu bieten hat. Biedere Beamte schustern per KI Halbsätze zu „gesicherten Erkenntnissen“ zusammen; natürlich im Auftrag und unter Kontrolle ihrer Vorgesetzten im Ministerium. Auf diese Weise werden die vom Grundgesetz vorgesehene Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts unterlaufen. Das Grundgesetz wird einfach nicht beachtet. So viel zum Zustand der deutschen Demokratie.
Die Wähler scheinen dies zunehmend wahrzunehmen. Selbst in Hannover muss der grüne Kandidat und Autofeind Belit Onay am 27. September in die Stichwahl – mit dem Auftreten der AfD in diesem Fall als drittstärkste Partei dazu gezwungen. Hannover liegt im Zentrum der deutschen Autokrise mit den Standorten Emden, Braunschweig und Wolfsburg. Es ist mit einem massiven Anstieg der Arbeitslosigkeit zu rechnen, die sich aber erst in einem Jahr wählerwirksam bemerkbar machen wird – wenn die satten Abfindungen aufgebraucht sind.






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Man kann bei Kommunalwahlen für die Parteien ein Ergebnis ausrechnen, das aufs ganze Bundesland bezogen ist. Das hat aber nur begrenzten Aussagewert.
Interessanter ist, welche Partei wo dazu gewonnen oder Stimmen verloren hat.
Auch sind Kommunalwahlen viel häufiger Persönlichkeits- als Parteiwahlen
Ich halte den Ausschluss von Kandidaten der AfD als reinen Verwaltungsakt für grob verfassungswidrig. Sollte die AfD bei den nächsten Wahlen in Niedersachsen die Mehrheit erhalten und regieren, dann erwarte ich eine Einstufung der SPD als „gesichert verfassungsfeindlich“ und daraus folgend den Ausschluss sämtlicher SPD – Kandidaten bei den folgenden Wahlen. Das Geschrei wird gewaltig.
Kann TE auch die Anzahl der ungültigen Stimmen ausweisen? insbesondere in den vier Wahlkreisen, in welchen den AfD-Kandidaten ILLEGAL daspasdive Wahlrecht entzogen wurde?
Zitat Rolan Tichy: „Die AfD wächst auch auf lokaler Ebene zu einem gefährlichen Herausforderer heran.“ Gefährlich Herr Tichy, für wen? Du gütiger Himmel, wann geht es denn den CDU-Fans endlich auf, daß die AfD keinerlei Gefahren für Deutschland bringt, sondern eine – wenn auch länger währende und sehr wahrscheinlich schmerzliche Gesundung. Gefahr möglicherweise für die Parteien der vaterlandslosen Versager*innen, gerade auch für die beiden Unionsparteien. Was diese einmal vor Merkel für unser Land waren, daß ist jetzt die AfD. Geht das endlich in die Schädel hinein?
Dieser Sprachgebrauch „gefährlich“ legt leider ebenoffen, welche Parteien TE sympathisch sind und welche nicht. Insofern ist es kaum verwunderlich, wieso der Herr Herles Samstag für Samstag seine „Westalgie“ zum Besten geben kann.
Die AfD ist auch bei der Kommunalwahl in Niedersachsen trotz Ausschluss mehrerer Kandidaten der Gewinner des Tages, aber über die Hälfte wählte weiter Schwarz und Rot. Was ist los im Norden? Hirn zugefroren? Benzin, Gas, Heizöl und Strom noch zu billig, liebe Niedersachsen? Arbeitsplatzverluste noch nicht dramatisch genug? Rentenalter noch nicht hoch genug? Zustände im Gesundheitssystem noch nicht desolat genug? Wirtschaftswachstum noch nicht gering genug? Steuerraub und Abgaben noch nicht dreist genug? Kriegsgefahr noch nicht akut genug? PISA-Studie noch nicht katastrophal genug? Infrastruktur noch nicht marode genug? Verschuldung noch nicht gewaltig genug? Supermarktpreise noch zu niedrig? Wer einfach seine Henker… Mehr
„Modder hast au de richtige Partei gewählt?“ – Die sind geistig völlig abgeschottet und keiner Information zugänglich. Die machen so weiter bis sie nichts mehr einkaufen können. Man kann sie auch Demokratiestatisten nennen.
Die ganze Wahl ein einziger Betrug durch SPDS und CDU.
Es wird sich in den meisten Rathäusern und Kreistagen in den nächsten 5 Jahren nichts ändern – auch nicht nach diesem Wahlergebnis! Denn: 65 Prozent wählen weiterhin die CDU, SPD und die Grünen, knapp 16 Prozent wählen die AfD! Die Menschen hier haben es noch immer nicht begriffen!
…. aber nu sind se wirklich Pleite … fast jede Kommune. Es wird spannend. Einige versuchen noch, mehr Geld von den Bürgern reinzubekommen. Mal sehen – es bleibt spannend.
„Während fast alle großen Parteien verloren, legte die AfD um fast 12 Prozent zu.“
Ganz falsch, werter Herr Tichy!
Die AfD legte um mehr als 245% zu.
Wolfsburg 50,1 % für den CDU Kandidaten. Na, scheinbar sind 100000 Arbeitsplätze in Gefahr noch viel zu wenig, es sollten viell. 300000 sein, bevor das Schlafschaf in Niedersachsen aufwacht, oder es kann natürlich auch sein, das auf sichere und gut bezahlte Arbeitsplätze zukünftig gar kein Wert mehr gelegt wird, und darum weiter Richtung Untergang und dafür mit verdoppelter Geschwindigkeit. Wie gesagt, der Wähler ist die letzten Jahrzehnte erfolgreich verdummt worden von der Politik und den ÖRR und er hat sich das selbstständige Denken abgewöhnen lassen.
Die AfD ist kein „gefährlicher Herausforderer“ sondern ein ernstzunehmender Herausforder!
Denn:
Die Distanz zur Lüge und das Aussprechen von Wahrheiten als demokratisches Gütesiegel ist das Alleinstellungsmerkmal der AfD.
Und genau das schaffen alle anderen Parteien nicht (mehr).
Die alte CDU = tot, im Meer ihrer Lügen abgesoffen, dabei ausgemerkelt und -gemerzt.
Die Neue CDU = AfD
Eine lebendige CDU-Wiedergeburt als AfD ist längst schon im politischen Erwachsenenalter in allen Parlamenten unaufhaltsam zunehmend anzutreffen.
Mit dem Suizid der kriminellen Altparteien per Merkelverguftung auf deren Antidemokratischer Brandmauer hat die AfD nichts zu tun.