Auch in Deutschland wird der Bedarf an Rechenzentren mittlerweile erkannt. Doch die brauchen Energie. Hierzulande besteht immer noch die Überzeugung, dass „erneuerbare“ Energien dafür bestens geeignet seien. Von Wolfgang Kempkens
picture alliance / Visually | Joerg Boethling
Schon für die Beantwortung einer einfachen Frage wie „Warum ist der Himmel blau?“ muss ein großes Sprachmodell Milliarden von Rechenoperationen durchführen. Dafür können schon ein paar Wattstunden draufgehen. Da Millionen Menschen künstliche Intelligenz dieser Art nutzen, nimmt der Rechenbedarf gigantisch zu, und der Strombedarf erreicht schnell den Multi-Gigawatt-Bereich. Um diese Anforderung zu bewältigen – und auch andere wie die Berechnungen im Zusammenhang mit Kryptowährungen –, werden immer mehr Rechenzentren gebaut.
Schwarz Digits in Bad Friedrichshall, die Digitalsparte der Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland), investiert massiv in Rechenzentren. In Lübbenau/Brandenburg entsteht eine Anlage mit einem Energiebedarf von 200 Megawatt, in Dummerstorf bei Rostock in Mecklenburg-Vorpommern für 5,6 Milliarden Euro sogar ein 240-Megawatt-Rechenzentrum.
Das entspricht dem Bedarf von Städten wie Bonn oder Augsburg. Es soll „im regulären Betrieb“ mit erneuerbarer Energie betrieben werden. Die in diesem Bundesland installierte Kraftwerksleistung liegt bei gut 11.000 Megawatt. Da fallen die 240 Megawatt des Rechenzentrums kaum auf.
Nur: Die volle Windleistung steht allenfalls 3000 Stunden pro Jahr zur Verfügung. Weitere 4000 Stunden weht der Wind schwächer, was für das Rechenzentrum allerdings noch locker reicht. Doch an bis zu 2000 Stunden pro Jahr ist der Wind so schwach, dass die Flügel der Generatoren sich allenfalls im Leerlauf drehen, also kein Strom erzeugt wird.
Die Sonne hilft dann meist auch nicht. Es muss also in nennenswerten Mengen Strom aus fossilen Kraftwerken genutzt werden, vor allem aus dem Steinkohlekraftwerk Rostock, das eine Nennleistung von gut 500 Megawatt hat. Da „MeckPom“ allerdings kaum andere Kraftwerke hat, die zuverlässig Strom erzeugen, müsste wohl Strom importiert werden, etwa aus anderen Bundesländern oder Polen, das ab 2038 (emissionsarmen) Atomstrom liefern könnte. Der Aufbau von Pufferspeichern für die Ausfallzeiten von Wind und Sonne sind nicht geplant. Das Rechenzentrum wird also das Klima belasten, auch wenn es seine Abwärme an das örtliche Fernwärmenetz abgibt.
In den USA laufen derartige Planungen anders. Crusoe, ein in Denver im Bundesstaat Colorado ansässiger Rechenzentrums-Entwickler, baut nicht nur die Anlagen, sondern sorgt gleichzeitig dafür, dass sie zuverlässig mit Strom versorgt werden. Erneuerbare Energie steht im Vordergrund, doch die wird ergänzt durch Batteriespeicher und Gasturbinenkraftwerke, die wenigstens den Basisbetrieb eines Rechenzentrums aufrechterhalten können.
Das – vorerst – spektakulärste Projekt soll auf dem Hafengelände von Victoria in Texas realisiert werden. Dort ist ein Ein-Gigawatt-Rechenzentrum geplant, das zunächst von einem neuen Gaskraftwerk mit Strom versorgt werden soll. Es wird von GE Vernova in Cambridge im Bundesstaat Massachusetts gebaut, einem Unternehmen, das 2024 aus der Aufspaltung des Mischkonzerns General Electric entstand. Es besteht aus zwei baugleichen Turbinen, die jeweils 500 Megawatt Strom erzeugen. Wenn eine wegen eines Schadens oder auf Grund von Wartungsarbeiten ausfällt, reicht der Strom der zweite Turbine noch für die Basisversorgung des Rechenzentrums.
2030 sollen sowohl das Rechenzentrum als auch die Stromversorgung in Betrieb gehen – vorbehaltlich einer positiven Investitionsentscheidung, die für 2027 erwartet wird. Anders als die Anlage in Mecklenburg-Vorpommern, die während des größten Teils des Jahres emissionsfreien Strom bezieht, belastet das Zentrum in Victoria die Umwelt ganzjährig. Doch das soll sich ändern. Drei Jahre später soll der erste Block eines 1,5-Gigawatt-Kernkraftwerks in Betrieb genommen werden, um den Gasgenerator und damit das Klima durch nahezu emissionsfreien Strom zu entlasten. Nach und nach werden vier weitere Blöcke mit einer elektrischen Leistung von jeweils 300 Megawatt Strom fertiggestellt und das Gaskraftwerk in die Reserve treiben.
Selbst wenn ein Kernkraftwerksblock ausfällt, reicht der Rest noch allemal für die Versorgung aus. Weil das Gaskraftwerk jederzeit einspringen kann lässt sich die Leistung des Rechenzentrums sogar noch deutlich ausweiten, ohne dass es zu Versorgungsengpässen kommen kann.
Die Kernkraftwerksblöcke vom Typ GVH BWRX-300 baut GE Vernova Hitachi Nuclear Energy in Wilmington im US-Bundesstaat North Carolina, ein Gemeinschaftsunternehmen, das General Electric (GE) und der japanische Konzern Hitachi 2007 gegründet haben. Der BWRX-300 ist ein fortschrittlicher Reaktor mit zusätzlichen Sicherheitsfunktionen. Der erste Block dieser Art wird derzeit am Standort Darlington von Ontario Power Generation in Kanada errichtet. Die Fertigstellung wird bis zum Ende des Jahrzehnts erwartet.


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„Anders als die Anlage in Mecklenburg-Vorpommern, die während des größten Teils des Jahres emissionsfreien Strom bezieht, belastet das Zentrum in Victoria die Umwelt ganzjährig.“
Unsinn wird durch ständige Wiederholung nicht richtiger: Das Kraftwerk in Victoria belastet die Umwelt nicht. Das CO2-Märchen ist und bleibt ein Märchen.
Ich verstehe jetzt ehrlich gesagt nicht wo das Problem sein soll? Offenbar haben beide Nationen die gleiche Strategie. Regenerative Energie first. Kann man gut finden, muss man aber nicht. Die USA speisen dann über Gas und Kernkraft die Energie und Deutschland über Windkraft/Solar und bei Bedarf aus Kohle/Kernkraft aus dem Ausland. Wo genau liegt jetzt das Problem? Genau dafür wurde das europäische Verbundnetz geschaffen. Und die Tatsache, dass hier mal wieder nicht mit Großbatterie-Speichern gepuffert wird, liegt an der Tatsache, dass unsere Bundesnetzagentur es, obwohl dicke GIGAWATT Projekte an der Rampe stehen, es immer noch nicht gedengelt bekommt herauszufinden, ob… Mehr
Naja, bei einer Dunkelflaute kaufen Sie den Strom sicher nicht billig im Ausland. Da sind Sie nicht der Einzige der Strom braucht. Überschussstrom bis zu einer gewissen Menge zu speichern wäre sinnvoll, dann wird‘s teuer (was kostet der Speicher, wie oft wird wieviel davon benötigt). Das nahegelegene Kohlekraftwerk kann nicht rapid hochgefahren werden. Gasturbinen (wie sie auch Musk derzeit benutzt) wären sinnvoller. Die beste Lösung, KKW, haben wir mutwillig zerstört.
Ergänzung, gerade im Artikel von Alexander Wendt über die 12 größten Fehler von D gelesen:
“Ab 2027 müssen Datenzentren nämlich zu 100 Prozent Energie aus erneuerbaren Quellen beziehen, aber wiederum nicht aus per EEG gefördertem Strom. Die Betreiber sollen ihn bilanziell durch Stromtausch aus Ländern wie Norwegen beschaffen“
Na denn…
Werden diese Zentren ohne Energiegarantie gebaut? Ich als Unternehmer würde in D ohne Absicherung kein Rechenzentrum hochziehen. Aber vielleicht ist der Import ja sicher. Wird das Zentrum seine Leistung aufgrund der Stromkosten überhaupt wettbewerbsfähig auf den Markt bringen können?
Alle diejenigen, die keinen Strom ziehen fürs Heizen und Herumfahren helfen mit. An denen werden sie noch froh sein.
Fragt mal Analena..:-) Mit ihren Kobolden im Netz..:-) Wird was Gründe haben das sich Analena.. Robert.. Karlchen.. Jobs in den USA Gesucht haben.. Glauben selber Irgendwo nicht an Kobolde.. Im Gegensatz zum Deutschen Michel.. Schildbürger.. Hauptsache was.. Habe meien Job Gemacht.. Die Schildbürger.. Ich Säge mir meien Eigenen Ast ab.. Glauben mir bei Anne Will und Konsorten.. im ÖRR.. Hauptsache ich mache Meine Kohle.. Mache meine Job.. Und dann was in den Entsatz.. USA.. Anne Will.. Und Rest der Konorten.. des ÖRR.. Job Done.. Abflug.. In die USA.. Don’t Panic..:-) Meine EinflugBerechtigung als WeServed.. Ist Härter..:-) Semper Fi..:-) 557 USAAG… Mehr
Das ist Unsinn. Die Angabe Volllaststunden ist bereits die Umrechnung der GESAMTEN Erzeugung eines Windrades in einem bestimmten Zeitraum, auf die Zeit, die es benötigen würde, wenn es mit maximaler Leistung liefe.
3000 Volllaststunden ist schon sehr hoch gegriffen. 2025 erzielten alle Windräder im Durchschnitt gerade einmal ~1.800 Vollaststunden. Erzeugten also nur ~20% dessen, was theoretisch, also bei 8760h mit der installierten Leistung, möglich gewesen wäre.
Ich war heute auf der Sirnitz im Südschwarzwald, um mir mal die modernen Windmühlen vor Ort anzuschauen. Interessant was da in den schönen Schwarzwald gestellt wird. 5 Windmühlen sollen es einmal sein. Hierzu mussten breite Zufahrtswege und riesige Flächen geschaffen werden. Auffallend war die Windstille, die an diesem Sonntag herrschte. Kein Blatt und Zweig bewegte sich mangels Wind. Gut es war Sonntag, da macht der Wind auch mal Pause. Dafür wird er unter der Woche um so mehr aktiv sein. Die Experten haben das sicher alles fein säuberlich noch mit dem Rechenschieber berechnet. Als ich wieder zuhause war, hat mir… Mehr
Warum lese ich kein Wort über unsere geniale Energiestrategie?
Wenn in ein paar Jahren Strom benötigt wird, wird dieser ganz einfach mit Wasserstoff erzeugt.
Wir werden dann sicher der Nabel der Welt sein, was Rechenzentren angeht. Ich hoffe nur, D ist groß genug dafür.
Hier, https://www.tichyseinblick.de/meinungen/hightechland-bayern-windraeder-aber-kein-zuverlaessiger-strom/, hat Holger Douglas es doch schon beschrieben.
Ist fast vor meiner Haustür.
So wie das in Deutschland läuft, werden die neuen „Rechenzentren“ mit Abakus und Rechenschieber betrieben.
Da reicht schon ein Fahrrad- Dynamo.